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10 Whiskys, die du probiert haben musst

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Bildquelle: haru__q

Über einzelne Whiskys zu schreiben, kann ein sehr leidiges Thema sein. Vor allem dann, wenn du Abfüllungen siehst, die vor 2 Jahren noch zum Standard-Portfolio einer Brennerei zählten, heutzutage aber nicht mehr. Meist weil das Unternehmen, die entsprechend alten Whiskys nicht mehr aufbringen kann. Oder will. Wir haben daher für euch die Köpfe zusammengesteckt und 10 Whiskys zusammengetragen, die ihr einfach probieren müsst.


LAPHROAIG TRIPLE WOOD

Lange bevor die Scotch Whisky-Industrie auf die ruhmreiche Idee kam, sukzessive das Alter ihrer Whiskys verschwinden zu lassen, gab es sie bereits. Die Rede ist von No-Age-Statements.

Vor 7 bis 8 Jahren schienen wir uns auch noch gar nicht so sehr darüber zu mokieren, waren es im Single Malt-Bereich nur ein paar unter vielen. Und was ganz entscheidend war: die Qualität stimmte. Bei jenen alterslosen Whiskys, haben wir nicht in Massen die Zeigefinger gehoben und uns über die Qualität beschwert. Sie waren halt einfach ein Teil von Destillerie-Portfolios.

In diese Schublade gehört auch der Laphroaig Triple Wood mit seinen 48%Vol. Einer, der unserer Meinung nach hochwertigsten No-Age-Statements, aus einer Zeit bevor dieses zum Schimpfwort wurde.

Im Jahr 2007 eingeführt, basiert der Triple Wood wie der Rest des Laphroaig-Angebots auf einer Malz-Mischung. 15% des Rohstoffs produziert die Brennerei in eigenen Maltings. Der Rest stammt aus den naheliegenden Port Ellen Maltings oder von anderen Großmälzereien des schottischen Festland.

Das Laphroaig eigene Malz besitzt einen Gehalt an Phenol-Derivaten von rund 40 bis 60 ppm, während das zugekaufte auf 35 bis 45 kommt. Das hieraus entstehende Destillat kommt, wie der Name Triple Wood bereits andeutet, in 3 verschiedene Fasstypen. Klassische Hogsheads aus amerikanischer Weisseiche, kleinere Quarter Casks und am Ende nochmal dicke Sherry-Butts.

Mit einem Preis von rund 35,- € besitzt der Laphroaig Triple Wood außerdem – zumindest in meinen Augen – ein geniales Preis-Leistungs-Verhältnis.

THE GLENLIVET ALPHA

Auch wenn ich grundsätzlich kein Fan vieler aktueller Entwicklungen des Scotch Marktes bin, der Glenlivet Alpha hatte vor genau 3 Jahren mein pessimistisches Bild etwas ins Wanken gebracht.

Ende April 2013 erhielt ich ein farbloses Päckchen. Ich hatte weder etwas erwartet, noch ließ sich erahnen, was darin war. Selbst als ich die schwarze Flasche in der Hand hielt, wusste ich gerade einmal, dass es wahrscheinlich von The Glenlivet stammt. Im Internet fiel im Vorfeld kein Sterbenswörtchen über die Qualität. War es eine neue Portfolio-Erweiterung? Eine limitierte Edition?

Bis heute bin ich mir nicht vollkommen sicher, was Glenlivet und Pernod Ricard mit dem Alpha bezweckten. War es vielleicht eine reine Presse-Abüllung? Ich weiß es nicht. Vielleicht war auch gerade das der Plan dahinter. Man verrät einfach nichts. Die Spekulationen und Gerüchte heizen das Interesse an dem Produkt und der Marke schon an.

Die einzige Information, die das damalige Päckchen gab, war, dass der Glenlivet Alpha auf 3350 Flaschen begrenzt wäre, 50%Vol. und einen Preis von 110,- € hat.

