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Scotch Whisky Association: Qualitätssicherung oder nur dubiose Konzern-Lobby?

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Bildquelle: Jack/Flickr

Sie ist das Rückgrat der schottischen Whisky-Industrie, der Integritätshüter einer Vorzeige-Spirituose. Zumindest wird es so nach außen kommuniziert. In Zeiten von NAS-Whiskys, mangelnder Herstellungs-Transparenz und Rechtsstreit über die Landesgrenzen hinaus, drängt sich förmlich eine Frage auf: Ist Lobbyarbeit zur Kernkompetenz der Scotch Whisky Association geworden?


„Die Scotch Whisky Association ist eine Handelsorganisation, welche die Scotch whisky industry repräsentiert. Die Scotch whisky industry ist ein wichtiger Teil der schottischen Ökonomie, besonders des schottischen Exportmarktes.“ Sagt Wikipedia.

Die Mitgliederliste ist das Who-is-who der schottischen Whisky-Industrie und es ist einfacher aufzuzählen, wer nicht Mitglied ist. Die SWA Mitglieder repräsentieren über 95% der Scotch Whisky-Produktion, mit über 2500 Marken weltweit.

Die SWA sagt über sich selbst: „Scotch Whisky ist ein high-quality, viel geliebter und prestigeträchtiger spirit drink mit einer globalen Reputation. Die Rolle der SWA ist es, die globalen Interessen und das Profil von Scotch Whisky zu befördern, ebenso die der Mitglieder und der Whisky-Industrie als Ganzes.“

Bezeichnend die Art und Weise, wie das u.a. erreicht werden soll. „Durch den Aufbau starker Beziehungen mit allen Regierungsebenen und mit allen Meinungsbildnern und durch eine sichtbare Einwirkung auf die öffentliche Debatte wird die SWA:

  • Eine vertrauensvolle Stimme in der Debatte um Alkohol und Gesellschaft sein.
  • Eine auf Wettbewerb beruhende, nachhaltige und fair besteuerte Industrie unterstützen.
  • Die Kategorie Scotch Whisky absichern.
  • Den fairen Zugang zu allen Märkten weltweit sichern.

„Wir sehen die Scotch Whisky-Industrie als ein signifikanten Aktivposten sowohl der schottischen als auch der britischen Ökonomie und Kultur, der Wachstum fördert und Jobs schafft, den Gemeinden, mit denen wir arbeiten starke Unterstützung bietet und die das Allerbeste aus Tradition und Moderne verbindet.“

Die SWA mischt auf der politischen Ebene erheblich mit. Sie nimmt Einfluss auf das schottische und das britische Parlament, um sicherzustellen, dass die Ansichten der Whisky-Industrie angehört – und auch verstanden werden.

„The Scotch Whisky Association works with the Scottish and UK Parliaments to ensure the Scotch Whisky industry’s views on issues are listened to and understood.“

Darüber hinaus arbeitet sie mit der Cross Party Group, einer überparteilichen Gruppierung, die sich ein paar Mal im Jahr im schottischen Parlament trifft.

„The Cross Party Group (CPG) on Scotch Whisky meets at the Scottish Parliament between three and four times each year.“

Die SWA ist strikt gegen minimum pricing, Mindestpreise für Alkoholika, da man – wie der Europäische Gerichtshof – der Meinung ist, sie seien illegal, könnten Missbrauch nicht unterbinden und darüber hinaus schädlich für die Scotch Whisky-Industrie.

„The Scotch Whisky Association believes Minimum Unit Pricing of alcohol is illegal, will be ineffective in tackling misuse and will damage the Scotch Whisky industry.“

Dann gibt es noch eine All Party Group, die „Kommunikation und Verständnis“ zwischen der Industrie und den Parlamentariern fördern soll.

„The All Party Group (APG) aims to promote and facilitate communication and understanding between representatives from the Scotch Whisky and spirits industry and MPs.“

Verband: Scotch Whisky Association; Kernkompetenz: Lobby-Arbeit

Wer zweifelt, dass es sich bei der Scotch Whisky Association um eine Lobbygruppe handelt, mag sich Folgendes auf der Zunge zergehen lassen.

In Australien und in Großbritannien haben Untersuchungen durch die Foundation for Alcohol Research and Education (FARE) in Australien und einem Report von der Alcohol Health Alliance – veröffentlicht von The Guardian- gezeigt, dass obwohl Problemtrinker eine Minderheit sind, die besten Kunden der Alkoholindustrie sind.

