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Feldzug der Gerste: Bruichladdichs neuer 2009 Islay Barley

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Bildquelle: Bruichladdich

Fan der Scotch-Brennerei Bruichladdich zu sein, wird einem nicht immer leicht gemacht. Das Portfolio ist schwer zu überblicken, die einzelnen Qualitäten meist jedoch hervorragend. Die Destillerie scheint in vielerlei Hinsicht ihren eigenen Stil zu fahren. So auch bei ihrem Scotch-Projekt „Terroir matters“. Und dieses bekommt nun mit dem Islay Barley 2009 Zuwachs.


Dass „Terroir matters“, also das Boden und Klima Aroma und Qualität eines Weines maßgeblich beeinflussen, ist keine Zeile mehr Wert. Ob Boden und Klima jedoch maßgeblich Bouquet und Geschmack eines Scotch Whiskys tangieren, ist hingegen ein schon viel heißeres Eisen. Eine These, die ordentlich viel Diskussionspotential liefert. Und genau in dieses Horn bläst die Scotch-Destillerie Bruichladdich mit ihrem neuen Islay Barley 2009.

Wichtige Voraussetzung: die verwendete Gerste stammt ausschließlich von der Insel Islay. Würde die Brennerei, wie in der Industrie Usus, überregionale oder gar Import-Gerste verwenden, wäre die Frage nach regionalem Charakter in Bezug auf den Rohstoff dahin.

Bruichladdich geht sogar noch einen Schritt weiter und ergänzt nicht nur das Erntejahr, sondern zugleich Gehöft und dessen Besitzer.

  • Gilbie McCormick/Claggan,
  • Hunter Jackson/Cruach
  • Ian McKerrell/Island
  • Alastair Torrance/Mulindry

2012 übernahm der französische Spirituosen-Konzern Rémy Cointreau die Führung bei Bruichladdich, kaufte Brennerei und Rechte. Im Zuge dessen, wurde das teils nebulöse Portfolio der Destillerie umgekrempelt und teils vereinfacht. Neben der stark getorften Octomore-Serie, der leicht getorften Port Charlotte-Reihe, gibt es schlussendlich noch die ungetorfte Version. In allen 3 Serien erscheinen wiederum die beiden Qualitäten Scottish Barley und Islay Barley.

Soviel zur Unternehmensstrategie im Kernportfolio.

Für eben jene ungetorfte Serie schickte Bruichladdich gestern die offizielle Mitteilung in den Internetäther, dass der 2009er Jahrgang des Islay Barley von nun an zur Verfügung steht. Abgefüllt wird dieser mit einem Alkoholgehalt von 50 %Vol. Preislich befindet er sich umgerechnet bei rund 70,- Euro je 0,7 Liter.

Bruichladdich macht dies unter der Führung von Rémy Cointreau ganz geschickt. Man verzichtet, wie auch beim aktuellen 2009 Islay Barley auf konkrete Reifungs- und Fassangaben. Der geschmackliche Fokus soll auf dem Getreide liegen. Eine geschickte Idee, wenn man bedenkt, dass seit der Wiedereröffnung der Brennerei 2000/2001 bisher noch nicht massig alte Whisky zur Verfügung stehen.


 

 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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6 Kommentare für Feldzug der Gerste: Bruichladdichs neuer 2009 Islay Barley

  1. sawgf 9. Dezember 2015 zu 17:52 #

    So kann man einen jungen Whisky zu überhöhten Preisen natürlich auch an den Mann bringen…

  2. Matthias 10. Dezember 2015 zu 11:56 #

    Whisky ist mehr als die Summe seiner Zutaten, würde ich mal das berühmte Zitat eines alten Griechen abwandeln, und dennoch wird einer Hauptzutat, dem Getreide, bzw. dessen Herkunft, immer noch sehr wenig Beachtung geschenkt. Bedenke man bloß welchen Einfluss die Hefen auf den Geschmack der fertigen Destillate haben.
    Es hängt nicht alles am Fass, und das man bei Bruichladdich die noch nicht so begangenen Wege beschreitet, gereicht den Machern vor Ort eher zum Ruhme als zur Häme.
    Und überteuert, und jung, und Marketing, meine Meinung dazu ist: nur wer mitspielt kann gewinnen. Allen anderen kann es aber doch egal sein.
    Ausserdem, wer kann den mit absoluter Sicherheit sagen, dass dieser Whisky nicht auf der Höhe seiner geschmacklichen Reife ist?? Zur Fasswahl hält man sich ja bedeckt und bisher hat in ausser seinen Vätern noch keiner verkosten dürfen.
    Also eine Flasche kaufen, aufmachen, zurücklehnen und verkosten, und dann können wir darüber diskutieren ob diese Abfüllung überteuert ist oder nicht. Wobei das Ganze dann auch wieder jeglicher Objektivität entbehren muss, da Geschmack bekanntlich subjektive ist.

  3. sawgf 10. Dezember 2015 zu 14:17 #

    „…und dennoch wird einer Hauptzutat, dem Getreide, bzw. dessen Herkunft, immer noch sehr wenig Beachtung geschenkt. ..“

    Den Grund dafür kann man bereits im ersten Buch, dass ich aus dem Regal genommen habe, finden. Michael Jackson, Malt Whisky, Ausgabe von 2012, Seite 37.

