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Pernod Ricard schluckt Monkey 47 Gin

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Bildquelle: Monkey 47

Das Wochenende könnte kaum mit mehr Gesprächsstoff beginnen. Denn konnte sich die Schwarzwälder Gin-Schmiede des Monkey 47 bereits 2014 einen Platz in einem der wichtigsten US-Vertriebe sichern, nimmt jetzt der weltweit zweitgrößte Spirituosenkonzern Monkey 47 unter seine Fittiche. Was Pernod Ricard nun mit Deutschlands bekanntestem Gin vor hat, wird sich bald zeigen.


Es ist ohne Frage eine Rekordgeschichte. Die Entwicklung der Gin-Marke Monkey 47. Nicht nur erkannten die Black Forest Distillers um Gründer Alexander Stein und Christoph Keller vor rund 6 Jahren die Zeichen der Zeit, sie setzten sie auch konsequent um.

Als ich 2010 mit der Schreibarbeit für die ersten Eye for Spirits-Artikel begann, war der Monkey 47 Dry Gin eines der ersten Destillate, die ich zum Verkosten in die Hände gedrückt bekam. Damals noch in den Anfängen und nur ein recht kleiner Wacholder-Tropfen auf dem Markt, sieht die Sache nun 6 Jahre später gänzlich anders aus.

Die Marke etablierte sich auf dem Markt derart rasant, dass nun mit Pernod Ricard eines der führenden internationalen Spirituosenunternehmen die Mehrheitsanteile an dem Schwarzwälder Gin-Unternehmen kauft. Ein Ziel, von dem Unmengen von modernen Gin-Hersteller träumen.

Warum ist aber gerade Monkey 47 so erfolgreich? Qualitativ gäbe es doch vergleichbares. Der Grund ist, und da bin ich mir sicher, dass die Black Forest Distillers in verschiedenen Punkten derart richtig lagen, dass sie den deutschen Gin-Markt als bekannteste Marke heute anführen.

Als der moderne deutsche Gin-Markt noch in den Kinderschuhen steckte, so um das Jahr 2010 herum, begann man bei Monkey 47 exklusiv zu denken. Sie erkannten besser als das damalige Gros der Gin-Produzenten, dass es neben solider Qualität ohne geschicktes Marketing und Storytelling schlicht nicht geht.

Sie setzten als erstes auf ein individuelles Design im alten Apothekerflaschen-Stil. Was mittlerweile ein ausgelutschtes Konzept ist, war damals Neuland. Des Weiteren war der Monkey 47 der erste deutsche Gin, der auffallend an der Preisschraube drehte. Und das definitiv nach oben.

Was ihm im ersten Moment zweifelsohne Kritik einbrachte, verlieh ihm dennoch einen Hauch Luxus. Heute ist das von den Black Forest Distillers miteingeleutete Preisniveau für 0,5 Liter Flaschen nur noch Durchschnitt. Längst hat der Gin-Markt erkannt, dass selbst über jenem Preis noch Potential liegt.

So trafen sich gestern Black Forest Distillers Geschäftsführer Alexander Stein mit Vertretern von Pernod Ricard zur Unterzeichnung des Übernahmevertrags. Nun, da der französische Spirituosengigant die Mehrheitsrechte an Monkey 47 besitzt, steht dieser zusammen im Regal mit Branchengrößen wie Jameson, The Glenlivet, Absolut Vodka oder Havana Club.


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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12 Kommentare für Pernod Ricard schluckt Monkey 47 Gin

  1. kallaskander 29. Januar 2016 zu 14:56 #

    Hi there,

    na dann gute Nacht. Siehe Absolut…. na so schlimm wird es nicht werden…..
    Ich bin mal gespannt wie sich die Philosophie von Herrn Keller und Herrn Stein mit den Notwendigkeiten von Pernod Ricard in Einklang bringen lassen….

    In den USA wirds auch spannend, Sidney Frank, der Importeur dort gehört seit 2015 Mast-Jägermeister…

    Das wird Pernod Ricard dort selber machen wollen.

    Schade um den Gin.

