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Revolutioniert DIAGEO mit „Whiskey Union“ das Whisky-Genre?

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Bildquelle: DIAGEO

Man kann über DIAGEO sagen, was man möchte. Kurzfristiges Melken einzelner Brennereien, leere Marketing-Phrasen oder auch überteuerte Premiumisierung eines Marktes. Was man dem internationalen Konzern auf ihrem Weg zu mehr Marktanteilen aber nicht vorwerfen kann, wäre fehlende Innovation. Eines der Beweise hierfür ist deren neuestes Projekt „Whiskey Union“.


Ein Konzern, dem ein Großteil der schottischen Whisky-Betriebe gehört, hat ohne Frage eine gewisse Marktmacht. Und hier beziehe ich mich nur auf deren Scotch-Portfolio. Alle anderen Produkte sämtlicher Genres einmal außen vor gelassen.

Diese überwältigende Präsenz verlangt allerdings auch Fortschritt, Innovation und das Aufbrechen von starren Kategorien. Denn wenn es der Marktführer nicht macht, wird es jemand an seiner Stelle tun. All dies scheint DIAGEO bewusst zu sein. Ihr neues Projekt „Whiskey Union“ soll es realisieren.

Aber was genau tüftelt der Spirituosen-Riese seit kurzem hinter jenem Decknamen? Das Unternehmen fasst ihre neue Getränke-Plattform Whiskey Union kurz und prägnant zusammen: „invent new taste, genres and whiskeys to realise a brave new world of whiskey„.

Anders formuliert: DIAGEO möchte unter jenem Label den Geschmack von Whisky revolutionieren und gleichzeitig noch das gesamte Genre umkrempeln. Ganz schön ambitioniert, würde ich sagen.

Auffällig ist die Schreibweise des Begriffs „Whiskey“, den das Unternehmen für sein Projekt verwendet. DIAGEO entscheidet sich anscheinend bewusst für den angloamerikanischen Begriff des Destillats, der sowohl für Produkte aus den USA als auch Irland verwendet wird.

Seltsam erscheint dabei jedoch die Tatsache, dass der Spirituosen-Riese mit Bulleit gerade einmal einen US-Whiskey im Portfolio hat. Und einen Iren gibt es seit dem Verkauf von Bushmills 2014 in deren Angebot schon gleich gar nicht mehr. Dem gegenüber stehen allerdings 25 strategische Scotch Whisky-Marken, die unter der Führung von DIAGEO laufen. In welchem Genre möchte man da nun die Grenzen aufreißen?

Einen kurzen Vorgeschmack lieferte das Unternehmen vor kurzem bereits auf dem deutschen und österreichischen Markt: mit einem Blended Scotch Whisky namens Smoky Goat (zu deutsch: rauchige Ziege) mit einem Alkoholgehalt von 40 %Vol. und einer zweiten Abfüllung namens Boxing Hares („boxende Hasen“). Letztere kommt mit 35 %Vol. in die Flaschen und wurde aus Scotch und Hopfen hergestellt. Ob es sich dabei um einen klassischen Bierbrand handelt, ist allerdings nicht bekannt.

Beide Produkte wurden kürzlich in Berlin, Hamburg, München und Wien für 25,99 Euro bzw. 23,99 Euro eingeführt.

Das dritte Produkt, dass DIAGEO für Whiskey Union in der Pipeline hat, trägt den Kategorienamen Rare Genus Whiskey, was so viel bedeutet, wie „Whisky der seltenen Gattung“. Diese als Huxley bezeichnete Abfüllung ist ein Hybrid aus Scotch, Canadian und American Whiskeys. Für diesen müssen wir uns aber noch bis 2016 gedulden.

Was bedeutet Whiskey Union am Ende für uns, die Kunden?

Ohne Frage: spannende neue Produkte mit Diskussionspotential. Qualitäten, die vielleicht sogar Trends setzen und Tore öffnen für anderen Produzenten. Jene Destillate bzw. die damit einhergehende Entwicklung sollte allerdings auch mit Argus Augen beobachtet werden. Denn zweifelsohne bieten jene Kategorien auch die Möglichkeit Produkte, die man nicht unter das Volk gebracht hat, irgendwo anders unterzumischen.


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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3 Kommentare für Revolutioniert DIAGEO mit „Whiskey Union“ das Whisky-Genre?

  1. kallaskander 23. November 2015 zu 14:04 #

    Hi there,

    um deine Frage zu beantworten: Nö, tun sie nicht.

    Greetings
    kallaskander

  2. 1968superingo 26. November 2015 zu 13:22 #

    Hat der geneigte Whiskyliebhaber wirklich auf die neuen (revolutionären?) Abfüllungen von Diageo gewartet? Ich mag daran nicht so glauben. Na ja, irgendwie muss die konzerneigene Riesenmarketingabteilung ja ausgelastet werden ….

  3. kallaskander 27. November 2015 zu 15:20 #

    Hi there,

    ich habe heute die Boxing Hares und den Smoky Goat probiert.

    Leider die Hares zuerst…. eine unbestimmte Note von Süß, am ehesten Honig oder so was. Nach Liqueur aber nach welchem? Hopfen? Nicht zu finden. Malz schon eher, das bringt wohl diese Süße.
    Erinnert irgendwie am ehesten an … Eiswein, zumindest an einen, den ich irgendwann mal getrunken habe, ohne daß ich die Rebsorte nennen kann.

    Danach war der Smoky Goat recht flach… im Aroma muß man Rauch vergeblich suchen. Im Geschmack wird er trockener, da könnte eine Ahnung von Rauch sein.

    Flach, trocken und sehr kurz im Nachklang. Typisch blend.

    Sehr leicht und ziemlich ätherisch um nicht zu sagen flüchtig.

    Bestimmt keine Revolutionen, zumindest nicht wenn man an whisky denkt.

    Greetings
    kallaskander

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