Octomore 7.4 Single Malt Whisky im Test » Eye For Spirits

Werbung

Octomore 7.4 Single Malt Whisky im Test

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone

Octomore 7.4

Die Octomore-Serie der Scotch Malt-Destillerie Bruichladdich ist schon ein Kuriosum. Aus Herstellungsfakten, die manch anderer Hersteller nicht erwähnt bzw. absichtlich verschweigt, macht die Marke Octomore ein Aushängeschild. Sei es die hohe ppm-Anzahl oder das niedrige Alter. Nun steht mit Octomore 7.4 Single Malt Whisky der neueste Zuwachs vor dem Marktstart. Kurz vorher konnten wir einen Blick in die Flasche werfen.


Es sind nicht wenige Brennereien, die ein neues Produkt gänzlich an einer fiktiven Geschichte hoch ziehen. Storytelling ist in Mode und überwiegt in der Scotch Industrie in vielen Teilen die harten Fakten über die Herstellung.

Beim Octomore 7.4 dreht die Brennerei Bruichladdich den Spieß einfach um. Man verzichtet auf erfundene Geschichte, sondern liefert Fakten und Zahlen en masse. Das Präsentieren von Daten wurde hier zum Aushängeschild und zum Hype. Bruichladdich macht sich an dieser Stelle vollkommen nackig, selbst wenn dies in Anbetracht von nur 7 Jahren Reifung auf den ersten Blick gar nicht so attraktiv ist.

Fakt ist allerdings, dass die bekannte Brennerei der schottischen Insel Islay mit dem Octomore 7.4 einen Single Malt Scotch Whisky kreiert hat, der vielleicht nicht jedem mundet, aber viel Diskussionspotential bietet.

DEGUSTATION DES OCTOMORE 7.4 SINGLE MALT WHISKY

Die Farbe des Octomore 7.4 ist der Inbegriff von Bronze. Wie zu erwarten gibt das Virgin Oak-Fass diesem Malt den bisher kräftigsten Farbton der gesamten Octomore-Serie. Wie für neue Quercus alba-Fässer typisch, hat er einen leicht rot-bräunlichen Ton. Zudem bildet er wenige, dafür aber dicke, ölige Tropfen, die nach dem Schwenken zurück zum Boden fließen.

Als ich meine Nase nur für einen kurzen Moment über das Glas des Octomore 7.4 hielt, stach ein konkreter Eindruck besonders hervor: Kraft. Unglaublich viel aromatische Kraft. Um diese Aussage mal mit paar konkreten Aromen zu füttern: Rauch, Vanille, Karamell. Er hat nicht viele Aromen. Die wenigen, die er aber hat, knallen deftig aus dem Glas. Schön zeigt das Bouquet des Octomore 7.4 meiner Ansicht nach auch das Masking, bei dem einzelne dominante Holznoten, das kräftige Aroma eines Octomore zügeln. Heißt: Er ist einer der am „wenigsten“ rauchigen Octomores bisher. Gibt man ihm etwas Ruhe, treten aus dem Hintergrund zusätzlich intensive Rooibos- und Hibiskus-Noten hervor.

Sobald du den ersten Schluck des Octomore 7.4 im Mund hast, wird dir auch hier zunächst einmal eine Breitseite kräftiger Aromen entgegenschlagen. Exakt jene, die auch das Nosing dominierten. Vanille, Karamell und Rauch. Aber auch hier schwächelt der Rauch deutlich im Vergleich zu älteren Octomore-Abfüllungen. Im Mund wird allerdings auch das Manko von kurzer Virgin Oak-Reifung deutlich. Er besitzt zwar aromatische Kraft und klassische Aromen, an Raffinesse oder aromatischer Komplexität fehlt es im jedoch gänzlich. Kurzum: Die dominanten Aromen hat man recht schnell erkannt, danach wird der Octomore 7.4 langweilig. Zudem hatte ich den Eindruck, dass diese Octomore-Abfüllung ein auffallend alkoholisches Brennen erzeugt. Zwar bringt er satte 61,2 %Vol. auf die Anzeige, allerdings gibt es Malt Whiskys mit ähnlichem Alkoholgehalt, die einen nicht erstmal nach Luft schnappen lassen. Auch in den Reihen des Octomore.

Im Nachklang bleiben schlussendlich Rauch, Holz und Rooibos zurück. Langanhaltend und durchaus angenehm am Gaumen.

Zusammenfassend würde ich den Octomore 7.4 als Single Malt Scotch Whisky mit einem absolut unkonventionellen Aromenprofil beschreiben. Allerdings wirkt er auf mich eher als eine Zwischenstufe zu einem reifen Whisky. Kraft und Aromen hat er durchaus. Sie wirken allerdings, als bekäme man sie direkt mit der Bratpfanne auf die 12. Es fehlt im eindeutig an Balance und filigranen Hintergrundnoten. Nichtsdestotrotz ist er ein Glas Wert. Und wenn auch nur aus Neugierde über ein unkonventionelles Aromenprofil.

Details:

Art: Single Malt Scotch Whisky

Alter: 7 Jahre

Jahrgang: 2008

Alkohol: 61,2 %Vol.

Preis: k. A.

Region: Islay/Schottland

Bottler: Bruichladdich/Rémy Cointreau

Fazit: 6/10 Punkten


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Dann erhalte alle zukünftigen Artikel von Eye for Spirits. Kostenfrei. Bequem in dein Postfach.
Noch keine Kommentare.

Schreibe einen Kommentar