    Greetings
    kallaskander

  2. Dennis 29. Januar 2016 zu 16:16 #

    Hallöchen, eigentlich bin ich eh schon länger kein Monkey 47 Freund mehr, aber diese Entwicklung schießt den Vogel ab. Überall wo ich Stein oder Keller begegnet bin, behaupteten sie immer (ungefragt) sie würden kein Marketing machen, hätten keine Designer engagiert und produzierten Kleinstmengen, auch wenn sie mehr verkaufen könnten. Steins Lieblingsausruf dazu war immer „Bei uns gibt es kein Gier frisst Hirn!“.
    Noch vor ein paar Wochen zelebrierten sich die Zwei auf dem Barconvent derart selbstinzinierend mit genau diesen Phrasen „kein Marketing, kein Gier frisst Hirn, alles ganz Bodenständig, Qualität, Qualität Qualität bla bla“.
    Die Qualität hatte aber schon seit ein, zwei Jahren, eventuell zusammenhängend mit der USA Einführung deutlich nachgelassen. Keller destilliert schon lang keinen Monkey 47 mehr, machen alles Angestellte. Die Zwei erzählen nur noch Geschichten, wie der Verkauf an Pernot Recard nun ganz offen klarstellt.

  3. Heiko 29. Januar 2016 zu 17:06 #

    Ich finde das absolut nachvollziehbar! Nun wird nach einigen Jahren
    Arbeit mit dem Schnapsladen die pekuniäre Ernte eingefahren. Wo ist das
    Problem? Ich würde eher sagen: Glückwunsch, gut gemacht! Ein
    Geschäftsmodell, das sich wirklich ausgezahlt hat.

    Muss sich deshalb automatisch die Qualität zum Negativen verändern,
    weil das nun ein „böser Großer“ macht und die Brennblase nicht mehr
    „von Hand“ in der „Garage“ von den Gründern höchst selbst bedient wird?

    Und klar machen die Gründer das Marketing (Wer sonst?) und klar können
    Angestellte in einer wachsenden Firma Aufgaben genauso gut übernehmen.
    Oder haben die Gründer Zauberhände?

    Und wenn der Gin tatsächlich schlechter werden sollte, kann man
    ja einen anderen kaufen. Wäre auch nicht das erste Mal.

    • Tom 5. Februar 2016 zu 17:53 #

      Das Problem ist, dass die Herren immer sehr laut betont haben, dass es bei Ihnen eben anders läuft.

      Das ist wie bei Uli Hoeneß. Dem hätte man seine Steuergeschichte auch nicht so um die Ohren gehauen, wenn er nicht vorher immer den Moralapostel gegeben hätte

  4. Dennis 29. Januar 2016 zu 19:06 #

    Heiko, du hast in allen Punkten recht. Wenn man jedoch, wie in diesem Falle geschehen, immer das Gegenteil propagiert und stets behauptet, dass man nie Marketing gemacht hat, dass das Design auch selbst gemacht ist (man kann jedoch die Werbeagentur durch googlen finden, die das Design gemacht hat) und jeder Tropfen vom „Masterdistiller“ höchstpersönlich gefertigt wurde, dann ist das schlicht und einfach eine Verarschung der Kunden auf Kosten derer, die wirklich alles selbst machen!

  5. sawgf 29. Januar 2016 zu 19:48 #

    hihi schlucken

  6. Andreas 30. Januar 2016 zu 02:25 #

    Was ich an dem an dem Artikel evtl etwas kritisieren möchte ist, dass in der Headline das Wort „schlucken“ benutzt wird. Klingt natürlich viel drastischer als im letzten Satz Mehrheitsrechte. Im englischen Pressebericht wird da sehr viel wert darauf gelegt es zu betonen, dass es auch Mehrheitsrechte sind und nicht eine totale Übernahme. Zumindest haben wir keine genauen Details über den Deal. Noch nicht. Könnte ja auch 51% PR und 49%Schneider Lewy sein.

