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Cachaça High End – 4 hochwertige Caipirinha-Alternativen

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Bildquelle: © Christian Fischer - Fotolia.com

Er hat es hierzulande schon nicht einfach dieser Cachaça. Im Purgenuss völlig missachtet und als der kleine, uncoole Bruder des Rums abgestempelt, fristet er bei uns vor allem ein Schattendasein als Caipirinha-Basis. Und auch wenn dadurch dessen Volumen- und Verkaufszahlen durchaus beachtlich sind, hochwertiger Cachaça verdient mehr. Mehr Aufmerksamkeit, mehr High End.


Ich finde es irgendwie faszinierend. Cachaça ist die Nationalspirituose eines der größten Länder der Welt und Basis einer Vielzahl erfrischender Drinks. Und im deutschsprachigen Raum hat es genau 1 Aufgabe: Alkohol unter Unmengen von Rohrzucker und Limetten zu liefern.

Brasiliens bekanntestes Destillat verschwindet hierzulande fast ausschließlich in Caipirinhas, lieblos gemixten Caipirinhas. Dass dies dann einer der meist zubereiteten und verkauften Cocktails ist, macht die ganze Sache nicht unbedingt besser. Deutschland ist neben Paraguay, Portugal und Italien heute eines der Hauptexportmärkte für brasilianischen Cachaça.

Mit diesem Artikel möchte ich allerdings kein Plädoyer gegen die Caipirinha halten. Im Gegenteil. Gut zubereitet, Limettensäure und die Süße des Zuckers in einem harmonischen Verhältnis, ist sie ein erfrischender Sommer-Drink der seinesgleichen sucht. Aber die komplette aromatische Kraft, die Cachaça liefern kann, auf nur einen Drink zu konzentrieren, wird dem Destillat nicht gerecht, ist ihm fast schon unwürdig.

Dabei sieht die Sache in Brasilien, dem Heimatland des Cachaças, gänzlich anders aus. Sowohl was den Purgenuss als auch die Cocktail-Kultur angeht. Rund 30.000 Cachaça-Brennereien produzieren dort das Zuckerrohrdestillat in verschiedenen Qualitäten. Von weiß bis fassgelagert.

Insgesamt werden dadurch jährlich ungefähr 1 Milliarde Liter Cachaça auf Flaschen gezogen. Rund ein Drittel der Cachaça-Produktion findet dabei im Bundesstaat Minas Gerais statt, gleich dahinter São Paulo.

Während hiervon ein beachtlicher Teil im Inland pur getrunken wird, wandert der andere Teil meist in fruchtige, erfrischende Drinks. Häufig aus der Batida-Gruppe. Den bekanntesten Vertreter dieses Cocktail-Genres kennst du. Es ist die Caipirinha.

Ist dies auch nicht weiter verwunderlich, gibt das Rezept einer Batida im Grunde auch nichts anderes vor als eine Süßungskomponente, ausgewählte Früchte und die Basis-Spirituose. In dem Fall: Cachaça. Durch dieses Grundgerüst an Ingredienzen sind Batidas „nahverwandt“ mit der Drink-Kategorie der Cobbler.

Die Caipirinha ist allerdings die einzige Batida, die im großen Stil von sich Reden machte. So sehr, dass sie mit „Caipirinha“ sogar eine eigene Bezeichnung bekam. Eine Art Künstlername. Bürgerlich hingegen: Batida de Limao (dt.: Batida aus Limetten).

Und das war es dann auch soweit. Zumindest was die gehobene, internationale Bar- und Cocktailkultur angeht. Außerhalb der Batida-Grenzen tritt Cachaça kaum in Erscheinung.

Nun könnte man gewieft hingehen und ein paar Cocktail-Rezepte, die nach weißen Rum verlangen schlicht durch Cachaça austauschen. Ist ja im Grunde beides dasselbe. Beides weiß, beides aus Zuckerrohr.

Leider ist dies nicht ganz so einfach. Schlicht aus dem Grund, da sie zwar denselben Rohstoff verwenden, hiermit zwischen Rum und Cachaça allerdings völlig anders umgegangen wird. Die Folge: ein gänzlich anderes Aromenprofil.

