Werbung

8 Fragen, die sich Whisky-Einsteiger stellen…und deren Antworten

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone

Bildquelle: © Rawpixel.com/FlickR

Es vergeht fast kein Tag, an dem ich mich nicht in irgendeiner Weise mit Whisky beschäftige. Je tiefer wir allerdings in die Materie eintauchen, desto enger werden unsere Scheuklappen. Wir diskutieren Details und verlieren den Blick dafür, was eigentlich das Gros der Whisky-Fans interessiert. Elementare Fragen. 8 der meistgestellten Fragen haben wir daher für euch gesammelt und beantwortet.


Seit Ende des 15. Jahrhunderts trinken wir bereits Whisky. Gut, ich nicht und du wahrscheinlich auch nicht, aber seit dieser Zeit ist das „Wasser des Lebens“ Teil der menschlichen Kultur. Whisky wurde also schon geschlürft als Männer und Frauen noch in gotischen und Renaissance-Kleidern über Höfe und Straßen liefern, als Kutschen noch das bequemste Landvehikel waren.

In diesen 500 Jahren hat sich der Mensch mal mehr mal weniger stark weiterentwickelt. Eine Tatsache, die wir trinken können, denn Whisky hat diesen Fortschritt voll abbekommen. Jenes Destillat in all seinen Facetten ist heute ein hochindustrialisiertes Produkt.

Destilliert wird an einem Ort, gelagert an einem anderen und überwacht per PC-Bildschirm. Die Produktionsplanung kommt dann teilweise noch aus einem ganz anderen Land. Denn allein Scotch-Destillerien gehören heute nur noch zu rund einem Viertel auch schottischen Unternehmen bzw. Familien. Die restlichen 75 Prozent liegen in der Hand ausländischer Firmen.

Tatsachen, die zwar die Entwicklung von Whisky mit all seinen Unterkategorien beeinflusst, nicht jedoch die elementaren Fragen des Whisky-Genusses. Die, bei denen du dich fragst, wie du Whisky am besten trinkst oder ob Eis hinein soll? Die nach der Haltbarkeit, denn in diesem Bereich gibt es weniger Ärgerliches als sich einen guten Tropfen für besonderes Anlässe aufzuheben, nur um dann zu merken, die Plörre ist untrinkbar geworden.

Wir haben daher einmal folgende 8 Fragen von Whisky-Einsteigern unter die Lupe genommen:

  1. Wie sollte ich Whisky lagern?
  2. Welche Temperatur sollte mein Whisky haben, wenn ich ihn trinke?
  3. Soll ich meinen Whisky mit oder ohne Eis trinken?
  4. Aus was sind Whisky-Steine gemacht?
  5. Woher bekommst Whisky seine dunkle Farbe?
  6. Warum sollte ich meinen Whisky nicht im Kühlschrank lagern?
  7. Wird Whisky schlecht? Hat es ein Haltbarkeitsdatum?
  8. Woher bekommst Whisky seinen Geschmack?

WIE SOLLTE ICH WHISKY LAGERN?

Wir hier in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben einen entscheidenden Vorteil bei der Lagerung von Whisky. Unsere Temperaturschwankungen sind nicht derart extrem, als dass wir große Vorkehrungen treffen müssten, edle Tropfen besonders zu lagern. Unsere jährliche Durchschnittstemperatur ist daher völlig ausreichend bzw. optimal.

Zwar kann es im Winter auch bei uns schon einmal – 20 °C und im Sommer über 40 haben, das sind jedoch meist nur kurzzeitige Ausnahmen. Zudem sind dies Temperaturen, die innerhalb von Wohnräumen nicht erreicht werden. Und falls doch, hat derjenige sowieso ganz andere Probleme als seinen Whisky.

Grundsätzlich sollte Whisky immer trocken und lichtgeschützt gelagert werden. Aus 2 Gründen.

Whisky ist ein hocharomatisches Produkt. Die einzelnen Aromen bezieht es dabei aus diversen chemischen Verbindungen. Werden diese nun über einen zu langen Zeitraum direktem Sonnenlicht ausgesetzt, zersetzen sich einige dieser Moleküle. Sie „verwandeln“ sich in andere mit völlig anderen aromatischen Eigenschaften.

Trocken sollte die Lagerung deswegen sein, da sich bei zu hoher Luftfeuchtigkeit über zu langen Zeitraum ein erkennbarer Schimmelgeruch im Whisky bildet. Dieser basiert auf mikrobiellem Abbau der Umverpackungen aus Papier und Pappe. Jene Stoffwechselprodukte diffundieren schließlich in äußerst kleinen Mengen durch den Zwischenraum von Flasche und Korken in den Whisky.

Zudem solltest du deinen Whisky immer stehend lagern. Kommt der Korken über Monate und Jahre in permanenten Kontakt mit hochprozentigem Alkohol, ist es möglich, dass der Verschluss sich sukzessive auflöst.

Zwar geschieht dieser Kontakt auch durch den Alkoholdampf im Flaschenfreiraum, es fehlt allerdings die Funktion als Lösungsmittel.