Natürlich betreibt die Scotch Whisky Industrie wie auch die einzelnen Konzerne selbst Aufklärung, regt zu moderatem Trinken an und warnt vor den Folgen von Alkoholgenuss. Vor allem vor übermäßigem.

Doch die zahlen belegen: Wären dies Kampagnen erfolgreich, ginge es der Alkoholindustrie schlechter. In Australien werden 74.2% allen Alkohols von nur 3.8 Millionen “risky drinkers”, Menschen die mehr als die empfohlenen vier Standard Drinks mit Alkohol am Tag konsumieren. Diese vier Drinks sind doppelt so viel wie in den staatlichen Gesundheitsempfehlungen vorgeschlagen.

In England machen die “hazardous” und “harmful drinkers“, die gefährdeten und die sich schadenden Alkoholkonsumenten, 69% der Alkoholverkäufe aus.

38% davon sind “hazardous” drinkers – Menschen die mehr als die empfohlenen 14 Einheiten pro Woche für Frauen und 21 für Männer trinken. Der Rest wurde von “harmful drinkers” konsumiert, die mehr als 50 „units a week“ für Männer und 35 für Frauen trinken. Da darf man von einem Alkoholproblem reden.

Zusätzlich trinken ca. 10,8 Millionen Menschen in England auf “risky levels”, auf riskantem Niveau, und weitere 1,6 Millionen könnten “some level” of dependence on alcohol, ein bestimmtes Maß an Alkoholabhängigkeit aufweisen. Feinsinnig ausgedrückt.

Der Chef der australischen FARE Chief Executive, Michael Thorn, meinte: “The alcohol industry is totally dependent on risky drinking. This is its dirty little secret. It’s an industry built on identifying, targeting and exploiting its best customers, and ensuring that almost four million Australians continue to misuse and abuse alcohol and are responsible for nearly three quarters of all the alcohol consumed by the nation.“

(zu dt.: „Die Alkoholindustrie ist absolut abhängig von Risiko-Trinkern. Das ist ihr kleines schmutziges Geheimnis. Es ist gewissermaßen eine Industrie, die aufgebaut ist nach dem Prinzip ihre besten Kunden zu finden, auszunutzen und sicherstellt, dass knapp 4 Millionen Australier weiterhin fleißig Alkohol missbrauchen und so rund Dreiviertel des Alkoholkonsums des Landes ausmachen“.)

“The alcohol industry markets this vague, undefined and unhelpful concept of ‘responsible drinking’ while all but ignoring the existence of the Australian drinking guidelines. Not because it might have a small impact on its bottom line, but because doing so would result in economic failure.”

(zu dt.: „Die Alkoholindustrie vermarktet dieses schwammige, sinnlose Konzept des „Verantwortungsbewussten Trinkens“, das an sich die offiziellen australischen Empfehlungen zum Alkoholgenuss völlig außen vor lässt. Dies allerdings nicht deswegen, da man sich inhaltlich an den Kernaussagen der Richtlinien stößt, sondern weil es wirtschaftlich äußerst unlukrativ wäre.“

Das sind harte Worte, sinngemäß: Ohne die Menschen bei denen man getrost von Alkoholgefährdung sprechen kann, ginge es den Getränkekonzernen nicht so gut.

Wird deswegen die SWA aufhören, Lobbyarbeit für Scotch Whisky zu machen? Natürlich nicht.

Die SWA wird weiter versuchen, den Whisky zu promoten und sich bei relevanten Gesetzgebungsverfahren, welche die Whisky-Industrie beeinflussen könnten, einmischen. Ganz aktuell ist man am britischen Schatzkanzler dran, die Besteuerung von Whisky in Großbritannien erneut zu senken. Die SWA sieht ihre Rolle in den Parlamenten so (wobei sie hoffentlich schon weiß, dass sie nicht selbst Mitglied in den Parlamenten ist):

  • Förderung der Scotch Whisky Interessen in den Parlamenten
  • Politiker aller Parteien über Entwicklungen der Scotch whisky industry zu informieren
  • Vorbereitung von schriftlichen und mündlichen Stellungnahmen für Beratungen der Regierungsdommittees
  • Politiker für relevante Debatten zu briefen
  • Das Sekretariat für die Cross Party Group und die All Party Group on Scotch Whisky zu stellen.

