Werbung

10 Fragen, die sich Gin-Einsteiger stellen…und deren Antworten

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone

bart

Wann ist ein Gin „dry“ und was die beste Gin und Tonic-Kombination? In den vergangenen 6 Jahren erreichten uns Fragen zahlreicher Gin-Fans. Einige deren Antworten dürften auch so manchem Aficionado unbekannt sein. Denn wer weiss schon, warum moderner Gin so teuer ist?


Es war Juni. Das Jahr habe ich vergessen. Ich glaube, es war vor 1 bis 2. In einer Zeit, mitten im aktuellen Gin-Hype. Eine Zeit, in der sich Gin-Marken und vermeintliche Gin-Experten scheinbar ein inoffizielles Rennen lieferten. Welche der beiden Gattungen schafft in kürzester Zeit die meisten Ableger. Qualität wäre gut, ist aber nicht obligatorisch.

Auch wenn ich mich nicht mehr an das genaue Datum erinnere, jenen Moment vergesse ich nicht. Hat er doch perfekt in wenigen Minuten die Problematik einer viel zu schnell gewachsenen Spirituose verdeutlicht: Unvermögen und Show.

Neben uns in der Bar saß ein Mittzwanziger. Ihm gegenüber seine Freundin, vielleicht aber auch nur die erhoffte. Das Gesprächsthema: Gin. „Den hier müssen wir trinken. Der Monkey 47 wird mit 47 Zutaten gemacht, deswegen ist er so gut. Du hast ihn noch nicht probiert? Musst du….ist der Beste.

In den vergangenen 6 Jahren schien plötzlich jeder Dritte einer Meinung zu Gin zu haben. Die vergangenen 20 Jahre Gin nicht auf dem Schirm, jetzt ein Guru.

Dabei kann man dem oben genannten Gast und auch sonst den meisten Gin-Trinkern kaum einen Vorwurf machen. Selbst mit größter Mühe ist es nicht mehr möglich, den Gin-Markt zu überblicken. Geschweige denn, jeden Marketing-Aufruf zu hinterfragen.

Da fühlt es sich schon fast wie eine Wohltat an, wenn ein Gin wie der Monkey 47 überall mit Lorbeeren überschüttet wird. Er wurde zu einer Konstante in einem Meer aus Variablen. Und spätestens seit Aldi Süd ihn ins Prospekt gepackt hat, hat er auch die letzten Kunden erreicht.

In einer Zeit, in der vor allem Pressemitteilungen und Flaschen-Labels das Wissen über Gin prägen, bleiben einige Fragen allerdings unbeantwortet. Im Laufe der vergangenen Jahre sammelte ich einige davon, die hier auf EYE FOR SPIRITS per Mail eingegangen sind. Dies waren die 10 häufigsten:

1. Was ist die beste Gin Tonic-Kombination?

Die Antwort auf diese Frage ändert sich just in dem Moment, in dem neuer Gin oder neues Tonic Water den Markt betritt. Und das ist sehr schnell. So ist die einzige passende Antwort auf diese Frage wahrscheinlich auch gleichzeitig die unbefriedigendste: Die, die dir am besten schmeckt!

Mixology – Magazin für Barkultur machte sich vor rund 2 Jahren die Mühe, 20 Gin-Marken 6 Tonics gegenüber zu stellen. Wie du die einzelnen Produkte am besten miteinander kombinierst, haben sie dann in einer Infografik zusammengepackt. In Anbetracht der Tatsache, dass es allein in Deutschland mittlerweile über 100 Gin-Marken gibt, ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber zumindest ein erster, greifbarer Wegweiser.

Müsste ich allerdings meine persönliche Meinung abgeben, es wäre folgende Kombination: The Botanist Dry Gin + Thomas Henry Tonic oder Fentiman’s Tonic + Limette.

2. Wer hat Gin erfunden?

Diese ist eine jener Fragen, auf die ich ebenfalls gerne eine exakte Antwort hätte. Mit Name, Wohnort und Datum am besten. Das funktioniert nur leider nicht. Zumindest nicht im Falle von Gin. Denn Gin ist – so banal es klingen mag – aromatisierter Vodka. Ein geschmacksneutraler Brand, der mit allerlei Früchten, Kräutern und Gewürzen verfeinert wurde. Anschließend nochmal destilliert. Fertig.

