Werbung

Erste Gerüchte zum Octomore 10 Jahre

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone

Bildquelle: Jason Bolonski/FlickR

Octomore ist der Inbegriff des neuen Whiskys. Design und Preis sind auf hohem Niveau. Nun erscheint nach nur wenigen Monaten bereits der nächste: der 10-jährige, der älteste. Ist Bruichladdichs Octomore nur noch ein Whisky, um das restliche Portfolio am Leben zu halten?


Keine Abfüllung zeigt die Widersprüchlichkeit der aktuellen Whisky-Industrie derart gut wie die Octomore-Reihe von Bruichladdich. Fast ausnahmslos enthalten diese Whiskys junge, nur kurze gereifte Destillate. Sie kommen in extravagantem Flaschen-Design und zweifelhaften Marketing-Aussagen auf den Markt. Gründe, die die Whisky-Szene eigentlich einen Bogen um jene Single Malts machen lassen sollte.

Falsch.

Ein Großteil der Octomore-Whiskys ging weg wie geschnitten Brot, wurde zum Spekulationsobjekt. Hast du vor rund 5 Jahren ein Exemplar der ersten Octomore-Auflage erstanden, und ist diese Flasche noch verschlossen, hast du jetzt einen Whisky im Wert von über 1000,- Euro. Bei einem Einsatz von gerade einmal knapp 100,- Euro eine ansehnliche Rendite.

Zu Spekulationszwecken waren viele Octomore-Whiskys daher geeignet, zu Genusszwecken allerdings weniger. Aus meiner Sicht zeigten diese Malts wie hervorragend Bruichladdich arbeitet, wie schlecht allerdings zu junger Whisky häufig ist. Ich kann mich an keinen Octomore erinnern, der keine auffallende metallische Note besaß. Ein Indiz zu junger Destillate. Die subtraktive Reifung noch nicht abgeschlossen, die additive noch nicht richtig angelaufen.

Mit dem Octomore 10 Jahre bringt Bruichladdich den ältesten Whisky dieser Serie in Kürze auf den Markt. Zumindest lässt diesen Schluss das Label des neuen Whiskys zu. Dieses wurde von Bruichladdichs Dachkonzern Rémy Cointreau kürzlich beim ttb, dem US-Amerikansichen Alcohol and Tobacco Tax And Trade Bureaus, eingereicht.

Laut diesem erscheint der Single Malt mit 167 ppm, 57,3 %Vol. und 10 Jahren Reifungszeit. Bruichladdich hatte auch bei vorherigen Octomore-Versionen nie ein Hehl aus deren Alter gemacht. War er nur 5 oder 7 Jahre jung – und das war er oft – dann wurde das auch so genannt.

Bei den 18.000 Flaschen des neuen 10 jährigen wird das Alter aber zum Aushängeschild. Schluss die Zeiten als man Octomore nach Edition, ppm-Anzahl oder Virgin Oak benannte? Hoffentlich.

Wann der Octomore 10 Jahre offiziell erscheinen wird, kann ich aktuell noch nicht sagen. Ist ein Label jedoch erstmal beim ttb, dauert es erfahrungsgemäß höchstens 3 Monate bis das jeweilige Produkt dann auf dem Markt erscheint. Kein schlechte Produktionsleistung von Bruichladdich, wenn man bedenkt, dass erst im Oktober 2015 und Januar 2016 Octomore Whiskys erschienen.

Letztlich scheint der Dachkonzern Rémy Cointreau diese hohe Auflage neuer Whiskys auch zu benötigen. Ich muss nur ein wenig in derem ersten Quartalsbericht des Geschäftsjahres 2016 (April bis Juni) stöbern, da finde ich die vermeintliche Erklärung für die kurzen Intervalle neuer Octomores: Neben Metaxa sind es vor allem die Produkte Bruichladdichs, die die schwachen Absatzzahlen des restlichen Portfolios auszugleichen versuchen.

Da stellt sich mir die Frage: Ist die hohe Geschwindigkeit, mit der Octomore Whiskys die letzten Monate den Markt betraten, nur der Versuch ein sonst kränkelndes Spirituosen-Angebot aufrecht zu erhalten?


Bildquelle: Bildquelle: Jason Bolonski/FlickR

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.

4 Kommentare für Erste Gerüchte zum Octomore 10 Jahre

  1. 1968superingo 28. August 2016 zu 12:51 #

    Vermutlich liegt der 10’er Octomore preismäßig jenseits von Gut und Böse. Die letzten Octomore-Abfüllungen gingen gefüllt auch nicht mehr sonderlich gut vom Händlerregal weg. Etliche Versionen findet man noch heute in den Shops. Die „neuen“ Besitzer haben leider viel von der Reputation kaputt gemacht. Ich kenne etliche Whiskyfans, die inzwischen um Bruichladdie einen Bogen machen. Preismäßig hat man scheinbar den Bogen völlig überspannt (Bruichladdich, Octomore und Port Charlotte) und auch die Qualität scheint erkennbar nachgelassen zu haben. Sehr schade!

  2. Philip Reim 28. August 2016 zu 13:41 #

    Hallo Ingo,

    ich habe ähnliche Aussagen von Händlern bekommen wie du. Allerdings würde ich die Arbeit des neuen Besitzers nicht pauschal verurteilen. Remy sorgte unter anderem dafür, dass das Portfolio von Bruichladdich „markttauglich“ wurde. Es wurde ein übersichtliches, verständliches Portfolio aufgebaut. Vor der Übernahme 2012 gab es nur ein heilloses Durcheinander diverser Abfüllungen.

    Gruß Philip

  3. kallaskander 29. August 2016 zu 09:35 #

    Hi there,

    na ja, das kann man so und so sehen. Unter RC wurde erstmal alles mit Altersangabe weggeräumt um angeblich Vorräte aufzubauen.

    Und was Jim da alles rausgebracht hat, war in gewissem Sinne Resteverwertung, denn für die Bestände aus den insgesamt eher problematischen Produktionszeiten unter Jim Beam Greater Europe hatten die neuen Besitzer mit bezahlt und nicht wenig und irgendetwas mußte damit ja auch passieren.

    Ich denke Jim hat das beste rausgeholt, was mit dem eher lieblos in irgendwelche cask gekippten Bruichladdich von JBGE zu machen war.

    Im letzten Jahr vor RC war aber schon begonnen worden, da auszudünnen – klar auch weil viel von den Restbeständen auch an den Mann gebracht war und man selbst anfing, für die eigenen Abfüllungen mit Altersangabe zu spaen.

    Greetings
    kallaskander

    PS Beim TTB ist auch ein Etikett für einen Bruichladdich 10yo 2nd Edition aufgetaucht… und ein Ardbeg Kelpie, was aber eine andere Baustelle ist.

  4. Frankenfritz 30. August 2016 zu 10:53 #

    Alle neuen Bruichladdich Whiskys stehen bei mir inzwischen im Generalverdacht, dass hier an Geschmack und Qualität, aber nicht an der Gewinnspanne gespart wird. Es kann gut sein, dass mit dem Weggang von Jim McEwan & Co zuviel Knowhow verschwunden ist. Controller machen keine guten Whiskys … Positiv ist der Einsatz für Transparenz, der aber noch ehrlicher wäre, wenn er für alle Produkte zur Anwendung käme.

Schreibe einen Kommentar