Die Scotch Whisky Interessen decken die Ökonomie, die Umwelt, den Arbeitsmarkt, Tourismus, Transport, Steuern und Gesundheit ab. Daher steckt auch die Whisky Industrie tief in den Abläufen sowohl des schottischen als auch des britischen Parlamentes drin.

Lasst uns das abkürzen, der Vorläufer der SWA wurde im Oktober 1912 gegründet als Wine & Spirit Brand Association. Unter dem damaligen Finanzminister und späteren Premier Minister, Chancellor Lloyd George stiegen die Steuern für Whisky allein im Jahr 1909 um 30%, was massive Absatzrückgänge nach sich zog.

 

Die SWA, wie sie später hieß, ist als Lobbyorganisation gegründet und nichts anderes ist sie bis heute. SWA heißt sie seit 1942.

Eines ihrer Ziele ist es, dem Scotch einen fairen Zugang zu den Märkten der Welt zu erschließen, ein anderes ist der Rechtsschutz. Über die Jahre ist die SWA gegen 1000 weltweite Whisky-Marken vorgegangen und hat Einspruch gegen fast 3000 Whisky-Namen oder Markennamen erhoben. Unter anderem Gegen den Old Red Fox – Racke Rauchzart oder die Fleischmann Whiskys. Einer der letzten Fälle wurde in Kanada ausgefochten, wo die SWA der schottisch stämmigen Glen Ora Destillerie in Nova Scotia, Neuschottland den Gebrauch des Wortes „Glen“ verbieten wollte.

Eine der Hauptaufgaben sieht die SWA im Schutz der Kategorie „Scotch Whisky“ und die Verhinderung unfairen Wettbewerbs. Außerdem soll eine Qualitätsdefinition von „Whisky“ in allen Hauptexportmärkten sicher gestellt werden.

Dafür hat die SWA das Legal Affairs Department (LAD) mit fünf Anwälten, Anwaltsgehilfen und zwei Datenassistenten. Deren primäre Aufgabe ist der Schutz des Scotch Whisky-Handels. Zu jeder gegebenen Zeit hat das LAD zwischen 60 bis 70 Fälle am laufen und dazu immer wieder Fälle, bei denen es um Schutzmarken geht.

Das Legal Affairs Department hat drei Aufgaben:

  • Es handelt und agiert als Wächter über das Regelwerk für Scotch whisky und alles was damit zusammenhängt
  • Es stoppt Verstöße gegen die Gesetze die sich auf Scotch whisky beziehen
  • Es berät Mitglieder und Nicht-Mitglieder über gesetzeskonformes Handeln.

Was das Legal Affairs Department (LAD) nicht macht, ist Markenrechte schützen, das liegt beim Markeninhaber.
Eine der Hauptaufgaben des LAD ist die Verhinderung dessen, dass sich irgendein Whisky irgendwo auf der Welt als Scotch bezeichnet oder auch nur den Anschein erweckt, er sei ein Scotch, wenn dem nicht so ist.

Die SWA sagt selbst: „The first definition of Scotch in UK law was secured by 1933, with a dedicated Scotch Whisky Act in 1988 and new Scotch Whisky Regulations in 2009. It took 97 of the SWA’s 100 years but there are now comprehensive rules in place.“

Die SWA hat 97 Jahre gebraucht, bis Whisky Regeln in Kraft sind, wie sie sie gerne hätte. Nicht alle davon sind gut.

Zum Thema Alkohol und Gesellschaft heißt es bei der SWA: „The debate on alcohol’s place in society is not new. The Association has promoted social resonsibility for decades. It has provided financial support for alcohol research and funding to train GPs and nurses on alcohol issues. An international marketing code has also been introduced. In 2013, the association established the Scotch Whisky Action Fund to tackle alcohol-related harm as an extension of its commitment to addressing misuse and promoting responsible drinking.“

Mit den neuen Scotch Whisky Regulations von 2009 hat die SWA ihr Meisterstück abgeliefert.

Scotch Whisky ist seit einiger Zeit als Produkt mit geographischer Herkunft nach europäischem Recht geschätzt, EC Regulation 110/2008. Diese regelt auch die Definition, Beschreibung, Präsentation und die Etikettierung einer ganzen Reihe von Alkoholika darunter natürlich Whisky . Die SWA hat durchgesetzt wie Scotch Whiskys etikettiert, verpackt und beworben werden können. Seit 2012 erfordern die Regeln, dass Single Malt Scotch Whisky nur in Schottland abgefüllt werden darf. Die SWA hat den Single Malt auch so definiert, dass er in kupfernen Brennblasen diskontinuierlich gebrannt werden muss. Damit hat sie verhindert, dass es einen schottischen Coffey Malt oder Malt aus Column oder Continous Stills, in denen man die Grain Whiskys destilliert geben kann. Eine schottische Erfindung, heute in Schottland verboten.