So sind beispielsweise folgende Punkte bei der Cachaça-Produktion anders als bei Rum gängige Praxis:

  • Cachaça wird ausschließlich aus Zuckerrohrsaft bzw. -sirup hergestellt. Zwar ist dies bei Rum ebenfalls möglich, das Gros basiert allerdings auf Melasse.
  • Bei Cachaça dürfen Fermentations-Beschleuniger zum Einsatz kommen. Bei Rum ist dies nicht per se erlaubt.
  • Der Alkoholgehalt von Cachaça muss im Bereich von 38 und 48 %Vol. liegen. Bei Rum ist nach EU-Verordnung lediglich ein Minimum von 37,5 %Vol. vorgeschrieben.
  • Zur Aromatisierung dürfen Cachaça 30 Gramm Zucker pro Liter beigemengt werden. Bei Rum gibt es diese Regelung hingegen nicht. Wobei einige Hersteller in Bezug auf Zuckersüßung ihr eigenes, undurchsichtiges Süppchen kochen.
  • Nicht zwangsläufig aromarelevant, aber gesetzlich festgelegt ist der Herkunftsort von Cachaça. Dieser darf offiziell nur in Brasilien produziert werden.

Exportiert werden darf er allerdings. Und hieraus ergeben sich auch hierzulande herausragende Cocktail-Kreationen, die dieser Spirituose würdig sind. Man muss lediglich über den Glasrand einer Caipirinha schielen.

BATIDA DE MARACUJÁ

  • 5 cl Cachaça
  • 2 cl Maracujanektar
  • Fruchtfleisch von 2 Maracujas (forma edulis)
  • 2 BL weißer Rohrzucker

Zunächst die Passionsfrüchte per Löffel ausschaben, das Fleisch in einen Shaker geben und mit dem Muddler kräftig ausdrücken. Anschließend Eiswürfel und restliche Zutaten hinzugeben und 10 bis 15 Mal kräftig schütteln. In einen vorgekühlten Tumbler auf Eiswürfel doppelt über Grob- und Feinsieb abseihen.

PEARL BUTTON

adaptiert nach Naren Young, New York

  • 6 cl Cachaça
  • 2 cl Lillet Blanc
  • 2 cl Frischer Limettensaft
  • 12 cl Zitronenlimonade

Alle Zutaten in ein vorgekühltes Highball-Glas auf Eiswürfel geben. Kurz umrühren und mit Grapefruitzeste dekorieren.

BRAZILIAN MULE

adaptiert nach Charles Vexenat, London

  • 5 cl Cachaça
  • 5 cl Naturtrüber Apfelsaft
  • 2 cl Frischer Limettensaft
  • 1 cl Vanillesirup
  • 3 Dashes Angostura Bitters
  • Ginger Beer

Bis auf das Ginger Beer alle Zutaten in einen Shaker auf Eiswürfel geben und rund 15 Sekunden lang kräftig schütteln. Anschließend in ein Highball-Glas auf Eiswürfel abseihen und mit Ginger Beer auffüllen. Zum Schluss mit dünnen Apfelspalten und Zimtpulver dekorieren.

SANGRIA BLANCO

adaptiert nach Naren Young, New York

  • 2 cl Cachaça
  • 2 cl Pisco
  • 2 cl St. Germain Holunderblütenlikör
  • 6 cl Weißwein halbtrocken (Riesling oder Gewürztraminer)
  • 2 Dashes Frischer Limettensaft
  • 6 cl Sodawasser
  • 2 Dünne Limetten-Scheiben
  • 3 Dünne Kiwi-Scheiben
  • 3 Dünne Apfel-Scheiben
  • 3 Dünne Gurken-Scheiben
  • 3 Grüne, halbierte Weintrauben
  • 3 Frische Salbei-Blätter
  • Kleiner Thymianzweig

Großes Weinglas mit Eiswürfeln füllen. Cachaça, Pisco, Wein und Limettensaft hinzugeben. Soda oben aufgießen und kurz verrühren. Anschließend Limetten, Kiwi, Apfel, Gurke, Weintrauben, Salbei und Thymian hinzugeben, nochmals kurz verrühren und servieren.


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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