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12 Tipps wie du dein nächstes Whisky-Tasting perfektionierst

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Bildquelle: burntime555/Fotolia

Es ist eine Dienstleistung, die in Deutschland boomt. Spirituosen- und vor allem Whisky-Tastings sind zu einer echten Hausnummer geworden. In den vergangenen 10 Jahren mehr als jemals zuvor. Zwar gehen die meisten Referenten durchaus passioniert und mit Leidenschaft an das Projekt, vielen unterlaufen dabei aber elementare Fehler. Fehler, die das Whisky-Vergnügen ungemein trüben und am Ende Geld kosten.


Wir saßen in einem alten Weinkeller, etwas modrig im Geruch und auch nicht überall trocken, aber das Ambiente hatte etwas. Es erzeugte Stimmung.

Auf der orangenen Bierbankgarnitur vor uns waren fein säuberlich 2 Gläser je Gast bereit gestellt. Etwas Weißbrot stand daneben. Das war’s. Keine Garnitur, kein Firlefanz. Der Referent schien es puristisch zu mögen. Es war also nicht unbedingt ein ästhetisches Gedeck, „zweckdienlich“ traf es besser.

Als der Referent schließlich mit folgenden Worten begann: „Hallo, ich habe heute Abend den, den und den Whisky mitgebracht“…BÄM….dann war’s vorbei. Und tatsächlich. Es dauerte gerade einmal einen Whisky, bis sich knapp ein Drittel der Gäste lieber mit ihrem Sitznachbarn über Whisky unterhielt als dem Referenten zuzuhören.

In gewisser Weise eine traurige Vorstellung, denn seine Passion für Whisky war unverkennbar. Seine Unfähigkeit Zuhörer zu begeistern und mitzureißen allerdings auch.

Und so blieb der Abend letztlich eine eigenständige Probier-Runde diverser Single Malts. Ein Whisky-Tasting war dies jedoch nicht, zumindest keines, das ich zweimal besuchen würde.

Es gibt allerdings auch die andere Seite der Whisky-Präsentationen. Vorträge, bei denen uns jegliches Zeitgefühl verlässt. Tastings also, bei denen nicht strukturlos irgendwelche PowerPoint-Folien an die Wand geklatscht werden. Tastings, bei denen der Referent nicht in erster Linie deswegen redet, weil er seine Stimme so putzig findet.

Ein Whisky-Tasting so zu leiten, dass du anschließend einen Bulk begeisterter Fans nach Hause entlässt, ist allerdings keine Raketenwissenschaft. Auch erfordert es nicht sonderlich viel Talent – was mein Glück ist, da ich anfangs kaum vor größerem Publikum frei reden konnte – es braucht allerdings das nötige Rüstzeug. Dieses und Ehrgeiz es sich anzueignen.

7 TIPPS FÜR DIE VORBEREITUNG: VON BROT BIS WASSER

1. Nur Nosing-Gläser verwenden

Der Tumbler, der kleine Dicke unter den Gläsern, ist das Whisky-Gefäß schlechthin. In zahlreichen Filmen und Plakaten glorifiziert, für ein professionelles Whisky-Tasting allerdings völlig ungeeignet.

Zu Nosing-Gläsern wirst du allein aus einem konkreten Grund keine passende Alternative finden: Kein anderes Glas liefert dir und deinen Gästen derart viele Aromen auf dem Silbertablett direkt zur Nase wie eben jene Stielgläser.

Herkömmliche Varianten haben ein Fassungsvermögen von 18cl, sind jedoch aufgrund ihrer Form für 2 bis 4cl Flüssigkeit optimiert. Dieses Volumen ermöglicht ein maximale Oberfläche. Von dieser steigen Duftmoleküle auf und werden zur Öffnung hin gebündelt und konzentriert zur Nase geschickt.

Ich habe bisher nur 1 bis 2 Ausnahmen erlebt, bei denen der Referent seine Whiskys in Tumblern servierte. Zum Glück ist dies die Ausnahme, und das Gros der Veranstalter packt die Nosing-Gläser aus.