IMMER NOCH UNSICHER, OB ES SICH UM EINEN LOBBYVERBAND HANDELT?

Wer immer noch nicht glaubt, dass es sich um einen Lobbyverband handelt, sollte sich die Agierenden ansehen. Geleitet wird die SWA von einem Chief Executive und einigen Directors.

Chief Executive & Directors

David Frost
Chief Executive

Magnus Cormack
Director of Legal Affairs

John Bartholomew
Director of Finance & Administration

Julie Hesketh-Laird
Deputy Chief Executive & Director of Operational and Technical Affairs

David Williamson
Public Affairs & Communications Director

Sarah Dickson
Director of Global Affairs

Paul Roberts
Chief Information Officer

Das ist die Front nach außen. Dahinter wirkt ein Council von 12 bis 16 Vertretern von SWA Mitgliedern, die jährlich bei einem Annual General Meeting gewählt werden. Das Council ernennt einige Komitees für die Hilfe und Beratung bei verschiedenen Aspekten der SWA-Arbeit.
Wichtiger aber: Das Council of the Association setzt die strategische Richtung fest und stimmt untereinander die generelle Politik der SWA ab. Dadurch, dass die Council-Mitglieder unter den Chief Executives, den Bossen und anderen hochrangigen Vertretern der Whisky-Firmen aller Größen zusammensetzt, reflektiert das Council die Interessen aller Mitglieder. Es trifft sich vier Mal im Jahr.

The Council of the Association

Pierre Pringuet, Chivas Brothers Ltd (Chairman)

Peter Gordon, William Grant & Sons Ltd (Vice Chairman)

Graham Stevenson, Inver House Distillers Ltd (Treasurer)

Alberto Baladi, Beam Suntory

Richard Burn, Diageo plc

Ian Curle, Edrington

David Cutter, Diageo plc

Bill Farrar, Edrington

Laurent Lacassagne, Chivas Brothers Ltd

Stuart Lowthian, John Dewar and Sons Ltd & Bacardi

Rosemary McGinness, William Grant & Sons Ltd

Ivan Menezes, Diageo plc

Marc Hoellinger, The Glenmorangie Company Ltd

Leonard Russell, Ian MacLeod Distillers Ltd

Fraser Thornton, Burn Stewart Distillers

Alexandre Ricard, Chivas Brothers Ltd

SWA VS COMPASS BOX; SWA VS TRANSPARENZ

Wieso diese Anmerkungen zur SWA? Die SWA hat natürlich immer wieder Neuerungen im Bereich Whisky kritisiert oder gar untersagt, die nicht mit den Whisky-Regeln oder der SWA- Auffassung dessen, was bei Scotch Whisky geht und was nicht, nicht übereinstimmen.

Ich muss. zugeben, dass ich die Rolle der SWA als zweischneidig empfinde. Wenn wir uns Entwicklungen z. B. beim Vodka ansehen oder Entwicklungen bei amerikanischen Whiskys, so wird wohl so ziemlich jeder zustimmen, dass es da einiges gibt, was die Welt beim Whisky aus Schottland nicht braucht.

Insofern ist die SWA, die gerne auch als der watchdog, der Wachhund des Scotch Whisky bezeichnet wird, eine sinnvolle Einrichtung, wenn sie über ihren nicht unerheblichen Einfluss auf den britischen und in der Folge europäischen Gesetzgeber Einfluss nimmt, um die Kategorie Scotch Whisky zu bewahren.

Natürlich sind davon Freunde von Innovationen um jeden Preis nicht begeistert. So kam John Glaser mit einem Whisky von Compass Box unter die Räder, weil er in dessen Reifungsfässern zusätzliche Dauben aus französischer Eiche eingebaut hatte.

Das war 2005 als Compass Box den damals neuen Blended Malt Whisky namens The Spice Tree herausbrachte. Ein Teil des Blends hat eine teilweise Zweitreifung in Fässern verbracht, in die zusätzlich flache Einsätze aus französischem Eichenholz, sogenannte inner staves, innere Dauben, eingebaut waren.