WELCHE TEMPERATUR SOLLTE MEIN WHISKY HABEN, WENN ICH IHN TRINKE?

Für den eiligen Leser: Zimmertemperatur.

Für den detailinteressierten Leser hier ein paar mehr Fakten.

Zimmertemperatur ist ein sehr vager Begriff. Es liegt auf der Hand, dass ein Iglu in Alaska eine andere Zimmer- bzw. Raumtemperatur besitzt als eine Hütte in der Namib-Wüste. Je nach Region kann diese Temperaturangabe daher variieren.

Hierzulande spricht man üblicherweise von Raumtemperatur in Bezug auf Lebensmittel von einem Bereich zwischen 18 und 22 °C.

In diesem Bereich machst du mit deinem Whisky nichts falsch. Dennoch kannst du die Erfahrung machen, dass das Bouquet kürzer gelagerter Whiskys – so zwischen 6 und 8 Jahren – deutlicher interessanter wird, wenn du sie bei 16 bis 17 °C trinkst.

Dadurch benötigst du zwar etwas mehr Zeit bei der Verkostung, da sich die Teilchen langsamer bewegen, viele Whiskys insbesondere Scotch profitieren aus aromatischer Sicht jedoch enorm davon.

SOLL ICH WHISKY MIT ODER OHNE EIS TRINKEN?

Diese Frage ist wahrscheinlich unter den Top 3 im Bereich „Whisky trinken“. In diversen Filmen und Serien trinkt der Whisky-Fan immer aus Tumblern, gefüllt mit Eis. In Literatur, Fachmagazinen und Internet wird allerdings meist die Verwendung von Nosing-Gläsern ohne Eis propagiert. Was ist denn jetzt die richtige Variante?

Kurzum: Es gibt keine. Sagt dir jemand inbrünstig, dass Whisky niemals mit Eis getrunken werden darf, dann vergiss ihn und seine vermeintliche Kompetenz. Er hat Whisky nicht verstanden.

Whisky solltest du immer so trinken, wie dir gerade der Sinn danach steht. Wie ein Filmheld 2-Finger breit mit Eis im Tumbler oder gestrichene 4 cl im Nosing-Glas bei Raumtemperatur.

Dennoch gibt es den ein oder anderen Punkt, der für die letzte Variante spricht. Dadurch erhältst du das unverfälschte Bouquet des Whiskys bei der optimalen Trinktemperatur. Bei keiner anderen Variante wirst du so viele verschiedene Aromen erkennen.

Solltest du dich hingegen für die Eis-Variante entscheiden, dann achte darauf, dass  dein Whisky nicht mit Hohlkegel-Eiswürfeln kommt. Diese Eiskörper sehen aus wie überdimensionale Stiftkappen und haben denkbar schlechte Kühleigenschaften. Zwar sind sie vielerorts Standard, sind allerdings viel zu warm und haben eine zu große Oberfläche. Die Folge: Dein Whisky verwässert in Kürze.

Am besten sind 2 bis 3 gleichmäßig gefrostete, große Würfel.

Bildquelle: Edward Peters/FlickR

AUS WAS SIND WHISKY-STEINE GEMACHT?

Das Material aus denen Whisky-Steine gefertigt sind, ist nicht definiert. Das heißt, im Endeffekt kann jeder Werkstoff für die Herstellung von Whisky-Steinen verwendet werden, der eine konkrete Funktion mit sich bringt: Er lässt sich herunterkühlen und kühlt somit den Whisky.

Whisky-Steine wurde aus dem Grund erfunden, da diverse Unternehmen dem Whisky-Fan eine Alternative für Eis anbieten wollten. Der Whisky soll durch die Verwendung der Steine zwar gekühlt werden, dennoch nicht verwässern. Je nach Hersteller kommen dafür Metall, Granit, Speckstein etc. zum Einsatz.

Falls du dich nun fragst, ob Whisky-Steine tatsächlich einen Mehrwert bringen: die Antwort lautet „nein“. Zu diesem Schluss kommen die Jungs von coolmaterial.com, die verschiedene Whisky-Steine unterschiedlichen Materials auf ihre Kühleigenschaften untersucht haben. Außer, dass es „cool“ aussieht, haben diese kleinen Beigaben kaum bis gar keinen Effekt auf den Whisky. Denn selbst der Kühleffekt ist kaum der Rede Wert.

WOHER BEKOMMT WHISKY SEINE DUNKLE FARBE?

Jede Spirituose ist farblos in dem Moment, in dem sie aus der Brennblase tropft. Auch Whisky. Sieht man allerdings einmal von der Verdünnung mit Wasser und der Filtration ab, folgt bei Scotch, Bourbon etc. im Anschluss an die Destillation nur noch ein Herstellungsschritt: die Fassreifung. Daher auch die Farbe.

Das zunächst farblose Destillat färbt sich im Laufe der Jahre also durch Teile des Holzes. Im Detail sind dies Abbauprodukte des Holzbestandteils Lignin.

Vorausgesetzt der Hersteller half nicht künstlich mit Zuckercouleur nach.

WARUM SOLLTE ICH MEINEN WHISKY NICHT IM KÜHLSCHRANK LAGERN?

