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Brooklyn Gin im Test

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Brooklyn Gin

Er war in den vergangenen Wochen einer der Gin-Newcomer. Hergestellt im New Yorker Stadtteil Brooklyn sollte er nicht nur durch ein charakteristisches Aromenprofil glänzen, sondern optisch durch Individualität überzeugen. Ob es dabei aber nur beim schmucken Äußeren bleibt oder der Brooklyn Gin tatsächlich was unter der Haube hat, davon konnte ich mich kürzlich selbst überzeugen.


Ich habe schon viele Gins verkostet. Noch nie habe ich allerdings erlebt, dass einer davon auf nur 11 Botanicals basiert, wovon allein 5 auf Zitrusfrüchte fallen. Eureka-Zitrone, persische Zitrone, mexikanische Zitrone, Kumquat und Navelorange.

Und dennoch. Obwohl diese qualitativ 50 Prozent der verwendeten Früchte und Kräuter ausmachen, hatten die würzigen Drogen das aromatische Zepter in der Hand. Darunter Wacholderbeeren, Lavendel, Kakaobohnen, Koriander, Veilchenwurzel und Angelikawurzel.

Ein weiteres Merkmal, dass den Brooklyn Gin vom Gros der verfügbaren Wacholderdestillate unterscheidet, ist der verwendete Mais-Alkohol. In diesem werden die Zutaten mazeriert und anschließend ein weiteres Mal destilliert.

Alles per Hand in einer kleinen Manufaktur in Brooklyn.

DEGUSTATION DES BROOKLYN GIN

Macht man einmal die Wasserprobe beim Brooklyn Gin, sieht man: Dieser Gin ist nicht filtriert. Zumindest nicht in dem Sinne, dass ihm ein Großteil der ätherischen Öle entnommen wurde. Denn gibt man 1 bis 2 Wassertropfen hinzu und hält ihn gegen das Licht, zeigen sich deutliche Schlieren in der Flüssigkeit.

Dieser Gin braucht nicht viel Ruhe, keine Zeit zum Atmen. Einmal ins Glas eingeschenkt, ist er mit seinem Bouquet sofort präsent. Und wie. Er drückt mit einer Kraft aus dem Glas, die seinesgleichen sucht. Dabei vielen mir in der Nase vor allem 2 konkrete Noten auf, die dem Brooklyn Gin ihren aromatischen Stempel aufdrücken: Wacholder und Koriander. Vor allem letzteres macht das Aromenprofil dieses Tropfens zum Unikat. Im Hintergrund werden die Aromen dann deutlich verschwommener. Sie liefern eine trocken-kräftige Basis, sodass die beiden dominanten Aromen brillieren können.

Ähnlich wie auch in der Nase liegt der Brooklyn Gin im Mund samtig-weich auf der Zunge. Hier hatte ich allerdings den Eindruck, dass er deutlich süßer zur Sache kommt als noch zuvor beim Riechen. Allerdings habe ich an dieser Stelle keine Informationen darüber, ob der Brooklyn Gin nachträglich gesüßt wurde. Möglich wäre es, denn der Hersteller verzichtet auf der Flasche bewusst auf den Begriff „Dry“. Vielmehr bezeichnet er sein Produkt als „Distilled Gin“.  Aromatisch ist dies meines Erachtens aber schon der einzige Unterschied zur Nase. Denn auch im Mund besitzt der Brooklyn Gin einen aromatischen und kraftvollen Körper. Ein Körper, bei dem ebenfalls wieder harziger Wacholder und würziger Koriander hervorstechen.

Was vom Brooklyn Gin zurückbleibt, ist der Inbegriff eines Wacholderdestillats. Alles verschwindet, nur ein harzig-holziges Wacholderaroma bleibt am Gaumen zurück. Und dieses sehr lange.

Das, was dieser Gin äußerlich durch seine Flasche verspricht, kann er inhaltlich halten: Individualität. Er fällt ins Auge und hinterlässt anschließend auch in Mund und Nase einen Eindruck, an dem man sich erinnert. Lediglich etwas weniger Süße und die ein oder andere verspielte Zitrusnote hätten ihm meiner Ansicht nach noch zur Perfektion gefehlt. Nichtsdestotrotz ist der Brooklyn Gin eine Bereicherung. Für den Markt, für die eigene Heimbar und für den persönlichen Genuss. Ein Tropfen, den man sich gerne wieder einschenkt. Und wieder. Und wieder.

Details:

Art: Distilled Gin

Alter: k.A.

Alkohol: 40 %Vol.

Preis: ~ 44,90,- Euro à 0,7 l

Region: New York/USA

Bottler: Brooklyn Craft Works

                             Fazit: 8/10 Punkten


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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6 Kommentare für Brooklyn Gin im Test

  1. Dennis 19. Januar 2016 zu 09:48 #

    Kurze Frage, weil ich jetzt verwirrt bin: „Distilled Gin“ kann also gesüßt sein, so lange der Hersteller nicht das Wort „Dry“ verwendet. Ist ein „Dry Gin“ eigentlich immer destilliert auch ohne die Angabe „Distilled“, oder gilt hier im Umkehrschluss dasselbe?

    • Philip Reim 19. Januar 2016 zu 11:29 #

      Hallo Dennis,

      auch London und Dry Gin dürfte man süßen, allerdings nur bis zu einem Maximum von 0,1 g Zucker je Liter. Für die Oberkategorie „Distilled Gin“ gilt diese Grenze nicht. Um deine Frage also kurz und knapp zu beantworten: Ja.

      Bei der Grenze, was nun Distilled und was schon Compound ist, gibt es immer wieder Streitigkeiten. Prinzipiell ist aber ein Dry Gin immer ein Distilled Gin, aber ein Distilled Gin nicht immer ein Dry.

      Gruß Philip

      • Dennis 20. Januar 2016 zu 09:51 #

        Danke, damit ist es klar. „Dry Gin“ ist also strenger als „Distilled Gin“, weil er zusätzlich nur bis 0,1g pro Liter gezuckert werden darf.

      • Dennis 20. Januar 2016 zu 09:52 #

        Frage mich grad noch, ob 0,1g Zucker nicht schon einem Süßungsverbot gleicht, da man das vermutlich geschmacklich nicht bemerken wird, oder?

      • Philip Reim 20. Januar 2016 zu 16:16 #

        Dazu müsste man eine Querverkostung einer Qualität einmal mit Zucker einmal ohne machen. Hierfür eine pauschale Antwort zu liefern, wird allein aufgrund der vielen unterschiedlichen Rezepte schwierig. Zucker in diesen geringen Mengen hat aber vor allem einen aromatisch unterstützenden Eindruck, sollen also andere Aromen etwas mehr pushen. Wirklich süß wird es dadurch allerdings nicht.

        Gruß Philip

      • sawgf 20. Januar 2016 zu 17:40 #

        Ich kenne den Geschmacksschwellenwert von Saccharose in Gin nicht. In Bier liegt er aber bei ca. 2,6 g/l. Auch unter der Betrachtung der Andersartigkeit der Getränke, sowohl im Geschmack als auch in der Aromazusammensetzung, kann man wohl davon ausgehen, dass 0,1g kaum wahrnehmbar sein sollten.

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