Was aus der mattschwarzen Flasche letztlich jedoch herausfloss, war unglaublich. Ich hatte selten eine derartige Fülle an fruchtigen Aromen im Glas. Als hätte man einen Obstkorb mit Gewalt hinein gepresst.

EDRADOUR 12 JAHRE CALEDONIA

Es gibt noch viele davon. Und die kleine Scotch-Brennerei Edradour liefert hiervon einige. Die Rede ist von Single Malts mit Altersangabe, hervorragender Qualität und einem fairen Preis.

Flasche und Label des Edradour 12 Jahre Caledonia könnte zwar altbackener und langweiliger kaum sein, der Inhalt macht dies allerdings wett.

Anders als beim Großteil seiner Whisky-Abfüllungen verzichtet die kleine Highlands-Destillerie Edradour bei diesem Malt auf jegliches Finishing. Der Whiskys reift also „lediglich“ in konservativen Fässern, ohne Kontakt zu Fässern irgendeines französischen Superlative-Weinguts.

Der Caledonia reifte ausschließlich in Ex-Bourbon- als auch Ex-Sherryfässern. Herauskommt schließlich ein Single Malt Whisky in High End-Qualität, 46%Vol. und einem Preis von rund 50,- €.

 

GLENDRONACH ALLARDICE 18 JAHRE

Die Jungs und Mädels bei GlenDronach scheinen Einiges aufholen zu wollen. Seit Pernod Ricard die Destillerie 2008 an die BenRiach Distillery verkaufte, werden seither in bahnbrechender Geschwindigkeit neue Qualitäten auf den Markt geworfen. Mehr als 49 bisher. Das sind mehr als 6 neue Whiskys pro Jahr.

Ob diese Geschwindigkeit unter dem neuen Eigentümer bleibt, wird sich zeigen. Erst diesen April hatte der US-amerikanische Spirituosenkonzern Brown-Forman (u.a. Jack Daniel’s) die BenRiach Distillery Co. übernommen, folglich auch GlenDronach.

Zu den ersten Tropfen, die die Destillerie 2008 als Standardqualität veröffentliche, zählte auch der Allardice 18 Jahre mit seinen 46%Vol. Dieser Single Malt reifte, wie das gesamte Standard-Portoflio von GlenDronach, ausschließlich in Ex-Sherry-Fässern.

Was der Brennerei mit diesem Malt gelungen ist, ist für mich mittlerweile zu einem Benchmark, einer Messlatte für reine Sherryfass-Whiskys geworden. Die knapp 80,- Euro kannst du definitiv schlechter anlegen.

ARDBEG AIRIGH NAM BEIST 1990

Der Airigh Nam Beist war einer der ersten Single Malts von Ardbeg und Moët Hennessy, die einen hippen gälischen Namen besaßen. Einen den außerhalb Schottlands eh so gut wie niemand aussprechen kann. Mittlerweile verwendet die Brennerei für ihre neuesten Abfüllungen ausschließlich hippe englische Namen.

Auch wenn dieser Malt eine der ersten war, die keine offizielle Altersangabe trugen, gab es noch keinen großen Aufschrei der Szene. Mit etwas Grundschul-Mathematik konnten wir dies ja ohne Probleme ausrechnen.

Es war ein Jahrgangs-Malt von 1990 und wurde Ende der 2000er Jahre abgefüllt. Kurzum, er hatte rund 17 Jahre im Fass verbracht. Zudem war er einer der ersten Malts, die nach Ardbegs Wiedereröffnung 1989 produziert wurden, also einer der ersten bei dem die Brennerei ihr Malz gänzlich aus der nahe liegenden Großmälzerei bezog.

Was nach dieser Phase schließlich in der Flasche landete, war Wahnsinn. Komplexität und Raffinesse par Excellence.

