Gin für Einsteiger: Diese 8 Gin-Kategorien solltest du kennen » Eye For Spirits

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Gin für Einsteiger: Diese 8 Gin-Kategorien solltest du kennen

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Bildquelle: Global Jet

Als vor wenigen Jahren verschiedene Gin-Unternehmen begannen sich ihre Heimatregion auf die Flaschen zu schreiben, war „London Gin“ plötzlich nur noch ein Gin aus Englands Hauptstadt. Schwarzwald, München, Hamburg etc. Eine Region wurde kurze Zeit zum Alleinstellungsmerkmal. Dabei ist dies nichts als Marketing. Industriell und historisch etabliert, sind hingegen folgende 8 Gin-Kategorien.


„Und dieser Gin hier kommt aus London?“ Eine Frage, die ich unzählige Male bei Tastings und Gesprächen hörte. Ein Trugschluss, den man dem Gin-Einsteiger aber nicht vorwerfen kann. Woher soll er auch wissen, dass London eine eigene Kategorie ist, Hamburg, Berlin, München aber nicht?

Wie die Regionalitätsfrage kam im Zuge der Gin-Euphorie der vergangenen Jahre einiges Neues hervor. Dies reichte von innovativen Marketing-Ideen, neue Gin-Kategorien, über exotische Botanicals bis hin zu Perversionen wie dem Destillieren von Tieren.

Allerdings entwickelte sich auch ein gesteigertes Interesse nach den Hintergründen der Herstellung. Wie destilliert? Welche Botanicals? Gefiltert? Lässt man einmal den Mode-Trinker außen vor, hat das gesteigerte Interesse von Kunden und Produzenten zu einem heute innovativen Angebot geführt. Ein Angebot, das sich in verschiedene Klassen einsortierten lässt. Manche gesetzlich geregelt, manche historisch begründet. Fast allen gemein: Sie müssen Wacholder als Zutat haben und mindestens 37,5 %Vol. Alkohol besitzen.

DISTILLED GIN

Unter „Distilled“ versteht man die größte Gruppe hochwertiger Gins. Der Großteil der heute verfügbaren Produkte im Wacholder-Segment lässt sich hier einordnen. Das wichtigste Charakteristikum: die Botanicals werden in Alkohol mazeriert und anschließend nochmals destilliert. Danach folgt nur noch Wasserzugabe oder Filtration, jedoch kein geschmacksgebender Herstellungsschritt mehr.

Auf dem Flaschenlabel ist nicht immer direkt ersichtlich, ob es sich um einen Distilled oder Compound Gin handelt. Nur eine Hand voll Hersteller schreibt sich „Distilled“ auf die Flasche. Allerdings hat man hierfür 2 andere Indikatoren: Dry und London. Steht mindestens eines der beiden Begriffe auf der Flasche, gehört der Gin zum „Distilled“-Segment.

LONDON GIN

Es ist aber auch so bestechend einfach: London ist eine Stadt und London Gin ein Gin aus eben dieser Stadt. Klingt logisch. Ist aber leider falsch. Anders als zum Beispiel Plymouth Gin oder der ein oder andere Gin aus Spanien, ist „London“ keine geschützte Herkunftsbezeichnungen, sondern eine Herstellungskategorie.

Für „London“ gelten die strengsten Produktionsvorschriften im Gin-Segment. So ist unter anderem ein niedriger maximaler Methanolgehalt vorgeschrieben sowie ein maximaler Zuckerzusatz von 0,1 g Zucker je 1 Liter Destillat. Zudem darf London Gin nach der Destillation nichts mehr zugesetzt werden außer Wasser.

DRY GIN

Der jüngste Spross in der Familie der offiziellen Gin-Kategorien: Dry Gin. Bis Anfang 2014 war „Dry“ ein Begriff, der im Zusammenhang mit Gin fast immer vorkam. Er wurde, ich würde fast sagen, inflationär gebraucht. Klang halt auch irgendwie cool: Dry Gin.

