Juniper Jack London Dry Gin im Test » Eye For Spirits

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Juniper Jack London Dry Gin im Test

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Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit. Eine Alliteration wie Juniper Jack klingt auch einfach zu verlockend. Irgendein Gin-Hersteller musste ihn einfach verwenden. Geschnappt haben ihn sich die beiden Dresdner Jörg Fiedler und Siegbert Hennig. Ihr Juniper Jack sollte ein Gin mit klassischem Aromenprofil werden. Herauskam dabei ein Gin, der einschlägt. Sowohl im Preis als auch in der Qualität.


Den Literpreis mit rund 71,- Euro anzusetzen, ist bei einem Gin kein Pappenstiel. Und dennoch liegt er in der Liga moderner Gins damit nur marginal über dem Durchschnitt. Er ist damit Teil einer fragwürdigen, aber realen Situation.

Ähnlich real ist aber auch die Tatsache, dass Gins, die in den letzten Monaten in regelmäßigen Abständen bei uns eintrudeln, ein klassisches Aromenprofil besitzen. So auch der Juniper Jack. Vorbei scheint die Zeit, dass fast monatlich 2 neue Gins erscheinen, die sich eine neue, exotische Zutat auf die Fahnen schreiben. Botanicals, die aus vielen Gins per definitionem „nur“ aromatisierte Vodkas machten. Denn Wacholder geriet dabei bis zur Unkenntlichkeit in den Hintergrund.

Anders beim Juniper Jack. Hier wird das bekannte Zypressengewächs von lediglich 9 weiteren Drogen flankiert. 5 davon werden offiziell kommuniziert: Wermut, Orange- und Zitronenschalen, Koriander, Minze und Brombeerblätter.

Aus diesen gewinnen die beiden Jungs aus Dresden einen unfiltrierten Gin mit 46,5%Vol.

DEGUSTATION DES JUNIPER JACK LONDON DRY GIN

Schwenkst du den Juniper Jack bildet er dicke, ölige Tränen im Glas, die langsam nach unten kriechen.

Das Bouquet dieses Tropfens ist ein Paradebeispiel dafür, dass du für einen hochkomplexen Gin nicht viele Botanicals brauchst. Denn sind wir doch mal ehrlich. Behauptet jemand, dass er nur mit vielen verschiedenen Zutaten einen raffinierten und vielschichtigen Gin bekommt, dann hat derjenige den Begriff „Botanical“ schlicht nicht verstanden. Beispiel: Juniper Jack. Dieser nimmt die Wacholderzapfen derart auseinander, dass ich mich frage, ob es noch intensiver geht. Das herb-harzige Aroma der kleinen Kügelchen dominiert das Bouquet enorm.

Hinzukommen mit sehr deutlichen Noten Koriander, roter Pfeffer, Fenchel und sehr markant Anis. Zitrone und Apfel sorgen für etwas fruchtige Nuancen. Diese allerdings weit abgeschlagen im Hintergrund. Zusätzlich besitzt das Bouquet des Juniper Jack eine gewisse Schärfe. Allerdings würde ich diese nicht dem Alkohol zuschreiben, sondern viel mehr der pfeffrigen Note.

Als ich dann dachte, mit der Nase wäre es das gewesen, kickt noch die Minze ein paar Aromen nach, macht das Bouquet etwas frischer. Lässt man diesen Gin allerdings eine Weile stehen, so gesellt sich neben trocken-herben Enzian und Wermut noch eine leicht seifige Note hinzu.

Anders wird es hingegen, wenn du den Juniper Jack im Mund hast. Hier nimmt die Limette das aromatische Zepter in die Hand, versorgt den Gin mit einem süßlich-säuerlichen Charakter. Zusammen mit dem Aroma von Wacholder und Süßholz haben es die Mannen von Juniper Jack geschafft, eine perfekte Balance zwischen herben und süß-fruchtigen Aromen zu schaffen.

Am Ende bleibt ein langanhaltender dezenter Süßholz-Ton mit einer deutlich harzigen Wacholder-Note. Letztere war für meinen Geschmack allerdings schon etwas zu dominant, da es bereits etwas in die bittere Schiene ging.