Ein weitaus häufigerer „Fehler“ ist allerdings die Qualität der Glasware. Kalk-Natron-Gläser oder auch Pressgläser sind zum Beispiel äußerst leicht und wirken folglich nicht sonderlich hochwertig. Als Referent solltest du allerdings auch ein gewisses Kosten-Nutzen-Verhältnis im Hinterkopf haben. Jene Gläser sind daher für ein Whisky-Tasting völlig in Ordnung.

Der Gast wird das Glas nicht in der Hand abwiegen und sagen „Boah, ist das Pressglas billig“. Er wird den Unterschied erst dann merken, wenn er ein hochwertiges, und damit teureres Nosing-Glas aus Kristallglas in den Händen hält. Deutlich schwerer und bessere Lichtbrechungseigenschaften machen dieses Glas zur Wahl Nummer 1. Solltest du also die Möglichkeit haben, deine Gäste mit diesen Gläsern zu verwöhnen: Tu‘ es.

Für welche Art Nosing-Glas du dich letztlich entscheidest, ist also sowohl eine Preis- als auch eine Frage des Qualitätsanspruchs. Beide haben ihre Vor- und Nachteile. Was du allerdings auf keinen Fall tun solltest, sind „gebrandete“ Gläser verwenden. Ware zu verwenden, bei denen Unternehmen und Marken ihre Logos und Slogans ins Glas gedruckt haben, wirkt schlichtweg nur eins: billig. (Außer es ist das Logo deines eigenen Unternehmens)

Toppen kann man dies nur noch, wenn man Whiskys in Gläser füllt, auf denen die Logos anderer Destillerien prangen. Auf dem Glas steht Glenfiddich und oben dampft der Rauch eines Laphroaigs heraus.

2. Gläser wiederverwenden ja, aber nur ohne Makel.

Die meisten Nosing-Gläser sind spülmaschinenfest. Es spricht also nichts dagegen, dass du diese bei der nächsten Veranstaltung gleich wieder verwendest. Letztendlich ist es ja auch eine Kostenfrage. Weder macht es viel Freude, noch ist es wirtschaftlich für jedes Tasting neue Gläser einzukaufen.

Du solltest allerdings vor Beginn jedes der Gläser auf Makel überprüfen. Kleine Kratzer werden, wenn sie sich summieren, unästhetisch und lassen den Whisky im Glas billig wirken. Also weg damit.

Gläser, die einen Sprung haben oder angebrochen sind, solltest du ebenfalls sofort wegschmeissen. Sowohl aus optischen als auch gesundheitlichen Gründen.

3. Aromenlupen sind unnötiges Spielzeug

Vor Jahren hatte ich einmal eine Aromenlupe zu Testzwecken zugeschickt bekommen. Diese feingearbeiteten Glasbehälter werden mit wenigen Zentiliter Destillat befüllt, welches anschließend mittels Gummiaufsatz zerstäubt wird.

Für passionierte Whisky-Enthusiasten durchaus ein nettes Gimmick, das allerdings ordentlich in die Tasche greifen lässt. Rund 100,- Euro kostet eine solche Aromenlupe. Recht teuer für das, was es letztlich ist: ein Spielzeug.

Denn für professionelle Verkostungen ist es aus meiner Sicht nicht zu gebrauchen. Aufgrund seines Preises für herkömmliche Whisky-Tastings sowieso nicht.

4. Die Wahl der richtigen Beilage

Ein Whisky-Tasting beschreibt eigentlich recht präzise, was den Gast erwartet: ein Whisky-Tasting. Der Grund, warum Leute also zu deiner Veranstaltung kommen, ist in erster Linie jenes Getreidedestillat.

Du kannst den Genuss von Single Malt, Blends, Bourbon etc. allerdings mit der Wahl gewisser Beilagen auf ein gänzlich anderes Level heben. Klar, du kannst Weissbrot oder anderes trockenes Brot wie bei den meisten Whisky-Tastings servieren. Es ist zweckdienlich, neutralisiert etwas die Geschmacksnerven und bringt Abwechslung in den Magen.

