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4 Whisky-Kategorien, die eigentlich gar keine sind

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Bildquelle: © nioloxs/Fotolia

Was ist Scotch? Oder etwas detaillierter gefragt: Was ist Single Malt Scotch? Selbst wenn du dich als Laie mit dem Thema Whisky beschäftigst, kommst du sehr schnell auf die Antwort dieser Fragen. Du musst lediglich ein x-beliebiges Whisky-Buch aufschlagen. Weitaus seltener findet man allerdings Informationen zu diesen 4 inoffiziellen Whisky-Kategorien. Oder wusstest du, was ein Single Blended Whisky ist?


Der Elan und die Dynamik einer Spirituosen-Kategorie wie Whisky ist eine ihrer, in meinen Augen, wichtigsten und spannendsten Eigenschaften. Uns Endkunden tangiert dies meist in Form von neuen Produkten. Diverse Finishing-Experimente, neue, wenn auch unsinnige Torf-Rekorde oder auch ein „Back to the roots“-Whisky mit historischem Getreide. All dies sorgt für eine gewisse Lebendigkeit.

All dies findet jedoch im Rahmen gesetzlich festgelegter Kategorien statt. Egal, ob Bourbon Whiskey, Single Malt Scotch Whisky oder Single Barrel Straight Rye, jeder einzelne Begriff ist exakt definiert. Festgeschrieben, was er sein darf und was nicht.

Bei der Produktion eines Getreidebrandes müssen sich die einzelnen Hersteller nicht zwangsläufig an die exakten Produktionsvorgaben halten. Sie müssen dann aber auch auf den entsprechenden Begriff verzichten. Folglich geht ihnen der hochwertige Ruf und eine ganze Kundengruppe verloren.

Ein Beispiel. In Schottland ist es ohne weiteres möglich, sein Destillat nur 2 Jahre in Eichenfässern zu lagern. Auch auf dem Markt darf es dann problemlos platziert werden. Nur eben Whisky darf es nicht genannt werden. Zumindest nicht offiziell.

Was offiziell anerkannt ist und was nicht, wird vom Gesetzgeber und beratenden Vereinigungen wie beispielsweise der Scotch Whisky Association festgelegt. Das heißt aber nicht, dass inoffiziell nicht mit anderen Klassifizierungen gearbeitet werden dürfte. Whisky-Subkulturen, die teils beachtlichen Erfolg genießen.

1. SINGLE BLENDED WHISKY

Die erste Kategorie, die ich dir in dieser Liste der Underground-Whiskys vorstellen möchte, trug den kuriosen Namen „Single Blended Whisky“. Ein Kuriosum deswegen, da die beiden Begriffe „Single“ und „Blended“ für ein und dasselbe Produkt nicht zulässig sind. Eigentlich.

„Single“ bezeichnet einen Whisky, der ausschließlich in einer einzelnen Brennerei hergestellt wurde. „Blended“ hingegen, ist ein Whisky, der auf Destillaten verschiedener Getreide-Sorten basiert. Gerstenmalz mit Roggen, Roggen mit Weizen, Weizen mit Gerstenmalz. Was auch immer. Da es in der Scotch Industrie Usus ist, dass diese verschiedenen Destillate meist auch von unterschiedlichen Brennereien stammen, stellt sich im Regelfall die Frage nach einer „Single“-Bezeichnung gar nicht.

Allerdings gibt es exakt eine schottische Whisky-Brennerei, die hier völlig gegen den Trend läuft. In mehrerlei Hinsicht. Die Rede ist von der Loch Lomond Distillery im Grenzgebiet zwischen den High- und den Lowlands.

In dieser Destillerie wird zum einen Malt Whisky produziert. Anders als beim Gros der Malt-Brennereien destilliert man bei Loch Lomond allerdings in Pot Stills verschiedener Varianten. Die markanteste ist dabei jene, bei der auf dem kupfernen Kessel kein herkömmlicher „Hals“ aufsitzt, sondern eine Rektifikationskolonne. Eigentlich ein Markenzeichen von Column Stills zur Herstellung von Grain Whisky.

Die Mitarbeiter von Loch Lomond verdienen den Großteil ihrer Brötchen allerdings nicht mit Single Malts, sondern mit der Produktion von Grain Whiskys. Dies funktioniert deshalb, da die Brennerei auf ihrem Gelände alle Vorrichtungen für die beiden charakteristischen Scotch Whisky-Stile hat: Malt und Grain Whisky. Anders ausgedrückt: Die Brennerei produziert ihre Blended Whiskys autark. Ein einmaliger Zustand in der Scotch Whisky-Landschaft.

