Werbung

Was du vor der Zubereitung eines Daiquiri wissen solltest

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone

Bildquelle: © riccardomojana/Fotolia

Es ist eine der einfachsten Cocktail-Rezepturen und gerade darin liegt die Crux. Es ist der wahrscheinlich bekannteste Sour-Twist und gerade deswegen etabliert er fast schon seine eigene Kategorie. Der Daiquiri gehört in seiner einfachsten Ausführung zum Standard-Repertoire eines Bartenders. Und dennoch: Viele scheitern an seiner Süß-Sauer-Balance.


Während die Original-Formation der Rockband AC/DC allmählich aufgrund altersbedingter Erkrankungen auseinander bricht, werden Cover-Bands rund um den Globus nicht müde die alten Klassiker zu spielen. Hoch und runter. Von Hell’s Bells über Thunderstruck reißen die Songs der Australier auch einfach die Massen mit. Sie sind simpel, gehen sofort ins Ohr und jeder „kapiert“ den Song.

Gründe, warum jene Songs seit Jahrzehnten zum Standard-Repertoire diverser Dorf-Kombos gehören. Bisher habe ich allerdings nur wenige jener Bands gehört, die annähernd an die Qualität der Originalversionen heranreichen. Warum eigentlich? Die Songs sind doch angeblich so schön simpel. Der Drum-Beat sofort eingängig, die Gitarrenriffs einfach.

Das Problem liegt genau an dieser Stelle. Je einfacher ein solcher Rocksong wird, desto mehr treten Feinheiten und Details hervor. Wie präzise spielt der einzelne Musiker sein Instrument? Fehler werden nämlich sofort erkannt. Wie gut harmoniert die Band zusammen? Springt einer nur ein bißchen aus dem Takt, groovt die ganze Band nicht mehr.

Genau dieses Rock-Song-Dilemma lässt sich 1-zu-1 auf einfache Cocktails wie den Daiquiri übertragen. Dieser wird nicht mit unzähligen Zutaten zubereitet, wo eine die andere kaschiert. Es sind exakt 3 an der Zahl. Es muss also sowohl die Qualität der einzelnen Ingredienzen passen und sie müssen in der richtigen Menge miteinander harmonieren. Und das ist die Aufgabe des Bartenders.

Viele scheinen sich dessen allerdings nicht bewusst. Denn so viele mittelmäßige AC/DC-Coverbands es gibt, so viele Shaker-Schwinger denken, dass sich die richtige Balance von Süße zu Säure in einem Daiquiri schon von selbst einstellt. Ein fataler Irrglaube.

OHNE HEMINGWAY KEIN DAIQUIRI

Gibt es heute eigentlich noch Rums, Gins etc. die ohne entsprechende Signature-Drinks auf den Markt kommen? Fast jeder Hersteller, egal ob groß oder klein, versucht mittlerweile ein Produkt über einen speziell zugeschnittenen Cocktail zu pushen. Wenn etwas mehr Budget in der Marketing-Kasse liegt, veranstaltet man auch gerne einmal globale Cocktail-Wettbewerbe. Um neue Bartalente zu fördern? Quatsch…Es soll der eine neue Signature-Drink entstehen, der dem Unternehmen attraktive Absatzzahlen auf Jahrzehnte sichert.

Eben sowas wie der Daiquiri. Nur dumm, das so gut wie niemand Anspruch auf diesen Drink erheben kann. Viele haben es versucht: Kubanischer Bartender, amerikanische Minenarbeiter, deutsche Prinzen, was auch immer.

Fakt ist allerdings, dass alle 3 Zutaten eines Daiquiri – Rum, Zucker, Limette – derart überschüssig in Südamerika vorkommen, dass er wahrscheinlich an zig Orten unabhängig voneinander entstand. Unter anderem Namen.

Schau einfach mal nach Brasilien, der größte Staat Südamerikas. Deren Nationalcocktail, die Caipirinha, unterscheidet sich nicht grundlegend von einem Daiquiri. Statt Rum wird zwar Cachaca verwendet und Zucker sowie Limetten werden etwas anders verarbeitet, aber die Grundaromatik ist dieselbe.

Kubanischer Mojito? Zwar kommt hier noch Minze und gelegentlich Bitters dazu, aber auch hier basiert der Drink wieder auf Rum und einem Süß-Säure-Verhältnis von Zucker und Limetten.

Die entscheidende Frage ist also nicht, wer die Kombination aus Rum, Limetten und Zucker erfunden hat, sondern wer ihm seinen heute bekannten Namen aufdrückte und zu Weltruhm verhalf.

Heutige Belege – wobei…es sind nur Indizien – legen den Ursprung des bekannten Rum-Drinks auf die größte Insel der Karibik: Kuba. Aus 2 Gründen.

Grund 1: Rund 25 Kilometer von der kubanischen Stadt Santiago de Cuba liegt das kleine Dorf Daiquirí. Grund 2: Der Schriftsteller Ernest Hemingway konsumierte Daiquiris nicht nur in abwandelter Form in Massen in Kubas Hauptstadt Havana, er setzte ihnen auch literarisch und mit einer Hand voll Zitaten ein Denkmal.

Was Hemingway zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann, krönte kurz darauf das Unternehmen Waring Blendor mit der ersten marktreifen und bekannte Serie an Standmixern. Frozen Daiquiris mit unzähligen Fruchtrichtungen und Crushed Ice waren daraufhin der Hit in US-amerikanischen Küchen und Bars.