Alles in allem ist der Juniper Jack ein Paradebeispiel dafür wie kräftig, dominant und dennoch komplex der Wacholder als Botanical sein kann. Flankiert mit ein paar weiteren Zutaten gibt dies dann einen kräftigen und aromatischen Dry Gin, ein Spielplatz für die Nase.

DETAILS

Art: Dry Gin

Alter: k. A.

Jahrgang: k. A.

Alkohol: 46,5 %Vol.

Preis: 49,98 € à 0, 7 l

Region: Dresden

Bottler: Juniper Jack

Fazit: 9/10 Punkten


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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5 Kommentare für Juniper Jack London Dry Gin im Test

  1. Juniper Jack 16. Mai 2016 zu 00:03 #

    Wer eine der letzten Flaschen der Erstauflage unserer Wacholderbombe probieren und weitere Details zu unserem „Stoff“ erfahren möchte… http://www.juniper-jack.com CHEERS!

  2. Juniper Jack 16. Mai 2016 zu 11:56 #

    Hinter dem Namen von „JUNIPER JACK“ steckt KEINE Erfindung, sondern eine Geschichte. Wie halt immer bei einer Marke, nur dieses Mal liegt sie in den Archiven des „Houses of Parliament“, des „British Museums“ und im „V&A“ in London vergraben. Interessiert aber nur die wenigsten. Wie King George II. damals auch. Dessen „Gin Act“ von 1736 machte nämlich damals Juniper Jack, einen Brennerei-Gesellen, arbeitslos. Der revanchierte sich mit einem rebellischen Theaterstück: „The Death of Queen Gin“. Ein „Publikumsrenner“, der nur ein einziges Mal aufgeführt wurde. Juniper Jack war ein lausiger Dichter. 😉

  3. Roland 17. Mai 2016 zu 15:02 #

    Wer kann mir bitte erklären warum ein Gin der aus Agraralkohol hergestellt wir. Auf einen Preis von 71,00 € pro Liter kommt!?

    Es gibt wunderbare Whiskys/Cognac Fassgereifte etc.. die für den Preis mind.10 Jahre oder mehr auf den Buckel haben.

    Da steht überhaupt nicht im Verhältnis. Eher empfinde ich das viele Hersteller schnell noch absahnen wollen.

    Ich kritisiere nicht das Produkt, sondern die Entwicklung gegenüber den Endkonsumenten die leider nicht den unterschied erkennen.

  4. Matthias 17. Mai 2016 zu 19:18 #

    @Roland,
    exakt, der Preis ist eine Frechheit.

    Das eine junge neue Destille mehr verlangen muss,als Diageo, geschenkt, kein Problem, dass dürfte jeder verstehen.

    Aber dann Preise verlangen, bei denen man meinen könnte, die Anlage soll nach dem ersten Jahr abbezahlt sein, ist schon frech

  5. Manfred Hennig 15. Juli 2016 zu 22:10 #

    Gins sind in den letzten Jahren, was den Preis anbelangt, förmlich explodiert.
    Klar gibt es ständig neue Produkte, letztlich bleibt es aber immer nur Gin. Mal mehr, mal weniger gut im Geschmack. Darüber lässt sich gut streiten, jeder muss „seine“ Marke herausfinden.

    Aber, und das ist bei jedem noch so hohem Preis anzumerken, niemand wird gezwungen, 71 € für einen Liter Gin auszugeben.
    Dann nimmt man eben nicht Juniper Jack, sondern einen Gin aus der Preisklasse 20 – 30 € für die Flasche. Die sind qualitativ keinesfalls schlechter, teuer genug ist das für eine Spirituose immer noch.
    Gin nur so für`s Mixgetränk, ohne Anspruch auf exzellenten Geschmack bekommt man übrigens immer noch für um die 10 €.

    Also nicht einfach meckern, weil der Preis zu hoch erscheint, sondern gezielt auswählen was einem der Gin wert ist.

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