    Die „Zusammenarbeit“ macht in meinen Augen letztendlich total Sinn. Pernod Ricard bekommt eine DER Spirituosen Marken der letzten Jahre ins Portfolio und die Monkey Eigner bekommen einen kompetenten „Partner“ in Sachen internationalen Vertrieb und mit Sicherheit eine nicht unerhebliche Summe Cash hinzu die in neue Projekte oder den Ausbau der Distille investiert werden kann.

    Und natürlich kann man hier den Vergleich der großen, bösen Company ziehen die den kleinen einfach so auffrisst aber mal ehrlich wer glaubt den hier wirklich die Mär der kleinen Schwarzwaldbrennerei?? Kann man wirklich so naiv sein?

    Ein Produkt das mittlerweile nahezu überall auf der Welt ohne Probleme zu bekommen ist. Innerhalb von 6 Jahren gewachsen aber nie Lieferengpässe?

    Mal davon abgesehen das die Company von Stein gar nicht soooo klein ist. Natürlich kein Vergleich zu PR aber da wurde succesive eine Marke mit viel Sinn und Verstand hochgezogen und kontinuierlich erweitert.

    Und mal ehrlich bei den ganzen Start Ups die Mal eine brillante Idee hatten und dann von google und Konsorten, in diesem Sinne wirklich geschluckt werden, beschwert sich generell auch keiner sondern es wird eifrig Beifall geklatscht das zwei kleine, pickelige 18 jährige ne Idee hatten die 53 Mio $ wert ist.

    Da finde ich das Vorgehen von Herrn Stein (Meinungen zur Person und des Charakters tun hier gar nichts zur Sache) eigentlich schon um einiges Krasser weil das definitiv kein Zufallsprodukt war sondern einfach nur mit viel Weitblick geplant und clever gemacht.

    Muss man nicht mögen, muss man jetzt aber nicht runter machen – schon gar nicht wenn man bedenkt was dieses Produkt weltweit für die Spirituosen Industrie, Gin Trinker und Barszene in den letzten Jahren gemacht und geleistet hat.

    Da kann man schon mal klatschen würde Angie jetzt sagen.
    Kohle einheimsen, expandieren in neue Ideen investieren.

    Chapeau – so wird es gemacht.

    Für Pernod Ricard macht der Deal sowieso Sinn eigentlich sogar egal wie viel sie dafür bezahlt haben Zahlt sich am Ende eh aus.

    Just my 2 Cents
    .

    • Stefan 5. Februar 2016 zu 17:56 #

      Ob das alles der Weitsicht von Herrn Stein zuzuschreiben ist, darf ja sicherlich hinterfragt werden. Ohne die Weltmeister Auszeichnung zu Beginn, wäre M47 wohl eine kleine, feine Randmarke geblieben.

  7. Mellow 31. Januar 2016 zu 02:40 #

    Ich glaube dass ein „Großer“ nun den kleinen kauft oder mehrheitliche Anteile besitzt ist IMHO nicht so das Problem. Klar, alles richtig gemacht wenn man nach Jahren nun gekauft wird… und die beiden zeigen nur dass Sie den klassischen Sales draufhaben wenn Sie Dinge propagieren die mit einem Augenzwinkern stimmen ODER früher mal gestimmt haben (so zehren sie nun heute noch von der Geschichte). Problem meiner Meinung nach ist jedoch dass es ausgerechnet PR ist. Dies wird noch zu einem Problem werden für alle Händler die Monkey verkaufen… PR ist leider bekannt für so einige Dinge auf die ich nicht weiter eingehen möchte. Und das wird das richtige Problem werden langfristig…

  8. Stephan 1. Februar 2016 zu 11:19 #

    glaubt ihr wirklich pernod war der erste der ein angebot gemacht hat???
    die kaufen nur „zuckerlen“ – also…

  9. Ginge weasley 14. März 2016 zu 22:01 #

    Herr Stein kommt aus dem Marketing. Er macht das selbst. Nicht hemdsärmelig,wie er selbst sagte, sondern exzellent – das tief stapeln hat dabei sicherlich einen wichtigen Anteil neben den ganzen hanebüchenen historischen Überlieferungen. Es sei ihm gegönnt.

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