T-Spoon und HY-Gerste: 2 Whisky-Phänomene, die du kennen solltest » Eye For Spirits

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T-Spoon und HY-Gerste: 2 Whisky-Phänomene, die du kennen solltest

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Bildquelle: GollyGforce - Living My Worst Nightmare/FlickR

Das Spannende an einer Spirituose wie Scotch Whisky oder Bourbon ist, dass man sich noch so gut auskennen mag, es gibt immer wieder etwas Neues. Neugierig bleiben, sollte zum Credo werden. Insider-Wissen über jene Getreide-Tropfen bekommt man dabei nur am Rande mit. Wenn überhaupt. Oder wusstest du, wonach das Whisky-Getreide ausgewählt wird oder was ein T-Spooned Whisky ist?


Das Interessante, teils aber auch Mühselige an einer lebhaften Industrie und Szene ist die Tatsache, dass man sich gelegentlich über den aktuellen Stand informieren sollte. Das ist jetzt nicht unbedingt nötig, um einen Whisky in vollen Zügen genießen zu können, macht das gesamte Genre allerdings durchaus interessanter. Zumal Hintergrundwissen die eigene Meinung bildet und hilft, Industrie-Trends mitzumachen oder sich bewusst um Alternativen umzuschauen.

Und sind wir doch mal ehrlich. Je mehr Detail-Wissen wir über ein Destillat besitzen, desto spannender wird es.

GERSTE SOLL ALKOHOL LIEFERN

Auf unzähligen Whisky-Tastings, Vorträgen oder auch in diverser Literatur wirst du Infos darüber finden, welchen aromatischen Einfluss ein konkreter Herstellungsschritt hat. Egal ob es das verwendete Wasser, die Hefe, die Fermentationsdauer oder die Fasslagerung ist. Wobei Letzteres zweifelsohne den Löwenanteil an Aromen liefert.

Ein kurze Randnotiz fällt dabei gelegentlich auf die Gerste. Der Grundbaustein eines Single Malt Whiskys. Wenn wir an dieser Stelle einmal die bunten Getreide-Mischungen der US-Whiskey-Industrie ausblenden, und auch vergessen, dass manche Scotch Destillerie Limited Editions mit besonderen, historischen Gerste-Sorten herausbringt, dann hat die Gerste schlicht nur eine Aufgabe: Sie soll Alkohol liefern. Das Aroma ist sekundär.

Auch wenn es die ein oder andere Farm Distillery gibt oder Brennereien wie Bruichladdich sich „Organic“ auf die Whisky-Fahnen schreiben, das Gros der in der Scotch-Industrie verwendeten Gerste stammt nicht aus Destillerie-Nähe. Ganz bestimmt nicht. Ein nicht unerheblicher Teil wird importiert. Aus England, Frankreich und anderen Teilen der Welt.

Eine Diskussion um Terroir bei Whisky macht mit Blick auf den Rohstoff bei den meisten Destillerien daher so viel Sinn wie ein wasserdichter Teebeutel. Bedenkt man, dass die Gerste sowieso nicht als einer der Hauptaromalieferanten behandelt wird, soll die Gerste (Hordeum vulgare) grundsätzlich 2 konkrete Eigenschaften besitzen.

  • Niedrigen Stickstoffgehalt
  • Maximale Alkoholausbeute

Ersteres hat aromatische Gründe. Hat die Gerste einen zu hohen Stickstoff-Gehalt kann dies während der Fermentation zu ungewünschten Fehlnoten bzw. Off-Flavours führen.

Die zweite Eigenschaft hat hingegen ausschließlich ökonomische Gründe. Je mehr Alkohol sich aus der Gerste gewinnen lässt, desto effizienter kann die Destillerie arbeiten und wirtschaften. War im Viktorianischen Zeitalter am Ende des 19. Jahrhunderts Chevallier meist das Getreide der Wahl, sind es seit einigen Jahren die 3 Varianten Triumph, Camargue und Chariot.

Was mir selbst lange Zeit nicht bewusst war, und ich vergangenes Jahr erst durch die Recherche zum Whisky-Buch von EYE FOR SPIRITS herausfand, war die immense Arbeitsleistung der beauftragten Pflanzenzüchter. Im vergangenen Jahrhundert wechselte die Scotch Malt Industrie rund 10 Mal das bevorzugte Getreide. Um allerdings eine (!) neue, effizientere Gersten-Sorte zu züchten, bedarf es rund 1 Million Züchtungsexperimente bzw. 15 Jahre Forschungsarbeit.

