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Der Cotswolds Dry zeigte die Perversion des Gin-Marktes. Bis jetzt.

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cotswolds

Er ist nicht neu, dafür aber unverschämt teuer. Das war die Marktsituation des Cotswolds Small Batch Gins bis vor wenigen Wochen. Nun nimmt sich ein neuer Importeur dem englischen Gin an und will für mehr Marktpräsenz des Gins sorgen. Erster Schritt: Preis runter.


Sich über den Preis von Gin zu echauffieren ist mühselig. Es fühlt sich an, als würde man gegen einen Sturm anschreien. Aufklärungsarbeit scheint dabei kaum ein Kunde hören zu wollen. Es gilt das Credo: teuer ist gut.

In Anklängen finde ich diese Idee auch nicht schlecht, nur irgendwann ist eine Grenze erreicht. Eine, bei der der Preis nicht mehr in Relation zum Produkt steht. Die Margen sind teils horrend. Eine Situation über die sich jeder Gin-Hersteller freut. Und es ist ihm auch zu gönnen, denn als Monkey 47 um das Jahr 2010 mit einem damals (!) wahnwitzigen Preis auf den Markt kam, brach es eine Welle los. Sowohl preislich, als auch im Volumenbereich. Denn 500ml Flaschen waren in der Gin-Industrie bis dato unüblich.

In dieser Welle scheinen sich nun viele Hersteller überbieten zu wollen, möchten die Grenze der höchsten Marge ausloten. So sind auch seit wenigen Jahren 0,5 Liter Gin-Flaschen für einen Preis deutlich über 100 Euro auf dem Markt. Die Begründungen sind irrwitzig.

Auf einer ähnlichen Schiene lief seit rund 2 Jahren der Cotswolds Small Batch Gin. Dessen Preis bewegte sich im Bereich von 40 bis 50,- Euro je 0,7 Liter Flasche. Auf den Liter gerechnet, entspricht dies in etwa 65 Euro. Also ungefähr so viel wie Monkey 47 und Konsorten. Nur muss der Kunde aber erstmal 50 Euro auf den Tisch legen. Das ist die Zahl, die sich in den Kopf brennt, 200 ml hin oder her.

Schaue ich mir allerdings die unverbindliche Preisempfehlung des Cotswolds Small Batch Gin für diesen August mit offiziellem Importeur an, stellt sich mir eine Frage. Wieso importieren Online-Shops Gins wie den Cotswolds Small Batch über Grauzonen aus dem Ausland oder von Drittanbietern? Nur um das Sortiment mit aller Gewalt zu vergrößern? Ohne darüber nachzugrübeln, dass ein Preis von 50 Euro für einen Gin ihn auf eine Ebene mit Lifestyle-Vodka stellt? Ihn pervertiert? Oder ist der Grund schlicht die gewaltige Marge, die man auf diese Weise hofft, noch schnell mitzunehmen?

Zumindest beim Cotswolds Small Batch Gin ändert sich dies nun. Ab diesen Monat läuft der deutsche Vertrieb über das kleine niedersächsische Unternehmen Kirsch Whisky. Die Preisempfehlung 36,99 Euro für eine 0,7 Liter Flasche.

Der Cotswolds Small Batch Gin stammt aus dem gleichnamigen englischen Städtchen. Wie sollte es auch anders sein: aus der Cotswolds Distillery. Die Brennerei stellt primär Whisky her, macht allerdings für den Small Batch Gin und eine fassgelagerte Variante aber auch einen Abstecher in den Wacholderstrauch. Kein ungewöhnliches Procedere. Bruichladdich und William Grant & Sons haben bereits bewiesen, dass dies qualitativ und ökonomisch durch die Decke gehen kann.

Für den Cotswolds Dry Gin verwendet die Destillerie 9 verschiedene Botanicals: Wacholder, Koriander, Angelika, Lavendel, Lorbeer, Grapefruit, Limette, schwarzem Pfeffer und Kardamom. Um aus diesen die Aromen herauszuziehen, verwendet Cotswolds 2 Schritte. Die Zutaten werden sowohl mazeriert als auch per Dampfinfusion mit dem Weizenbrand zusammengebracht. Jede einzelne Zutat. Dies soll laut Unternehmensangaben Bouquet und Geschmack dienen. Aufwendig.


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.

2 Kommentare für Der Cotswolds Dry zeigte die Perversion des Gin-Marktes. Bis jetzt.

  1. Holger D. 14. August 2016 zu 13:01 #

    „Kotzwold“ Gin ist aus der phonetischen Perspektive betrachtet für den deutschsprachigen Markt ein höchst amüsantes Produkt… Gleiches dürfte für „Farthofer Organic Premium Gin“ auf dem englischsprachigen Markt gelten… Mein griechischer Stammwirt hingegen ist aus linguistischen Gründen von „Tanqueray Malacca Gin“ begeistert; kaufen tut er ihn allerdings nicht – ist ihm zu teuer… 🙂

    VG, HD

  2. kallaskander 15. August 2016 zu 09:52 #

    Hi there,

    die Cotswolds Distillery liegt in den Cotswolds, https://de.wikipedia.org/wiki/Cotswolds eine wunderschöne Gegend in England, die man sich leisten können muß. Heute zumindest.
    Die Destillerie selbst liegt im Ortsteil Stourton von Shipston-on-Stour.

    Shipston Destillerie wäre für den Binnenmarkt nicht so verkaufsfördernd gewesen wie Cotswolds Destillerie.

    Die Verhältnisse beim Gin, von der Herstellung bis zum Konsum, sind einzig und allein dem Hype geschuldet und damit der Irrationalität.
    Würde jemand hören wollen, daß er einen aromatisierten Vodka kauft zum 20-50 fachen der Herstellungskosten? Nee, wolln se nicht!

    Gingen die Gin Konsumenten rational an die Sache, würde der Gin Boom mit all seinen Perversionen zusammenbrechen.
    Nicht einmal die seltensten botanicals können die Aufschläge rechtfertigen, die bei alles in allem eher einfachen Herstellungsprozessen für das Emndprodukt verlangt werden.

    Die Differenz dazwischen ist der Reichtum … der Aromen? Nein, der Ginhersteller natürlich.

    Greetings
    kallaskander

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