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Sind Blended Malt Whiskys ein Trend oder die Zukunft?

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Bildquelle: Sergey Norin/FlickR

Ein guter Whisky, ist ein Whisky, der sich verkauft. Dieses Credo lässt sich abgewandelt auf nahezu jeden Industriezweig übertragen. Dem untergeordnet ist dann auch erstmal die Frage, welcher Whisky überhaupt verkauft wird. Single Malts oder Blended Whiskys? Oder sind vielleicht Blended Malts das neue große Ding der Whisky-Industrie? 


Vielleicht muss man sich zu Beginn erst einmal ins Gedächtnis rufen, warum es Blended Whisky überhaupt gibt. Vor der Erfindung des Grain Whiskys gab es nur Single Malts und den Versuch, manch nach dem damaligen Publikumsgeschmack missratenes schottisches Destillat mit Honig, Kräutern und auch durchaus gefährlichen Beimischungen zu etwas Trinkbarem zu machen.

Als der schottische Whisky durch die Reblausplage in den 1840ern zu seinem Siegeszug aufbrach – die Engländer und wohlhabenden Schotten hatten bis dahin französischen Brandy oder Cognac getrunken, der nun schnell zur Neige ging – fand man viele der ersatzweise probierten schottischen Malts als zu individuell und zu rau, ungeschliffen und wild, um ihn guten Gewissens an Gentlemen „south of the border“ verkaufen zu können. Nicht dass es nicht einige Gentlemen gegeben hätte, die das Wagnis eingehen wollten.

Und die Idee mit den verschiedenen Beimischungen hatte sich auch nicht so bewährt. Es entstand die Idee den individualistischen schottischen „Highlander“ trinkbarer und ansprechender zu machen. Mischen – wenn auch nicht mit Whisky –  war wie gesagt eine bekannte Technik. Als der Grain Whisky als Zutat erfunden worden war, gab es daher kein Halten mehr.

Die Malt Distiller haben den Grain bekämpft und versucht, ihm die Bezeichnung Whisky abzuerkennen. 1906 brachte das Islington Borough Council den „What is Whisky?-Fall“ ins Bewusstsein der Welt, die Frage von Malt gegen Grain. Ein Amtsgericht entschied zu Gunsten der Malt Whiskys, aber die D.C.L als größter Grain-Hersteller bestand auf einer Royal Commission. Diese Royal Commission on Whisky entschied 1908: „grain and malt blended to make Scotch whisky“.

Kurz, beim Blenden ging und geht es ursprünglich um die Beseitigung von Eigenheiten, von Unerwünschtem, um das Kaschieren von Individualität, um Nivellierung und wenn man böse sein wollte: um Gleichmacherei.

Und ums Geld, denn nicht umsonst werden Blends mit industriell erzeugten, auf bis zu 94,8%Vol hochgebrannten Grain Whiskys gemischt, deren Anteil um die 60% vom alkoholischen Anteil im Blend liegt.

40% vom alkoholischen Anteil machen meist die aromagebenden Malts aus, die aus bis zu 40 verschiedenen Destillerien stammen können – oder auch mehr.

Diese Mischung aus 40% aromagebenden Malts und 60% Grains wird dann mit Wasser auf 40% Mindesttrinkstärke reduziert und das zusammen, hoher Grain-Anteil und Reduzierung des Ganzen auf 40%, erklärt den oft ziemlich kurzen Nachklang von Blends – egal welcher Preisklasse.

Beim Blend geht es ganz klar vor allem um die Vermeidung von geschmacklichen Risiken, um Nivellierung von Eigenheiten, um Ausgleich und in diesem  Ausgleich um Konstanz. So entsteht aus einem Geschmack, der über Jahrzehnte gleich ist, eine Marke. Und streng geheime Rezepte, die nur wenige Menschen auf der Welt kennen. Master Blender zu sein ist eine Kunst, keine Frage und kein Zweifel.

