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Algonquin Cocktail: Hommage an das New York der 20er

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algonquin

59 West 44th Street, New York, NY 10036. Die Adresse des ältesten Hotels New Yorks. Und auch eines der luxuriösesten. Das Algonquin Hotel beherbergte in seiner über 100-jährigen Geschichte mehrere illustre Gestalten, und gab einem Cocktail-Klassiker seinen Namen.


Von einem Cocktail namens Algonquin war 1902 noch keine Rede. Im November jenen Jahres hatte das Algonquin in New York noch nicht einmal eine Bar, war es anfänglich auch als Appartement-Hotel konzipiert worden. Lange Aufenthaltsdauer, stete Einnahmen.

Das Konzept mit Dauermietern ging allerdings nicht auf, sodass die Hotelführung auf Kurzbesucher umschwenkte. 2 US-Dollar (nach heutigem Wert rund 50,- US-Dollar) kostete 1902 ein Einzelzimmer pro Nacht, 10 US-Dollar (heute: 240,-) ein 3-Bett-Zimmer.

Allein in den beiden folgenden Jahren expandierte das Algonquin enorm, eine Art kleiner Kosmos wurde geschaffen. Barbier, Aufnahmestudio, Appartements und unzählige Restaurants machten es zeitweise nicht nötig, das Hotel zu verlassen.

Auf die Idee einen Cocktail auf Basis von Rye Whiskey zu kreieren, kam zu jenem Zeitpunkt niemand. Vor allem keinen Klassiker, der sich über Jahrzehnte in die Cocktail-Literatur brennen sollte.

Anders als der Drink, der es eher durch Zufall zu einem Klassiker der Bar-Literatur schaffte, machte sich das Algonquin aber tatsächlich einen Namen als Hotspot damaliger Literaten. Dorothy Parker, Robert Benchley, George Kaufman, Edna Ferber und zeitweise andere trafen sich ab 1919 im Pergola Room, um dort täglich zu Mittag zu essen.

Dieser Algonquin Round Table oder auch Vicious Circle tagte 10 Jahre lang. Jeden Tag. Auch wenn das exakte Geburtsdatum des Algonquin Cocktails nicht bekannt ist, dem Round Table wurde er vermutlich noch nicht serviert. Trotz Prohibition war der Martini der Drink der Wahl.

Heute existiert dies alles nicht mehr. Der Tisch, die Bar und mit ihnen der Charme. Weg.

1929 erkannte der damalige Hotelbesitzer das wirtschaftliche Potential der illustren Runde und verfrachtete sie zur Mittagszeit in den allgemeinen Speisesaal. Der Publikumsmagnet war garantiert. Nicht zuletzt deswegen, da aus dem Vicious Circle das renommierte US-Literaturmagazin The New Yorker hervorging.

Mit dem Ende der Prohibition 1933 tat das Algonquin das, worauf das Gros der Amerikaner wartete: Sie schenkten Alkohol aus. Hierfür wurde die Bar wiedereröffnet und als besonderes Markenzeichen, die Lichter blau abgedeckt.

Heute ist unklar, ob es sich beim Algonquin Cocktail um eine Art Signature-Drink jener Bar handelt. Und um ehrlich zu sein, weiß man über den Cocktail generell nicht viel außer seinem Namen und seiner Rezeptur. Auch das exakte Jahr oder der Bartender dahinter ist nicht bekannt.

Die bekannteste Idee – und mein persönlicher Favorit – zur Entstehung des Drinks war es, eine Hommage an die bedeutenden 20er Jahre des Hotels zu kreieren. Wer das war, spielt dann keine Rolle mehr.

THE ALGONQUIN – EINORDNUNG ALS DRINK

Der Algonquin gehört zum exklusiven Kreis der Vermouth-Cocktails. In einer Reihe mit dem Martini, dem Manhattan oder Rob Roy. Das Markenzeichen des Algonquin ist allerdings sein aromatischer Schwenker in eine herb-süße Richtung. Der Ananas-Saft macht ihn individuell.

Zwar existierte die Kategorie der Vermouth-Cocktails bereits vor dem 19. Jahrhundert, stand zu jener Zeit jedoch abseits der Popularität von Sours, Old Fashioneds und Juleps. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, vor allem in den Roaring Twenties, begann ihr massenhafter Weg in die Cocktail-Schalen. Es fehlte bis dato einfach der elitäre Chic.

Die Originalrezeptur dieses Cocktails gibt Rye Whiskey als alkoholische Basis vor. Bei der heute guten Verfügbarkeit ist dies auch kein Problem. In Anbetracht seiner Blütezeit sehe ich es allerdings nicht als gesichert, dass ausschließlich Rye Whiskey in den Shaker floss.

Bereits vor der Prohibition (1919 – 1933) war Rye Whiskey in den US auf dem absteigenden Ast, verdrängt vom Bourbon. Die Prohibition hatte ihm dann letztlich nur noch den Todesstoß für mehrere Jahrzehnte versetzt. Ich nehme daher an, dass der Algonquin häufig auch auf Basis von Bourbon Whiskey oder Canadian Rye Whiskey zubereitet wurde.

Rezeptur:

  • 4,5 cl Rye Whiskey
  • 2 cl Vermouth trocken
  • 2 cl Ananassaft

Alle Zutaten in einen Shaker auf Eiswürfel geben. Rund 15 Sekunden kräftig schütteln. Anschließend in eine vorgekühlte Cocktailschale bzw. Cocktailkelch abseihen. Ohne Dekoration servieren.


Bildquelle: © jovannig/Fotolia.de

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.

Ein Kommentar für Algonquin Cocktail: Hommage an das New York der 20er

  1. Simon-Emilio 21. August 2016 zu 21:36 #

    Guten Abend,

    habe ihn mir gerade nach obigem Rezept gemacht und nach dem probieren sofort gedacht, dass er gerührt und nicht geschüttelt werden sollte. Hat mir dann auch das Internet (http://www.esquire.com/food-drink/drinks/recipes/a3680/algonquin-cocktail-drink-recipe/) bestätigt.

    Herzliche Grüße von Simon-Emilio

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