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Clairin Vaval im Test

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clairin-vaval

Im Prinzip ist es nichts anderes als die Ur-Form der Zuckerrohr-Destillate. Clairin ist der Neandertaler des Rums. Ein Neandertaler ohne großes Marketing-Budget. Denn als Produkt eines der am wenigsten entwickelten Länder der Erde hat Clairin nur eine Chance auf sich aufmerksam zu machen: über Qualität. Fritz Vaval hat dies verstanden und liefert uns einen Zuckerrohr-Tropfen, der dich umhauen wird.


Den Vaval in die Finger zu bekommen, war schon eine feine Sache. Vor allem nach der Verkostung seines etwas hochprozentigeren Kollegen Sajous. Denn selbst wenn immer mehr Rum-Hersteller auf den Zug der Transparenz aufspringen, ist das Gros noch meilenweit von der Authentizität eines Clairin entfernt. Viele weil sie nicht wollen, andere weil sie nicht können.

Die besten Chancen auf volle Herstellungstranparenz bei Rum haben wir dann noch bei den Franzosen bzw. deren Übersee-Départements. Die traditionelle Produktion von Rum aus frischem Zuckerrohrsaft lässt noch Terroir zu. Also erkennbare aromatische Einflussfaktoren von Boden, Klima etc. auf den jeweiligen Rohstoff. Bei den meisten anderen Rums? Bei Melasse-Rums? Keine Chance. Melasse ist per definitionem ein „Abfallprodukt“ der Zuckerraffinerien. Ein hocharomatisches zwar, aber keines bei dem wir noch irgendwie nachvollziehen können, ob die Zuckerrohrstange auf dem Feld glücklich war.

Bei Clairin sieht das anders aus. Ganz anders. Wenn der Hersteller will, liefert er uns Informationen zur Zuckerrohr-Art und dem Dorf, in dem es wuchs. Beim hier verkosteten Clairin Vaval gibt es diese Informationen in Hülle und Fülle.

  • Dorf: Cavaillon
  • Ernte: 2015
  • Zuckerrohr: Madame Meuze
  • Fermentation: Frischer Zuckerrohrsaft; Wildhefe
  • Destillation: Pot Still; Diskontinuierlich
  • Destillateur: Fritz Vaval

DEGUSTATION DES CLAIRIN VAVAL

Hast du den Clairin Vaval einmal im Glas, wirst du mir wahrscheinlich in einem Punkt zustimmen. Dieses Ding ist dermaßen kräftig, dass es für ein ungereiftes Destillat fast nicht intensiver geht. Ich musste nur für wenige Sekunden meine Nase über das Glas halten und hatte den Eindruck, dass das Bouquet des Vaval äußerst schwer ist. Neben der Herstellung an sich, liegt dies vor allem auch daran, dass dieser Clairin nicht kaltfiltriert wurde. Ihm wurden also nicht zahllose Fettsäuren und andere aromawichtige Verbindungen entzogen. Zum Glück, denn dadurch geht der Vaval großzügig mit Aromen von Kirsche, Birne, Haselnuss und Orangenschalen um. Und ganz groß: Frische Pflaumen. Ein sattes Portfolio an diversen Ester-Verbindungen, die während der Fermentation entstehen. Neben salzigen und mineralischen Anklängen besitzt der Vaval allerdings auch eine dezente Lack bzw. Klebstoff-Note. Kein tatsächlicher Makel, aber nicht ganz so passend auf einer Obstwiese.

Das immense Gewicht, das er in der Nase versprach, hält dieser Clairin auch im Mund. Ölig-schwer legt er sich auf die Zunge. Zusammen mit Trester-Aromen, die an Grappa erinnern, wirst du auch mit Birne, Apfel, Lack und Trauben versorgt. Dies alles bei einem äußerst weichen und angenehmen Mundgefühl.

Auch im Nachklang patzt der Clairin Vaval nicht, sodass ich ihn, bis auf die dezenten Lack-Noten, als fast perfektes Destillat beschreiben würde. Neben nussigen Aromen und dem von trockenem Rauch zeigt auch der Alkohol am Ende nochmal was 51,1%Vol. bedeuten. Allerdings findet dies eher an den Lippen und auf der Zunge und nicht im Rachenraum statt. Ich empfand es daher eher als Teil eines komplexen Destillats und weniger als einen Makel billigen Fusels.