Wenn man die Vereinheitlichung und die Verwischung von Eigenheiten und Charakter beim Blend als den einen Pol bei Whisky sehen will, so ist die höchst individuelle, unverfälschte Single Malt Single Cask-Abfüllung, straight from the cask, also non chill-filtered, natural colour und ohne Reduzierung mit Wasser der andere Pol.

Individueller und unter Umständen auch gewöhnungsbedürftiger, geschmacklich unverwechselbarer und vielleicht nicht mehr wiederholbarer, bei vollem geschmacklichem Risiko, geht es nicht mehr.

WAS BRINGEN BLENDED MALTS?

Pure Malts oder Vatted Malts, seit 2009 Blended Malts, eine Mischung oder ein Vatting von Malts verschiedener Destillerien ohne Grain Whisky Zugabe sind kein Hexenwerk. Sie fallen bei der Produktion von Blended Whisky ohnehin an bzw. sind dabei leicht abzuzweigen.

Viele Blended Whisky-Hersteller haben ihren Kunden das Angebot gemacht, einmal den malt Anteil der Blends ohne Grain Whisky zu probieren oder haben wenigstens die Hauptmalts in ihren Blends als einen Zwischenschritt bei der Blend-Herstellung abgezweigt und als Pure Malt angeboten.

Berühmt: der Johnnie Walker Green Label – der nach einigen Jahren der Abwesenheit gerüchteweise 2016 wieder auf den europäischen Markt zurückkommen soll –  Ballentine hat einen Pure Malt ebenso wie Famous Grouse oder J&B den J&B Exception 12 Jahre – Pure Old Malt Whisky. Nicht zu vergessen etwa auch den Six Isles.

Anders verhält es sich mit den Blended Malts, die mit dem Anfang des Whisky-Booms in den beginnenden 2000ern erschienen. Zu nennen ist hier John Glasers Compass Box Company, die ihre Malts aus DIAGEO Quellen bezieht, wo John Glaser einmal gearbeitet hat. Oder aber die recht kurzlebige The Easy Drinking Whisky Company von Jon, Mark and Robbo, gegründet 2002 von Mark und Jon Geary und David “Robbo” Robertson, der auch mal Master Distiller bei Macallan war. Sie wurden angeblich von William Grant & Sons beliefert, möglicherweise auch von Edrington oder dem Joint Venture von Edrington und Grant, The 1887 Company.

Diese Firmen traten – wie manch andere – an, die Whisky-Landschaft zu revolutionieren. Ihr Geschäftsmodell waren Blended Malts mit jeweils ein paar Fässern aus zwei, drei oder auch mal vier Destillerien. Das galt zu seiner Zeit als äußerst innovativ, trendy, ja revolutionär, obwohl das Prinzip keine neues war.

Es ist allerdings viel risikoreicher, einige wenige Casks zu vermischen, als einen Blend aus dutzenden Malts plus Grains zu machen. Bei wenigen Fässern hat man keinen so großen nivellierenden Effekt. Oder anders: Die Masse in der Unerwünschtes oder gar Störendes untergehen oder verschwinden könnte, ist nicht so groß wie bei einem Blend aus 40 Malts und Grains.

Es gab da mal einen Glenfarclas aus zwei Port Fässern, weil George Grant kein Einzelfass alleine verkaufen wollte. Dieser konnte das Risiko sehr schön veranschaulichen. Ist schon länger her.

Im Gefolge von Compass Box kamen natürlich Nachahmer. Dinge wie die Blended Malts von Douglas Laing in der Double Barrel Serie und die Vatted-Abfüllungen von Clan Denny, sowie der Big Peat. Die wenigen Abfüllungen als Glen Deer von William Grant & Sons, die Lost Distilleries Abfüllungen als Blended Malts der The Lost Distillery Whisky Company, die Poit Dhubh von Prabàn Na Linne Ltd. oder den Yula von Douglas Laing in neuerer Zeit. Kurz: mit der Ausnahme von Compass Box war das Angebot  bisher eher überschaubar.

