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Woodford Reserve Distiller’s Select Bourbon Whiskey im Test

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Woodford Reserve Distillers Select

Sie erinnert etwas an einen überdimensionalen, eleganten Flachmann. Die Rede ist von der breit-flachen Flasche des Woodford Reserve Distiller’s Select Bourbons. Ein Tropfen, der derart zum deutschen Bourbon-Inventar gehört, dass ich mich kaum an eine Zeit erinnern kann, in der dieser Whiskey nicht irgendwo im Regal stand. Aber trotz aller äußerer Eleganz: Ist der Inhalt den Kauf überhaupt Wert?


Was ist der USP, der Unique Selling Point? Zu deutsch: Was ist das Alleinstellungsmerkmal, warum Kunden gerade dieses Produkt kaufen sollten? Klar, ohne Frage ist dies bei Genussmitteln wie Whiskey der Inhalt. Aber auch Whiskey-Hersteller buhlen nicht aus Langeweile um die Gunsten der Kunden mit diversen Superlativen und Besonderheiten. Zu groß und unübersichtlich ist der Markt, als dass man es nur am Wesentlichen festmachen könnte.

Schaut man sich das Unternehmen Labrot & Graham, das hinter dem Woodford Reserve Distiller’s Select steckt, einmal genauer an, dann würde ich 2 Punkte herausheben, die hier definitiv von der Norm abweichen.

Der Woodford Reserve Distiller’s Select wird in kupfernen Pot Stills destilliert. In der Bourbon Whiskey-Industrie eher unüblich die Verwendung von reinen Pot Stills. Das ist vielmehr ein Ding der Schotten. Allerdings ist dies nur der eine Teil dieses Whiskeys. Der andere wird nicht in der Woodford Reserve Distillery produziert, sondern stammt aus der Brown Forman Distillery in Shively, Kentucky. Aus Column Stills.

Zum anderen kann sich Labrot & Graham einen für Bourbon Whiskey wichtigen historischen Meilenstein auf die Fahnen schreiben. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte der gebürtige Schotte James Crow in eben jener Destillerie ein Verfahren weiter, das sich in der Industrie fest verankern sollte. Die Rede ist vom Sour Mash-Verfahren. Zwar kann man ihm nicht die Erfindung davon nachweisen, aber zumindest dessen Perfektionierung.

Bei der Sour Mash-Methode wird ein Teil einer alten Maische der neu angesetzten zugegeben. Ähnlich der Zubereitung von Hefeteig. Dies senkt nicht nur dem pH-Wert und verhindert unkontrolliertes Bakterienwachstum, sondern drückt auch dem Aroma einen gewissen Stempel auf.

DEGUSTATION DES WOODFORD RESERVE DISTILLER’S SELECT

Kräftiges Bronze. So würde ich die Farbe des Woodford Reserve Distiller’s Select beschreiben, wenn ich ihn vor weißen Hintergrund halte.

Das Bouquet beginnt zunächst mild und frei von jeglichen störenden Alkoholnoten. Der Roggenanteil macht sich durch dezente Würze sowie Minze und Eukalyptus bemerkbar. Zudem sticht ein Hauch süßlicher Vanille angenehm durch. Meiner Ansicht nach kommt der Woodford Reserve Distiller’s Select hier kraftvoll und mit einer gewissen aromatischen Kraft aus dem Glas. Gönnt man ihm etwas Ruhe zeigt er schließlich sogar blumige und fruchtige Ansätze. Ganz der Bourbon, der er ist, bringt er nach einer Weile zudem das bourbontypische Klebstoff-Aroma. Allerdings nicht besonders markant, eher als eine unter mehreren Komponenten.

Der erste Eindruck, den ich vom Woodford Reserve Distiller’s Select auf der Zunge hatte, dass er sich angenehm aber teils wässrig zeigt. Anders als in der Nase sorgt er hier auf der Zunge allerdings für ein markantes alkoholisches Brennen. Ein unschönes kurzes Aufflackern. Auch aromatisch liefert er im Mund nicht mehr das, was er in der Nase großspurig versprach. Ein Hauch Vanille, einen erkennbaren Körper, aber insgesamt spielt sich aromatisch hier nicht sonderlich viel ab.

Ebenso ist es im Nachklang. Kurz und bündig ist der Woodford Reserve Distiller’s Select verschwunden. Zwar tritt er mit alkoholischem Brennen nicht sonderlich nach, aromatisch erinnert er hier aber auch eher an einen Vodka als an ein fassgelagertes Destillat.

Dieser Bourbon hat vielversprechend begonnen. Sehr sogar. Allerdings kam mit dem ersten Schluck meiner Ansicht nach ein rapider Einbruch. Der Alkohol übernahm das Zepter und interessante Aromen waren kaum aufzuspüren. So sehe ich den Woodford Reserve Distiller’s Select zwar durchaus als interessanten Tropfen für die Nase, in einem Preisbereich von rund 35,- Euro gibt es im Bourbon-Segment jedoch Spannenderes.

Details:

Art: Bourbon Whiskey

Alter: k. A.

Jahrgang: k. A.

Alkohol: 43,2 %Vol.

Preis: ~ 35 Euro à 0,7 Liter

Region: Kentucky/USA

Bottler: Labrot & Graham/Brown Forman

Fazit: 5/10 Punkten


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.

5 Kommentare für Woodford Reserve Distiller’s Select Bourbon Whiskey im Test

  1. 1968superingo 25. Dezember 2015 zu 19:54 #

    Ich habe vom Woodford in den letzten Jahren einige Abfüllungen probiert und konnte dabei durchaus Unterschiede zwischen den einzelnen Abfüllungen feststellen. Auf den Flaschen ist die jeweilige Batch-No. angegeben, so das hier eine gute Unterscheidung möglich ist. Tendenziell würde ich aber sagen, dass die alten Abfüllungen mit den niedrigen Batch-No. eher besser waren. Die Letzte (No. 57) war wirklich nicht der Bringer.

  2. Philip Reim 25. Dezember 2015 zu 20:48 #

    Hallo Ingo,

    da kann ich dir leider nur zustimmen. Interessant wäre hier an dieser Stelle eine Querverkostung. Allerdings bräuchte man dafür eine Flasche des ein oder anderen älteren Batches 🙂

    Gruß Philip

    • Matthias 26. Dezember 2015 zu 10:17 #

      @ Philip: Wäre doch mal ’nen Event wert, oder? Wie wäre es den mit einer online Verkostung, jemand besorgt die Flaschen und verschickt dann die Samples an die die mitmachen.

      Grüße,
      Matthias

    • Chris 20. April 2016 zu 02:35 #

      Was wären denn spannendere bourbons in der Preisklasse? Ich trinke den Tropfen hier sehr gerne, würde aber gerne noch weitere ausprobieren…

  3. Heiko 28. Dezember 2015 zu 11:17 #

    Der Pot Still Anteil im Distillers Select sollte vergleichsweise gering sein,
    so das „Pot Still“ hier wohl eher ein netter Marketing Gag ist.

    Bei einer Verkostung wäre es deshalb auch spannend,
    einen Woodford Masters Select (aus reinem Pot Stil und wesentlich teurer)
    blind mit zu verkosten, um zu überprüfen, ob das vermeintlich
    überlegene Pot Still Verfahren gegenüber einem Column
    Still (bei der Bourbon Herstellung nicht über 80%)
    geschmacklich tatsächlich zu finden ist.

    Ich würde, ebenso wie bei der Kühlfiltrierung, behaupten wollen,
    das sich das zwar chemisch, aber nicht geschmacklich
    messen lässt.

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