De facto wären damit alle Voraussetzungen für einen „Single Blended Whisky“ erfüllt. Ein Blended Whisky, produziert von nur einer Brennerei. Um diesen Kategorienamen auch offiziell vermarkten zu dürfen, reichte die Loch Lomond Distillery jenen Antrag vor einigen Jahren bei der Scotch Whisky Association ein. Er wurde abgelehnt.

2. MOONSHINE

Dem Begriff „Moonshine“ haftet etwas romantisches an. Etwas verruchtes, etwas, das Unabhängigkeit verkörpert. Wie viele historische Phänomene, deren heutiges romantisches Bild nur wenig mit der ursprünglichen Tatsache gemeinsam hat, ist Moonshine bei weitem nicht mehr das, was es ursprünglich war.

Während Moonshine heute für viele Hersteller ein interessantes Marketing-Werkzeug ist, war es in den Anfängen der Whisky-Produktion nichts anderes als ein Schwarzbrand. Ein Destillat, hergestellt fernab von der Reichweite des Fiskus. Da man für das Produkt folglich keine Steuern entrichtete, war man offiziell nicht anerkannt. Daher hatte eine allgemeingültige Klassifizierungen sowieso keine Gültigkeit. Von konkreten Produktionsvorgaben ganz zu schweigen.

Betrachtet man die großen Whisky-Nationen USA, Irland und Schottland, so spielt Moonshine wenn überhaupt dann nur in den USA ein gewisse Rolle. Zwar gibt es auch hierzulande einige Hersteller, die sich auf den alten „Illegalen“ fokussieren, der Hauptmarkt ist allerdings die USA. Aus historischen Gründen.

Unterbewusst verbindet man Moonshine meist mit Whiskey. Grundsätzlich kann dieser allerdings aus jeglichen Rohstoffen hergestellt werden und erfüllt meist nicht einmal das Minimum an Vorgaben eines Whiskeys. Allein deswegen, da Moonshine bereits aus traditionellen Gründen kein Holzfass von Innen sieht.

Gelegentlich wird jener Brand mit den Begriffen New Make oder White Dog gleichgesetzt. In Ausnahmefällen kann dies zwar korrekt sein, grundsätzlich ist dies jedoch falsch. New Make und White Dog sind 2 Begriffe für ein und dasselbe Produkt: frischer Rohbrand kurz bevor er ins Eichenfass wandert. Folglich ein Zwischenschritt auf dem Weg ein Whiskey zu werden.

Moonshine steht für sich selbst. Es ist ein fertiges Produkt, das auch als solches vermarktet wird. Wenn auch ohne offizielle Legitimation.

3. SINGLE POT STILL WHISKEY

Wenn ich den für mich größten Unterschied von irischem Whiskey zu den anderen großen Kategorien wie Scotch oder Bourbon nennen müsste, dann müsste ich nicht lange überlegen. Es wäre das Offensichtlichste: die unvergleichbar geringen Auflagen.

Während Scotch und Straight Bourbon-Hersteller ganze Pamphlete an Produktions- und Klassifizierungsverordnungen einhalten müssen, ist dies bei Irish Whiskey kurz und knapp gehalten. So gibt es offiziell auch nur eine Subkategorie zu Irish Whiskey. Dies ist Blended Irish Whiskey.

Das hält aber diverse irische Whiskey-Brennereien nicht davon ab, innovativ zu sein. So entwickelte sich unter anderem die inoffizielle Kategorie der Single Pot Still Whiskeys. Größter Unterschied zu Single Malts: Hier kommt neben gemälzter Gerste auch ungemälzte zum Einsatz.

4. STRAIGHT CORN WHISKEY

Es gibt keine Whiskey-Nation, die derart konfuse Verordnungen bezüglich ihrer Whiskey-Produktion hat, wie die USA. Zwar gibt es die klassischen Kategorien wie Straight Whiskeys oder Single Barrel Whiskeys, deren Herstellung ganz klar definiert sind. Die Probleme beginnen allerdings in dem Moment, in dem man jene Premium-Klassen verlässt.

Allein die Frage, ob und wenn ja welcher US-Whiskey Farbstoff enthalten darf, scheint sowohl unter Experten, internationalen Produzenten und Endkunden nicht ganz eindeutig geklärt zu sein.

Ein Kuriosum der US Whiskey-Kategorisierung gibt es allerdings auch bei den Premium-Kategorien. Während es von Rye (mindestens 51 % Roggen), Bourbon (mindestens 51 % Mais) oder Wheat Whiskey (mindestens 51 % Weizen) klassische Varianten wie Straight Whiskey oder Single Barrels gibt, ist dies bei Corn Whiskey (mindestens 80 % Mais) unbekannt. Gesetzlich also auch nicht festgelegt. Hier gibt es schlicht und ergreifend nur „Corn“. Warum? Unbekannte historische Gründe.


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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