Blended Malts sind insofern interessant, als dass sie die Malt-Komponenten ohne Grain in einem Whisky darstellen. Das kann interessant sein – für den der oft einen bestimmten Blend trinkt, z. B. beim Johnnie Walker mit dem Green Label. Stellen sie aber eine eigenständige, nachhaltige und dauerhafte Whisky-Kategorie dar?

Die Frage, wieso ständig neue Whisky-Kreationen erfunden werden müssen, beantwortet  sich so aber nicht. Sicher kann es spannend sein, Malts, die sonst nichts miteinander zu tun haben – z. B. auch nie gemeinsam in einem Blend verwendet wurden – zusammen zu zwingen.

Der Zwang zur stetigen Innovation, vorgegeben von Marketing-Strategen im Kampf um Marktanteile, kann bei Single Malts von den Destillerien alleine nur begrenzt befriedigt werden: Altersstufen, Cask Strength, Jahrgangsabfüllungen, Finishings oder alle Jahre eine neue Ausstattung,  Flasche oder Verpackung – aber natürlich immer aus der gleichen Destillerie, da es ja um Single Malts geht. Da ist nicht so viel mit Innovation und ständiger Novität. Geduld, der Begriff NAS kommt schon noch.

Bei Vatted Malts dagegen scheint es scheinbar unendliche Möglichkeiten für „Innovatives“ zu geben. Das ist aber Augenwischerei. Es ist nichts wirklich Neues in den unendlich erscheinenden  möglichen Kombinationen aller schottischen Single Malts in immer neuen Variationen untereinander.

Das hat etwas mit der Ausschöpfung des Marktes zu tun. An anderer Stelle hatten wir geschrieben:

„Bei Büchern – Sie erinnern sich, Bücher? –  gibt es etwas, was sich Marktabschöpfung nennt. Von ein und demselben Buch gibt es die kartonierte Taschenbuchausgabe, den festen Kartoneinband im normalen Buchformat, Leinen gebunden bis zur in Leder gebundenen Ausgabe. Immer dasselbe Buch aber in vier Varianten. Für jeden Geldbeutel eine passend.

Das geht mit einem 10 oder 12 jährigen Whisky oder Rum oder mit Gin-Marken nicht. Hier würde niemand die teuerste Version im Dekanter kaufen, wenn der Inhalt immer derselbe ist wie in der PET Flasche…  Na ja, das wäre dann die Taschenbuchausgabe.

Daher gibt es von den Destillerien zur Abschöpfung der Märkte neben dem 10 Jährigen eine Range von Qualitäten verschiedenen Alters. Das funktioniert im Normalfall genauso wie die Varianten bei den Büchern.

Bruichladdich hatte da mal eine andere Idee. Den Markt erst zu verbreitern und dann die Früchte der Arbeit abzuschöpfen: den Celtic Nations Islay and Ireland 5 Jahre Blend. Der Background und die Idee dahinter waren schlüssig.

Im 9. Jahrhundert kam wahrscheinlich die Kunst des Destillierens von Nordirland nach Schottland. Um diese Tatsache und das heute durch Emigration in aller Welt verbreitete Keltentum zu feiern, hatte Bruichladdich ein Vatting aus leicht getorftem 1994er Bruichladdich, 1999er Peated Malt von Cooley und laut Datenblatt auf der Laddie-Homepage, stark getorftem Port Charlotte hergestellt. Gesamttorfgehalt ungefähr 18ppm.

Auf der Flasche war nur von „an Irish Single Malt“ die Rede und Cooley wurde mit keiner Silbe erwähnt.  Andererseits war das auch folgerichtig, denn Bushmills wäre in jeder Beziehung viel naheliegender, aber so traf Connemara auf Islay.