Suggerierte der Begriff „Dry“ allerdings, dass es sich um „trockenes“ Destillat handelt, hatte dies bis 2014 keine rechtliche Grundlage. Gin konnte man Tonnen an Zucker vollgestopft werden, und auf dem Label stand „Dry“.

Hier wurde in der EU-Spirituosenverordnung nachjustiert. Seit fast 2 Jahren darf ein Dry Gin nur noch 0,1 g Zucker auf 1 Liter Destillat enhalten. Soviel bei beim London Gin.

OLD TOM GIN

Es ist eine der bekanntesten historischen Gin-Kategorien. Dabei ist Old Tom gesetzlich allerdings keineswegs geregelt. Die beiden Zusätze darf sich grundsätzlich jeder Gin-Hersteller auf die Flasche drucken.

Traditionell steht der Old Tom Gin allerdings als Gegenstück zur Dry-Version. Er ist also deutlich süßer. Einfach aus dem Grund, da man im England des 18. Jahrhunderts schlechten, beißenden Gin mit viel Süßstoff trinkbar machen wollte.

CREAM GIN

Noch weitaus seltener und unbekannter als Old Tom ist hingegen Cream Gin. Ich würde fast sogar behaupten, dass diese Kategorie selbst unter Gin-Enthusiasten nur eine Hand voll kennen. Dabei hat Cream Gin denselben Ursprung wie sein süßer Kollege. Es sollte schlechter Gin trinkbar gemacht werden.

Hierfür wurde das Destillat mit Milch bzw. Sahne gestreckt. Das enthaltene Fett reduzierte dabei merklich den brennenden und beißenden Charakter des Alkohols.

In den englischen Pubs und Gin Palaces des 18. Jahrhunderts wurde Cream Gin gerne im Rückbuffet in Holzfässern aufbewahrt. Eine gewisse Holznote im Gin war da nicht ausgeschlossen.

SLOE GIN

Auch Sloe Gin ist ein Paradebeispiel dafür, dass die Kategorisierung von Gin kaum weitläufig sein könnte. Denn auch wenn es der Name vermuten lässt, ist Sloe Gin kein Wacholderdestillat, sondern ein klassischer Likör.

Die geschmacksgebende Zutat sind hier, wie der Name bereits andeutet, Schlehen. Auch muss Sloe Gin nicht wie herkömmlicher Gin 37,5 %Vol. Mindestalkohol besitzen, sondern lediglich 25 %Vol.

Und zu guter Letzt: Es muss nicht einmal Gin enthalten sein.

COMPOUND GIN

Compound Gins ist grundsätzlich nichts anderes als ein Distilled Gin, nur ohne weitere Destillation. So werden die Botanicals und Essenzen in den Alkohol gegeben und das war es. Fertig ist der Compound Gin.

Da diese Herstellungsvariante nicht sonderlich viel technische Ausrüstung braucht und auch bequem in der heimischen Badewanne zubereitet werden kann, entstand der historische Begriff „Bathtub Gin“.

Allerdings ist heutzutage strittig, ob einzelne Gin, die vom Hersteller als „Distilled“ eingestuft werden, nicht jedoch vielmehr Compound-Produkte sind. Diese Frage stellt sich immer dann, wenn ein Hersteller seinem Gin nach der Destillation noch zusätzliche Geschmacksstoffe wie Botanicals, Essenzen oder Fasslagerung angedeihen lässt.

NEW WESTERN STYLE

Ich finde die New Western Style-Variante ein Paradebeispiel dafür, dass sich ein ansehnlicher Teil der Gin-Produktion doch außerhalb der EU-Spirituosenverordnung abspielt.

Dies liegt vor allem daran, dass jene Verordnung teils auf sensorische Aspekten beruht. In erster Linie einem „dominanten Wacholderaroma“. Da dieser Begriff äußerst dehnbar ist, experimentierten Hersteller in den vergangenen Jahren mit diversen Zutaten und rückten andere Aromen in den Vordergrund. Wacholder wurde so zum schmucken Beiwerk.