Offiziell verfügbar ist dieser Malt Whisky mit seinen 46%Vol. leider nicht mehr bzw. nur noch über Privatanbieter. Aber vielleicht ist dies auch besser so. Schaue ich mir die Entwicklung seines Kollegen, dem Ardbeg Uigeadail, über die letzten Jahre hinweg an, war dies nicht gerade positiv. Meiner Ansicht nach wurde bei diesem sukzessive die Qualität nach unten geschraubt.

BRUICHLADDICH BLACK ART 1990 EDITION 4.01

Blickst du einmal über das Portfolio der Brennerei Bruichladdich, fällt dir da etwas auf? Vielleicht ja. Vielleicht passt für dich der Black Art nicht in das Konzept der restlichen Qualitäten. Weder von der Farbe, noch von der Namensgebung her.

Dieser Malt war ursprünglich als Gag geplant, der zeigen sollte, dass der Whisky noch so konfus, noch so effekthascherisch, noch so teuer sein kann, er wird dennoch gekauft. Und das wurde er. Wobei ich sagen muss, dass noch ein anderer Grund für den Erfolg dieses Malts ausschlaggebend war: die Qualität.

Ich würde diesen Malt mit seinen 49,2%Vol. wahrscheinlich auch lieben, wenn er in einer drittklassigen Vodka-Flasche serviert werden würde. Der mittlerweile pensionierte Master Distiller Bruichladdichs Jim McEwan zog hier einen 23-jährigen Single Malt auf Flaschen, der den Titel Black Art/Schwarze Kunst tatsächlich verdient. Nur der Preis mit 250,- Euro ist recht happig.

 

ABERLOUR A’BUNADH

Auch der Aberlour A’bunadh scheint wie der Laphroaig Triple Wood ein Whisky zu sein, bei dem sich nie jemand lautstark über die fehlende Altersangabe beklagt hat. Vielmehr wird jedes neue Batch, das zu diesem Single Malt erscheint, von der Whisky-Gemeinde mit Kusshand entgegengenommen.

Und ich kann es auch verstehen. Diese Qualität reifte ausschließlich in First Fill Oloroso Sherry-Fässern und wird mit einem Alkoholgehalt von rund 60%Vol. abgefüllt. Eine Menge, die zu Wasserspielen einlädt.

Vielleicht liegt seine Beliebtheit neben seiner herausragenden Qualität auch darin, dass Fans von Aberlour nicht viele Ausweichmöglichkeiten haben. Seit der A’bunadh im Jahr 1997 eingeführt wurde, gab es bisher nur rund 4 bis 5 wirklich neue Qualitäten der Destillerie. Im Vergleich: Im gleichen Zeitraum erschienen 54 neue Batches des A’bunadh.

GLENMORANGIE 18 JAHRE

Private Editions, extravagante Finishing-Experimente, neue Getreide-Sorten et cetera. Produkte, die Glenmorangie in den vergangenen Jahren auf den Markt brachte, waren meist nur recht kurzlebig. Von Beginn an waren sie als begrenzte Menge vorgesehen. Manche davon nur durchschnittlich, manche hervorragend.

Bei der ganzen Euphorie und Diskussion um neue limitierte Versionen haben wir jedoch häufig vergessen, was jene Brennerei aus den Highlands eigentlich noch für Perlen im Standard-Portfolio hat. Zum Beispiel den 18-jährigen Glenmorangie.

Als eine der 4 größten Single Malt-Produzenten Schottlands leistet sich Glenmorangie noch den Luxus eines 18-jährigen Whiskys mit vertretbarem Preis. So auch Glenfiddich und Glenlivet. Nur Macallan als drittgrößter tanzt hier etwas aus der Reihe.

Seine ersten 15 Jahre im Fass verbrachte diese Glenmorangie Qualität in Ex-Bourbonfässern. Anschließend werden hiervon 30 % entnommen und für weitere 3 Jahre in Oloroso-Sherryfässer gesteckt. Die restlichen 70 % verbleiben in den ursprünglichen Fässern. Nach insgesamt 18 Jahren wird der Inhalt beider Fasstypen miteinander vermählt und mit 43%Vol. abgefüllt.

