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Clairin Sajous im Test

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sajous

Ob Clairin ein Massenphänomen wird? Ich bezweifle es. Eigentlich bin ich mir sogar sicher, dass es das nicht wird. Der Markt zu klein und ebenso der potentielle Kundenkreis. Schade eigentlich, denn so bleibt vielen Fans hochprozentiger Tropfen ein High End-Produkt verwehrt. Ein Produkt, das mehr Terroir kaum haben kann. Ein Qualitäts-Produkt wie der Clairin Sajous.


Clairin hat kaum jemand auf dem Schirm. Laien nicht und selbst Spirituosen-Fans schütteln hier meist unwissend den Kopf. Dabei ist Clairin Rum in seiner ursprünglichsten Form. Rein, nackt und ohne Schnickschnack. Die Parallelen zu peruanischem Pisco sind unverkennbar.

Im Gegensatz zum Weinbrand-Kollegen aus Südamerika hat Clairin allerdings seinen aromatischen Ursprung in einem weitaus weniger schmackhaften Rohstoff als Trauben: Frischer Zuckerrohrsaft. Blendet man diese Tatsache allerdings einmal aus, dann dürfte Clairin Spirituosen-Enthusiasten aus demselben Grund begeistern wie Pisco: Mehr Regionalität kann man schlicht nicht in eine Flasche packen. Das Ding ist Terroir pur.

Was wir hierzulande mit Kusshand entgegen nehmen, basiert letztlich aber schlicht auf erbärmlichen Lebens- und Arbeitsverhältnissen im Ursprungsland. Haiti ist wirtschaftlich derart gebeutelt, dass Produkte wie der hier verkostete Clairin Sajous die daraus resultierenden Zuckerrohr-Erzeugnisse sind. Schlicht und elementar. Die Tropfen des kleinen Mannes. Eine international renommierte Rum-Industrie wie der Nachbarstaat der Dominikanischen Republik gibt es auf Haiti nicht. Aber dennoch: Mit Clairin beweist jener kleine Mann zwar, dass er kaum Rum hat, aber dafür Qualität. Zum himmelschreiende Qualität.

Der Sajous, den ich für diesen Artikel öffnete, ist einer von wenigen Clairin-Qualitäten, die es seit einigen Monaten auf dem deutschen Markt gibt. Das Flaschen-Design schlicht begnügt sich das Label mit einem bunten Gemälde des Herkunftsdorfes und der angrenzenden Zuckerrohrplantagen. Darunter: eine Auflistung sämtlichen Ursprungs und jeglicher Herstellungsschritte.

  • Region: Artibonite
  • Stadtkreis: Marmelade
  • Dorf: Saint Michel De L’Attalaye
  • Ernte: 2013
  • Zuckerrohr: Cristalline
  • Fermentation: Frischer Zuckerrohrsaft; Wildhefe
  • Destillation: Zweifach Destillation; kontinuierlich
  • Destillateur: Michel Sajous

DEGUSTATION DES CLAIRIN SAJOUS

Du kannst deine Nase bereits beim Eingießen über das Glas halten. Sobald der Clairin Sajous nur einen Zentimeter Luft bekommt, steigt eine Armee an Ester-Molekülen heraus. Ich habe selten ein Zuckerrohr- bzw. Melasse-Destillat im Glas gehabt, das derart schwanger an jenen organischen Verbindungen war. Das Gute daran: Diese Moleküle sorgen hier für eine Komplexität und Kraft, die du bei manchen fassgelagerten Destillaten vergeblich suchst. Ganz deutlich erkennbar ist das Aroma von gerösteten Süßkartoffeln sowie frischer Maracuja und Banane. Im Hintergrund schleicht gelegentlich ein Hauch Trauben und rote Beete hervor. Trotz seiner satten 53,3%Vol. konnte ich in der Nase nicht einmal störende Alkoholnoten erkennen.

Äußerst positiv ist, dass der Clairin Sajous im Mund keinerlei Schwachstelle zeigt, hinkt also dem positiven Eindruck aus der Nase nicht hinterher. Auch hier wirkt er trotz seines hohen Alkoholgehalts äußerst weich und seidig. Er legt sich leicht süßlich auf die Zunge und verbreitet ein ester-intensives Aroma von Bananen und dezenten Röstaromen.

Am Ende bleibt der Clairin Sajous langanhaltend mit einem Hauch Kokos und Süßkartoffeln am Gaumen zurück. Auch hier keine Spur von störendem Alkohol.

Wer ein Produkt mit innovativem Story Telling, ausgeklügelter Marketing-Arbeit und atemberaubenden Landschaftbildern in HD sucht, sollte sich bei verschiedenen Herstellern im Rum-Segment umschauen. Wer von euch allerdings in Nase und Mund „spüren“ möchte, das man lediglich mit Erfahrung und Leidenschaft ein perfektes Destillat ins Glas zaubern kann, der sollte sich eine Flasche Clairin Sajous aufmachen.

                                       Details:

Art: Clairin

Alter: k. A.

Jahrgang: 2013

Alkohol: 53,3 %Vol.

Preis: ~ 35,- Euro à 0,7 l

 Region: Haiti

                         Bottler: Chelo Distillery

                            Fazit: 10/10 Punkten


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.

7 Kommentare für Clairin Sajous im Test

  1. omegaman 24. April 2016 zu 22:12 #

    Ich hab jetzt noch nicht ganz kapiert, mit was man den Clairin geschmacklich vergleichen kann. Mit Pisco wohl kaum. Mit Rum? Oder mit Cachaca? Oder mit was anderem?
    Liest sich auf jeden Fall sehr interessant und preislich nicht zu teuer für ein Geschmacks-Experiment.

    • Philip Reim 24. April 2016 zu 23:16 #

      Nein, du hast Recht. Mit Pisco hat er aromatisch überhaupt nichts gemeinsam. Der Clairin Sajous lässt sich tatsächlich am besten als aromatische Mischung aus Cachaca und High Ester-Rums beschreiben.

      Gruß Philip

  2. Andy 24. April 2016 zu 22:48 #

    Rein, nackt, Scheide; )

    • Philip Reim 24. April 2016 zu 23:12 #

      Ja, war ein etwas ungünstiger Schreibfehler. 🙂 Habe es soeben ausgebessert.

  3. Marcus Stock 24. April 2016 zu 23:15 #

    Schönes Review zu einen von den drei Haiti Rums der Clairin Reihe! Mir gefallen alle drei und jeder ist für sich etwas besonderes.

    Danke Philip

  4. Richard Budinger 8. Mai 2016 zu 23:52 #

    Hier bin ich neugierig geworden – hört sich interessant an.
    Würde gerne probieren – wer importiert die Marke?
    Viele Grüße
    Richard

    • Philip Reim 9. Mai 2016 zu 17:14 #

      Hallo Richard,

      schau mal bei Kirsch Whisky.

      Die haben Clairin im Portfolio.

      Gruß Philip

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