Da es echte und ausgewanderte Kelten in aller Welt gibt, war ein bretonisches und ein kanadisches Vatting, letzteres mit Glenora Distillery geplant. Dann gibt es noch Wales, Cornwall, sowie Neuseeland, Australien… Angeblich seien insgesamt 9 Editionen geplant gewesen. Soweit die Theorie.

Fast hätte man es vermuten können, „the process of blending the scotch and the Irish spirits has been banned by the SWA“. Hat sich was mit Celtic Nations! Die Scotch Whisky Association (SWA) hat dem ein Ende gemacht. Also ist dieser Malt jetzt schon ein Sammlerstück.

Da sind wir doch mal gespannt, was diese SWA zu dem geplanten DIAGEO Huxley sagen wird, einem Crossover von Scotch, American und Canadian Whiskys… aber inzwischen sind die Bosse von DIAGEO auch die Bosse der SWA.

Zurück zum Thema. Wir haben die beste aller Whisky-Zeiten erlebt und haben sie hinter uns gelassen. Die Breite des Angebotes und die Reichweite der Jahrgänge, die verfügbar sind, sind rückläufig. Es gibt sie zwar noch, die sehr teuren Abfüllungen aus den 1970ern und 1980ern, aber nicht mehr in der Breite wie noch vor fünf Jahren.

Stattdessen wird Breite mit immer mehr No-Age-Statement, NAS, Abfüllungen simuliert – was an sich schon ein Zeichen für die Veränderung der Whisky-andschaft seit 2010 ist und belegt, dass es viel zu wenige Fässer mit vor allem reifem Whisky gibt.

Es gibt durchaus viele Fässer mit jungem, aber nicht reifem Whisky, denn in der Zeit, in der der Horizont der Whisky-Welt am weitesten war, wurde auch kräftig investiert, gebaut und erweitert. Aber die Früchte dieser Kapazitätssteigerungen haben bisher nicht das magische Alter von 10 Jahren erreicht.

Noch heute bekommt die Whisky-Industrie Krämpfe, wenn sie das wahre Alter eines Whiskys auf das Etikett drucken soll und dies unter 10 Jahren liegt.

Hingegen schreiben sie immer noch gerne 12 oder 15, viel lieber noch 30 Jahre drauf… denn dann gibt’s richtig Geld.

KAUM BEKANNT: TEA SPOONED MALTS

The dirty little secret of the Scotch industry is they’ve become addicted to high prices, but they’ve run out of old whisky“ wie es Ian Buxton ausgedrückt hat, wird so langsam zu meinem Lieblingszitat über Whisky. Ja, auch das ist recycelt, aber es ist so treffend.

Werden also Blended Malts die Single Malts des kleinen Mannes? Eher nicht, denn das ist alles auch schon ganz schön teuer, besonders wenn man die bunten Smarties Blends und Vattings vom wieder erstandenen unabhängigen Abfüller Murray McDavid ansieht.

Was will uns der Dichter mit seinen Worten sagen? Beim Blend, auch beim Blended malt, geht es um die Beseitigung von Individualität. Die beteiligten Single Malts in einem Blended Malt tragen zum sensorischen Ergebnis bei, sie sind aber nicht mehr als Individuen erkennbar. Und nicht mehr als Single Malt verkaufbar.

Auf technischem Level wird das sogar gewünscht, bei den „tea spooned malts“. Tea Spooned Malts sind Single Malts, denen eine winzige Menge eines anderen Malts in das einzelne Fas hinzugegeben wird. Der eine Löffel, daher der Begriff „teaspoon“, verändert natürlich den Charakter des Fasses und des darin enthaltenen Single Malts nicht. Da er ohnehin für Blends vorgesehen ist, machte das auch überhaupt nichts aus. Aber der „teaspooner“ verhindert damit, dass unabhängige Abfüller, oder sonst wer, seinen Single Malt unter seinem Markennamen anbieten können. Das hat etwas mit Kontrolle, vielleicht sogar etwas mit Qualitätskontrolle zu tun.