                                       Details:

Art: Clairin

Alter: k. A.

Jahrgang: 2015

Alkohol: 51,1 %Vol.

Preis: ~ 35,- Euro à 0,7 l

 Region: Haiti

                               Bottler: Fritz Vaval

                              Fazit: 9/10 Punkten


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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6 Kommentare für Clairin Vaval im Test

  1. Uschi 4. Mai 2016 zu 20:11 #

    Soso… Zuckerrohrsaft ist also der Ursprung des Rum, nicht Melasse. Also wird Die komplette Produktion von Rum aus Melasse vor dem Wertverfall des Zuckers aus Zuckerrohr einfach vernachlässigt? Das geschah im übrigen als in Europa entdeckt wurde, dass man auch aus Zuckerrüben Zucker produzieren kann statt den Zucker teuer aus Übersee zu importieren.
    Und der ölige Geschmack und das samtige Mundgefühl… Durchaus bei langjährig gereiften Destillaten nicht ungewöhnlich. Bei einem ungereiften Rum allerdings fragwürdig. Rein physikalisch betrachtet kann man keinen Stoff destillieren der soetwas auslöst. Daher behelfen sich viele Hersteller mit Zusatzstoffen wie Glycerin oder Zucker um gerade bei jungen und ungelagerten Produkten ein möglichst weiches Mundgefühl zu erzeugen.

    Ich habe mich durch viele Artikel der Seite gelesen und festgestellt das viele Informationen auf gefährlichem Halbwissen statt fundierter Recherche fundieren. Und sowas darf sich tatsächlich Experte nennen… Mehr als nur fragwürdig.

  2. Uschi 4. Mai 2016 zu 20:16 #

    P.S.: Melasse ist im übrigen kein Abfallprodukt. Dies war noch nie so. Auch in den Anfängen der Zuckerproduktion wurde Melasse aufgrund des hohen Nährwertes bereits zur Fütterung von Tieren und Sklaven verwendet. Heutzutage ist Melasse ein weltweit gehandelter Rohstoff zur Produktion verschiedenster Produkte, von Rum über Kosmetik bis hin zu Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln. Pure Melasse ist zudem schon immer als „Allheilmittel“ bekannt und stärkt das Imunsystem.
    Auch findet man bei einem „per Definition Abfallprodukt“ wohl kaum verschiedene Qualitäten, Geschmäcker und Reihnheitsstufen.

  3. Felix 4. Mai 2016 zu 20:53 #

    Liebe Uschi,
    Ich kenn Dich und Deine Qualifikation leider nicht, aber gefährliches Halbwissen? Dein Ernst?

    Natürlich ist Zuckerrohrsaft der Ursprung des Rums. Bzw. natürlich ist das Zuckerrohr der Ursprung des Rums. Ohne die beiden genannten Stoffe gibt es keine Melasse. Darum geht es hier allerdings auch gar nicht. Vielmehr um das Aroma das man durch den Einsatz von Zuckerrohrsaft erhält. Und vor allem darum, was dass Terroir an riesigen Einflussmöglichkeiten auf das letztendliche Destillat besitzt.

    Rein physikalisch kannst Du Öle destillieren. Wenn Du einigermaßen Ahnung hättest wovon Du redest, dann wüsstest Du auch, dass Philip aber nicht davon spricht, sondern die Attribute ölig und samtig bei ihm vielmehr die Viskosität als den Geschmack beschreiben. Sowas sollte einem Experten doch sicher gewiss sein.

    Und wenn Du schon über Glycerin UND Zucker schreibst, dann würde ich eigentlich schon erwarten, dass du weißt das Glycerin ein Zucker ist. Wenn wir ganz genau sein wollen, dann müssten wir sagen das Glycerin, oder besser Glyceron, ein Zuckeralkohol ist. Der entsteht übrigens auf natürliche Weiße bei der Vergärung von Maischen – gelangt aber nicht ins Destillat da er nicht flüchtig ist. Zusetzen kann man ihm dem Destillat dann letztendlich trotzdem, weil er eben – als Zucker – für ein weiches Mundgefühl sorgt. Wenigstens da kannst Du mal mit deinem Halbwissen protzen.

    PS: Melasse ist kein Abfallprodukt. Wenn Du allerdings auf die Wortwahl von Philip geachtet hättest, wüsstest Du dass „Melasse ein Abfallprodukt DER Zuckerproduktion“ ist. Trotzdem höre ich auch viel lieber von Melasse als Nebenprodukt der Zuckerproduktion.