Heute sind die verwendeten Gerste-Sorten wahre Alkoholmaschinen, High Yield-Gerste. Was allerdings nicht bedeutet, dass es in naher Zukunft nicht vielleicht noch eine neue Gersten-Sorte geben wird, die es noch ein Fünkchen besser kann.

T-SPOONED: DER WHISKY AUF DEM TEELÖFFEL

T-Spooned bzw. Tea-Spooned (Tea Spoon; dt.: Teelöffel). Im Zusammenhang mit einem Genussmittel klingt es, als bekäme man sein Glas Whisky in kleinen Portionen auf dem Löffel verabreicht. Einer für Mama, einer für Papa… Hinter dem Begriff steckt allerdings ein rein wirtschaftlicher Gedanke der Scotch-Industrie zum Schutz der eigenen Marke.

„To teaspoon a whisky“ ist nichts weiter als einem Fass-Whisky sprichwörtlich eine kleine Portion, einen Teelöffel, eines anderen Whiskys einer anderen Marke bzw. Destillerie hinzuzugeben. Die Konsequenz: Whisky aus exakt diesem Fass darf nicht mehr als Single Malt Whisky verkauft werden.

Der Teelöffel steht hier meist nur metaphorisch, denn weitaus praktikabler ist es für die jeweilige Destillerie gleich eine Flasche statt einem Teelöffel Whisky zu nehmen. Diese 0,7 Liter werden nun in das ausgewählte Fass gegeben.

Aromatisch hat ein Teelöffel in einem Standard-Fass keine großen Auswirkungen. Auch eine Flasche nicht. Das wird spätestens dann deutlich, wenn man sich die Dimensionen vor Augen führt. Ein durchschnittliches Scotch-Fass der Hogshead-Größe fasst rund 250 Liter. Eine 700 ml Flasche wäre hiervon nur 0,28 Prozent.

Wenn es also kaum aromatische Auswirkungen hat, warum sollte eine Malt Destillerie dies dann tun? Verliert sie immerhin dadurch den preistreibenden Label-Aufdruck „Single Malt  bzw. Single Cask Whisky“.

Was im erstem Moment nach einem unsinnigen Schuss ins Knie klingt, hat für die jeweilige Destillerie ganz praktische Gründe. Gründe im Zusammenhang mit unabhängigen Abfüllern.

Raymond Armstrong, Geschäftsführer der Bladnoch Distillery, bringt es auf den Punkt: „In the last few years there has been an increase in teaspooning among blenders. It allows them to exchange their whisky whilst at the same time protecting a valuable brand.[…]“ (Dt.: In den letzten paar Jahren hat teaspooning unter Whisky-Blendern zugenommen. Es gibt ihnen die Möglichkeit, ihren Whisky auf den Markt zu bringen und gleichzeitig eine besondere Marke zu schützen.“

Für mich klingt dies in erster Linie so: Eine Whisky-Brennerei findet in ihrem gigantischen Lagerbestand ein Fass, dessen Qualität als zu schlecht für den Destillerie-Standard erachtet wird. Es wird also an einen unabhängigen Abfüller weiterverkauft. Um allerdings sicherzustellen, dass dieser für den „schlechten“ Whisky nicht mit dem Destillerie-Namen wirbt, mischt man ein paar Tropfen eines anderen Whiskys bei. Kategorie-Bezeichnungen wie „Single Malt“ und „Single Cask“ und gar der Destillerie-Name fallen damit weg.

Bei den meisten jener T-Spoon Whiskys, die erhältlich sind, sucht man daher vergebens nach Destillerie-Informationen. Im Vordergrund steht der Marken- nicht der Destillerie-Name.

Einen der bekanntesten T-Spoon Whiskys liefert die Marke Burnside. Im Prinzip nichts anderes als ein Blended Malt der beiden Scotch-Marken Balvenie und Glenfiddich aus dem Hause William Grant. 99,9 Prozent Balvenie, 0,1 Prozent Glenfiddich.

Im Gegensatz zum Burnside sind die meisten Hersteller von T-Spoon Whisky allerdings deutlich verschwiegener, was den Inhalt der Flasche angeht.

Ob dies dann aber auch immer zu Ungunsten der Qualität laufen muss, steht auf einem anderen Blatt.


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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7 Kommentare für T-Spoon und HY-Gerste: 2 Whisky-Phänomene, die du kennen solltest

  1. sawgf 21. Februar 2016 zu 13:51 #

    Wäre es eventuell möglich, bei euren Artikeln auch Quellen anzugeben? Das ist natürlich keine wissenschaftliche Arbeit aber gerade wenn man ein interessantes Thema vorbringt, wäre es für den Leser durchaus wünschenswert, die zugrundeliegenden Quellen zu lesen.

