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Mezcal Atenco: Mehr „Craft“ geht kaum

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Bildquelle: Native Cult

Es ist eine äußerst spannende Spirituose, nur leider bei uns viel zu selten anzutreffen. Mezcal. Der urtypische mexikanische Agavenbrand hinkt schlicht seinem bekannteren Bruder Tequila derart hinterher, dass er in Europa nach wie vor eine nur kleine Nische besetzt . Zwar eine wachsende, aber nach wie vor eine kleine. In dieser Riege gibt es seit kurzem allerdings Premium-Nachschub: MEZCAL ATENCO.


Den Mezcal-Verbrauch allein hier in Deutschland mit dem von Tequila zu vergleichen, wäre unsinnig. Die beiden Agavenbrände spielen in 2 völlig unterschiedlichen Ligen. Während in der Republik in erster Linie Low Budget-Tequila dominiert, stehen diesem meist Mezcals mit überdurchschnittlicher Qualität gegenüber. Vielleicht auch ein Vorteil etwas kleiner zu sein.

Dadurch, dass Mezcal, Mexikos ältester Agavenbrand, hierzulande nur in beschränkter Auswahl verfügbar ist, sind die einzelnen Qualitäten meist heiße Ware. Der deutsche Mezcal-Importeur bedient nicht die Masse, sondern den geneigten Spirituosen-Fan. Noch.

Die neueste Marke, die in die Riege der Premium- und Super-Premium Mezcals stößt, ist das deutsch-mexikanische Joint Venture MEZCAL ATENCO. Für dieses hat sich das Berliner Start Up Native Cult mit Mezcal-Brenner Don Rodolfo zusammengetan. Ein Mezcal-Fachmann der alten Schule, einer mit 50 jähriger Agaven-Laufbahn. Und in eben dessen Sinne verläuft die Herstellung der beiden MEZCAL ATENCO-Qualitäten: Ursprünglich.

Zur Herstellung des Atenco Espadín beziehungsweise Atenco Pechuga verwendet die kleine Brennerei aus dem Hochland Oaxacas Agaven der Sorte Angustifolia. Diese werden in konischen Öfen aus Flusssteinen gekocht. Bedeckt und abgedichtet wird mit Bananenblättern. Wirtschaftliche Effizienz sieht zwar anders aus, das Aromenprofil des Mezcals dankt es aber.

 

Selbst bei der Zerkleinerung der Agavenherzen, der sogenannten Piñas, bleibt Don Rodolfo bei Altbewährtem. Steinmühle mit Zugpferd leisten hier die Arbeit. Einmal in handliche Form zerteilt, wird der Saft der Agavenstücke dann in Pinienfässern fermentiert.

Der erste Unterschied, zumindest der offiziell kommunizierte, zwischen den beiden Qualitäten Espadín und Pechuga, liegt in der Anzahl der Destillationsdurchläufe. Ersterer fließt zweimal durch die Kupferbrennblasen, die Super-Premium-Qualität hingegen dreimal. Das gewisse Etwas erhält der Atenco Pechuga allerdings dadurch, dass Don Rodolfo bei der dritten Destillation eine Freiland-Hühnerbrust verwendet.

Die aktuelle Charge des Atenco Espadín beläuft sich gerade einmal auf eine bescheidene Flaschenzahl von knapp über 3.000. Dennoch liegt der Preis bei moderaten 48,- € à 0,7 Liter. Beim Pechuga hingegen wird es schon etwas exklusiver. Nur 500 Flaschen wurden produziert. Die unverbindliche Preisempfehlung: 96,- € für 700 ml.


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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5 Kommentare für Mezcal Atenco: Mehr „Craft“ geht kaum

  1. Holger D. 22. April 2016 zu 13:34 #

    Endlich mal wieder ein Thread über spannende Agaven-Destillate, super!

    96.- Euronen sind für ’nen Pechuga-Mezcal übrigens vergleichsweise günstig… Die meisten Pechuga-Mezcales bewegen sich eher im Bereich ab ca. 130 EUR. Außer ’ner Hühnerbrust können bei den Pechuga-Mezcales z.B. auch ein Schinkenknochen oder diverse Früchte im Geistkorb in der Brennblase liegen… 🙂

  2. Philip Reim 22. April 2016 zu 14:48 #

    Das stimmt. Im Falle des Atenco ist es – hat mir gerade nochmal die PR-Agentur geschrieben – eine Freiland-Truthahnbrust, die beim dritten Destillationslauf in der Brennblase hängt.

    Gruß Philip

  3. Jens Feddersen 26. April 2016 zu 14:19 #

    Bevor ich dumm sterbe. Welchen Effekt oder Nutzen hat es denn, wenn ich eine frische Truthahnbrust in die Brennblase hänge ?

    Gruß Jens

    • Holger D. 26. April 2016 zu 22:22 #

      Hi Jens,

      ich hab so einen dreifach destillierten „Pechuga-Mezcal“ noch nie im Glas gehabt. Das sind rare Spitzen-Destillate, die allenfalls in winzigen Mengen den Weg nach Europa finden. Und wenn sie dann hier mal im Handel auftauchen, kostet ’ne Pulle davon im Schnitt ca. 130 – 200 EUR; von daher ist der hier vorgestellte Atenco Pechuga schon ein echter Preisbrecher… 😉

      Mag man der Fachliteratur und den Spirituosen-Rezensenten Glauben schenken, wirken sich die ungewöhnlichen Zutaten, die bei dieser Mezcal-Art beim dritten Destillationslauf in die Brennblase gegeben werden, durchaus auf den Geschmack des Endprodukts aus… Ein Pechuga-Mezcal, bei dem eine Hühnerbrust in der Brennblase hing, soll einen unterschwelligen Hühnchenfleisch-Geschmack aufweisen…

      Ungewöhnlich, aber die Mexikaner scheinen auf sowas halt zu stehen. Andrerseits trinkt man ja auch in Franken Rauchbier, das mitunter so schmeckt, als wäre ein intensiv geräucherter Schwarzwälder Schinken in den Brauvorgang involviert gewesen. Von daher ist das doch nicht so bizarr, wie es auf den ersten Blick erscheint… 😉

      Abgesehen davon resultiert aus der seltenen Dreifach-Destillation – verglichen mit den oft sehr robusten und intensiven zweifach destillierten Mezcales – wohl ein vergleichsweise mildes, filigranes und auch außergewöhnlich komplexes Destillat.

      Hoffe, ich konnte dir zumindest etwas weiterhelfen.

      VG, HD

  4. Andreas K 27. April 2016 zu 13:01 #

    Die Hühnerbrust verleiht der Spirituose eine extreme cremigkeit.., man schmeckt kein Hühnchen .

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