Bildquelle: Andrei Niemimäki/FlickR

DIE HÜRDE IST DIE SÜSS-SAUER-BALANCE

Um einen guten, nahezu perfekten Daiquiri ins Glas zu zaubern, sind 2 Dinge elementar wichtig: Hochwertige und frische Zutaten sowie ein gewissenhaftes Abschmecken vor dem Servieren. Letzteres um ein perfektes Süße-Säure-Verhältnis zu garantieren.

Zum Punkt hochwertige Zutaten: Eigentlich eine Selbstverständlichkeit in der gehobenen Bar- und Cocktailkultur. Bei „einfachen“ Drinks wie dem Daiquiri allerdings weitaus essentieller. Nehmen wir zunächst einmal das aus aromatischer Sicht Wichtigste: der Rum.

Hierfür nimmst du einen weißen Rum. Ein Rum, der das aromatische Fundament dieses Cocktails bilden soll. Nimmst du an dieser Stelle eine günstige Variante, hast du den Drink zu fast 100 Prozent versaut. Er wirkt alkoholisch scharf und nicht aromatisch komplex. Wenn du wirklich mit der Intention den besten Daiquiri zuzubereiten an den Shaker gehst, dann darfst du keinen Rum im 10-Euro-Bereich nehmen. Das wird nicht funktionieren.

Nimm unbekanntere High End-Produkte wie Revolte Rum, Compagnie des Indes Tricorne oder fassgereifte und „weiss-gefilterte“ Rums wie Banks 5 Island. Diese verleihen einem Daiquiri deutlich mehr Raffinesse und Komplexität.

Ebenso wichtig wie die Qualität des verwendeten Rums ist allerdings auch das Zusammenspiel der anderen beiden Zutaten: Limettensaft und Zuckersirup.

Grundsätzlich kannst du auch einen fertigen Sirup aus der Flasche verwenden, da deren Qualität je nach Hersteller durchaus akzeptabel ist. Flexibel bist du damit aber nicht. Zum einen hast du dadurch meist ein festes Zucker-Wasser-Verhältnis. Meistens 2:1. Zum anderen wird hierfür fast ausschließlich günstiger Industriezucker verwendet, der selbst kaum Aromen mitbringt.

Stellst du deinen Zuckersirup also selbst her, hast du zum einen die Möglichkeit den Süße-Grad zu steuern (1:1 oder auch 2:1). Zum anderen kannst du mit diversen Zucker-Arten wie Melasse- oder Kandis-Zucker experimentieren.

Bei der Auswahl der Limetten solltest du dir bewusst machen, dass es sich um Naturprodukte handelt. Zwar sind Zitrusfrüchte schon per definitionem sauer, allerdings variiert die Säurekonzentration von Sorte zu Sorte, sogar von Frucht zu Frucht. Je nach dem wie lange die Früchte in der Sonne hingen.

Ähnlich wie bei Weinreben vermindern Zitrusfrüchte bei langer Sonneneinstrahlung ihren Säuregehalt zu Gunsten von süßem Geschmack. Das heißt, die Menge an „Säuremolekülen“ (Oxonium-Ionen) wird kontinuierlich abgebaut. Im Gegenzug wird die Frucht süßer und aromatischer.

Ihren markanten Säurecharakter verlieren sie allerdings nie. Wodurch es elementar wichtig ist, dass du diesen mit dem Zuckersirup in die richtige Balance bringst.

Sowohl „süß“ als auch „sauer“ gehört zu den Grundgeschmacksarten, die wir mit diversen Sinneszellen auf unserer Zunge und der Mundschleimhaut wahrnehmen können. Als geschmacklich harmonisch empfinden wir es, wenn beide Geschmacksrichtungen im passenden Verhältnis zueinander stehen. Das bedeutet nicht zwangsläufig 1:1, sondern subjektiv, geschmacklich harmonisch.

Es ist daher unverzichtbar, dass du den Drink vorher mit wenigen Tropfen abschmeckst und auf die richtige Balance überprüfst, bevor du ihn servierst. Denn neben dem Zuckergehalt des Sirups und dem Säuregehalt der Limette bringt auch der Rum eine gewisse Süße mit. Je nach Hersteller mal mehr, mal weniger.

Du solltest dir allerdings bewusst sein, dass jene Balance zwischen zwischen „süß“ und „sauer“ auch dem kulturellen Zeitgeist unterliegt.

VERSCHIEDENE DAIQUIRI-VARIANTEN

DAIQUIRI (Klassik)

  • 4 cl Weißer Rum
  • 2 cl Frischer Limettensaft
  • 2 cl Zuckersirup (2:1)

DAIQUIRI (nach El Floridita Bar, Havana)

  • 6 cl Weißer Rum
  • 3 cl Limettensaft
  • 2 cl Zuckersirup (2:1)

HEMINGWAY SPECIAL/DAIQUIRI EL FLORIDITA/DAIQUIRI NO. 3

  • 6 cl Weißer Rum
  • 2 cl Frischer Grapefruitsaft
  • 1,5 cl Frischer Limettensaft
  • 1 cl Maraschino
  • 1 cl Zuckersirup (1:1)

Bildnachweis:

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Dann erhalte alle zukünftigen Artikel von Eye for Spirits. Kostenfrei. Bequem in dein Postfach.

Ein Kommentar für Was du vor der Zubereitung eines Daiquiri wissen solltest

  1. Cocktailnyymi 28. Juni 2016 zu 12:56 #

    Hemingway war aber Diabetiker, deswegen sollte man kein extra Zuckersirup in Hemingway Special verwenden? „Genug“ Zucker aus Maraschino.

Schreibe einen Kommentar