Die Scotch Whisky Association war der Meinung, das diese inner staves bei der Whisky-Reifung eine Zuwiderhandlung gegen die damals geltenden Scotch Whisky -Regularien seien. Nach einer Klageandrohung stellte Compass Box die Herstellung des The Spice Tree auf diese Weise ein und stattdessen wurden in der Folge für die zweite Reifung Fässer mit toasted French oak heads, also getoasteten Deckeln aus französischer Eiche, verwendet.

Auch die Idee von Bruichladdich, ihren Malt mit irischem Connemara zu mischen und das Ergebnis als Celtic Malt zu verkaufen, fand bei der SWA keinen Wohlgefallen… vielleicht weil man da schlecht Scotch Whisky drauf schreiben konnte.

Nun ist Compass Box wieder im Clinch mit der SWA. Dieses Mal stört sich der watchdog an der Nennung aller Komponenten mit Alter bei zwei neuen Compass Box Whiskys von letztem Jahr.  Beim “This is not a luxury whisky”  und „Flaming Heart 15th Anniversary Edition“ gab Compass Box das Alter und den Anteil aller verwendeten Whiskys an.

Das zog prompt den Hinweis der SWA nach sich, dass die EU Regelung vorsieht, entweder den jüngsten Whisky in der Flasche heran zu ziehen und dessen Alter auf die Flasche zu schreiben – oder gar kein Alter. Den Tip soll die SWA von einem Mitbewerber von Compass Box erhalten haben… offiziell war von einer complaint, einer Beschwerde die Rede.

Oder gar kein Alter – das sind die ganzen NAS-ty Whiskys, die zunehmend den Whisky-Fans auf die Nerven gehen.

Compass Box war schon früher recht offen, was die verwendeten Whiskys für ihre Blended Malts anging, es wurde das Mischungsverhältnis, das Alter der Komponenten und ihre Herkunft genannt.

Und diese Art der Transparenz kam an bei den Whisky-Freunden.

Daher schrieb Compass Box einen offenen Brief an die SWA, nachdem diese sich gemeldet hatte. Unter dem Stichwort „Recht auf Transparenz“ fragt man öffentlich, was denn – abgesehen vom Verstoß gegen geltendes Recht in Hinblick auf die Nennung des Alters, Verpackung und Werbung für die beiden Compass Box Whiskys – an Transparenz in der Whisky-Welt so falsch sei?

Auf diesen Brief und Aussagen von John Glaser zum Thema stieg das Team der Tomatin Destillerie ein und unterstützte auf dem eigenen Blog die Forderung.

Daraus ist inzwischen eine Petition von Compass Box geworden, deren erster prominenter Unterstützer Bruichladdich ist. Inzwischen sind auch prominente Whisky-Blogger wie Ralfy eingestiegen und jeder kann diese Petition online unterstützen.

Aber….

Dass die Forderung nach völliger Transparenz auf dem Whisky-Etikett von der SWA als mögliche Bedrohung angesehen wird, ist klar. Konsequent zu Ende gedacht, würde es bedeuten, auf jeder Flasche Bended Scotch das Rezept veröffentlichen zu müssen. Das will keiner und das wird die geballte Macht des SWA Councils auch verhindern.

Nur das weiß auch John Glaser, dafür hat er lange genug bei DIAGEO gearbeitet. Deswegen geht seine Petition auch nicht um die Pflicht der Veröffentlichung von Daten zu den Komponenten eines Whisky. Seine Petition geht um das Recht zur Veröffentlichung von Daten, abweichend von den geltenden EU Regeln, wie sie die SWA 2009 festgelegt hat. Das ist aber etwas ganz anderes.

Die Pflicht zur Veröffentlichung wäre das Ende aller NAS-ty Whiskys . Endlich wäre klar, woraus die NAS-ties bestehen, wie alt die Komponenten sind und wie groß der jeweilige Anteil. Man könnte entscheiden, was einem das Alter eines Whiskys – ein Alter hat jeder Whisky , sonst wärs keiner – wert ist. Eine Transparenz, die nur zu begrüßen wäre… leider liegt sie so gar nicht im Interesse der SWA, daher hat sie die Überlebenschancen eines Eiswürfels in der Hölle.

Das will John aber nicht, er möchte nur einen Befreiung davon, wenn er 10 und 30 jährigen Whiskys mischt, den 30 jährigen verschweigen zu müssen. Daher sehen einige in der ganzen Affäre und der Petition nur eine Marketing-Masche von Compass Box.