Diese „teaspooned malts“ erhalten dann auch eigene Namen wie Burnside, Wardhead, Westport usw. Allen gemeinsam ist, dass durch diese Technikalität die Individualität der Malts quasi technisch beseitigt wird. Eventuell könnte man diese zu einem gewissen Grade wieder gewinnen, indem man einen Blended Malt macht. Wie?

Ein Blended malt aus den „teaspooned malts“  Burnside, Wardhead und Westport könnte auf seine Etiketten schreiben „Ein Blended Malt aus Balvenie, Glenfiddich, Glenmorangie und Glen Moray“ wobei Glen Morray als teaspoon-Anteil im Westport eine zu vernachlässigende Rolle spielen würde. Der Blended Malt wäre, was die Malts angeht völlig korrekt bezeichnet, denn diese Malts sind enthalten, der Balvenie als teaspoon im Glenfiddich und umgekehrt. Alles legal und proper und ein großes Blenders Malt Recycling. Damit ließen sich als Blenders Malt gekaufte Fässer, was die bekannten Markennamen angeht, wieder nutzbar machen… und entsprechende Preise verlangen.

Ein weiteres „dirty little secret“ der Whisky-Industrie muss man hier erwähnen. Etwas, das jeder dort weiß, aber worüber niemand dort gerne spricht: fillers oder filling malts. So schreibt Charles MacLean am 01. Juli 1998 auf der Seite der Scotch Malt Whisky Society:

The classification of malt whisky.
By the late 19th Century three further ‚Whisky Regions‘ were recognised: Campbeltown, Islay and Glenlivet – the latter approximating to our Speyside. This simple division was all that was required by blenders who divide Highland malts into ‚Top‘, ‚First‘, ‚Second‘ and ‚Third Class‘ for blending purposes – broadly speaking the dozen ‚Top Class‘ malts (all Speysides) being used as ‚top dressings‘ in a blend, and the ‚Third Class‘ malts tending to be considered as useful ‚fillers‘. But with the rise in interest in single malts during the 1980s, distillery owners, consumers and writers began to look more closely at regional classifications.

Auf Deutsch:

Die Klassifizierung von Malt Whisky.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es 3 weitere anerkannte Whisky-Regionen: Campbeltown, Islay und Glenlivet. Letztere entsprach in etwa der heute bekannten Speyside. Diese simple Einteilung war alles, was Blender benötigten, um Highland Malts in „Top“, „First Class“, „Second Class“ und „Third Class“ zu Blending-Zwecken zu unterteilen. Allgemein gesagt, wurden das Dutzend „Top Class“ Malts (alle aus der Speyside) als Sahnehäubchen in Blends verwendet. Wohingegen „Third Class-Malts“ lediglich als Volumenbringer eingesetzt wurden. Mit dem wachsenden Interesse an Single Malts während der 1980er , begann aber Destillerie-Besitzer, Verbraucher und Autoren klarere Grenzen zwischen regionalen Klassifizierungen zu ziehen.

Useful fillers…. in diese Kategorie möchte keine ernsthafte Malt-Destillerie eingeordnet werden. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass es etliche Destillerien in Schottland gibt, deren Existenz mit dem Satz „was build to produce malt whisky for blending purposes“ (auf Deutsch: „gegründet um Malt Whisky für Blending-Zwecke zu produzieren) begründet wurde oder wird.

Ich will hier keine Namen nennen, aber die Verwendung von solchen fillers in Blended Malts hat den gleichen Grund wie der Universal-Filler Grain Whisky in Blends. Manche dieser fillers haben es als Malts weit gebracht. Da sie massenhaft verfügbar sind, könnte man sie auch günstig bekommen und als Blended Malt Anteil groß rausbringen.

FINISHING IST KEINE INNOVATION MEHR

Und zum Schluss noch ein Thema, bei dem es um Innovation ging aber nicht mehr geht, weil es einfach durch ist: Finishings.

