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Padre Azul Añejo Tequila im Test

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Bildquelle: Weinwelt/Mack & Schühle AG

Padre Azul Tequila ist ein Eyecatcher. Ein Blickfang, bei dem nebenstehende Produkte erst einmal keine Aufmerksamkeit bekommen. Die in Leder gefasste Flasche mit ihrem schweren Totenkopfkorken wirken exklusiv. Ein goldener Sattel macht einen Esel allerdings noch nicht zum Pferd, und so haben wir einmal in die Flasche des Padre Azul Añejo Tequila geblickt.


Bei Padre Azul, jener Tequila-Marke, die seit kurzem in Deutschland erhältlich ist, liebt man den großen Auftritt. Das Flaschen-Design auffallend und als Markenbotschafter arbeitet der Handballstar Stefan Kretzschmar.

Über den Añejo Tequila selbst erhält der Kunde eine Handvoll Informationen. Allerdings sind dies aus meinen Augen solche, die nur wenig über das Produkt selbst verraten. So wird das gesamte Padre Azul-Portfolio in der Tres Mujeres Destillerie in Jalisco im Hochland Mexikos produziert.

Neben einer 3-fachen Destillation und 18-monatigen Fassreifung erfährt man über das Destillat noch: „Padre azul wird nach allerhöchsten Anforderungen und Qualitätskriterien in Mexiko hergestellt. In dieses Getränk fließt nicht nur hochklassige Destillierkunst, sondern auch mexikanische Werte wie Genuss, Gelassenheit und Freundschaft.“ Ein recht nett klingender, wenn auch wenig aussagekräftiger Zusatz.

Platziert werden soll das gesamte Padre Azul-Portfolio im Premium-Segment. Schaue ich mir einmal den Preis des Padre Azul Añejo Tequila mit seinen 38%Vol. an, dann trifft dies definitiv zu.

DEGUSTATION DES PADRE AZUL ANEJO TEQUILA

Farblich präsentiert sich der Padre Azul Añejo in satter Ocker-Farbe.

Ich muss zugeben, dass die Erwartungen, die ich an einen Tequila hatte, der optisch dermaßen auftrumpft, hoch waren. Und der erste Eindruck in der Nase erfüllte diese auch. Ich wurde nicht enttäuscht. Dieser Tequila beginnt außerordentlich weich mit klassischen Agaven-Noten. Trocken-holzig. Spielst du eine Weile mit ihm, dann zeigt er dezente Noten von Chili, trockenem Holz, Lack und süßlichen Rosenblüten. Sehr auffallend und sehr positiv war zudem ein deutlicher Geruch nach frischem Zigarrentabak und Weihrauch. Allerdings waren dies alles Aromen, die ich als sehr direkt beschreiben würde. Das heißt, im Hintergrund war nicht viel, es fehlte an aromatischer Tiefe.

Eine ähnliche Linie fährt der Padre Azul Añejo anschließend auch im Mund. Er ist weich und liefert klassische Agaven-Noten en masse. Den markantesten Eindruck im Mund hinterlässt allerdings ein anderer Geschmack: immense Süße. Dies erklärt auch, warum er anfänglich so weich und ölig auf der Zunge lag. Eine Süße, die in meinen Augen nicht aus dem Holz und seinen Bestandteilen wie Cellulose stammt, sondern eher in Richtung Haushaltszucker Saccharose geht. Dieser Geschmack ist auffallend und täuscht etwas darüber hinweg, dass es dem Padre Azul Añejo auch im Mund an aromatischer Komplexität und Raffinesse fehlt.

Exakt dieselbe Linie wie im Mund fährt dieser Tequila auch im Nachklang. Süß und voller Agave. Zwar habe ich keine konkreten Informationen darüber, gehe allerdings davon aus, dass bei einer Nachzuckerung nicht zimperlich hantiert wurde.