  4. Uschi 4. Mai 2016 zu 22:41 #

    Lieber Felix,

    schön einen Fürsprecher auf der Seite von Philip zu wissen!

    zu den angesprochenen Punkten:

    „…gefährliches Halbwissen? Dein Ernst?“ Ja, mein Ernst! Genau durch solche Aussagen wie sie Philip in seinem „Online Magazin für Trinkgenuss“ kommuniziert sind der Grund für unaufgeklärte Verbraucher die dann lieber hoch bewertete, nachbehandelte Produkte kaufen statt für den gleichen Preis authentische Produkte ohne Zusatze kennen zu lernen. (siehe Artikel Dictador, der auch von Fehlern gespickt ist und dessen Bewertung ganz klar der Bewertung internationaler Foren aus professionellen Verkostern wiederspricht, dazu noch Fehler in der Interpretation des Alters in zusammenhang mit der Art der Lagerung und beim Fazit steht auch noch, dass das Ganze aus Zuckerrohrsaft gemacht wird. Nicht mal schlecht recherchiert, einfach das Etikett nicht gelesen bzw. verstanden.)

    „Im Prinzip ist es nichts anderes als die Ur-Form der Zuckerrohr-Destillate. Clairin ist der Neandertaler des Rums.“ – Zitat Philip

    Darunter verstehe ich, dass Rum schun immer aus Zuckerrohrsaft – genau wie der beschriebene Clairin – hergestellt wurde. Das ist fachlich falsch und der Leser lernt wieder nur Halbwissen. Da nützt auch deine Hilfestellung nichts, die den Bogen zur richtigen Aussage schlägt: Rum wird immer aus Zuckerrohr hergestellt. Egal ob in Form von Melasse, also stark verarbeitet oder in Form von frischem Zuckerrohrsaft.

    Zum Punkt Terroir: Da kann ich dir nur recht geben! Da geht es dem Rum wie dem Wein, der Boden bringt Geschmack, genau wie die bis zu 600 zugelassenen Arten Zuckerrohr (nicht wie im Artikel über Mezcal vom 03.05. beschriben weniger als 40-50 im Vergleich zu den Agaven). Aber nur weil man das eine beschreiben will, heißt das nicht das man beim Anderen schlecht recherchieren darf.

    „Rein physikalisch kannst Du Öle destillieren“ – Zitat Felix

    Vollkommen richtig. Und mir ist auch bewusst das Philip nicht von der Destillation von Ölen sprach, sondern vom Mundgefühl. Da Zuckerrohr leider kein Öl enthällt ist dieser Punkt deines Kommentares leider nicht relevant. Dafür ist der nächste Absatz deines Kommentars relevant für das Mundgefühl:

    „Wenn wir ganz genau sein wollen, dann müssten wir sagen das Glycerin, oder besser Glyceron, ein Zuckeralkohol ist. Der entsteht übrigens auf natürliche Weiße bei der Vergärung von Maischen – gelangt aber nicht ins Destillat da er nicht flüchtig ist. Zusetzen kann man ihm dem Destillat dann letztendlich trotzdem, weil er eben – als Zucker – für ein weiches Mundgefühl sorgt.“ – Zitat Felix

    Genau das war meine Aussage. Das weiche Mundgefühl kommt von Zusätzen wie Glycerin (Zuckeralkohol) und/oder Zucker. (Da wiedersprichst du dir leider selbst, da du am Anfang des Absatzes noch behauptet hast, Glycerin sei auch Zucker. Deshalb hab ich als „Experte“ die Unterscheidung gemacht). Leider hält es Phlip nicht für nötig einen solchen Zusatz in bei einem „Neanderthaler“ der Rumgeschichte in Frage zu stellen. Ich denke nicht das ein Rum damals schon so nachbehandelt wurde. Und für einen Hersteller der mit Transparenz glänzt findet man erstaunlich wenig Informationen zu Zusatzen beim Produkt. Ich denke ein „Experte“ sollte mit solchen Vorgehensweisen vertraut sein und diese auch ansprechen. Es sei denn er wird, gelinde ausgedrückt, gesponsort.

