Wie Jamaica mit der Adams Pot Still einen Rum-Stil prägt » Eye For Spirits

Werbung

Wie Jamaica mit der Adams Pot Still einen Rum-Stil prägt

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone

Bildquelle: John Payne/FlickR
„Thermisches Analyseverfahren“. So definieren wir offiziell den Begriff „Destillation“. An sich ganz einfach: bißchen erhitzen, Alkohol abzapfen. Dass hier Nuancen einen Stil prägen, zeigt nichts besser als Jamaikas Adams Pot Still.


Die Herstellung von Rum unterliegt keiner geographischen Grenze. Möchtest du ihn in Madagaskar herstellen, bitte. Lieber in Australien? Auch kein Problem. Möchte ein Hersteller ihn allerdings nach Europa einführen, hat er sich an Vorgaben zu halten. Regularien, die definieren, was Rum sein darf und was nicht.

So muss dieser immer aus Zuckerrohr hergestellt werden. In welcher Form auch immer. Frischer Zuckerrohrsaft, Melasse…egal. Und: Er muss mindestens 37,5 %Vol. Alkohol enthalten. Ein Wert der ausschließlich über Destillation erreicht wird. Zumindest bei Rum.

Ursprünglich und ineffizient, dafür aber positiv für das Aroma: Einfache Kesselbrennblasen. In diese wird die Maische, die vergorene Flüssigkeit, eingefüllt. Ähnlich wie bei Weinbrand oder Whisky.

Brennereien destillieren in diesen so genannten Pot Stills aus Kupfer zweimal. Der Alkoholgehalt der dabei angepeilt wird, liegt im Schnitt bei 75 %Vol. Dabei entsteht meist ein mittel-schwerer Rum, der mit leichten Rums verschnitten werden kann.

Die andere Variante ist die Destillation in industriellen Column Stills. Schnell, effizient, aromenschwach.

In Sachen Rum ist eine Einteilung in Pot vs. Column allerdings zu banal. Jamaikanische Destillerien zeigen, dass hier mehr Nuancen existieren als bei den meisten anderen Spirituosen.

Jamaicas Adams Pot Stills sind ineffizient aber individuell

Im Gegensatz zu vielen Rum-Nationen hat sich Jamaika vor allem in 2 Punkten zum Unikat gemacht: Sie produzieren mit ihren High Ester-Rums einen markanten Stil. Aromatisch und analytisch nachweisbar.

Zum anderen läuft deren Alkohol teilweise durch abwegige Brennblasen: So genannte Adams Pot Stills. Diese Apparaturen basieren auf einem Kessel mit 2 Retorten. Sieht komisch aus, erzeugt individuellen Rum.

Adams Pot Stills sind eine Besonderheit jamaikanischer Brennereien. Selbst aber dort nicht von jeder. Ein Konstrukt, mit dem Destillerien schwere und mittel-schwere Rums herstellen. Solche, die den aromatischen Stil Jamaikas prägen.

2 der wenigen Destillerien, die noch aktive Adams Pot Stills betreiben sind:

  • Long Pond
  • Clarendon

Die erste Retorte ist dem Grunde nach nichts anderes als ein Behälter aus Kupfer. Sie enthält ein Destillat – als low wine bezeichnet -, das rund 35 %Vol. Alkohol besitzt und aus einer vorangegangenen Destillation stammt.

In den Kessel der Pot Still füllt der Brennmeister nun die rund 7 %ige Maische, erhitzt und lässt den Dampf im Inneren aufsteigen. In dem Moment, in dem dieser das erste Mal den low wine erreicht, hat der Dampf einen Alkoholgehalt von rund 25 %Vol.

Und ab jetzt wird es konfus: Der Dampf blubbert nun durch den low wine. Der Wasseranteil des Pot Still-Gases verflüssigt sich hierbei, kühlt also ab und gibt Wärme frei. Diese trägt dazu bei, dass der Alkohol im low wine zu verdampfen beginnt.

Einfach ausgedrückt: Der heiße Dampf, der aus dem Brennkessel aufsteigt, bringt den low wine zum kochen.

Dieses Retorten-Prinzip ist in der Rum-Industrie nicht üblich. Jamaika setzt hier allerdings noch eins drauf. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn nach der ersten Retorte mit dem low wine folgt eine zweite. Sie enthält, wie sollte es anders sein: high wine.

Das Prinzip ist das gleiche. Nur, dass der high wine in der zweiten Retorte mehr Alkohol enthält als sein Kollege im ersten Abschnitt. Rund 40 %Vol., wodurch er auf ungefähr 75 %Vol. insgesamt kommt.

vapor

Der Dampf aus dem low wine, hat rund 50 %Vol. wenn er beim high wine aufschlägt. Dessen Wärme sorgt dafür, dass aus dem high wine Gas mit circa 85 %Vol. Alkohol und 15 % Wasser entweichen. Ein Wert, der etwas über der durchschnittlichen Destillationsgrenze von Malt Whisky liegt.

Die Brennerei lässt den schließlich den Dampf aus dem high wine kondensieren. Sein Name: „Rum“.

Je länger die Destillation voranschreitet, desto niedriger wird der Alkoholgehalt des Rums. Bei einem Wert von ungefähr 83 %Vol. bricht der Brennmeister das erste Mal ab. Dann hat er einen Rum, dessen Volumen in etwa 7 % der eingesetzten Maische entspricht.

Ein zweites Destillat fängt die Brennerei zwischen 82 und 70%Vol. ab und das letzte, wenn kein Alkohol mehr heraustropft. Dauer: ungefähr 5 Stunden.

Während die Adams Still einen individuellen aromatischen Stil erzeugt, hat sie auch einen Nachteil. Einen, der sie aus vielen Destillerien verbannt: Sie ist ineffizient aufgrund des wenigen Kontakts, den Flüssigkeit und Gas in den Retorten haben. Dieser ist selbst niedriger als der in Column Stills.


Bildquelle:

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Dann erhalte alle zukünftigen Artikel von Eye for Spirits. Kostenfrei. Bequem in dein Postfach.
Noch keine Kommentare.

Schreibe einen Kommentar