    Ich persönlich würde außerdem eine kleine Ergänzung vornehmen:

    „To teaspoon a whisky“ ist nichts weiter als einem Fass-Whisky sprichwörtlich eine kleine Portion, einen Teelöffel, eines Whiskys EINER ANDEREN BRENNEREI hinzuzugeben. Die Konsequenz: Whisky aus exakt diesem Fass darf nicht mehr als Single Malt Whisky verkauft werden.

    • Philip Reim 21. Februar 2016 zu 20:36 #

      Hey,

      bei Interesse können wir gerne die entsprechenden Quellen per Mail nachreichen. Sofern möglich, da vieles auch aus Gesprächen oder schlicht Erfahrung stammt.

      Direkt im Artikel die Quellen anzugeben, ist allerdings nicht vorgesehen.

      Gruß Philip

  2. Christoph 21. Februar 2016 zu 15:45 #

    Schöner Artikel, vielen Dank!
    Bald ist Geburtstag, euer Buch steht genau wegen solchen interessanten Artikeln auf meiner Wunschliste 🙂

    • Philip Reim 21. Februar 2016 zu 20:33 #

      Hallo Christoph,

      das freut mich zu hören.
      Eventuell kommt das Hardcover bereits übernächste Woche raus.
      Je nach Geschwindigkeit der Druckerei.

      Viele Grüße
      Philip

  3. kallaskander 22. Februar 2016 zu 10:47 #

    Hi there,

    ich denke man sollte bei dem Thema high yield – es geht kaum noch um etwas anderes bei der Auswahl der Gerste und sogar Macallan hat sich von der über Jahre verwendeten Golden Promise verabschiedet – auch erwähnen, daß die high yield Gerstensorten alle Abstriche beim Aroma nach sich ziehen.

    Niedriger Stickstoffgehalt ist immer wichtig, auch beim Brauen, aber die alten, aus ökonomischer Sicht weniger ertragreichen Sorten bringen intensivere und andere Aromen.

    Auch hier steckt ein Detail des Problems, daß „gewohnte“ Lieblingswhiskies heute anders schmecken als früher und ist auch ein Teil der Begründung dafür, daß moderne whiskies immer uniformer ausfallen.

    Greetings
    kallaskander

    Glenmorangie + a tiny measure of Glen Moray = ‘Westport’

    Glenfiddich + 1% Balvenie = ‘Wardhead’

    Balvenie + 1% Glenfiddich = ‚Burnside’

    Kininvie +1% (?) Glenfiddich and/or Balvenie = ‚Aldunie’

    Laphroaig + X = ‚Williamson’

    Ardbeg + X = Kildalton (Now that is interesting!)

    (Ardbeg 17 years plus young Glen Moray became ‚Serendipity’)

    Glendronach + X = ‚Placemill’

    Tamdhu + X = ‚Duich’

    Glenrothes + X = ‚Glenshiel’

    Macallan + X = ‚Kintail’

    Highland Park + X = ‚Whitlaw’

    Ailsa Bay + X = Dalrymple, the trading name of teaspooned Ailsa Bay

    Bowmore + X = ?

  4. Thomas 22. Februar 2016 zu 17:02 #

    Die Wirkung der Gerste ausschließlich auf die Gewinnung von Alkohol zu reduzieren halte ich für nicht ausreichend. Besonders die Arbeiten mit besonderen Gersten (ob Terroir-Abhängig oder historische Züchtung) belegen, dass dort eine deutliche Aromenentwicklung erkennbar ist, die sich von anderen Gersten unterscheidet!

    Und weiterhin als Kommentar zum Kommentar: Woher stammt die Information, dass Ardbeg Kildalton ein Teaspooned sein soll? Das ist schlichweg einfach falsch!

    Grüße

    Thomas

  5. kallaskander 24. Februar 2016 zu 00:37 #

    Hi there,

    das bedeutet nicht daß der normal verkaufe Ardbeg Kildalton ein teasponned malt ist.

    Das bedeutet nur, daß es möglicherweise einen Ardbeg plus X gibt, der als Ardbeg Kildalton unter blendern gehandelt wird.

    Da es diese blenders names nicht offiziel als Listen gibt, sind die infos über Jahre aus verschiedenen blogs oder whisky Beschreibungen zusammengetragen.

    Greetings
    kallaskander

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