    Und ja, dafür reicht men Halbwissen aus, dass ich beim Verkosten von Spirituosen gewisse Geschmacks- und Gefühlseindrücke in Frage stelle. Sollte ja bei einer (objektiven) Bewertung auch so sein, oder Felix?

    Schön das wir uns bei der Melasse einig sind. Es ist ein Nebenprodukt. Die Definition von Abfall annst du im Wortlaut gern im „Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen (Kreislaufwirtschaftsgesetz – KrWG)“ Nachlesen. Dabei wirst du feststellen das die Definition in keinster Art und Weise aus Melasse zutrifft. Weder heute noch früher. Und dann ist es egal ob Melasse als Abfallprodukt oder als Abfallprodukt DER Zuckerproduktion bezeichnet wird. Es ist der Falsche Begriff und mindert damit den Wert der daraus entstehenden Produkte. Die Maische bei der Whiskyproduktion wird ja auch nicht als „schlecht gebrautes Bier“ bezeichnet. Obwohl da die Definition eher zutreffen würde.

    Vielleicht äußert sich ja der Autor auch nochmal persönlich zum Kommentar.

    Bis dahin dir und den Lesern des ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS eine RUMreiche Zeit.

    Uschi

    • Philip Reim 5. Mai 2016 zu 08:38 #

      Guten Morgen Uschi,

      gerne sage ich auch ein paar Takte zu deinem Kommentar. Allerdings will ich mich nur auf diesen Artikel beziehen und nicht auf die restlichen. Das würde zu viel Zeit benötigen und ich muss mich dem restlichen Tag noch schlechter Recherche widmen.

      Dass Melasse minderwertiger wäre als frischer Zuckerrohrsaft habe ich an keiner Stelle des Artikels behauptet. Du selbst schreibst ja, dass du schon einige Artikel hier auf EfS gelesen hast, dann ist dir eventuell aufgefallen, dass ich schon Dutzende Posts über die aromatischen Eigenschaften von Melasse geschrieben habe. Damit auch in diesem Artikel Melasse nicht abgewertet wird, habe ich „Abfallprodukt“ in Anführungszeichen gesetzt.

      Zum Punkt Glycerin und Zucker: Mein gefährliches Halbwissen sagt mir, dass diese beiden Verbindungen eine Siedetemperatur deutlich über der von Ethanol besitzen bzw. Glucose in dem Sinne gar keine besitzt. Glycerin 290°C bzw. Glucose schmilzt und karamellisiert bevor es siedet. Das heißt, wie du richtig schreibst, müssen diese Substanzen nachträglich hinzugefügt werden. Wobei bei fassgelagerten Destillaten immer eine gewisse Konzentration an Zucker gemessen werden kann. Jedoch zu behaupten, dass alle ungereiften Destillate, nicht so weich sein können wie fassgelagerte und wenn doch hat der Hersteller Glycerin und Zucker zugegeben……wow….das ist eine sehr mutige Aussage. Und in gewisser Weise auch eine Leistung. Denn mit wenigen Worten hast du zig passionierten Brennern und Destillateuren ins Gesicht geschlagen. Auch Felix, selbst Destillateur. Vor dem ich den Hut ziehe, da er trotz dieser Aussage noch so sachlich und ruhig geblieben ist.

      Noch ein paar Sätze zu meinem Zuckerrohr-„Fehler“: Offiziell gibt es Zuckerrohr als „Saccharum officinarum„. Dieser enthält 4 Unterarten: S. barberi, S. robustum, S. sinense und S. spontaneum. 4 Arten, die für die Zuckerproduktion verwendet werden. Kreuzt du diese untereinander, bekommst du nahezu grenzenlose weitere Subarten. Die aufzuzählen wäre mühselig.

      So und jetzt mache ich mir erstmal einen Kaffee und widme mich meiner Lieblingslektüre: „How to write bad posts that upset people.“

      Gruß Philip

      • Pascal Penderak 6. Mai 2016 zu 16:35 #

        Guten Tag der Dame und den Herren,

        ich arbeite für den Importeur Kirsch Whisky, der die Clairins hier in Deutschland vertreibt. Dem Clairin werden weder Zucker noch andere Süßstoffe zugesetzt und auch beim Anbau werden keine Pestizide, künstliche Dünger oder Vergleichbares verwendet. Ich hoffe das beantwortet die Fragen diesbezüglich.

        Mit freundlichen Grüßen,
        Pascal

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