10 unbekannte Gins, die du probiert haben musst » Eye For Spirits

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10 unbekannte Gins, die du probiert haben musst

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Bildquelle: Kotomi_/FlickR

Sie stehen selten in den Medien, haben keinen Platz im Portfolio großer Unternehmen. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen verdienen sie nicht nur einen zweiten Blick, sondern auch einen Platz im heimischen Regal. Die Rede ist von Gins aus kleinen Manufakturen und von unbekannten Herstellern, die in Sachen Qualität und Handwerkskunst echte Hausnummern sind.


VL 92 GIN

Dieser Gin weiß bereits durch sein Äußeres zu gefallen. Zumindest ging es mir so, als ich das schlichte aber irgendwie elegante Design des VL 92 zum ersten Mal sah.

Es muss 2013 gewesen sein, als ich diesen Gin das erste Mal im Glas hatte. In einer Zeit also, in der der Gin-Boom schon in voller Fahrt war. Die ersten Agentur-Gins bahnten sich ihren Weg und Monkey 47 war mitten im fulminanten Aufstieg.

Bereits damals war der VL 92 eine erfrischende Abwechslung, da er in genau die andere Richtung als die neue New Western Dry-Kategorie stiefelte. Mochten es diese eher fruchtig-modern, ging der VL 92 die traditionelle Schiene. Sehr traditionell sogar.

Denn für diesen Gin verwenden die Gründer Leo Fontijne und Sietze Kalkwijk als Basis einen Malt Wine. Ein Destillat, das eigentlich traditionell für Genever verwendet wird, bei Gin hingegen war und ist es die Ausnahme.

Auf dessen aromatischer Basis ergänzen die beiden Destillateure ihren Gin mit diversen Botanicals. Allem voran Koriander-Blätter.

Alkohol: 41,5%Vol.; Preis: ~ 45,- € à 1 l

HORSETOWN GIN

Er ist für mich eines der besten Beispiele dafür, wie markant und hocharomatisch unfiltrierter Gin sein kann. Ein Charakteristikum, das du erkennst, sobald du deine Nase über ein Glas Horsetown Gin hältst.

Dieser Wacholder-Tropfen aus dem bayerischen Bad Kötzting spielt nicht großartig mit extravaganten und exotischen Zutaten. Heimisch und bodenständig ist es geblieben. Sowohl bei der Botanicals-Auswahl als auch bei der Namensgebung. „Horsetown“ soll an den alljährlichen Pfingstritt der Heimatstadt erinnern.

Bei der Regionalität blieb es allerdings bisher auch, denn im großen Stil machte der Horsetown Gin national und international nie von sich Reden.

Alkohol: 45%Vol.; Preis: ~ 25 € à 0,5 l

OMG OH MY GIN

Hätte es das tschechische Familien-Unternehmen Zufanek nicht getan, hätte es kurz darauf sicherlich jemand anderes übernommen. Das vor allem im angloamerikanischen Raum verwendete OMG für Oh My God! war auch einfach zu verlockend, um es nicht mit „Gin“ zu verdrehen.

16 Botanicals verwendet die kleine Destillerie für ihren OMG und zaubert dabei einen Gin in die Flaschen, der ein echter Meilenstein war. Wahrscheinlich einer der besten Gins, die ich die vergangenen Jahre probierte habe.

Alkohol: 45%Vol.; Preis: ~ 30 € à 0,5 l

ORO IBIZA DRY GIN

Als ich das erste Mal von Ibiza Gin hörte, war mein erster Gedanke: „Na prima, noch so’n Party-Schnaps.“. Der Ansatz, den die Rechtsanwältin und Edelbrandsommeliere Susanne Straubinger-Meiller mit ihrem mediterranen Tropfen allerdings auf den Markt brachte, bügelt dieses Vorurteil bereits mit der unverbindlichen Preisempfehlung nieder.

Der Oro Ibiza Dry Gin ist ein Destillat, das mit seiner Auswahl an Kräutern und Früchten eine Melange aus deutschen und ibizenkischen Aromen schaffen will. Der Ansatz war also weitaus hochwertiger als ich es zunächst vermutete. Und die Qualität auch.

Alkohol: 43,2%Vol.; Preis: 49,90 € à 0,7 l

GIN EVA

Wenn es neben Deutschland in den vergangenen Jahren noch eine weitere Nation gab, die in eigenem Gin zu ertrinken drohte, dann war dies Spanien. Was die Iberer dabei in die Flaschen brachten, war meist nicht nur alle erste Sahne, sondern auch richtungsweisend. Markant fruchtig-parfümige Noten waren nicht selten.

Weitaus klassischer im Aromenprofil gab sich dabei der 2013 erschienen Gin Eva. Das Ehepaar Stefan Winterling und Eva Maier Gómez produzieren diesen Boutique-Gin seit jenem Jahr auf Mallorca.

