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Aus dem Leben eines Gin-Importeurs – Interview mit Markus Lion

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Er ist ein Mann der ersten Stunde, einer der den Gin-Hype aktiv begleitet. Markus Lion kramte dafür im Portfolio kleiner ausländischer Produzenten. Die Qualität: fast immer überdurchschnittlich. Ein Interview über Gin, Absinthe und die Arbeit mit Marilyn Manson.


EYE FOR SPIRITS: Markus, Du warst mit deinem Import-Unternehmen Lion Spirits von Beginn an mitten im Gin-Boom aktiv. Wie würdest du aus deiner, aus der Vertriebssicht die aktuelle Lage der deutschen Gin-Szene beschreiben. Kränkelt sie oder ist nach wie vor Potential vorhanden?

MARKUS LION: Bis 2009 hatten wir abseits des Absinthes keine weiteren Kategorien im Sortiment. Mit Geranium Gin kam dann aber gleich ein Produkt mit respektablen Potential. Zwischenzeitlich haben wir unser Sortiment konsequent ausgebaut und sind sehr glücklich darüber.

Die Kategorie Gin wird ähnlich wie vor ein paar Jahren die Vodka Kategorie mit neuen Produkten überflutet. Zahlreiche Branchenfremde entwickeln einen Gin, für den es in der Realität aber nur ein überschaubares Potential gibt. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Wir nehmen seit einiger Zeit nur noch im Ausnahmefall neue Gins ins Sortiment und konzentrieren uns lieber auf vorhandene Marken.

EFS: Der Gin-Trend zog nicht nur in Deutschland ein. Vor allem auch im europäischen Ausland. Ausdiesen holst du seit einigen Jahren diverse Marken. Wie entwickelte sich Gin in jüngster Zeit in Tschechien, Schweiz und Großbritannien?

ML: Im Europäischen Ausland dürfte die Entwicklung der Gin Kategorie nicht viel anders ablaufen als bei uns. Von Martin Zufanek weiß ich, daß er sehr große Stückzahlen seines OMG in Tschechien produziert. Ähnlich sieht es mit Oliver Matter und dem Ojo de Agua aus.

EFS: Wenn du die Möglichkeit hättest, in der deutschen Spirituosenlandschaft etwas grundlegend zu ändern, was wäre dies?

ML: Ich beschäftige mich lieber mit der Realität, als mit Hypothesen. Wir können nur schauen, dass wir unsere Möglichkeiten durch konsequentes Engagement erweitern. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen 🙂

EFS: Eines der Steckenpferde deines Portfolios ist Absinthe. Dessen Nische könnte hierzulande kaum enger sein. Was begeistert dich so sehr an dieser Spirituose, dich ständig dieser Herkulesaufgabe zu stellen?

ML: Ende der 80er Jahre bin ich über die Literatur auf Absinthe gestoßen und fand das unglaublich spannend. Aus Neugier wurde Leidenschaft und gute 25 Jahre später habe ich die Kategorie Absinthe wohl ziemlich zur Gänze ausgelotet und alles gemacht, was denkbar ist. Auch wenn Absinthe für mich heute nicht mehr den geschäftlichen Stellenwert hat, ist die Faszination immer noch präsent.

EFS: Stichwort: Absinthe in Deutschland. Wie würdest du den hiesigen Markt beschreiben.

ML: Das Thema ist ein Türöffner in vielen Bars. Hier profitieren wir einerseits von unserer Kompetenz und anderseits von der Qualität unserer Eigenmarken. Wer einmal den Vergleich zwischen einem Industrieprodukt und Absinthe Duplais gemacht hat, entscheidet sich in aller Regel für unser Produkt. Das ist sehr schön und bestätigt, dass wir alles richtig gemacht haben.

EFS: Marilyn Manson mit Absinthe (Mansinthe), Dieter Meier mit Gin. Du arbeitest mit einigen bekannten Persönlichkeiten für den exklusiven Vertrieb deren Spirituosen zusammen. Inwieweit sind die beiden genannten tatsächlich in die Produktentwicklung involviert?

ML: Wir haben es eigentlich nicht unbedingt darauf abgesehen, Promiprodukte zu vermarkten, aber als ich 2005 von Marilyn Manson eingeladen wurde, machte ich ihm den Vorschlag und er stieg drauf ein. Oliver Matter und ich machten uns Gedanken, wie so ein Produkt sein müsste und schickten Prototypen nach USA. Eine Weile später sprach ich mit Manson darüber, wie wir die Rezeptur weiterentwickeln können. Ich denke, wir haben seine Vorstellungen sehr gut umgesetzt.

Bei Dieter Meier war es anders: Er rief selbst Oliver Matter an und war an einem Gin nach seinen Vorstellungen interessiert. Da Oliver Matter seit den 80er Jahren die Band Yello verfolgt, war das für ihn natürlich etwas ganz Besonderes, mit dem Protagonisten selbst zu tun zu haben. Ich denke, der Gin (Ojo de Agua) der dabei herausgekommen ist, ist auch etwas ganz Besonderes!

EFS: Beschreibe doch bitte einmal deinen Tagesablauf im Distributionsgeschäft.

ML: Einen typischen Tagesablauf gibt es eigentlich nicht, da mein Aufgabengebiet sehr vielfältig ist. Daher wird es mir auch nie langweilig. Allerdings glühen mir oft die Ohren vom Telefonieren. Sehr wichtig ist es für mich, dass meine 5 Mitarbeiter delegierte Jobs so erledigen, wie ich das machen würde – das klappt ganz gut und ich bin stolz auf unser kleines Team. Nach 16 Jahren hat sich mein Job zwar sehr stark verändert, die Leidenschaft ist aber noch wie am ersten Tag!


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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