5 vergessene Rye-Cocktails, die du probieren solltest » Eye For Spirits

Werbung

5 vergessene Rye-Cocktails, die du probieren solltest

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone

Bildquelle: merc67/Fotolia.de

Die ansehnliche Renaissance, die der Ur-Whiskey der USA in den letzten 2 Jahrzehnten hinlegte, geschah nicht grundlos. Rye Whiskey wurde enorm durch die internationale Bar-Szene gepusht. Das Verlangen nach dem ursprünglichen, nach dem „alten“ Geschmack vieler Bartender und Gäste half dem Rye aus seinem Dornröschen-Schlaf. Diese 5 Rye-Cocktails blieben dem Mainstream allerdings meist verborgen.


Sie scheint sich wie ein Schatten über die Geschichte der Spirituosen- und Cocktailgeschichte zu legen. Wenn du dich intensiv mit dieser Materie beschäftigst, wette ich, dass du allein im vergangenen Jahr mindestens 2 bis 3 mal „Prohibition hier, Prohibition da“ gehört hast. Hier wurde ein Bourbon im Prä-Prohibitions-Stil produziert, hier eine alte Rezeptur aus einem Speakeasy ausgegraben.

Bei all der Litanei von Klagen über jene Jahre von 1920 bis 1933 darf aber niemand den gewaltigen Nutzen jenes großflächigen Alkoholverbots in den USA übersehen. Denn erst durch die Einführung des Volstead Acts 1919, der Produzenten und Händlern so richtig schön das Leben schwer machte, bekam der Alkohol erstmals ordentlich mediale Präsenz. Die Saat für massenhaft Innovationen im Cocktail-Genre. Im Privaten, im Speakeasy-Bereich oder im Ausland.

Was hier allerdings teilweise in die Coupettes und Tumbler gezaubert wurde, vermochte es nicht, Rye Whiskey irgendwie am Leben zu halten. Zumindest nicht in einem Bereich, bei dem man noch von Marktpräsenz sprechen kann. Rye Whiskey verkam zu einer Art Zombie-Genre, nicht vollkommen weg, aber auf dem Schirm hatte es auch niemand so richtig. Selbst dann nicht, als 1933 US-Präsident Franklin D. Roosevelt jene Gesetzesänderung nach 13 Jahren wieder rückgängig machte.

Aber sind wir doch mal ehrlich. War Rye Whiskey tatsächlich der Über-Whiskey in den Zeiten vor der US-Prohibition? Zum Teil schon, da es allein im 18. Jahrhundert zahlreiche Rye Whiskey-Brennereien im Nordosten der USA gab. Dass Rye jedoch die allumfassende Whisky-Kategorie der Prä-Prohibitionszeit war, ist nicht bewiesen. Allein aus dem Grund, da die schriftlichen Nachweise in den Jahrzehnten vor dem Volstead Act lückenhaft und teils nicht aufschlussreich sind.

Um die Jahrhundertwende vom 18. auf das 19. Jahrhundert lag der Rye-Anteil des US Whiskey-Marktes im Schnitt bei 72%. Eine ordentliche Hausnummer. Fast Dreiviertel des Marktes gingen auf das Roggendestillat zurück. Nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 sprach man rein rechtlich nur noch von „Getreide-Whiskey“. Eine genauere Unterteilung wurde nicht mehr vorgenommen.

Bis 1878. Ab dann gab es wieder eine klare Auftrennung von Rye und Bourbon. Ryes Anteil? Noch 38 Prozent. Bereits zu jenem Zeitpunkt hat sich die Rye-Produktion aufgrund eines großen Populationszuges nach Westen und Süden merklich verändert. Das Getreide der Wahl wurde Mais.

Anders als Bourbon mit einem niedrigen Roggen-Anteil in der Rezeptur besitzen Rye Whiskeys ein markant würzigeres Aroma mit deutlich mehr Ecken und Kanten. Er ist schlichtweg nicht so gefällig wie Bourbon. Dies ist einer der Gründe, warum es Bartender der modernen Cocktail-Renaissance so sehr nach diesem „alten“ US-Getränk dürstete.

Zum einen deshalb und zum anderen, da es doch so manche Rye Drinks gab, die die Prohibition überlebt haben oder durch sie erst möglich wurden.

THE BLINKER

adaptiert nach Patrick Gavin Duffy (1934)

  • 6 cl Rye Whiskey
  • 3 cl Frischer Grapefruitsaft
  • 1 BL Himbeer-Sirup

Alle Zutaten im Shaker auf Eis ungefähr 15 Mal kräftig schütteln. Anschließend in ein Martini Glas/Cocktailspitz abseihen und mit Zitronenzeste garnieren.

THE ALGONQUIN COCKTAIL

  • 4,5 cl Rye Whiskey
  • 2 cl Vermouth trocken
  • 2 cl Frischer Ananas-Saft

THE SCOFFLAW

adaptiert nach Ted Haigh (2009) & Harry’s New York Bar (1924)

  • 4,5 cl Rye Whiskey
  • 3 cl Vermouth trocken
  • 2 cl Frischer Zitronensaft

Zunächst werden Rye, Vermouth und Saft auf Eiswürfel im Shaker circa 15 Sekunden geschüttelt. Danach in eine Coupette abseihen und mit Zitronenzeste garnieren.

ELK’S OWN

adaptiert nach Harry McElhone (1927)

  • 4 cl Rye Whiskey
  • 3 cl Portwein
  • 1,5 cl Zitronensaft
  • 1 BL Zuckersirup (2:1)
  • 1 Eiweiß

Alle Zutaten in einen Shaker geben und zunächst trocken (ohne Eis) und kräftig schütteln. Eis hinzugeben und nochmals rund 10 Sekunden shaken. Anschließend in das vorgekühlte Cocktailspitze/Martiniglas abseihen.

VIEUX CARRÉ COCKTAIL

  • 3 cl Cognac
  • 3 cl Rye Whiskey
  • 3 cl Roter Vermouth
  • 0,5 BL Bénédictine
  • 2 Dashes Angostura Bitters
  • 2 Dashes Peychaud Bitters

Alle Zutaten im Rührglas mit Eiswürfeln circa eine halbe Minute verrühren. Anschließend den Drink in ein vorgekühltes Martini-Glas/Cocktailspitz abseihen. Als Dekoration eine Orange- oder Zitronenzeste beigeben.


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Dann erhalte alle zukünftigen Artikel von Eye for Spirits. Kostenfrei. Bequem in dein Postfach.

4 Kommentare für 5 vergessene Rye-Cocktails, die du probieren solltest

  1. sawgf 16. Dezember 2015 zu 19:05 #

    Endlich mal Cocktails, die man auch nachmixen kann. Danke dafür.

  2. Philip Reim 16. Dezember 2015 zu 19:49 #

    Gerne 🙂

  3. Sepo Galumbi 17. Dezember 2015 zu 21:02 #

    Sehr schöne Drinks, in der Tat. Elk’s Own und Vieux Carré habe ich in den letzten zwei Tagen in meinem Blog beschrieben.

    Wer allerdings möglichst geradlinigen Ryegenuss haben will, der ist mit einem Rye Old Fashioned doch auch immer auf der richtigen Seite.

Schreibe einen Kommentar