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Dad’s Hat Pennsylvania Rye im Test

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dadshat

Was Kentucky für Bourbon ist, ist Pennsylvania für Rye Whiskey. Letzterer trägt vielleicht nicht ganz so dick auf, hat bei weitem nicht so viele Brennereien, mindestens aber so viel Geschichte. Mit dem Dad’s Hat steht neuerdings einer dieser Ryes bei deutschen Händlern.


Monongahela Red. Ein Begriff, den heute kaum ein Whisky-Trinker mehr in den Mund nimmt. Warum auch, ist er immerhin so antiquiert, dass er in fast keinem Buch mehr auftaucht.

Dabei war Monongahela Red der Inbegriff für Rye Whiskey. Der harte Stoffe aus dem Norden, der rot-braune aus dem Fass. Seinen Namen bekam diese Whiskey-Gattung in Anlehnung an seine Farbe und den Fluss Monongahela, auf dem der Handel mit im ablief. Ausgehend vom US-Bundesstaat Pennsylvania.

Viel ist vom einstigen Rye-Zentrum heute nicht mehr übrig. Dortige Destillerien produzieren nur im kleinen Maßstab, in Mengen, die den Begriff „handwerklich“ verdienen. Dies erklärt auch die miserable Verfügbarkeit von Pennsylvania Ryes hierzulande. An den Export außerhalb der USA denken die meisten jener Brennereien aufgrund des geringen Produktionsvolumens nicht.

Herman Mihalich und John Cooper hingegen schon. Mit ihrem Dad’s Hat machen sie seit kurzem erste Gehversuche auf dem deutschen Markt.

Der Dad’s Pennsylvania Rye basiert ausschließlich auf Roggen und Gersten-Malz. Zwar ist dies nicht offiziell angegeben, der Rye-Anteil dürfte den des Gersten-Malzes jedoch bei weitem übersteigen. Weit mehr als die obligatorischen 51 % Mindestanteil. Roggen liefert die Aromen, das Gersten-Malz lediglich die Enzyme, die für eine reibungslose Fermentation nötig sind.

Der Brand reifte 6 Monate in ausgebrannten Fässern der Quarter Cask-Größe. In Anbetracht der Tatsache, dass in der US-Whiskey-Produktion ein Fassvolumen von 200 Liter (American Standard Barrel; ASB) Standard ist, dürfte es sich daher bei jenen Quarter Casks um 50 Liter-Fässer handeln.

DEGUSTATION DES DAD’S HAT PENNSYLVANIA RYE

Viele ölige Tropfen laufen das Glas hinunter, in dem Moment, in dem du ihn nur kurz schwenkst. Dann liegt er wieder mit einer Farbe, die an Safran erinnert, ruhig im Glas.

Das Bouquet des Dad’s Hat Rye hat für mich 2 dominante Aromen-Gruppen: Früchte und Gewürze. Hältst du deine Nase einmal über das Glas, bekommst du die eine Fraktion, beim nächsten mal die andere. Jedes Mal geschieht dies aber mit Gewalt. Die Aromen drücken förmlich aus dem Glas. So liefert er Apfel, Mango, Zitrone und Weintrauben auf der einen Seite, auf der anderen Pfeffer, Weihrauch, altes Papier und geröstetes Brot. Das Nosing des Dad’s Hat Rye solltest du allerdings mit leicht geöffnetem Mund durchführen. Der Alkohol in diesem Whiskey blockiert dir gerne einmal die Nase.

Im Mund beginnt er mit einer auffallend medizinischen Note. Für Rye Whiskey sehr ungewöhnlich. Nicht unangenehm, aber ungewöhnlich. Hier offenbart sich allerdings auch das Manko der kurzen Reifungszeit. „Mindestens 6 Monate“ werden als offizielle Dauer angegeben. Dem Dad’s Hat fehlt es infolgedessen an Komplexität und Kraft. Zwar hat er im Mund einige würzige Anklänge und Nuancen von Pflaume und Trester. Ich vermute jedoch, dass diese vom Roggen und der Fermentation stammen. Das Holz spielt hier kaum eine Rolle. Eine kurze Reifungsphase lässt sich auch nicht mit kleineren Fässern kompensieren. Zumindest nicht hinsichtlich Komplexität und Balance.

Verlässt der Dad’s Hat Rye Whiskey den Gaumen, tritt der Alkohol nochmal nach. „Bissig“ trifft es am besten. Vom aromatischen Einfluss des Fasses fehlt auch hier jeder Spur. Was bleibt sind Nuancen des Roggens.

Der Dad’s Hat Rye Whiskey ist ein spannendes Projekt. Ohne Frage ist es eine Bereicherung des Marktes, die Whiskey-Tradition von Pennsylvania auch nach Deutschland zu holen. Im Falle dieses Whiskeys allerdings erst in ein paar Jahren. Diese Zeit sollte man ihm noch geben, um aus dem Fass Aromen aufzusaugen.

Dad's Hat Rye - 45 %Vol. - 49,90€/0,7l

Dad's Hat Rye - 45 %Vol. - 49,90€/0,7l
5.675

Bouquet

7/10

    Geschmack

    5/10

      Mundgefühl

      5/10

        Nachklang

        5/10

          Positiv

          • Verspieltes Bouquet

          Negativ

          • Preis-/Leistungsverhältnis
          • Alkohol zu scharf
          • Junges Alter

          Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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          Ein Kommentar für Dad’s Hat Pennsylvania Rye im Test

          1. kallaskander 8. September 2016 zu 15:44 #

            Hi there,

            80% rye, 15% malt und 5% rye malt also Roggen, Gerstenmalz und Roggenmalz.

            Nur kurz für 7-9 Monate in 15 gallon barrels schnell gereift. Die großen Standard barrels haben 53 gallons.

            Sie machen aber noch mehr Sorten durch finishings und solche unerhörten Sachen. Aber wie es aussieht, alles auf rye Basis.

            Greetings
            kallaskander

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