Diese Regel mit dem jüngsten Whisky, der das Alter der Flasche bestimmt, soll verhindern, dass ein Blend oder Malt aus Dreijährigem gemischt mit einem Tropfen 40 jährigen als 40 Jahre alter Whisky oder Whisky mit einem 40 Jahre alten Anteil beworben werden kann. Daher die strikte Einschränkung auf den jüngsten in der Flasche zu findenden Whisky.

Für den Whisky-Freund ist das gut. Schaden kann es aber nicht, wenn man beginnt darüber nachzudenken, ob man als Hersteller dem Kunden mehr erzählen darf…. sofern die Angaben der Wahrheit entsprechen…. und da wird es dann wieder kompliziert.

Auf der anderen Seite des großen Teiches macht man sich auch Gedanken. Chuck Cowdery schreibt auf seinem Blog: „Americans are free to sign the petition if they want to but you should know that these rules don’t apply to us and never have. Here, age statements are optional for any whiskey that is more than four years old. Age statements must state the age of the youngest whiskey in the mix, but producers are welcome to provide information about the other components too.“

Was heißt, eigentlich gehen uns hier die schottischen Regeln nichts an. Hier sind Altersangaben für alles über vier Jahre optional und auch hier bestimmt der jüngste Whiskey das Alter der Flasche. Aber der Hersteller kann über die anderen Bestandteile alles aufs Etikett schreiben, wenn er will.

Und weiter: „Perhaps they had a good reason for it but the European Union (EU) rule, suggested by the Scotch Whiskey Association (SWA), seems absurd. Why prohibit producers from providing truthful information about their products? If the SWA/EU rule serves any interest it is certainly not that of consumers.
But it’s not our problem.“

Er meint, die Haltung der SWA und der EU sei absurd. Wieso sollte man die Produzenten davon abhalten, wahrheitsgemäße Angaben über ein Produkt zu machen? Diese Regel diene nur bestimmten Interessen, aber bestimmt nicht der des Verbrauchers. Das aber sei unser Problem.

Wir können also unterzeichnen und abwarten. Damit macht man ein Statement. Aber man sollte auch nicht zu überrascht sein, wenn sich genau nichts ändert. Und ich bin mir nicht sicher, ob das gut oder schlecht wäre.


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3 Kommentare für Scotch Whisky Association: Qualitätssicherung oder nur dubiose Konzern-Lobby?

  1. 1968superingo 25. Februar 2016 zu 11:38 #

    Ja, die SWA weiß sehr wohl, was sie tut! Zuviel Transparenz wäre für etliche schottische Firmen eine Katastrophe. Dann würden die Kunden ja mitkriegen, wie man ihnen das Geld aus dem Portemonnaie „stiehlt“. Respekt und Anerkennung für John Glasers Kampf gegen die „dunkle“ Seite des Whiskys. Hoffentlich hat er die Kraft und finanziellen Mittel, dass noch ein Weilchen durch zu halten.

  2. Michel Sjaunja 25. Februar 2016 zu 12:59 #

    Eines der besten Beispiele für einen guten NAS Whisky und Transparenz ist der TOMATIN Decades. Komisch dass sich bei dem niemand aufgeregt hat. Jetzt aber bei Compass Box.
    Schon komisch

    https://www.whiskybase.com/whisky/23361/tomatin-decades

    Hier wird die Zusammensetzung schön erklärt, so soltte es sein!
    http://www.tomatin.com/decades/

    Was ich dem Text vermisse, ist der Begriff “ Single Cask“. Der wird nämlich in den SWA Regulations weder erwähnt noch definiert. Aus gutem Grund. Kann man doch so dem Käufer vorgaukeln er erwerbe einen besonderen Whisky der zudem auch noch sehr imitiert ist.

    Insbesondere ein Hersteller macht davon intensiv Gebrauch obwohl klar ist, das viele wenn nicht sogar fast alle „Single Cask“ Abfüllungen alles andere als aus einem Fass sind.

    Meist sind diese Reracked oder aus zwei Fässern macht man ein Fass.
    Kann man auch einfach nachrechnen.

    Die SWA ist vor allem dazu da die Industrieinteressen zu schützen und durchzusetzen.

    Whisky ist leider nicht mehr das was es mal war.

  3. Michel Sjaunja 25. Februar 2016 zu 13:00 #

    Sorry für die Tippfehler:
    imitiert sollte limitiert heißen

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