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Ist der neue Glenfiddich IPA ein Avantgarde-Whisky?

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Das Thema Craft Beer mit Whisky vermischen? Funktioniert. Die Neugierde für dieses Experiment ist meistens jedoch recht einseitig. Die Whisky-Industrie ist mehr der stille Beobachter. Bis jetzt. Bis der Glenfiddich IPA zu einem dauerhaft verfügbaren Whisky wurde.


Dass junge Brauereien oder solche, die im Craft Beer-Trend mitmischen wollen, sich in anderen Kategorien bedienen, ist keine Zeile wert. Diese Szene lebt von Neugier und experimentellen Produkten, es ist der Kern ihres Wesens.

Bei Whisky hingegen weniger. Dass die zweitgrößte Whisky-Destillerie nun einen eigenen Indian Pale Ale-Scotch auf den Markt werfen will, bringt eine frische Prise. Das Besondere an der Vermarktungsstrategie des neuen Glenfiddich IPA ist vor allem seine Verfügbarkeit.

Glenfiddich bastelt hier nicht an einer „Limited Edition“ in einem Preisbereich, den sich der Durchschnittsverdiener nicht leisten kann. Vielmehr bringt jene Speyside-Destillerie mit dem Glenfiddich IPA einen Whisky, der dauerhaft verfügbar sein soll. Für umgerechnet rund 54,- Euro.

Ganz auf die Bierfässer der Speyside Craft Brewery will sich das Unternehmen allerdings nicht verlassen. Die Aromen des Indian Pale Ale-Fasses darf der Whisky nur 3 Monate aufsaugen, wobei das Bier selbst nur einen Monat darin lagerte.

Die Gesamtdauer, die der Glenfiddich IPA (43 %Vol.) im Fass verbrachte, gibt die Destillerie nicht an. Ebenso wenig wie die Fass-Art, die den Gros der Reifung ausmachte. Da dies nicht erwähnt wird, gehe ich davon aus, dass es sich um Ex-Bourbonfässer handelt.

Der neue Single Malt ist Teil von Glenfiddichs Experiment-Serie. In dieser begleitet den IPA noch ein zweiter Whisky. Einer, mit einer noch kürzeren Bezeichnung. Als XX, römisch für 20, wird dieser bezeichnet. Gemeint ist damit nicht das Alter des Whiskys, sondern die Anzahl von Glenfiddich Markenbotschaftern, die an diesem Whisky mitgewirkt hatten. Deren Fass-Auswahl war bunt. Darunter Port Pipes, Sherry Butts und first-fill Bourbon Fässer. Preis: rund 60,- Euro. Alkoholgehalt: 47 %Vol.

Beide Whiskys erscheinen am 6. September auf dem britischen Markt, wenig später weltweit.

Ist der Glenfiddich IPA nun ein Meilenstein, ein Avantgardist der Whisky-Szene? Nein, ist er nicht. Limitierte Bier-Whisky-Kollaborationen gab es bereits in der Vergangenheit. Aber er ist das Produkt einer aufgeschlossenen, neugierigen Destillerie.


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.

2 Kommentare für Ist der neue Glenfiddich IPA ein Avantgarde-Whisky?

  1. 1968superingo 5. September 2016 zu 20:01 #

    Why not! Säntis (Schweiz, Locher AG) macht das ja nun schon seit geraumer Zeit und lässt seine Whiskys in gebrauchten Bierfässern reifen. Die Preise für die beiden Schotten klingen zumindest ganz vernünftig. Bin auf das Ergebnis gespannt und freue mich auf die Verkostung der beiden Abfüllungen.

  2. kallaskander 6. September 2016 zu 09:46 #

    Hi there,

    Jameson Cask Mates… auf schottisch….

    Unter dem label Grant’s gibt es schon lange ein Ale cask finish.

    Ich sehe da nichts von Avantgarde im Gegenteil ich halte das für Retro denn eigentlich war die finishing mania doch vorbei, oder? Ich meine, was konnte nach dem Heringsfaß noch kommen?

    Nenn mich einen Traditionalisten aber wenn der whisky anfängt dem gleichen „Innovationsdruck“ zu folgen, der die Kategorie Vodka mit 1000 unnötigen un-unterscheidbaren flavourings ereilt und zur Strecke gebracht hat, läuft die Kategorie whisky Gefahr, den gleichen Weg zu nehmen.

    Da es heute nicht mehr genügt, mit gutem whisky von 10 bis 25 Jahren eine Stammkundschaft zu binden, sondern ständig dem Marketingdruck nachgerannt wird der Innovation um der Innovation willen fordert, wird die Kategorie Scotch whisky immer mehr aufweichen und unkenntlicher, beliebiger werden.

    Ganz übel grade Diageo, die mit dem Johnnie Walker jedem Trend nachrennen und den blend biegen und anpassen, daß er bald völlig beliebig sein wird.

    Jetzt auch noch ein großer single malt in so vielen expressions daß bald keiner mehr durchblickt. Natürlich NAS weil whisky mit Altersangabe so out ist unter dem Deckamtel Innovation und experimental…. das ist nicht die Avantgarde, das ist marketing-induzierte Verzweiflung.

    Aber keine Angst, die Avantagrde stirbt, aber sie ergibt sich nicht!

    Greetings
    kallaskander

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