Seit Mitte 2015 ist das Portfolio von Padre Azul auf dem europäischen Markt verfügbar. Nur eine Frage der Zeit, wenn man seine gute Performance im Nachtleben von Los Angeles bedenkt. Allerdings ist der Padre Azul Añejo Tequila für mich in erster Linie ein Produkt für’s Auge. Lederumhang und 250g-Totenkopf ziehen den Blick an. Der Inhalt spielt dann leider eine keine so große Rolle mehr.

Details

Art: Añejo Tequila

Alter: 18 Monate

Alkohol: 38 %Vol.

Preis: ~ 99,- Euro à 0,7 Liter

Region: Jalisco/Mexiko

Bottler: Tres Mujeres/Padre Azul

Fazit: 4/10 Punkten


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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2 Kommentare für Padre Azul Añejo Tequila im Test

  1. Dunveggan 31. März 2016 zu 10:24 #

    Klar, so eine Flasche fällt auf und sticht ins Auge. Auf mich wirkt die Flasche aber eher trashig und prollig-protzig als wirklich edel und hochwertig. In der 100€-Preisklasse hätte ich sie keineswegs vermutet, 40€ vielleicht, nicht mehr.
    Aber gut, die Zielgruppe so eines Getränks ist auch sicher eine andere – eher der Besucher von teuren Diskotheken/Clubs als der Genießer am heimischen Kaminfeuer.

  2. Holger D. 31. März 2016 zu 19:33 #

    >Die in Leder gefasste Flasche mit ihrem schweren Totenkopfkorken wirken exklusiv<

    Im Ernst?! Auf mich wirken diese Pullen wie eine Mexiko-Fantasie aus dem fehlgeleiteten Stil-Kosmos eines Immer-noch-Ed-Hardy-Shirt-Trägers. Diese Produkt-Präsentation dürfte eigentlich nur Zeitgenossen ansprechen, die ohne mit der Wimper zu zucken Robert Geiss zum aktuell stilsichersten und bestgekleideten Mann der Welt küren würden…

    Über Design und Stil lässt sich aber bekanntlich (nicht) streiten, über andere Dinge hingegen schon: Man könnte z.B. mal ein paar Sekunden darüber meditieren, ob in unseren Zeiten, wo sich mittlerweile die halbe Welt Gedanken über Themen wie Ressourcen-Schonung, Nachhaltigkeit und Energiesparen macht, für die Verpackung einer Spirituose wirklich unbedingt die Schmelzöfen angeworfen werden müssen, um 250 g schwere Totenschädel-Metallstöpsel zu produzieren. Ähnliches gilt für das Abledern von Tieren, um aus deren Häuten lustige bunte Flaschen-Ledermäntelchen zu schneidern. Da diese Pullen vermutlich dann doch mehrheitlich subito in den Hausmüll wandern, nachdem sie ausgetrunken wurden, halte ich ein derartiges Produkt-Design für eine gänzlich unnötige und unzeitgemäße Verschwendung von Ressourcen.

    Den enthaltenen Tequila fand ich indessen gar nicht schlecht – wobei ich bis jetzt nur den "Blanco" probiert habe: Der ist blitzsauber gemacht und fließt ohne jegliche Spuren eines sprittigen alkoholischen Brennens über den Knorpel – so, wie sich das eben für einen 100% Agave Superpremium Tequila gehört. Aromatisch hält sich die sonst weit verbreitete, fruchtige Agavensüße beim Padre Azul Blanco im Hintergrund und macht Platz für ungewohnt trockene, würzige nadelholzartig-harzige Aromen, die man sonst eher bei einem artesanalen Mezcal antrifft. Den hätte ich gerne gekauft, wenn sich dieser Blanco Tequila in der üblichen Preislage von 30 – 40 EUR bewegt hätte… So hab ich dann allerdings gern drauf verzichtet – ich bin ja nicht meschugge und latze für 'ne potthässliche und aufwändig produzierte Designer-Flasche ca. 40 EUR obendrauf… 🙂

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