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4 Kriterien, die dir helfen die Qualität eines Vodkas zu beurteilen

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Bildquelle: burntime555/Fotolia

Was ist dein Lieblings-Vodka? Oder: Welcher Vodka ist gut? 2 Fragen, die bei „aromatisierten“ Spirituosen schon schwierig zu beantworten sind, scheinen bei Vodka ein fast aussichtsloser Kampf zu sein. So aussichtslos, dass das „Wässerchen“ vielerorts nur noch als Wirkungs-Drink verschrien ist. Dabei kannst du durchaus hochwertigen Vodka von schlechtem unterscheiden. Diese 4 Kriterien sollen dir dabei helfen.


Wenn ich von hochwertigen Vodka schreibe, dann habe ich eine ganz konkrete Kategorie im Kopf. Diejenige, die mit filigranen Noten arbeitet, dezente Nuancen verbirgt. Ganz sicher schreibe ich dabei nicht von jener Fraktion, die durch Diamantstaub, Gold, Gletscherwasser, Meteoritengestein und am besten noch Uran gefiltert wurde. Keine Marketing-Vodkas in Prestige-Flaschen, die bis zur Unkenntlichkeit geklärt wurden, um der breiten Masse zu gefallen. Wenn es nach nichts schmeckt, kann sich folglich auch keiner beschweren.

Es geht um Vodkas, bei denen der Begriff Bouquet zutrifft, bei denen die Degustation spannend ist. Aber machen wir uns nichts vor. Selbst beim hochwertigsten Vodka besteht das Bouquet aus filigraneren Noten als bei aromaschwangeren Destillaten wie Gin, Cognac, Rum oder Whisky. Getreide, meist der Rohstoff der Wahl für Vodka, liefert nur begrenzt aromarelevante Moleküle. Anders bei den zuvor genannten Destillaten, bei denen mindestens ein Herstellungsschritt allein für eine deutliche Aromatisierung verantwortlich ist. Bei Vodka gibt es den Rohstoff und Hefen. Grob gesagt, die einzigen beiden Bestandteile, die aromatische Nuancen liefern.

Und schauen wir uns Vodka doch mal an. Ist es nicht ungemein schwerer 2 Vodkas voneinander zu unterscheiden als 2 Cognacs oder Gins? Vodka knallt einem im Normalfall keine Breitseite an Aromen entgegen. Dessen Aromen musst du suchen. Aber es funktioniert. Vor allem dann, wenn du folgende 5 Kriterien einer professionellen Vodka-Beurteilung anwendest.

ÄUßERST WICHTIG: DIE TEMPERATUR

Die sensorischen Beurteilung eines Vodkas, vor allem die olfaktorische mittels der Nase, ist beeinflussbar. Unvorstellbar deutlich. Ich staune immer wieder, wie mir ein und dieselbe Spirituose an unterschiedlichen Orten verschiedene Aromen liefert. Der Inhalt des Glases ist dabei immer derselbe. Mein Unterbewusstsein nimmt sie nur anders war, manipuliert durch äußere Einflüsse.

Aus diesem Grund ist es bei der Verkostung von Vodka unabdingbar, dass diese in einem hellem, gut gelüftetem und geruchsneutralem Raum stattfindet. Optimal sind dabei 18 bis 25°C. Im Schnitt also die übliche Wohlfühltemperatur eines Zimmers. Zudem sollten die Wände keine zu grellen Farben tragen und der Raum gut beleuchtet sein. Anders ist es nur schwer möglich, das Destillat optisch zu beurteilen. Zumal sich die einzelnen Produkte eh nur marginal unterscheiden.

Noch weitaus wichtiger jedoch als die örtlichen Faktoren, sind die Mahlzeiten. Einen Vodka in Begleitung eines Essens zu beurteilen, macht ungefähr so viel Sinn wie wasserdichte Sandalen. Optimalerweise verspürst du weder Hunger noch Sattheit.

Für die Verkostung eignet sich eine hierarchische Anordnung der einzelnen Proben. Von minderer bis höchster Qualität. Du beginnst „unten“ und arbeitest dich dann nach „oben“. Am Ende sollten jene Vodkas mit der Klassifizierung „Luxus“ bzw. „Lux“ und „Extra“ stehen. Wobei „Extra“ in diesem Falle nicht Teil von Extra smooth oder Extra hot ist, sondern eine offizielle Qualitätsstufe des Vodkas darstellt. Unabhängig der Qualität sollte allerdings jeder Vodka eine Temperatur von + 15°C besitzen. Dies ist nicht zu kalt, als dass filigrane Noten nicht aus dem Glas steigen könnten.

