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Highland Park braucht nur einen Blog-Artikel zum restlosen Ausverkauf

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Bildquelle: Ballast Trust/FlickR

In der Scotch-Industrie ist dies wahrscheinlich eines der kuriosesten Dinge, die ich in den vergangenen Monaten erlebt habe. Und da ist Einiges zusammengekommen. Wenn allerdings eine Brennerei wie Highland Park in der Lage ist, 582 Flaschen ihres neuen Single Malts ohne Namen in nur 3 Stunden zu verkaufen, bringt das den Scotch Whisky-Markt auf eine neues Level.


Zugegeben, 582 Flaschen sind nicht die Welt. Diese in kurzer Zeit zu verkaufen, ist für eine etablierte Scotch-Marke keine Herkules-Aufgabe. Denn limitierte Editionen erscheinen selbst in der Single Malt-Industrie häufig mit einer Auflage im 4-stelligen Bereich.

Das faszinierende am Abverkauf des neuen Single Malts ist allerdings die Vorgehensweise wie Highland Park dies bewerkstelligte. Eine Art und Weise, die die Paranoia und Sehnsucht der Scotch-Szene auf neue Abfüllungen auf ein neues Level hebt.

Denn Highland Park gab ihrem neuen Malt nicht einmal offiziell einen neuen Namen. Das Ding war dennoch innerhalb von nur 3 Stunden restlos ausverkauft.

Die gesamte Kommunikation mit Kunden und Interessenten lief dabei fast ausschließlich über Twitter-Tweeds. Heißt dies im Umkehrschluss, dass renommierte Scotch-Marken mittlerweile gerade einmal 140 Zeichen brauchen, um einen neuen Single Malt restlos zu verkaufen?

Ok, es gab auch einen Post auf Highland Parks offiziellem Blog und einem Newsletter zu diesem Thema. 262 Wörter. Dieser enthält allerdings praktisch keine Informationen zum Whisky selbst, jedoch zum Anlass der Veröffentlichung.

Gestern, dem 31. Mai 2016, jährte sich zum hundertsten Mal die größte Seeschlacht der Menschheitsgeschichte. In der Schlacht von Jutland 1916 stießen deutsche auf britische Marine-Verbände. 249 Schiffe insgesamt. Ein wahrlich historischer Jahrestag. Ob ein Ereignis mit knapp 9.000 Toten als Marketing-Story für einen Whisky herhalten sollte, steht allerdings auf einem anderen Papier.

Unabhängig von diesem Gedenktag gibt Highland Park über den neuen Single Malt Whisky nur noch 2 Tatsachen preis: Es ist ein 11-jähriger Single Cask, limitiert auf 582 Flaschen. Punkt. Das war’s. Selbst der Name „Highland Park Battle of Jutland Single Cask“ erschien gestern weder im Blog noch auf Twitter. Um einen Whisky heutzutage restlos zu verkaufen, braucht es also kein Produktbild mehr, nicht einmal einen Namen.

Eventuell handelt es sich bei dem neuen Scotch der Orkney-Destillerie um einen Single Cask aus Sherryfass-Lagerung. Diese Vermutung legt die Flaschenzahl von 582 nahe. Addierst du zu deren Volumina, einen Angels‘ share von 2 bis 3 Prozent pro Jahr, gibst noch etwas Headspace dazu, kommst du in etwa auf 500 Liter. Die Standardgröße eines Sherry-Butts.

Allerdings ist diese Rechnung reine Spekulation.

Fakt ist hingegen, dass Highland Park – schauen wir uns einmal die Twitter-Tweeds des Unternehmens an – gerade einmal 3 Stunden brauchte, um ihren neuen Single Cask zu verkaufen. Nur mit einer Geschichte von gerade einmal 262 Wörtern. In Zeiten des Storytellings bei Scotch Whisky ist dies schon fast ein neues Level.

Vor einigen Jahren war es meist so, dass renommierte Marken – meist unter Führung eines internationalen Dachkonzerns – den Verkauf ihrer limitierten Editionen noch regulär über bekannte Händler abwickelten. Kurz darauf waren jährliche Sonderabfüllungen häufig nur noch im „Paket“ mit 6 Flaschen der destillerieeigenen Standardqualität zu haben.

Als selbst dadurch der restlose Verkauf von neuen Exklusiv-Abfüllungen nicht gebremst wurde, verlegte so manche Brennerei wie Ardbeg oder Highland Park den Vertrieb auf die eigene Website. Aus ökonomischer Sicht der einzig schlaue Schachzug, denn so müssen sie die begehrten Flaschen nicht zum Wiederverkaufspreis abgeben, sondern steigern durch den gesamten Endverbraucherpreis den Umsatz.

Seit dem 31. Mai 2016 ist dies nun auch offiziell ohne Produktnamen möglich.


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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5 Kommentare für Highland Park braucht nur einen Blog-Artikel zum restlosen Ausverkauf

  1. 1968superingo 1. Juni 2016 zu 13:36 #

    Anmerkung 1: Philip, was sollte der Spaß denn kosten?
    Anmerkung 2: Meinem Empfinden nach sollte solch eine Abfüllung klar mit einer Charity-Aktion verknüpft sein und ein klarer Anteil des Verkaufspreises für wohltätige Zwecke gespendet werden.
    Anmerkung 3: Müssen wir uns in den heutigen hochdigitalen Zeiten über solch eine Aktion noch wirklich wundern? Ist nicht mein Ding, aber wahrscheinlich bin ich da zu Old School.

    • Philip Reim 1. Juni 2016 zu 18:38 #

      Gerüchteweise habe ich gehört, dass er im Bereich von 70 britischen Pfund liegen soll. Sicher weiss ich dies jedoch nicht.

      zu Anmerkung 3: Nein, meiner Meinung nach nicht. Das Verblüffende an diesem Highland Park fand ich jedoch, dass er noch eine Schippe an fehlenden Informationen oben drauf legt.

      Gruß Philip

      • 1968superingo 2. Juni 2016 zu 07:56 #

        Danke, Philip! Sollten sich die 70 GBP bestätigen, wäre das das HP-Verhältnisse ja ein absolutes Schnäppchen. Bei EBay werden jetzt sicherlich durch die Sammler und Spekulanten ganz andere Preise aufgerufen werden.

  2. mark 2. Juni 2016 zu 19:26 #

    70 GBP stimmt. Allerdings liefert HP eh nicht nach Deutschland. So müssen wir uns nicht ärgern es verschlafen zu haben. Zumindest nicht diejenigen welche niemand in GB kennen.

  3. Georg 6. Juni 2016 zu 12:25 #

    ich weiß ja, dass NAS, Marketingorientierung, Story Tellung, etc. bei Manchen auf Skeptik stößt, aber so ganz stimmt dieser Artikel nicht. ich erhielt alle Infos, die ich brauche, Alter (!), Fasstyp (Refill Puncheon), Fassnummer, Brenndatum, Abfüllungsmonat + Jahr – im Link dann, Preis, Alkoholgehalt, Tastingnotes. –> für mich sind das dann schon einige Informationen.

    außerdem wurde mir dann auch noch die Storry mitgeliefert – von Skagerrak (für die Briten Battle of Jutland – und bei denen ist die Royal Navy mit einem Stellenwert behaftet, den ich nicht verstehen muss, aber akzeptieren kann) – mit HInweis, dass einige Flaschen an die Royal Navy gespendet wurden.

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