Auch wenn er hierzulande bei dem ein oder anderen Händler zur Verfügung steht: Wirklich Bekanntheit hat er bei uns nie erlangt. Schade eigentlich, denn die Qualität ist herausragend.

Alkohol: 45%Vol.; Preis: ~ 35 € à 0,7 l

OLD ENGLISH GIN

Er war einer der ersten seiner Art, die einen Wachsverschluss im alten Stil bei Gin wiederbelebten. Der britische Destillateur Henrik Hammer wollte dadurch auch optisch unterstreichen, an was er im Inneren der Flasche akribisch arbeitete. An einem Gin im alten englischen Stil. Aus einer Ära, in der das Wacholder-Destillat seine traurige erste Blütezeit hatte.

Der Old English Gin basiert auf einer Rezeptur aus dem Jahr 1783. Eine Zeit, in dem der britische Gin Craze gerade am Abklingen war. Jahre, kurz bevor sich der heute bekannte London Dry-Stil entwickelte.

Bei allen historischen Eckdaten ist es aber vor allem die Qualität des Old English Gin, die mich vor einigen Jahren umhaute. Und dennoch: Der Erfolg, dem man bei solch einem Tropfen vermutet hätte, blieb ihm hierzulande verwehrt.

Alkohol: 44%Vol.; Preis: ~ 30 € à 0,7 l

FEEL! GIN

Korbinian Achternbusch, der Start Up-Gründer hinter Feel! Gin, war vor wenigen Jahren einer der ersten Entrepreneure, die sich mit Leidenschaft dem Thema Gin widmeten. Wobei Leidenschaft schon fast zu niedlich und ungenau ist, um die Akribie zu beschreiben, mit der Korbinian an Feel! arbeitete.

Anstatt seine Idee von einem eigenen Gin von einer erfahrenen und etablierten Destillerie umsetzen zu lassen, finanzierte er sich seine eigene 150 Liter-Destille. Arbeitete an Rezepturen während eines Vollzeitjobs. Das Ergebnis: genial.

Ein nahezu perfekt ausbalancierter und komplexer Gin, über den ich bisher nur selten etwas Negatives hörte. Genau genommen: noch nie.

Alkohol: 47%Vol.; Preis: ~ 35 € à 0,7 l

TURICUM GIN

Mitte vergangenen Jahres erhielt ich eine Mail mit der Vorstellung des Turicum Gins. Zu jener Zeit noch auf der Suche nach einem deutschen Importeur konnte das Destillat von Merlin Kofler hierzulande mittlerweile Fuß fassen. Auch wenn es nur ein kleiner ist, denn der Preis den manch deutscher Händler für diesen Gin verlangt, ist stattlich. Und die Verfügbarkeit: Noch ist sie nicht üppig.

Dafür aber die Qualität, mit der die 12 Botanicals wie Wacholder, Zitronen- und Orangezesten, Koriandersamen, Engelswurz, Süßholz, Linden- und Orangenblüten oder Tannenspitzen und Hagebutten mazeriert und destilliert werden.

Alkohol: 41,5%Vol.; Preis: ~ 38 € à 0,5 l

TSCHIN

Dieser Tropfen war eine meiner persönlichen Highlights 2015. Sowohl optisch als auch inhaltlich. Diverse Unternehmen bezahlen 4- bis 5-stellige Beträge, um ihren Gin medial in vorderster Front zu pushen. Basteln an Flaschendesign und Labelaufschriften. Und der Tschin….der pfeift auf das alles.

Dieser Gin im Pipi Langstrumpf-Stil ist der erhobene Mittelfinger gegen die moderne Lifestyle-Gin-Szene. Das Rückenlabel nennt kurz und prägnant die gerade einmal 4 Botanicals – Wacholder, Kirschenblüten, Waldmeister und Walderdbeeren – und selbst beim Namen sparte man sich die englische Übersetzung.

Gerade aufgrund seiner puristischen Anti-Haltung würde der Tschin bereits einen Blick verdienen. Spätestens aber beim ersten Glas wird klar, dieser Tropfen kann nicht nur pöbeln, er kann auch begeistern. Und dies mit auffallend wenig Zutaten.

Alkohol: 40%Vol.; Preis: 39,95 € à 0,5 l

JUNIPER JACK

Es ist eine Alliteration, die ich schon viel früher auf dem Gin-Markt vermutet hätte. Kurz, prägnant und eingängig. Was im ersten Moment nach einer Wacholder-Version von Jack Daniel’s klingt, ist ein Boutique-Gin, der seit wenigen Monaten erhältlich ist.

Wobei „erhältlich“ zu optimistisch ist. Der Dresdner Gin soll lediglich an ausgewählte Händler gehen. Das macht Juniper Jack zwar schlechter erhältlich, dafür aber exklusiver.

So wie auch sein Inhalt. Denn was die Destillerie hier mit lediglich 10 Botanicals kreiert, ist wahrlich Premium.

Alkohol: 46,5%Vol.; Preis: 49,98 € à 0,7 l


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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