Auch wenn es das Klischee so möchte, hochwertiger Vodka hat nichts in einem Shot-Glas verloren. Diese kleinen Teile sind fürs Wirkungstrinken geeignet, nicht aber zur Verkostung von Destillaten. Auch nicht von Vodka.

Wie auch bei Whisky, Cognac oder Rum kommen bei der Degustation von Vodka tulpenförmige Gläser zum Einsatz. Gläser, die unten breiter sind und sich nach oben verengen. So genannte Nosing-Gläser. Da man auch das Aussehen bewertet, ist kaum nötig zu erwähnen, dass das Glas farblos sein sollte. Hast du das Glas vor dir, kommen zwischen 4 und 5cl Vodka hinein.

 

FARBLOSIGKEIT BEURTEILEN

Selbst die optische Beurteilung von farbintensiven Destillaten wie Bourbon oder vieler Weinbrände ist manchmal ein ziemlich harter Brocken. Die Unterschiede fließend, die Farbe nicht klar abzugrenzen. Ich brauche dir daher kaum zu erzählen, dass die Bewertung eines farblosen Tropfens noch einmal eine ganz andere Hausnummer ist. Schaut man nicht genau hin, sehen Vodkas eh alle gleich aus.

Der Teufel liegt allerdings im Detail. Die Frage, die du dir daher bei der optischen Beurteilung eines Vodkas stellen musst, ist nicht: „Welche Farbe hat er?“. Das kannst du auch beantworten, ohne dass du den Vodka jemals zu Gesicht bekommen hast. Die relevanten Fragen sind vielmehr:

  • Ist er klar oder trüb?
  • Funkelt er im Licht?
  • Ist er ohne Fremdpartikel und Bodensatz?

Um die Klarheit eines Vodkas zu beurteilen, hältst du das Glas auf Augenhöhe zunächst schräg gegen das Licht. Anschließend kannst du es auch mit der Draufsicht probieren. Die Klarheit des Vodkas hängt dabei von der Menge und Farbe der enthaltenen Schwebepartikel ab. Je mehr, desto trüber. Je trüber, desto minderwertiger.

Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass die optische Beurteilung von farblosen Destillaten zur Königsdisziplin bei der Bewertung von hochprozentigen Genussmitteln gehört. Allerdings gibt es einen einfachen Trick, mit dem du dir die ganze Sache deutlich erleichtern kannst.

Nimm 2 Gläser. In eines füllst du rund 10cl des zu testenden Vodkas und in das andere dieselbe Menge destilliertes Wasser. Halte beide Gläser parallel gegen das Licht und betrachte deren Aussehen. Sollte ein Trübung im Vodka vorhanden sein, erkennst du sie spätestens jetzt im direkten Vergleich.

DAS AROMA EINES VODKAS

Das Aroma, jene feinen Duftnoten, die wir mit unserer Nase wahrnehmen, gibt es auch beim Vodka. Wir müssen die Nase nur auf diese trainieren. Entsprechend der Qualität eines Vodkas können dies durchaus viele sein, so dass wir definitiv von einem „Bouquet“ reden können. Alle ortho- und retronasal wahrnehmbar.

So teilt man das Bouquet eines Vodkas grundlegend in folgende 7 Gerüche ein:

  • Kampfer
  • Moschus
  • Blüten
  • Honig
  • Äther
  • Streng
  • Faulig

Entdeckst du darüber hinaus noch weitere Aromen, gelten diese als Kombinationen der genannten 7.

Um das Bouquet optimal wahrzunehmen, schwenkst du 4 bis 5cl des Vodkas kurz im Glas. Gib ihm 30 bis 40 Sekunden, um sich wieder zu beruhigen und halte es anschließend an deine Nase. Was riechst du? Bewege das Glas nun langsam von einem zum anderen Nasenloch. Sollte dir der Alkohol zu stark sein, dann öffne leicht deinen Mund. Dadurch zirkuliert Luft zwischen Mund und Nase und schwächt die alkoholische Schärfe in Teilen ab.

WODKA DARF NICHT SCHARF SEIN

Ob ein Vodka scharf und brennend ist, erkennst du spätestens im Mund. Seine erste Performance, seinen ersten Eindruck, den er hinterlässt, ist sein Mundgefühl. Ist er weich und samtig? Oder doch eher hart? Eigenschaften, die aus den einzelnen chemischen Inhaltsstoffen resultieren.

