Bourbon Whiskey für Einsteiger: Diese 5 Kategorien solltest du kennen » Eye For Spirits

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Bourbon Whiskey für Einsteiger: Diese 5 Kategorien solltest du kennen

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Wir verhalfen Bourbon Whiskey im Jahr 2015 zu neuen Höhenflügen. 8 Millionen Liter dieser Spirituose kauften wir im vergangenen Jahr allein im Lebensmittel-Einzelhandel. Gekauft wurde dabei schlicht „Bourbon“. Und kaum einer weiß, was er da genau trinkt.


11.258.000 Flaschen Bourbon Whiskey in der üblichen 700 ml Größe kauften wir Deutsche 2015. Laut Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie 0,6 Prozent mehr als 2014. Eine hübsche Anzahl. Wenn wir allerdings bedenken, dass dies lediglich der Wert des Lebensmittel-Einzelhandels (LEH) ist, kommt durch Fachhandel, Kaufhäuser etc. noch einiges oben drauf. Eine noch hübschere Anzahl.

Scotch Whisky versenkte Bourbon vergangenes Jahr allerdings. Satte 12.148.000 Flaschen besorgten wir uns hiervon. Auch dies nur der Wert des LEH. Blended Scotch, Single Malts und Single Casks haben hierzulande also etwas mehr Begeisterung hervorrufen können als Bourbon.

Gut, als Bourbon vielleicht, aber nicht ansatzweise so viel wie die Oberkategorie US-Whiskey, zu der Bourbon nun mal gehört. Egal, ob Bourbon, Rye, Tennessee etc. Nimmst du die gesamte US-amerikanische Whiskey-Sparte zusammen, kommst du auf eine Flaschenzahl von knapp 16 Millionen. In der BRD, im LEH, in 2015.

Genau an dieser Stelle liegt der springende Punkt. Keine andere Whiskey-Kategorie ist von Kiel bis Konstanz derart beliebt wie jene aus den USA. Dennoch kennen nur wenige den Unterschied zwischen Bourbon Whiskey und Straight Bourbon Whiskey. Und auf die Frage, was ein Bottled-in-Bond-Whiskey sei, antwortete mir ein Whisky-Fan einmal verdutzt: „Eine Spezialabfüllung für ’nen James Bond-Film?“ Fast.

BOURBON

Bourbon ist wie Zewa, wie Tempo oder auch Uhu. Diese 3 sind Marken, die derartigen Einfluss auf eine spezielle Kategorie hatten, dass sie zum Synonyme für diese wurden. Bourbon selbst ist zwar keine Markenbezeichnung, allerdings eine Unterkategorie von US-Whiskey. Eine von vielen. Gerade sie ist es aber, die zum Inbegriff von Whiskey aus den Vereinigten Staaten wurde.

Vielleicht ist diese Fehlvorstellung auch gar nicht schlecht. Sie macht Dinge einfacher. Wie soll ein Kunde US-Whiskey auch im Detail verstehen? Eine Getränke-Sparte, in der sich Hersteller, Experten und Behörden wegen kleinen Wörtern auf dem Flaschen-Label regelmäßig in der Wolle haben.

Ich beschäftige mich nun seit Jahren mit diesem Genre. Aber spätestens, wenn über Herstellungsschritte diskutiert wird, ob die entsprechende Verordnung eine „soll“ oder „kann“-Bestimmung ist, steige ich aus. Zum Glück liefert Bourbon auch einige Fakten. Fakten, die eindeutig und beständig sind.

So ist jeder Bourbon-Produzent grundsätzlich frei, was die Getreideauswahl seines Produktes anbelangt. 51 Prozent Mais müssen es allerdings sein. Der Rest ist variabel. Vor allem Roggen und Weizen fügen Destillerien der Rezeptur gerne hinzu. Erstes aufgrund würziger Aromen, zweites aufgrund der Milde.

Das US-amerikanischen Alcohol and Tobacco Tax and Trade Bureau legt zusätzlich eine Destillationsgrenze von 80%Vol. fest. Vor der Abfüllung in Fässer müssen diese allerdings noch auf 62,5 %Vol. verdünnt werden.

Sowohl Mais-Anteil und Destillationsgrenze sind interessante, wenn auch teils trockene Fakten. Richtig interessant, ist allerdings die Vorgabe zur Fassreifung von Bourbon Whiskey. Wobei…Fassreifung ist schon eine Übertreibung. Sowohl was den Behälter als auch die Dauer angeht. Lediglich aus ausgebrannter neuer Eiche muss er sein.

Die Verordnung schreibt weder vor, dass es sich um ein Fass handeln, noch dass die Reifung mehrere Jahre dauern muss. Du könntest deinen frisch gebrannten Bourbon also auch einen Tag in eine Eichenholzkiste stecken. Dass das Ding dann schmeckt wie alte Socke spielt keine Rolle, denn gesetzlich erlaubt ist es.

STRAIGHT BOURBON

8 Buchstaben mit einem starken Effekt, einem aromatischen, einem hochwertigen. In „Straight“ steckt Premium-Qualität, nicht nur beim Preis, sondern auch beim Inhalt.

Das Problem ist allerdings, dass die Regularien, die für Straight Bourbon gelten, häufig völlig konfus durcheinander gewirbelt werden. Der Kunde entnimmt eine Regel von herkömmlichem Bourbon, eine von Straight Bourbon und fertig ist das Halbwissen.

Dabei ist „Straight“ relativ simpel und eindeutig formuliert. Eine Wohltat bei US-Whiskey.

Ein Bourbon Whiskey ist dann ein Straight Bourbon Whiskey, wenn…

  • … er mindestens 2 Jahre in neuen, ausgebrannten Eichenbehältern (engl.: oak containers) reifte.
  • … er darf eine Melange aus 2 oder mehreren Straight Bourbon Whiskeys sein. Vorausgesetzt all diese stammen aus demselben Bundesstaat.

