Gimet Armagnac 1974 40 Jahre im Test » Eye For Spirits

Werbung

Gimet Armagnac 1974 40 Jahre im Test

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone

gimet

Schafft es Cognac hierzulande nach wie vor nicht aus seinem Schattendasein heraus, sieht es für den französischen Kollegen Armagnac völlig duster aus. Das Destillat aus der Gascogne ist bei uns nichts weiter als ein Liebhaber-Produkt. Dabei hätte es Potential. Sehr viel sogar. Eine Marke, die seit kurzem einen Deutschland-Start versuchen möchte, ist Gimet Armagnac.


Es kommt nicht häufig vor, ein Destillat zu verkosten, das älter ist als man selbst. Im Falle des Gimet Armagnac 1974 mit seinen 40 Jahre Reifungszeit war dies jedoch der Fall. Eine gewisse Ehrfurcht ist da unumgänglich.

Abseits seiner Altersangabe hält sich der Hersteller allerdings etwas bedeckt, was die Hintergrundinformationen zum Produkt angeht. Welche Trauben daher für den Gimet Armagnac 1974 verwendet wurden, ist mir nicht bekannt. Weder, ob es sich um eine einzelne Art handelte oder sich Gimet bei mehreren Rebsorten wie Ugni Blanc, Baco Blanc, Colombard oder Folle Blanche bediente.

Was allerdings bekannt ist, ist die Destillationsgrenze. Die Brennerei destilliert lediglich auf 72 %Vol. und füllte anschließend in Fässer. Herauskam im Fall des Gimet Armagnac 1974 ein Weinbrand mit 59 %Vol.

DEGUSTATION DES GIMET ARMAGNAC 1974 40 Jahre

Die Farbe des Gimet Armagnac 1974 würde ich als kräftiges Kupfer beschreiben.

Dieser Tropfen braucht zu Beginn nicht sonderlich viel Stehzeit. Die ersten Aromen drücken unvermittelt aus dem Glas. Ein staubtrockenes Bouquet. Obwohl das Fass hier definitiv den entscheiden aromatischen Part beisteuert, leisten die eingemaischten Trauben dennoch ordentlich aromatische Kraft. Zudem wirkt er modrig. Allerdings nicht im unangenehmen Sinne. Es erinnert vielmehr an ein altes Ledersofa. Gibt man ihm einige Minuten Zeit, stellt ihn unbewegt vor sich hin und versucht nicht jede Nuance heraus zu zentrifugieren, liefert der Gimet Armagnac 1974 ein überwältigendes Frucht-Potpourri nach. Kirsche, Aprikosen und Pflaumen. Oben auf ein paar Salbei-Blätter.

Bereits beim ersten Schluck setzt er dann genau diese Linie fort. Er ist ausgesprochen trocken und fruchtig. Allerdings wirkt er hier nicht ganz so verspielt wie noch zuvor in der Nase. Das heißt, von aromatischer Vielschichtigkeit im Mund würde ich nicht sprechen. Jene Aromen, die der Gimet Armagnac an Zunge und Gaumen besitzt stammen fast ausschließlich vom Fass. Mehr noch. 40 Jahre Fassreifung versorgen ein Destillat auch mit ordentlichen Gerbstoffen. Der Gimet Armagnac sorgt dadurch für ein leicht zusammenziehendes, pelziges Gefühl auf Zunge und Gaumen. Wahrnehmbar, aber noch nicht derart intensiv, dass ich von Adstringenz sprechen würde. Anders als in der Nase macht sich im Mund zudem das erste Mal ein auffallender Alkoholton bemerkbar. Natürlich liefern 59 %Vol. von Haus aus ordentlich Umdrehungen, allerdings müssen diese nicht zwangsläufig ein Brennen auf Zunge und Gaumen hinterlassen, wie es beim Gimet Armagnac der Fall ist.

Im Nachklang bleibt es dabei. Trockenfrüchte  wie Pflaumen haften an jeder erdenklichen Stelle im Mund, ebenso wie der Alkohol. Anders als bei den hervorgegangen Eindrücken kommt hier zudem noch ein Hauch Hefe und Vanille hinzu.

Der Gimet Armagnac 1974 ist durchaus ein spannendes Destillat, das allein durch sein hohes Alters bereits etwa Sonderbares umgibt. Zwar erkennt man sehr schön, dass da Holz für diesen Weinbrand auf Hochtouren arbeitete, das Grundestillat allerdings aromatischer und milder hätte ausfallen können.

Details:

Art: Armagnac

Alter: 40 Jahre

Jahrgang: 1974

Alkohol: 59 %Vol.

Preis: ~ 170,- Euro à 0,7 Liter

Region: Gascognce/Frankreich

Bottler: Gimet

Fazit: 7/10 Punkten


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Dann erhalte alle zukünftigen Artikel von Eye for Spirits. Kostenfrei. Bequem in dein Postfach.
Noch keine Kommentare.

Schreibe einen Kommentar