Ich persönlich kann es aber nicht mehr sehen. Ein hochwertiger Single Cask Whisky „serviert an“ lapprigem Weissbrot? Irgendwo ist da ein Knick in der Logik. Zumal es dem Gast ein elementares Zeichen gibt, dass zwar mit Whisky ein Genussprodukt serviert wird, das Konzept „Genuss“ dem Grunde nach aber vom Referenten nicht verstanden wurde.

Sofern deine Veranstaltung kein Seminar für „Foodpairing mit Whisky“ ist, sollten deine Beilagen aber immer whisky-dienlich sein. Das heißt, sie sollen ihn aromatisch unterstützen und deine Nervenzellen wieder fit für den nächsten Tropfen machen.

Wenn also schon einfaches Brot, dann zumindest frisches Baguette. Bist du bereit ein paar Euro mehr auszugeben, dann serviere deinen Gästen noch vegetarische Aufstriche in kleinen, handteller großen Schälchen. Sehr gute Erfahrungen habe ich beispielsweise mit solchen aus Avocado gemacht. Auch Hummus eignet sich hervorragend.

Nur geschmacklich leicht sollten sie sein, da sie den Whisky tragen und nicht erschlagen sollen.

5. Liefere ausreichend Wasser

Genügend Wasser bei einem Spirituosen-Tasting zu reichen, sollte sich von selbst verstehen. Nicht nur stillt es den Durst, es hilf dem Gast auch den Mund zu neutralisieren.

Weitaus interessanter ist allerdings die Frage: Welches Wasser. Still oder mit Sprudel? Wie serviert?

Meiner Ansicht nach gibt es viele Varianten, die nicht nur ästhetisch sind, sondern auch aromatisch durchaus eine echte Hausnummer sind. Aber egal, was du nimmst, egal wie du es servieren möchtest: Stelle niemals nur eine Plastikflasche auf den Tisch, von der sich jeder selbst bedient. Es wäre ein dekorativer Kopfschuss. Glasflaschen sollten es mindestens sein.

Die aus meiner Erfahrung positivste Wahl beim Thema Wasser besteht aus einer Karaffe, stillem Wasser und frischer Gurke. Hierdurch bietest du nicht nur eine ansehnliche, sondern auch erfrischende Alternative zur herkömmlichen Variante aus der Flasche.

Wasche hierfür zunächst die Gurke und schneide sie in ca. 1 cm dünne Scheiben. Eine halbe Gurke auf 1,5 Liter Wasser. Beides zusammen mit ca. 10 Eiswürfeln in die Karaffe und den Gästen zur Verfügung stellen.

Bildquelle: Kymberly Janisch/FlickR

6. Die richtige Anzahl der Whiskys

Dies ist wahrscheinlich eine der schwierigsten und individuellsten Fragen. Hängt sie schließlich von der verfügbaren Menge und den Gästewünschen ab. Zu wenige wirken nicht spannend genug, zu viele sind Verschwendung. Verschwendung deshalb, da ab einer gewissen Menge aromatische Nuancen schlicht nicht mehr wahrgenommen werden. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob die eigene Alkoholtoleranz vergleichsweise hoch ist. Deine Sinneszellen zur aromatischen Wahrnehmung haben damit nichts zu tun.

Zudem spielt es auch eine Rolle wie groß du den Zeitrahmen für das Tasting gesetzt hast. In 3 Stunden können logischerweise mehr Whiskys untergebracht werden als in 1,5.

Gehen wir einmal von einer Dauer von rund 2 Stunden (länger sollte es nicht dauern) aus, bieten sich 6 – 7 verschiedene Whiskys à 2 cl an. So erhält jeder Tropfen eine Zeit von rund 15 bis 20 Minuten. Genügend um darüber zu erzählen, genügend dass sich die Gäste austauschen können, zu wenig um die letzten Tropfen nicht mehr wahrzunehmen.