Sowohl Hersteller als auch Szene-Experten fügen Straight Whiskey allerdings noch einen weiteren Punkt hinzu. Reifte das Destillat zwischen 2 und 4 Jahren, muss das Alter auf dem Label stehen, bei darüberhinaus gehender Reifungsdauer nicht mehr. Beispiel: Reift dein Bourbon 3 Jahre, muss „3 Years Old“ auf der Flasche stehen, reifte er hingegen 4 Jahre, muss dich nicht mehr angegeben werden.

Dieses Vorgehen ist Standard in der US Whiskey-Branche. Dennoch: Weder auf der Website des Legal Information Institute noch des Alcohol and Tobacco Tax and Trade Bureau findet sich auch nur ein Passus, der diese Regel bestätigt.

BOTTLED-IN-BOND

„Bottled-in-Bond“ bzw. „Bonded Whiskey“ ist ein Zusatz, den sich nur wenige Hersteller gönnen. Der Grund liegt darin, dass er zwangsläufig mit einigen Auflagen verbunden ist. Auflagen, die die Whisky-Herstellung nicht gerade günstiger machen.

Folgende Punkte muss ein Bourbon Whiskey erfüllen, um den Zusatz „Bottled-in-Bond“ tragen zu dürfen:

  1. Der Whiskey stammt aus einer einzelnen Destillerie
  2. Er muss in einer Herstellungs-Saison produziert worden sein.
  3. Er muss mindestens  50%Vol. besitzen.
  4. Der Whiskey muss mindestens 4 Jahre reifen.
  5. Das Lagerhaus zur Reifung muss unter Zollverschluss stehen.

Ein Hersteller von Bottled-in-Bond-Whiskey wird diesen Zusatz also immer versuchen gewinnbringend zu vermarkten. Meist ist dann die Rede von besonderer Qualität, aufgrund der strikten Herstellungsvorgaben.

Fakt ist allerdings, dass die Reifung unter Zollverschluss nicht primär die Qualität des Whiskeys im Auge hatte. Die Destillerie entging auf diese Weise schlicht einer gewissen Steuerlast. Staatliche Abgaben wurden erst dann fällig, wenn der Whisky abgefüllt wurde.

SINGLE BARREL

Übersetzt du den Begriff „Single Barrel“, bekommst du genau das geliefert, was er bedeutet: einen Whisky aus einem einzelnen Fass.

Wie bei allen anderen Whiskeys auch, egal ob Scotch, Irish usw., schnappt sich eine Bourbon-Destillerie mehrere ihrer Fässer und vermischt diese miteinander. Dadurch ergibt sich eine Melange verschiedener Einzelfass-Whiskeys. Das Standard-Procedere bei der Herstellung neuer Whiskeys.

Destillerien haben allerdings auch die Möglichkeit, einzelne Fässer eigenständig abzufüllen. Das heißt, in die Flasche kommt nur der Inhalt dieses einen Fasses. Nichts wurde vermählt, nichts verblendet. Dadurch bekommt der Kunde ein natürlicheres, ursprünglicheres Produkt. Allerdings muss er für diese Single Barrels (in Schottland Single Casks) auch meist tiefer in die Tasche greifen.

TENNESSEE WHISKEY

Anders als bei Bourbon Whiskey ist die Anzahl an Tennessee Whiskeys äußerst überschaubar. Namhafte gibt es nur 2: Jack Daniel’s und George Dickel. Ersterer ist nicht nur der größte Tennessee Whiskey-Produzent, sondern dominiert auch gleich die gesamte US-amerikanische Whiskey-Produktion. Auch die des Bourbon.

Und sind wir doch mal ehrlich. Tennessee Whiskey unterscheidet sich von Bourbon nur in 2 Punkten. Die Produktion ist geographisch auf den Bundesstaat Tennessee beschränkt und der Whiskey muss das Lincoln-County-Verfahren/Charcoal-Mellowing durchlaufen. Ein Prozess, bei dem der Whiskey durch abgebrannte Stapel Zuckerahorn gefiltert wird.

Fügen wir nun hinzu, dass auch Bourbon-Hersteller gerne mal ihr Destillat durch Kohle filtern, ist der Lincoln-County-Prozess zwar ein essentieller, bei weitem aber kein herausragend individueller Schritt. Dass Jack Daniel’s diese beiden Charakteristika, Regionalität und LC-Verfahren, aber zur Not auch gerichtlich durchdrücken, ist durchaus berechtigt. Hat meiner Ansicht nach aber in erster Linie Marketing-Gründe.


Bildquelle: © sergio34/Fotolia.de

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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2 Kommentare für Bourbon Whiskey für Einsteiger: Diese 5 Kategorien solltest du kennen

  1. kallaskander 2. August 2016 zu 14:05 #

    Hi there,

    die amerikanischen whiskey regulations sind ein Dschungel, in dem kaum einer durchblickt.
    Wenn es Regeln gibt, gibt es auch loopholes um sie zu umgehen.

    Nicht nur das, die höhere Nachfrage nach amerikanischem whiskey führt zu ganz ähnlichen Zuständen wie bei den Schotten.

    Leider in englisch aber ein interessanter Blick hinter die Kulissen der amerikanischen whiskey Szene.

    http://thebourbontruth.tumblr.com/post/148286376406/landmines-of-whiskey

    Greetings
    kallaskander

    • 1968superingo 30. August 2016 zu 12:52 #

      Danke, KALLASKANDER, für den sehr interessanten Link. Ja, im Moment läuft in der Whiskywelt vieles aus dem Ruder.

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