Auf der Höhe des Whisky-Booms wurden wir mit Finishings überschüttet. Ich sprach da gerne von der finishing mania, der Manie jedes Fass, das bei drei nicht von alleine auf einem Baum war, zwanghaft mit Whisky zu befüllen.

Kollege Pinkernell vom Cadenhead Shop Berlin tat das, was in der Branche zu der Zeit jeder dachte. „Mit allen Fassarten sind sie durch, es fehlt das Herings-Fass-Finishing.“ Gesagt getan. Es wurde ein Salzheringfass besorgt, Fisch raus, Bruichladdich rein und fertig war das Herring Cask Finish.

Vermarktet wurde es in kleinen Flaschen als Paar zusammen mit Bruichladdich aus dem Stamm-Fass und von einer Firma die sich „Stupid Cask“ nannte. Da gab es noch andere, völlig verrückte Experimente. Ausgerechnet Bruichladdich, die als Murray McDavid die finishing mania besonders angefeuert hatten, waren „not amused“.

Finishings waren zu ihrer Zeit die Speerspitze der Innovation und das Instrument zur Marktausschöpfung. Heute hat sich das auf das übliche Maß eingependelt und die Exotik ist weitgehend verschwunden.

Die treibende Kraft bei der finishing mania war zu oft der Wunsch Fässer, die es wohl nicht in eine Single Cask Abfüllung geschafft hätten, zu „veredeln“ und (ver-)kaufbar zu machen. Da die Fässer aber insgesamt weniger werden, werden es sicher auch die Fässer, die so eine Veredelung dringend notwendig haben.

Denn wie sagt Craig Bridger, National Brand Ambassador USA für  The Macallan so richtig  „I think we’re paying more attention, and being more selective about casks and wood than we were at any other point. Maybe there were older whiskies going into the batch 20 years ago, but I think the casks are better now. The idea here is really to showcase our mastery of wood, and our ongoing commitment to sourcing the finest casks that we can get ahold of for our whisky.“

Wenn der Whisky-Boom und die zum Teil überwältigende Nachfrage nach gutem Whisky eines in der Whisky-Industrie bewirkt hat, dann ist es der gesteigerte Wert, der auf Fass-Management gelegt wird.

Nur aus gutem Holz und bei ausreichender Zeit kommt ein qualitätvoller Whisky heraus.

Das werden alle Umerziehungsversuche, die man den Whisky-Freunden grade angedeihen lässt und all die short cuts und Abkürzungen, welche die Whisky-Industrie seit Jahren nimmt und immer weiter zu optimieren sucht, nicht ändern.

Um die Ausgangsfrage zu beantworten: Nein, die Blended Malts sind nicht ein Trend oder die Zukunft des Whiskys. Einmal sind sie schon da, zum anderen sind die unendlich scheinenden Kombinationsmöglichkeiten letztendlich doch begrenzt und wie bei den finishings nutzen sie sich ab.

Und um noch eine Frage zu beantworten, die gar nicht gestellt ist: Die Klimmzüge, die DIAGEO – da hatten wir genauer hin geschaut – mit seiner Whisky Union oder dem Distill Venture Programm macht, sind es auch nicht.

Aber das erfordert eine spätere, eingehendere Betrachtung.


 

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Ein Kommentar für Sind Blended Malt Whiskys ein Trend oder die Zukunft?

  1. kallaskander 16. Dezember 2015 zu 16:30 #

    Hi there,

    na dieses Distill Venture scheint ernst zu machen.

    Erst kaufen sie sich in die dänische Stauning Distillerie ein, jetzt auf der anderen Seite der Welt bei einer australischen.

    http://www.businessinsider.com.au/johnnie-walkers-owner-just-bought-into-an-australian-whisky-distillery-2015-12

    Kann man den Betroffenen nur wünschen, daß es ihnen nicht geht wie Zacapa Rum.

    Greetings
    kallaskander

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