    Der Einfluss ist einfach zu gering, als dass es von Belang wäre. Und selbst wenn die Gerstensorte 100% des Geschmacks ausmachen würde, das hat doch auf den Endpreis keine Auswirkung. 70€ für diesen Whisky ist blanker Hohn und nichts als Marketing.

    • Philip Reim 10. Dezember 2015 zu 14:30 #

      Hallo sawgf,

      ich gebe dir in der Hinsicht Recht, dass Gerste bzw. dessen Malz bei Standard-Whiskys eine untergeordnete Rolle beim finalen Geschmack/Bouquet spielt. Nicht zuletzt, weil es erstens durch das Fass großteils überlagert wird, die Hefe ordentlich Aromen beisteuert und die Gerste in erster Linie von der Destillerie nach möglichst hohem Alkoholausstoß ausgewählt wird. Es gibt allerdings einige Beispiele, bei denen der aromatische Einfluss der Gerste durchaus eine Rolle spielt. Woodford Reserve hat vor einiger Zeit hier mal paar schöne Beispiele in ihrer Malt-Serie gebracht. Den Unterschied merkt man aber auch deutlich, wenn man einige Bruichladdichs quer verkostet. Ob das letztendlich den Preis rechtfertigt, steht auf einem anderen Papier.

      Gruß Philip

  4. kallaskander 10. Dezember 2015 zu 14:18 #

    Hi there,

    laßt mich mal mit einer anderen Quelle antworten.

    http://www.finest-spirits.com/spirits/whisky/nas-no-age-statement-flavour-ledcontroverse-oder-entwicklung.html

    „Meine persönliche Meinung zu diesem Thema ist ein wenig zwiegespalten. Verstehen kann ich durchaus, wenn ein Whiskyliebhaber plötzlich, statt seines gewohnten 12jährigen GlenMacmore einen GlenMacmore ohne Altersangabe vorgesetzt bekommt, dieser ihm nicht schmeckt, er aber statt bisher 35 Euro für den 12 jährigen, 34,99 für die alterslose Abfüllung bezahlen soll. Das erinnert an die Lebensmittelverpackungen, bei denen statt 100 Gramm plötzlich nur noch 85 Gramm in der Schachtel sind, aber der Preis gleich bleibt.

    Nicht verstehen kann ich allerdings allgemeine Generalverurteilungen und Aussagen á la „Da sind nur junge Whiskys drin, die taugen alle nichts!“ Was garantiert mir denn das Alter von 10, 12, 15 oder gar 30 Jahren auf der Flasche? Doch nur, dass dieser Whisky mindestens jene Anzahl von Jahren in einem Fass gelegen hat….nicht aber, dass er automatisch gut ist. Ein schlechter Whisky bleibt ein schlechter Whisky, ob 4 Jahre im Fass gelagert oder 20. “

    Den oberen Teil kann ich unterschreiben, den unteren lasse ich als Entschuldigung nicht gelten. Niemand, wirklich so ziemlich niemand, behauptet ernstlich, dass Alter eine Garantie für Qualität sei. Daß am Ende nur der Geschmack entscheidet, entwickelt sich zum Totschlagargument und zur immer gleichen vorauseilende Rechtfertigung.

    Ich bezweifle das NAS whiskies wirklich nur aus whiskies bestehen, die unter 10 Jahren alt sind.
    Da bin ich ein Vertreter der von Compass Box losgetretenen Transparenz Debatte.

    Wer sich eingehender mit whisky Herstellung beschäftigt wird immer aus Erfahrung sagen, daß 60-70% des Geschmacks vom Faß kommt.
    Sicher bestimmt auch die Gerste, was die Startvoraussetzungen für die geschmackliche Richtung sind aber entscheidend ist sie wahrscheinlich sogar nur, wenn ich den daraus gemachten whisky jung abfülle.
    Nach 10 oder mehr Jahren im Faß wird wohl kaum jemand mehr sagen können, oh der ist aus Optic Gerste und der ist aus Golden Promise oder wie die heute sonst heißen.

    Alles blind bezahlen und nicht sorgfältig auswählen kurbelt die Preisspirale nur an.

    Greetings
    kallaskander

  5. kallaskander 11. Dezember 2015 zu 13:18 #

    Hi there,

    die Diversa ist eine Agentur von Underberg und Remy Cointreau.

    Hier wird ihr Produkt so dargestellt.

    http://www.about-drinks.com/bruichladdich-islay-barley-2009-spannende-parallelen-zwischen-single-malt-whisky-und-spitzenwein/

    „Jedoch braucht auch ein Bruichladdich, wie jeder hervorragende Whisky, sehr viel Reifezeit in der Stille der Warehouses am Loch Indaal, weshalb die geschmackvolle Umsetzung dieser Terroir-Idee den Genießern erst seit wenigen Jahren zugänglich ist.“

    Seltsam dann, das Bruichladdich nur noch NAS whiskies im Angebot hat. Also whiskies mit nicht all zu viel Reifezeit. Wie sieht es da mit dem Hervorragen aus? Wo hervor? Und wen interessiert da das Terroir?

    Greetings
    kallaskander

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