Und diese Praktik, Bränden Aromen zu verleihen, ist so alt wie die Spirituose selbst. Früher jedoch in erster Linie aus medizinischen Gründen, weniger aus aromatischen. Bereits um das Jahr 1.000 herum fanden Kräuter wie Wacholder in Alkohol Anwendung als Heilmittel.

Wacholder zu Genusszwecken einzusetzen, lässt sich heute bis zum Count de Moray, dem Sohn Königs Heinrich IV von Frankreich, zurückverfolgen. Aus jenem Wacholderwein entwickelte sich womöglich der niederländische Genever und aus ihm der britische Gin.

Gin-Kategorien im Überblick; Zum Vergrößern bitte anklicken

Gin-Kategorien im Überblick; Zum Vergrößern bitte anklicken

3. Warum ist Gin Tonic blau?

Gin Tonic bzw. Gin & Tonic ist nicht blau. Da beide Zutaten – Gin und Tonic – farblos sind, ist es deren Mischung auch. Zumindest, in dem für uns sichtbaren Licht.

Hältst du dein Glas Gin & Tonic direkt ins Sonnenlicht, dann hingegen schimmert es leicht blau. Der Grund ist das ultraviolette Licht, das von der Sonne ausgesendet wird. Dieses trifft in einem G&T auf das Molekül Chinin. Diese chemische Verbindung entzieht dem ultravioletten Licht Energie und wandelt es dadurch in für uns sichtbares blaues Licht um.

Um diesen Farbeffekt zu verstärken: Nimm nur das Tonic und halte es unter eine Schwarzlicht-Lampe.

4. Warum ist Gin so teuer?

Es war vor einigen Jahren. Der Gin-Boom nahm gerade richtig Fahrt auf, und mit ihm die hohen Preise. Damals sagte ein deutscher Gin-Hersteller unter 4 Augen einen bedeutenden Satz zu mir: „Philip, ich weiss, dass unser Gin viel zu teuer ist. Wir hatten noch nie ein Produkt mit einer solch hohen Marge. Das steht überhaupt nicht mehr in Relation zur Herstellung. Aber es funktioniert. Die Kunden reissen uns das Produkt aus den Händen.“

[Der Preis von Gin] steht überhaupt nicht mehr in Relation zur Herstellung.

Und dieser Satz verdeutlicht die Wahrheit, die traurige Wahrheit. Diejenigen, die am meisten unter den hohen Preisen leiden, sind die, die ihn kontinuierlich antreiben: Die Kunden.

Viele lechzen nach Lifestyle-Destillaten in schmucker Verpackung. Das darf dann auch nicht billig sein. Und ein Unternehmer bzw. Hersteller begegnet einer solchen Einstellung mit Kusshand. Verständlich.

Hinsichtlich der Qualität gibt es aber keinen Grund, der 500ml Gin für 30 Euro oder mehr rechtfertigt.

5. Wie wird Gin getrunken?

Gin lebt von seiner Vielseitigkeit in Cocktails. Negroni. Er kann seine Aromen zurückhalten, anderen Zutaten den Vortritt lassen. Gin & Tonic. Er kann aromatisch auf die Pauke hauen und den Drink maßgeblich lenken. Die Konsequenz: Er gilt vielen Bartendern als wichtigste Spirituose, als wichtigstes Arbeitsmaterial, als „Parfüm der Bar“.

Mit der Vielzahl neuer Gins nahm auch deren Qualität zu. Im Schnitt. Neben ihrer Funktion als Cocktail-Zutat eignen sie sich daher mittlerweile hervorragend für den Purgenuss. Am besten bei einer Temperatur von rund 18 Grad und im Nosing-Glas.

6. Wie wird Gin gemacht?

Die Herstellung von Gin ist schnell erklärt. Du nimmst Neutralalkohol, meist aus Getreide hergestellt. Aromatisierst diesen mit diversen Kräutern, Früchten und Gewürzen, so genannten Botanicals. Anschließend destillierst du.

Jetzt weisst du, wie Gin hergestellt wird. In der Theorie. Leider aber noch nicht in der Praxis. Denn so verführerisch einfach es im ersten Moment klingt, so viel Expertise benötigt am Ende die tatsächliche Herstellung. Soll der Basisalkohol aus Getreide oder doch lieber aus Früchten hergestellt werden? Sollen die Botanicals stundenlang mazeriert werden oder doch lieber in eine Carterhead Still wie beim Bombay Sapphire kommen? Nachzuckern ja, nein?