 

Irgendwie hat jeder von uns ein gewisses Grundverständnis davon, was Gin ist. Man hat ihn irgendwo mal getrunken, man hat irgendwas darüber gelesen. Gerade aber eine recht laxe Verordnung darüber, was Gin sein darf, eröffnet eine ungeahnte Vielfalt für Hersteller. Und am Ende für uns Kunden.

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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3 Kommentare für Gin für Einsteiger: Diese 8 Gin-Kategorien solltest du kennen

  1. Corinna Wagner 1. Januar 2016 zu 15:13 #

    Endlich mal ein Artikel, der aufzeigt, dass ein Compound Gin dennoch ein Distilled Gin sein kann, der durch nachträgliche Essenzen oder Infusionen „veredelt“ wurde. So wird aus einem zunächst einfach erscheinendem, destilliertem Compound Gin doch wieder etwas Besonderes. Und davon gibt es ja mittlerweile auch einige Deutsche Premium Gins, die dennoch den Titel PREMIUM verdienen und zudem gerade dadurch eine geschmackliche Besonderheit erhalten. Und in der Badewanne wurden diese sicherlich auch nicht hergestellt. 😉

  2. Bernhard Platz 4. Mai 2016 zu 15:04 #

    Nun ja, ein Compund Gin besteht so gesehen natürlich aus einem Destillat, jedoch nur als Grundlage. Es kann also jeder beliebige gebrannte neutrale Argaralkohol sein, in den dann die Botanicals bzw. deren nat. od. naturident. Aromen zwecks Aromatisierung (z.B. Mazeration, Perkolation & Infusion etc.) eingebracht werden.
    Jedoch wird ein „Badewannen“-Gin kein weiteres mal destilliert, NACHDEM die Botanicals zugesetzt wurden. Beim „Destilled Gin“ ist dies dagegen schon der Fall und beim „London Dry Gin“ darf die Zugabe der Botanicals gar nur während der Destillation mittels Perkolation erfolgen. Ebenso darf dazu, wie oben bereits erwähnt, nur sehr reiner Alkohol verwendet werden (Grenzwert bei London (Dry) Gin: 5mg Methanol/100Liter bei 100 Vol % erlaubt – bei Vodka & vermutlich auch bei Compound Gin – ich finde ums Verrecken keinen Grenzwert – beispielsweise liegt dieser Grenzwert um den Faktor 20000! höher), während für den Compound jeder beliebige Agraralkohol benutzt werden kann. Ebenso darf beim London bzw. bei „Dry“ Gin, im Gegensatz zum Compound Gin, keine Zuckerung über 0,1g/Liter stattfinden.
    Compound Gin ist also kein destillierter Gin, sondern einfach destillierter Neutralsprit, der auch durch „natürliche“ & noch schlimmer: „naturidentische“ Aromastoffe geschmacklich gepimpt werden und zusätzlich auch mit Zucker & Süßstoff vollgestopft werden darf.
    Ein echter Schädelspalter kann die Folge sein, während ich auch nach 5,6,7 ^^ Gin Fizz mit London Gin am nächsten Morgen den Tag mit einem Lächeln beginnen kann.

  3. schlimmerdurst 6. August 2016 zu 19:32 #

    „Gerade aber eine recht laxe Verordnung darüber, was Gin sein darf, eröffnet eine ungeahnte Vielfalt für Hersteller. Und am Ende für uns Kunden.“

    Ob das für den Kunden, der sich für halbwegs authentischen Gin interessiert, wirklich so ein Segen ist, wenn auf alles, was aromatisierter Vodka ist, nun das Wort Gin gedruckt wird – ich wage es zu bezweifeln. Es ist eine Auflösung der Kategorie, eine Entwertung, eine Beliebigkeit.

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