THE GLENLIVET NÁDURRA

Es gibt wenige Whiskys bei denen ich mich derart auf ein neues Batch freue wie die der Nádurra-Serie von Glenlivet. Nicht nur variiert das Aromenprofil von rauchig bis äußerst sherry-lastig, die Qualität ist zudem fast immer herausragend.

2005 ursprünglich als reine Duty Free-Abfüllung erschienen, ist mittlerweile eine ansehnliche Zahl Nádurras im normalen Einzelhandel erschienen. Ob sie eine Altersangabe besitzen, wechselt von Abfüllung zu Abfüllung. Nahezu alle besitzen aber einen satten Alkoholgehalt im Bereich von 60%Vol.

 

BOWMORE MIZUNARA CASK FINISH

Der Bowmore Mizunara Cask Finish (53,9%Vol.) ist in dieser Top 10-Liste wahrscheinlich der Single Malt Whisky, über den wir uns am meisten die Haare raufen könnten. Er treibt so viele negative Punkte der modernen Scotch-Entwicklung bis zur Perversion, dass wir jedem von diesem Malt abraten würden. Wäre da nicht der Inhalt.

Dieser Malt war im Erscheinungsjahr 2015 auf 2.000 Flaschen begrenzt. Punkt # 1. Hinzukommt, dass er neben der herkömmlichen Reifung in Fässern aus amerikanischer Weisseiche – wahrscheinlich Ex-Bourbon – noch ein Finishing in extravaganten Hölzern bekam. Punkt #2. Bowmore verwendete hier das japanische Holz der Mizunara-Eiche (Quercus mongolica), das für markante Kokos-Noten im Whisky bekannt ist.

Wir erfahren allerdings nicht, wie lange der Brand in den einzelnen Fässern reifte. Punkt #3. Dafür sollen wir letztlich aber 892,- Euro hinlegen? Punkt #4. Selbst ein aufwendiges Flaschen- und Verpackungsdesign hat man sich gespart. Punkt #5.

5 Punkte also, die den Bowmore Mizunara Cask zum Inbegriff, zum Prototyp dessen macht, was in der Scotch Whisky-Szene aktuell so verhasst ist.

Dieser Malt ist es aber auch, der einen Tropfen ins Glas zaubert, bei dem man traurig sein kann, dass nur die Nase hinein passt. Ohne Frage, der Bowmore Mizunara Cask liefert viele Argumente über die man sich echauffieren kann, der Inhalt macht den Großteil davon allerdings wett.

Nur vielleicht den Preis nicht, denn der liegt mittlerweile auf dem Sekundärmarkt bei rund 2000,- Euro.


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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2 Kommentare für 10 Whiskys, die du probiert haben musst

  1. Matthias 22. Mai 2016 zu 10:41 #

    Kann dieser Liste voll und ganz zustimmen. auch wenn ich, wie sicherlich einige unter uns noch VIELE weitere hinzufügen könnte, wie zum Beispiel den Black Art 2.1 oder den Glenmorangie Traditional 100 Proof oder den Karuizawa ….

    Auch beim Alpha stimm ich dir voll und ganz zu, sowohl was die Fragen als auch was die Qualität angeht (Gottseidank hab ich noch ein paar Bouteillen). Nur warum folgte bis Heute auf den Alpha kein Betha? Oder bezog sich das Alpha doch mehr auf das „Alphatier“, den Leitwolf, die Qualität die Möglich wäre zu produzieren? Also ein „Lead“malt?

    Viele Grüße,

  2. Philip Reim 22. Mai 2016 zu 20:34 #

    Das mit dem Lead-Malt wäre eher unwahrscheinlich. Dafür war er zu wenig auf dem Markt präsent.
    Eine Beta-Version ist jederzeit willkommen 🙂

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