7. Wie viele Gäste einladen?

Eine Frage, die zwangsläufig bares Geld bedeutet. Je mehr Gäste, desto höher der Umsatz. Als Veranstalter eines Tastings bist du Dienstleister also auch an Einnahmen interessiert.

Dennoch sollte es keinen Rahmen sprengen, bei dem sich der einzelne Gast als Teil einer gigantischen Schafherde sieht. 40 Gäste bei einer einzelnen Veranstaltung ist nicht nur unpersönlich, sondern auch unprofessionell, denn der Gast wird zur Massenware abgestempelt.

Spätestens wenn du also ein Mikrofon brauchst, damit dich jeder versteht, hast du die Grenze bei weitem überschritten.

Optimal ist eine Gästezahl im Bereich von 10 bis 20 Personen. So bleibt es überschaubar, die Gäste haben die Möglichkeit für Fragen und du für Dialoge.

5 TIPPS FÜR DEINE PRÄSENTATIONSTECHNIK

1. Blickkontakt halten

Weicht der Referent ständig den interessierten Blicken seiner Zuhörer aus, signalisiert dies Unsicherheit. Unsicherheit, die das Publikum bemerkt. Meistens schon nach relativ kurzer Zeit.

Achte daher darauf, dass du so oft wie möglich direkten Blickkontakt zu deinen Gästen hast. Je mehr, desto besser. Idealerweise 90% deiner Redezeit.

2. Emotionen zeigen

Es wirkt nicht albern und lächerlich, sondern authentisch und überzeugend. Natürlich solltest du auf der Bühne nicht anfangen zu Heulen, weil dich das Bouquet dieses oder jenes Whiskys so begeistert. Wenn du aber zeigst, warum du für Whisky brennst, wirkst du glaubwürdiger als wenn du monoton deine Phrasen runterbetest.

Zeige Persönlichkeit und Ausstrahlung. Ein Bestatter braucht keine positive Ausstrahlung, ein Taxi-Fahrer auch nicht, ein Referent bei Tastings aber schon.

3. Ziehe Vergleiche

Vergleiche funktionieren immer dann, wenn du dem Zuhörer etwas erklären möchtest. Sie sind deswegen so effektiv, da sie ihn bei Altbekanntem abholen. „Whisky-Herstellung ist wie Kochen. Ist eine „Zutat“ qualitativ mies, reißen es die anderen nicht mehr raus.“

4. Frage und Provokation als Einstieg

Beginne nicht mit Standard-Aussagen wie „Freut mich, dass ihr alle hier seid“, „Ich möchte mich bedanken, dass ihr Interesse an meinem Tasting habt“ etc. Das kennt jeder, es langweilt jeden.

Stelle eine Frage oder provoziere das Publikum. So richtet sich die volle Aufmerksamkeit auf dich. „Es gibt 2 Gründe, die ich an Single Malt Scotch überhaupt nicht mag,…“ zum Beispiel.

Spicke dies noch mit Selbstironie und Humor und der erste Eindrucke, der wichtigste wurde mit Bravour gemeistert.

5. Erzähle Anekdoten

Bei einem Whisky-Tasting gibt es 2 Punkte, die allesentscheidend sind. Das ist der Whisky selbst und der Referent. Glaube mir: das Publikum ist auch an dir interessiert. Vor allem an dir als Person, deinen Fehlern im Umgang mit Whisky, deine Erfahrungen. Mache dich menschlich und erzähle den Zuhörern kleine Geschichten.


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.

2 Kommentare für 12 Tipps wie du dein nächstes Whisky-Tasting perfektionierst

  1. Michael 17. August 2016 zu 10:29 #

    7 TIPPS FÜR DEINE PRÄSENTATIONSTECHNIK ?

    und dann kommen nur 5 😉

    • Philip Reim 17. August 2016 zu 12:12 #

      Jepp, das ist richtig 🙂 Danke für den Hinweis. Habe es soeben ausgebessert.

      Gruß Philip

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