Fakt ist allerdings, dass ein hochwertiger Vodka keinen scharfen oder brennenden Geschmack haben darf. Außerdem sollte er ohne jeglichen Beigeschmack sein.

 

Die Verkostung von Vodka ist, so würde ich es beschreiben, eine der schwierigsten Prozesse der Spirituosen-Beurteilung. Zu filigran die Noten, zu grazil Geschmack und Aroma. Dennoch zeigen sich zwischen den einzelnen Qualitätsstufen markante und spannende Unterschiede. Wenn man weiss, wie man danach suchen soll.


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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6 Kommentare für 4 Kriterien, die dir helfen die Qualität eines Vodkas zu beurteilen

  1. Lucas 5. April 2016 zu 11:26 #

    Klasse Bericht. Gibt es so eine „Anleitung“ auch für Gin?
    Das wäre super

    • Klaus 7. April 2016 zu 13:46 #

      Mit Gin wird das wohl eher nichts. Bis auf die wenigen objektiven Parameter (Ethanolqualität, künstliche Aromen/Farbstoffe/Sonstiges und Zuckerung zur Geschmackstäuschung) ist der Rest doch sehr subjektiv was die Aromen angeht. Klar hat der eine mehr, der andere weniger unterschiedliche Aromen (wird hier oft als Komplexität bezeichnet), aber d. h. nicht, dass der eine deshalb besser ist. Wenige Aromen können einzelnen besser hervortreten, als eine Suppe, in der alles reingemengt ist, diese bietet aber vielleicht einen runden Gesamteindruck…

      Zurück zum Vodka: Denke auch hier sind viele Kriterien Augenwischerei, bis auf die Qualität des Ethanols.

  2. Robert 5. April 2016 zu 17:07 #

    Interessanter Artikel, vielleicht schaffe ich es ja wirklich mal, Vodka interessant zu finden.
    In drei Punkten gehe ich allerdings nicht konform.
    1. kann Vodka ja nicht nur aus Getreide, sondern laut EU-Verordnung aus:
    i) Kartoffeln und/oder Getreide oder
    ii) anderen landwirtschaftlichen Rohstoffen
    hergestellt werden.
    2. Extra ist vielleicht in Russland ein Qualitätsmerkmal, in der EU hat es keine rechtliche Bedeutung. Jeder Vodka darf sich hier Extra oder sonst wie nennen.
    3. fehlt mir bei den Aromen ein Punkt: Süß. Manche Vodkas schmecken so weich und rund und eben ein bisschen süß, da ss ich denke, dass da mit Zucker nachgeholfen wurde. Denn woher soll die Süße sonst kommen, Ethanol ist ja trocken. Und so wie bei Rum ist Zucker auch nicht verboten. Zitat aus der EU-Verordnung über Vodka: „Zur Aromatisierung dürfen nur natürliche, in dem Destillat aus den vergorenen Ausgangsstoffen vorhandene Aromastoffe verwendet werden. Außerdem können dem Erzeugnis besondere, vom vorherrschenden Geschmack abweichende sensorische Eigenschaften verliehen werden.“

    • Martin 5. April 2016 zu 20:23 #

      Die Süße muss nicht zwingend durch Zuckerzugabe entstehen. Wenn ich unseren Neutralalkhol mal nasche ist wird der auch als „süß“ empfunden, obwohl da definitiv kein Zucker drin ist.
      Zitat von der Großdestille: „Wenn der süßlich schmeckt ist das ein Zeichen für Qualität. Sprit z.B. aus Rübenmelasse wird so nicht schmecken!“

      • Robert 6. April 2016 zu 10:32 #

        Aber wie denn sonst? Wenn eine Spirituose aus praktisch nichts als aus Ethanol und Wasser besteht und auch keinerlei Holzfasslagerung unterlag, wie soll dann Süße hineinkommen? Ethanol schmeckt nicht süß.

      • Oliver Klimek 30. Juli 2016 zu 13:21 #

        Die Süße kommt vom natürlich enthaltenen Zucker. Die Umwandlung in Ethanol bei der Gärung ist nie voillständig. Hefezellen sind keine Maschinen, sondern Lebewesen. Da bleiben Zwischenprodukte übrig. Und da hochwertiger Wodka wie im Artikel definiert eben nicht nur aus möglichst reinem Ethanol bestehen soll, ist es durchaus möglich, dass bei der Destillation etwas vom Restzucker ins Endprodukt rettet.

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