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4 moderne Negroni-Twists, die du kennen solltest

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Bildquelle: djvstock/Fotolia

Der Negroni ist einer der großen Klassiker der Cocktail-Geschichte, ein Meilenstein des Genusses. Und ein Umsatzbringer. Denn es gibt wahrscheinlich keinen bekannteren und erfolgreicheren Drink, der auf eine konkrete Marke zugeschnitten ist. Der Negroni gehört zu Campari. Schüttelt man allerdings dieses Marken-Korsett einmal ab, dann gibt es eine Fülle an raffinierten Varianten: wie diese 4 Negroni Twists.


Zur Zubereitung ist ein durchschnittlicher Negroni äußerst dankbar. Du nimmst Campari, roten Vermouth und Gin in jeweils gleichen Portionen. Richtig gekühlt gibt dies dann ein Aromen-Potpourri an Kräutern, Gewürzen und einem Schuss Süße.

Betrachtet man diesen Drink allerdings einmal mehr aus historischer denn aus aromatischer Perspektive, dann ist der Negroni in gewisser Weise nur eine kurze Momentaufnahme eines sich immer weiter entwickelten Drinks. Der Negroni war nicht der Anfang, nicht der Urknall eines Cocktails, der massiv auf die Aromen eines Bitters und eines Vermouths baut. Der Negroni ist nur ein Zwischenschritt, der durch geschickte Marketing-Arbeit eines Unternehmens zu weltweiten Ruhm gelangte. Anders ausgedrückt: der Negroni ist nur eine Zwischensequenz einer bestimmten Cocktail-Evolution, er ist selbst „nur“ ein Twist.

Der Grundstein, der erste Drink, der die Melange aus einem Bitter und Vermouth populär machte, war der Americano. Ein Drink auf Basis von Campari, rotem Vermouth und etwas Soda.

Im Italien des frühen 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Americano zum Cash-Bringer. Er lieferte mediterrane Aromen und ergänzte durch seine angenehm leichte Trinkbarkeit etwas typisch italienisches: die Prä- und After-Dinner-Kultur. Gespickt mit einem Namen, der zur damaligen Zeit die Sehnsucht gen Westen bediente, war der Americano der Renner.

Aus diesem Drink heraus entwickelte sich 1919 eine aufgepeppte, eine etwas stärkere Variante. Der Negroni. Im Caffè Casoni in Florenz, heute Caffè Cavalli orderte Graf Camillo Negroni eine Abwandlung eines Americano. Etwas mehr Feuer sollte er haben, bißchen mehr Wumms. Statt Soda verwendete der damalige Bartender Fosco Scarselli folglich Gin in gleichen Mengen wie Vermouth oder Campari. Der Negroni wurde erstmals zubereitet.

So gesehen ist also der Negroni nichts anderes als ein Twist eines Americano, ergänzt um eine kräftige Basis-Spirituose. Legt man diese Tatsache zugrunde, dann eröffnet der Negroni sehr viel Spielraum. Nun, solange man das Gespann Campari-Vermouth bzw. Bitter-Vermouth beisammen lässt.

So dauerte es gerade einmal rund 8 Jahre bis sich aus dem Negroni ein neuer Drink entwickelte, der mittlerweile ebenso zum Standard-Repertoire eines Bartenders gehören sollte: der Boulevardier Cocktail. In diesem wird der Gin durch Bourbon Whiskey, der rote durch süßen Vermouth ausgetauscht. Da der Grundbauplan jedoch derselbe bleibt, ist ein Boulevardier am Ende nichts anderes als ein Twist des Negroni.

Die Evolution der Bitter-Vermouth-Melange war mit dem Negroni daher nicht zu Ende. Jener Drink war nur sein berühmtester Sprössling. Seither entwickelten sich eine Fülle an diversen Twists auf Basis des aromatischen Italieners.

Zum Beispiel folgende 4. Bei allen Rezepturen haben wir darauf geachtet, dass die einzelnen Zutaten hierzulande erhältlich sind. Auch wenn man den ein oder anderen Tropfen recherchieren muss.

KINGSTON NEGRONI

adaptiert nach Joaquín Simó, 2009

  • 3 cl Smith & Cross Rum
  • 3 cl Carpano Antica Formula Vermouth
  • 3 cl Campari

Alle Zutaten in einem Rührglas ca. 30 Sekunden auf Eiswürfeln verrühren. Anschließend in einen großen, vorgekühlten Tumbler auf Eis abseihen und schließlich mit einer Orangenzeste garnieren.

WHITE NEGRONI

adaptiert nach Wayne Collins, 2012

  • 4,5 cl Dry Gin
  • 2 cl Vermouth weiß
  • 2 cl Suze Saveurs d’autrefois Aperitif

Zur Zubereitung des White Negroni werden alle Zutaten auf Eiswürfel in einem Rührglas rund 30 Sekunden verrührt. Anschließend in einen vorgekühlten Tumbler auf Eiswürfel abseihen. Mit Zitronenzeste garnieren.

Eine Alternativ-Rezeptur des White Negroni sieht Lillet Blanc statt des weißen Vermouths vor. Dies macht den Drink etwas bekömmlicher, da sein herber Charakter reduziert wird.

THE GRAND CONCOURSE NEGRONI

adaptiert nach Theo Liberman, London

  • 2 cl Campari
  • 2 cl Rye Whiskey
  • 3 cl Vermouth rot
  • 4 cl Cider
  • 1,5 cl Frischer Limettensaft

Alle Zutaten ca. 15 Sekunden kräftig auf Eis shaken. Den Drink anschließend in einen großen, vorgekühlten Tumbler auf Eis abseihen. On top Zimt einer frischen Zimtstange über dem Cocktail verreiben.

NEGRONI GIAPPONERIA

adaptiert nach Mayajuki Kotashi, Japan

  • 2 cl Campari
  • 2 cl Dry Gin
  • 2 cl Pflaumenlikör
  • 2 – 3 Blätter roter Shiso (Alternative: Basilikumblätter)

Auffällig ist hierbei, dass bei diesem Negroni-Twist zwar Gin und Campari vorhanden sind, Vemouth allerdings ausgespart wird. An dessen Stelle treten Pflaumenlikör und Shiso-Blätter. Dies verleiht dem eigentlich herb-süßen Negroni eine leicht japanische Note.

Die Shiso-Blätter in einen Tumbler geben, Campari darüber gießen. Das Glas mit Crushed Ice auffüllen. Danach Gin und Pflaumenlikör hinzugeben. Ungefähr 7 bis 10 Sekunden verrühren und anschließend nochmals mit Crushed Ice auffüllen. Als Dekoration ein Shiso-Blatt ins Eis geben.


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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