Hat neuer Gin noch eine Chance? Im Interview mit Merlin Kofler von Turicum Gin » Eye For Spirits

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Hat neuer Gin noch eine Chance? Im Interview mit Merlin Kofler von Turicum Gin

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turicum

Merlin Kofler traute sich vergangenes Jahr, was ihm jeder Szene-Insider tunlichst abraten würde: Er zog ein neues Gin-Start-Up auf. Und der bisherige Erfolg scheint ihm Recht zu geben. Wir konnten ihm kürzlich einige Fragen zu seinem Produkt und dem schweizer bzw. deutschen Gin-Markt stellen. Vielleicht ist doch noch Platz für weitere Marken?


EYE FOR SPIRITS: Hallo Herr Kofler. Sie starteten Ende letzten Jahres mit ihrem Turicum Gin zunächst auf dem heimischen Markt in der Schweiz, kurz darauf in Deutschland. Das heißt, sie versuchten ein Produkt auf einem bereits völlig übersättigten Markt zu platzieren. Woher nahmen Sie die Motivation? Hatten Sie im Hinterkopf, dass das in die Hose gehen könnte?

MERLIN KOFLER: Natürlich birgt jede Firmengründung und die Lancierung eines neuen Produkts gewisse Risiken,  daran kommt man erst recht nicht als junges Start-Up, so wie wir es sind, daran vorbei. Unsere Strategie, sofern man es so nennen kann, war es mit sehr geringem Budget, viel Eigeninitiative und improvisierten Räumlichkeiten erstmals nur 1000 Flaschen Turicum Gin herzustellen. Um dann zu sehen wie der Markt auf uns bzw. unser Produkt reagiert. Nachdem diese verblüffend schnell innerhalb von 10 Tagen verkauft waren, war dies Motivation genug um weiterzumachen und bis dato haben wir diese Entscheidung keine Sekunde bereut.

EFS: Wie verlief das Wachstum ihres Start Ups bisher in der Schweiz und in Deutschland?

MK: Mit einem so  schnellen Wachstum wie wir es gerade erleben, hätten wir  wohl nie gerechnet und so können wir nun nach nur 9 Monaten auf dem Markt unsere ganze Produktion etc. an einen einzigen Ort verlegen, um professioneller und vor allem effizienter zu arbeiten. Bisher befand sich das Büro bei mir zu Hause, die Destillationsanlage in einem unbeheizten ehemaligen Kuhstall und das Lager beschränkte sich auf die Kofferräume unserer Autos. Es ist toll, nun einen Schritt vorwärts zu machen. Mit der Möglichkeit uns nun vor Ort zu besuchen und zu sehen wie wir arbeiten, möchten wir diesen Wachstum auch mit allen teilen.

EFS: Um mittlerweile noch auf dem Gin-Markt eine gewisse Nische zu finden, braucht es Individualität. Was grenzt Ihr Produkt inhaltlich von der Vielzahl anderer hervorragender Gins ab?

MK: Ich finde ein gutes Produkt hat und sollte immer seine Berechtigung haben am Markt mitzumischen. Wir haben uns unter anderem dazu entschieden nur Botanicals zu verwenden zu denen wir auch einen Bezug haben. So pflücken wir zum Beispiel die Fichtenspitzen für unseren Gin selbst oder lassen uns den wilden Voatsiperifery Pfeffer von meinem Vater zuschicken, der in Madagaskar lebt.  Zu wissen mit welchen Grundstoffen man es wirklich zu tun hat, macht es einfacher damit zu arbeiten. Sicher auch nicht einzigartig, aber ehrlich.

 

EFS: Brennen Sie selbst oder bestellen Sie Turicum als Lohnabfüllung bei einer externen Destillerie?

MK: Wir destillieren selbst. Unseres Wissens nach besitzen wir sogar die einzige Destillationsanlage, die je für Spirituosen in der Stadt Zürich installiert wurde. Mit der eigenen Anlage haben wir auch für die Zukunft enorm viel Spielraum und Möglichkeiten. So können wir zum Beispiel Tag und Nacht an neuen Rezepten tüfteln. So sind bisher schon etwa 80 verschiedene Turicum Gin-Variationen entstanden, darunter welche mit Speck-, Milch- oder Aronia-geschmack.

EFS: Apropos Individualität. Wussten Sie bei Marktstart, dass Ihr Flaschendesign auffallend dem des Hamburger Gin Suls ähnelt?

MK: Darauf werden wir häufig angesprochen, wohl weil die Steingutflasche sehr auffallend ist. Ganz kann ich nicht nachvollziehen warum dies so ein großes Thema ist. Sieht man sich die Glasflaschen anderer Spirituosen- oder Bierhersteller an, so wird man schnell feststellen, dass sich die Designs andauernd wiederholen.  Hätten wir aber früher von Gin Sul erfahren, würde unserer Flasche vielleicht etwas anders aussehen.

EFS: Wie würden Sie als Neueinsteiger den schweizer und den deutschen Markt beschreiben? Gibt es große Unterschiede?

MK: Sowohl die Schweiz als auch Deutschland sind meines Erachtens nach sehr offen für neue Produkte und auch gewillt dafür ein paar Euro mehr auszugeben, wenn es dies Wert ist. Mit pan-baltic.de haben wir einen tollen Partner in Hamburg gefunden, der uns vor Ort eine große Hilfe ist.

EFS: Betrachtet man einmal die Erfolgsgeschichten so mancher deutscher Gins, dann waren dies meist Produkte, bei der die Person im Hintergrund, der Macher, ein Teil der Marke wurde. Wie sieht das bei Ihnen aus? Was unternehmen Sie für Turicum Gin für mehr Aufmerksamkeit?

MK: Wohl gerade in der Zeit von iPhone und Co ist es wichtig einen persönlichen Bezug aufbauen zu können. In unserem Fall gibt es hier nicht nur eine Person, sondern ein Vierer-Team. Die nötige Aufmerksamkeit erreichen wir dadurch, dass wir mit allem und jedem über Turicum Gin reden und so tagtäglich viele neue Menschen kennenlernen.

EFS: Zum Abschluss noch ein Blick in die Glaskugel: Wo sehen Sie den Gin-Markt in 5 Jahren und welche Rolle spielt darin Turicum?

MK: Spekulationen überlasse ich anderen, heute ist ein guter Tag und den genieße ich.

EFS: Vielen Dank, Merlin Kofler, für das Interview.


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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