Damit du dir ein Bild davon machen kannst, wie das Tagesgeschäft eines Gin-Destillateurs aussiehst, haben wir hier den passenden Artikel für dich.

7. Warum trinkt man Gin Tonic mit Gurke?

Einen Gin Tonic mit Gurke zu servieren, ist nicht zwingend nötig. Bei vielen Gin und Tonic-Kombinationen sogar unpassend, da die Gurke nicht in das Aromenprofil der anderen Zutaten passt.

Auch wenn dünne Gurkenscheiben eine dezente Frische in den Drink bringen können, basiert die Kombination Gin plus Gurke auf einem Marketing-Konzept.

Um sich vom Gros der damals verfügbaren Gins abzuheben, suchten die Macher des Hendrick’s Gins 1999 etwas Ausgefallenes. Das Ziel war einen Gin zu kreieren, an dem „sich die Geister scheiden“. Er sollte nicht jedem schmecken, aber er sollte auffallen. Also entschieden sich die Brennerei und die zuständige Agentur für 2 Zutaten, die für Gin bis dato außergewöhnlich waren: Damaszener-Rosen und Gurken.

Um diese Extravaganz dann auch werbewirksam zu präsentieren, wurden diverse Hendrick’s Drinks mit Gurken serviert. Eine Marketing-Idee, die sich zum Trend entwickelte.

Hendricks Gin 0,7

8. Wie lange ist Gin haltbar?

Unbegrenzt. Zumindest so lange du die Flasche geschlossen hältst.

Gin muss mindestens 37,5 %Vol. Alkohol besitzen. Genug, um jegliche Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze abzutöten. Gin hat daher kein Haltbarkeitsdatum, kann nicht „schlecht werden“. Zumindest nicht im gesundheitlichen Sinne.

Nach einer gewissen Zeit, so nach rund 6 Monaten bis 3 Jahren kann, kann der Gin allerdings „aromatisch kippen“. In erster Linie dann, wenn die Flasche zum Großteil bereits geleert wurde, also viel Luft enthalten ist. Der Sauerstoff darin verändert das Destillat. Meist zu seinem Nachteil. Kann, muss aber nicht.

9. Kommt London Gin immer aus London?

Nein. Heutzutage setzen viele Gin-Produzenten auf die Regionalitätskarte. Nutzen also das Marketing-Potential ihrer Heimatstadt oder -region. Munich Dry Gin, Schwarzwald Dry Gin oder Hannover Dry Gin. Die Liste ist lang. Keine dieser geographischen Bezeichnungen unterliegt allerdings rechtlichen Vorgaben. So kann sich ein Bielefelder Gin auch Hamburg Dry Gin nennen. Macht aus Marketing-Sicht nur wenig Sinn.

Anders ist dies bei „London Gin„. Auch dieser darf in jedem kleinen Dorf weltweit hergestellt werden. Laut der EU-Spirituosenverordnung unterliegt er jedoch gewissen Produktionsvorgaben. So darf beispielsweise einem Liter dieses Destillats maximal 0,1 Gramm Zucker zugegeben werden.

10. Was bedeutet „Dry“ bei Dry Gin?

Diese Frage landete häufig bei uns im Email-Postfach. Die amüsanteste Variante kam allerdings mit dem Nebensatz: „… und gibt es auch einen Wet Gin? Nein, gibt es nicht. Denn „Dry“ bezieht sich nicht darauf, ob es flüssig oder trocken ist, sondern „trocken“ oder gesüßt.

Bis zum Jahr 2014 hatten Gin-Hersteller den Begriff „Dry“ aus einem Grund verwendet: Sie wollten ausdrücken, dass ihr Gin nicht stark gesüßt wurde. „Dry“ sollte das Produkt abgrenzen von anderen Gin-Varianten wie Old Tom.

„Dry“ war jedoch nie ein rechtlich definierter Begriff. Was der Hersteller daher unter „trocken“ verstand, oblag nur ihm. Seit 2014 ergänzte der Gesetzgeber die EU-Spirituosenverordnung diese jedoch um den Begriff „Dry“. Seither dürfen jene Gins nur noch 0,1 Gramm Zucker auf 1 Liter Destillat aufweisen. Wie beim London Gin.


Titelbild: © Jacob Lund – Fotolia.de

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Dann erhalte alle zukünftigen Artikel von Eye for Spirits. Kostenfrei. Bequem in dein Postfach.
Noch keine Kommentare.

Schreibe einen Kommentar