Werbung

Compagnie des Indes Boulet de Canon Scotch-Finish Rum im Test

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone

 

Compagnie des Indes Boulet de Cannon

Das kleine französische Unternehmen Compagnie des Indes war für mich persönliche eine der interessanten Entdeckungen der vergangenen 2 Jahre. Individuell, hochwertig und eine Bereicherung für den High End-Bereich im Rum-Sektor. Der neue Compagnie des Indes Boulet de Canon Scotch-Finish Rum zeigt dabei eindrucksvoll wie wandlungsfähig diese Spirituose sein kann.


Bei Scotch Whisky ist das Finishing, also das kurzzeitige Nachreifen in meist exquisiten Fässern, mittlerweile Usus. Hervorragende Qualitäten sind dadurch entstanden, auch wenn es bei einigen Herstellern mittlerweile nur noch zum Frisieren durchschnittlicher Whisky verwendet wird.

Während Scotch Produzenten im Finishing-Bereich jahrelange Erfahrung aufweisen können, ist dies bei Rum nach wie vor die Ausnahme. Auch bei Compagnie des Indes ist der Boulet de Canon (zu deutsch: „Kanonenkugel“) die erste Qualität, die eine Nachreifung erfuhr. Und dies noch dazu in Fässern vom Genre der Finishing-Experten.

Der Compagnie des Indes Boulet de Canon Scotch-Finish Rum basiert auf einem Blend verschiedener Rums aus Trinidad, Barbados und Guyana. Einmal vermählt erhielten sie nachträglich eine Reifungsphase von 7 Monaten in Single Malt Whisky-Fässern von der Isle of Skye. Auch wenn dies nicht offen kommuniziert wird, muss man an dieser Stelle kein Spirituosen-Profi sein, um zu wissen, dass es sich beim Fass-Lieferanten um die Talisker Distillery handelt. Warum? Weil es die einzige aktive Scotch-Brennerei jener Insel ist.

DEGUSTATION DES COMPAGNIE DES INDES BOULET DE CANON

Äußerlich würde ich den Compagnie des Indes Boulet de Canon Scotch-Finish Rum als maisfarben bezeichnen.

Er braucht meiner Ansicht nach etwas Zeit zum Atmen. Nicht nur das obligatorische kurze „Abwarten-damit-sich-das-Destillat-nicht-mehr-bewegt“, sondern tatsächlich einige Minuten Stillstand. Gewährt man ihm diesen, dann bekommt man exakt 2 Aromen in die Nase geliefert. 2 dominante Aromen. Vanille und trockener, medizinischer Rauch. Im ersten Moment hätte ich sogar gesagt, dass dieser Rum definitiv zu viel Vanille-Aroma hat. Mit der Zeit geht er allerdings ein paar Schritte zurück und überlässt Karamell, Butterkeks, Rauch sowie einigen Früchten wie frischen Orangen und Banane die Bühne. Eine durchaus interessante Angelegenheit. Wobei der Großteil des Portfolios von Compagnie des Indes deutlich mehr Komplexität und Raffinesse im Bouquet besitzt.

Als ich den ersten Schluck nahm, war ich mir für einen kurzen Moment nicht mehr sicher, ob dies tatsächlich ein Rum ist. Klassische Scotch-Noten zusammen mit etwas Rauch übernehmen das aromatische Zepter. Rum kommt erst in zweiter Instanz. Ab dann ist es ein ständiges Hin- und her zwischen klassischen Aromen von Scotch und Rum. Ein durchaus spannender Charakter, der von trockenem Rauch begleitet wird. Wobei mich der Rauch im Mund weniger an den eines Whiskys von der Isle of Skye erinnert, sondern vielmehr an Mezcal. An Individualität mangelt es dem Compagnie des Indes Boulet de Canon daher nicht, er bietet eine große Portion „Wow“. Hat man dies aber erst einmal erlebt, wird es etwas fad. Im Hintergrund liefert er nicht sonderlich viele Aromen, die man entdecken könnte.

Der Nachklang lebt schließlich nur noch vom Rauch. Selbst nach mehrmaligem konzentrierten Verkosten konnte ich hier nicht mehr feststellen, dass es sich um einen Rum handelt.

Der Compagnie des Indes Boulet de Canon mit seinem Isle of Skye Scotch Finish ist durchaus eine Bereicherung für den Markt. Er spielt mit den Aromen zweier Genres. Und das gekonnt. Allerdings findet man im Portfolio des Unternehmens andere Melasse-Destillate, die bei weniger Experimentierfreude deutlich mehr Raffinesse und Komplexität liefern. Rums, über deren Genuss man sich mehrmals freut.

Details:

Art: Single Cask Rum (Melasse)

Alter: k. A.

Jahrgang: 2015

Alkohol: 46 %Vol.

Preis: ~ 65,- Euro à 0,7 Liter

Region: Trinidad, Guyana, Barbados

Bottler: Compagnie des Indes

Fazit: 7/10 Punkten


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.

Ein Kommentar für Compagnie des Indes Boulet de Canon Scotch-Finish Rum im Test

  1. lolo 17. Januar 2016 zu 11:37 #

    Hallo Herr Reim, kann Ihre Eindrücke gut nachvollziehen. Aber ein gebrauchtes Taliskerfass von Diageo, na ja ich denke da an bessere Varianten. Hatte das Vergnügen beim letzten Rum Tasting der Firma Kaspar aus Essen, einige Tropfen von des Indes vorzustellen, fassstark, nicht mit Rauch kontaminiert, einfach toll. Gruß aus Oberhausen Lothar

Schreibe einen Kommentar