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Der Weg zur eigenen Bar – 13 Fragen an Erich Wassicek aus der Halbestadt Bar in Wien

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Bildquelle: Andrea Peller

“13 Fragen an…” Bartender, Bar Manager und Bar Chefs beantworten in unserem Interview die wichtigsten Fragen zur Gründung der eigenen Bar. Der Fragebogen lebt dabei von der Vergleichbarkeit der standardisierten Fragen und soll Einblick in die jeweiligen Gründertage geben. Ein Interview für Barflys und Start Up-Gründer.


Eye for Spirits: Wie kamen Sie zu der Idee, eine eigene Bar zu gründen?

EW: Es gab keine Idee eine Bar zu eröffnen, es ergab sich die Gelegenheit. Nach Jahren der Wanderschaft wurde mir eine Anstellung angeboten, die Bar selbstständig zu führen bzw. zu übernehmen.

EfS: Wie entscheidend für den Erfolg ist aus Ihrer persönlichen Erfahrung der Standort einer Bar?

EW: Es ist nicht unbedingt der Standort entscheidend. Einen sehr großen Einfluss hat Beharrlichkeit, Fleiß und Zähigkeit, um nicht, wegen der zumeist einkehrenden Ruhe nach dem anfänglichen Hype, aufzugeben. Natürlich beobachtet man zuvor die Infrastruktur und das wirtschaftliche Potential eines möglichen Standortes.

EfS: Jedes Start-Up und jede Neugründung bedarf einiges an Investition. Woher stammte das Startkapital für Ihre Bar?

EW: Wie gesagt, ich hatte nicht den Plan eine Bar zu eröffnen, jedoch sah ich in dem damaligen Angebot die Chance in meiner Heimatstadt wieder sesshaft zu werden. Da ich über keine finanziellen Rücklagen verfügte und auf keine Erbschaft hoffen konnte, reichte ich einen Businessplan bei verschiedenen Banken ein.

EfS: Wie wichtig ist es zu Beginn ein konkretes Konzept der endgültigen Bar vor Augen zu haben?

EW: Sehr wichtig, wobei natürlich eine gewisse Flexibilität nicht außer Acht gelassen werden sollte.

EfS: Welche Vor- und Nachteile sehen Sie in Pouring- und Ausschankverträgen?

EW: Vorteile sehe ich für größere Betriebe. In unserem Fall war es im Nachhinein die richtige Entscheidung uns nicht durch (Knebel-)Verträge an einen Konzern zu binden. Wir legen Wert auf beste Zusammenarbeit mit all unseren Partnern, da wir unseren Gästen ein möglichst breites Spektrum der geschmacklichen Welt garantieren wollen. Die industriellen Rochaden der letzten Jahre manifestieren unseren Entschluss.

 

EfS: Was sind die wichtigsten Faktoren bei der Zusammenstellung des Sortiments und des Wareneinkaufs?

EW: Absolute Priorität für uns haben qualitativ hochwertige Produkte. Preisvergleich und Glück bei der Wahl der Grosshändler.

EfS: Was waren in der Gründungszeit die größten Hindernisse?

EW: Das ein Monat nur 30/31 Tage zählt. Spaß beiseite. Natürlich war in der Anfangszeit der finanzielle Druck am stärksten. Wir wollten unseren Gästen Barkultur des frühen 20. Jahrhunderts näherbringen. In der weinseeligen Stadt Wien galten wir für viele Gäste als arrogant. Als wir vor ungefähr 10 Jahren Wein aus dem Sortiment strichen, fühlten sich viele Gäste vor den Kopf gestoßen.

EfS: Was würden Sie rückblickend bei der Gründung Ihrer Bar anders machen?

EW: Ich hätte gerne vor 17 Jahren die Disziplin und den Respekt gehabt, mit der ich heute meine Tätigkeit ausübe. Wobei ich glaube, dass diese 17 Jahre mich dies gelehrt haben.

EfS: Ohne Gäste läuft die beste Bar nicht. Was unternehmen Sie hinsichtlich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit?

EW: Wer nicht wirbt, der stirbt… Jedoch waren wir eher vorsichtig und haben unsere Werbung bzw. Breitenwirkung wohl bedacht. Nicht jedes Medium, sei es noch so günstig, bringt Positives. Die letzten Jahre haben bewiesen, dass wir getrost die Werbung unseren Gästen überlassen können.

EfS: Welchen Ratschlag würden Sie einem anderen Gründer an die Hand geben?

EW: In erster Linie sich treu bleiben, das Ziel nicht aus den Augen verlieren, Qualität statt Quantität.

EfS: Mit welcher Person würden Sie gerne einmal anstoßen?

EW: Mit Menschen, bei denen Genuss und Respekt im Vordergrund steht.

EfS: Sie erhalten von einem fiktiven Investor 500.000 Euro. Was würden Sie damit anstellen?

EW: Dankend ablehnen.

EfS: Arbeiten Sie in 10 Jahren noch in der Gastronomie?

EW: In Anbetracht meiner frühen Geburt (1961) wohl kaum. Aber frei nach Ian Fleming „sag niemals nie“.


Zur Person: Erich Wassicek gründete 1999 in Wien die Halbestadt Bar. Er ist seit 2008 Gründungsmitglied der deutschsprachigen Tanqueray Gilde und seit 2014 Miembro Honorario Asociación de Cantineros Cuba.

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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Ein Kommentar für Der Weg zur eigenen Bar – 13 Fragen an Erich Wassicek aus der Halbestadt Bar in Wien

  1. Box 16. Februar 2016 zu 17:19 #

    Die Bar wirkt auf dem Foto (bei Tageslicht) etwas kalt – aber der Mann sympathisch – wird beim nächsten Wien Aufenthalt besucht.

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