Dies hat 2 Gründe. Im Schnitt hat ein handelsüblicher Kühlschrank eine Temperatur von 7 °C. Möchtest du den Whisky nach dieser Kühllagerung trinken, ist er deutlich zu kalt. Folglich wirst du aromatisch nur einen Bruchteil dessen wahrnehmen, was dieser Whisky eigentlich drauf hätte.

Zum zweiten kann dieses starke Herabkühlen bewirken, dass das Destillat mehr oder minder stark eintrübt.

Ein nicht unerheblicher Teil heutiger Whiskys wird mit nicht mehr kühlfiltriert. Die Folge ist, dass er durch die Abkühlung im Kühlschrank ein milchig-trübes Aussehen erhält. Auch wenn es nicht sonderlich ästhetisch aussieht, aromatische Konsequenzen hat dies nicht.

Sofern dein Whisky mindestens 46%Vol. besitzt, löst sich die Trübung wieder auf, sobald sich der Whisky erwärmt.

WIRD WHISKY SCHLECHT? HAT ES EIN HALTBARKEITSDATUM?

Nein. Aus gesundheitlicher Sicht kann Whisky nicht „schlecht“ oder ungenießbar werden. Dafür sorgt der Alkoholgehalt von mindestens 40%Vol., der jegliche Mikroorganismen abtötet. Aus diesem Grund trägt Whisky, wie jede andere Spirituose über 10%Vol., kein Mindesthaltbarkeitsdatum.

Scotch, Bourbon etc. kannst du also endlos lagern. Sofern du die Flasche zu lässt.

Sobald du jedoch den Korken ziehst und einige Gläser entnimmst, läuft ein Countdown. Ein sehr langsamer, aber ein kontinuierlicher. Sobald der Timer auf Null ist, kannst du deinen Tropfen zwar immer noch trinken, schmecken wird er aber nicht mehr sonderlich. Wahrscheinlich sieht er dann auch nicht mehr prall aus.

Es gilt die Faustregel, dass wenn nur noch 2/3 des Whiskys in der Flasche sind, kann dieser nach mehr als 6 Monaten „kippen“.

Während es allerdings bei Lebens- und Genussmitteln mit Haltbarkeitsdatum keine Alternative gibt, außer sie in den Müll zu geben, hast du bei Whisky & Co. ein paar Vorteile. Du kannst die Haltbarkeit mit Unterdruck oder Gas ungemein erhöhen.

WOHER BEKOMMT WHISKY SEINEN GESCHMACK?

Um es kurz zu machen: Von jedem einzelnen seiner Herstellungsschritte. Das beginnt beim Getreide, über Fermentation, Destillation hin zu Reifung. Selbst die Lagerung des Getreides kann einen Whisky aromatisch merklich beeinflussen.

So stammt der Herkules-Teil des Geschmacks eines durchschnittlichen Single Malt Whiskys aus der Fassreifung. Den zweiten aromatischen Block übernimmt die Fermentation bzw. Gärung. Die restlichen Positionen teilen sich Destillation und Getreide. Vorausgesetzt die Gerste hat kein dickes Aromen-Plus durch Torfrauch erhalten.

Wobei der Großteil des Geschmacks, den wir bei Whisky erkennen per definitionem gar kein Geschmack ist, es ist vielmehr sein Aroma. Geschmack wie süß, sauer und bitter erkennen wir mit der Zunge und einem kleinen Teil unserer Mundschleimhaut. Der überwiegende Teil, ca. 70 bis 80 %, eines Whiskys nehmen allerdings unsere Sinneszellen in der Nase als Aromen wahr.


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.

4 Kommentare für 8 Fragen, die sich Whisky-Einsteiger stellen…und deren Antworten

  1. Sigi Späth 2. Juni 2016 zu 17:50 #

    Frage wieviel Distillerien gibt es im Bourbon County von Kentucky und wie viele sind es in Japan Danke für die Auskunft.

  2. Freddy Müller 3. Juni 2016 zu 11:11 #

    Hallo Phillip,

    sehr guter Artikel (wie immer) 🙂

    Lunatic von derwhisky.de hat vor etwas längerer Zeit ein cooles Experiment zum Thema Lagerung gestartet und drei Flaschen Glengoyne unter verschiedenen Bedigungen gelagert und dann verkostet (nachzulesen hier: http://www.derwhisky.de/index.php?page=Thread&postID=62401#post62401 ) Ergebnis: Dunkel und ca. 18 Grad sind die besten Bedingungen.

    Ansonsten habe ich mich auf meinem Blog auch vor kurzem über Trinktemperatur und Lagerung ausgelassen:

    http://www.singlemaltwhiskey.org/trinktemperatur/
    http://www.singlemaltwhiskey.org/whisky-richtig-lagern/

    VG
    Freddy

  3. Maddin 3. Juni 2016 zu 13:03 #

    Whiskysteine sind zum runterkühlen tatsächlich ehr sinnlos. Ich persönlich schätze sie jedoch als erweiterung des vorgekühlten Glases fürstraight-up servierte Cocktails.

Schreibe einen Kommentar