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Ardbeg 21 Jahre im Test

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Eine Altersangabe? Dann noch so alt? 2 Eigenschaften, die ich bei Ardbeg schon lange abgeschrieben habe. Und doch prescht die Destillerie nun mit einem 21 Jahre Scotch auf den Markt. Ob es sich lohnt, den Geldbeutel zu plündern, haben wir uns für euch angeschaut.


In diesem Whisky, dem Ardbeg 21 Jahre, schlummern Destillate, die vor dem Jahr 1997 in Fässer gefüllt wurden. Sie stammen also aus einer Zeit, in der „Beständigkeit“ nicht gerade Ardbegs herausragendste Eigenschaft war. Erst 1997 ging Destillerie und Marke an McDonald & Muir bzw. Glenmorangie plc. 

Laut Angabe des Unternehmens kamen für diesen Single Malt ausschließlich Ex-Bourbonfässer zum Einsatz. In der Scotch Whisky-Industrie bedeutet dies üblicherweise Fässer der Hogshead-Größe mit einem Volumen von 250 Liter.

Schaue ich allerdings auf das Label des Ardbeg 21 Jahre, finde ich dort den Hinweis: Cask Size: 200 Liter. Ardbeg hat folglich für diesen Whisky die Fässer aus den USA importiert und unbearbeitet weiterverwendet. Denn 200 Liter entsprechen dem ASB (American Standard Barrel), der Standardfassgröße in der US Whiskey-Produktion.

Über die Frage nach der Qualität des Produkts gibt dies keine Antworten. Jedoch über die Reifungszeit. Denn einfach ausgedrückt: Je kleiner das Fass, desto schneller die Reifung.

DEGUSTATION DES ARDBEG 21 JAHRE

Die Farbe des Ardbeg 21 Jahre ist goldgelb. Hell, wenn ich bedenke, dass er mindestens 21 Jahre im Fass verbrachte. Ähnlich zurückhaltend wie die Farbe, verhalten sich auch die Tropfen nach einigem Schwenken. Es gibt nicht viele davon.

21 Jahre, so sollte man meinen, drücken einem Whisky einen dicken aromatischen Stempel auf. Beim Ardbeg 21 reichen diese jedoch nicht aus, um typische Aromen des New Makes/Rohbrands zu überdecken. Im Gegenteil. Die Noten, die so typisch für diese Destillerie sind, übernehmen das Zepter. Das Fass ist nur schmuckes Beiwerk.

So ist das Bouquet ausgesprochen trocken und der Rauch zu jeder Zeit präsent. Nicht zu dominant, vielmehr harmonisch bietet dieser eine Grundlage für weitere Aromen. Zum Beispiel unreife Bananen, Teer oder Knoblauch. Das Fass begleitet diese mit Nuancen von Apfel, Birne, Parfüm und Weintrauben.

Im Mund macht sich der Einfluss des Fasses vor allem durch eine Eigenschaft bemerkbar: Er verleiht dem Ardbeg 21 Jahre einen ausgesprochen weichen Charakter. Er liegt samtweich auf der Zunge. Die Holzbehälter geben hier allerdings auch noch etwas in Sachen Aromatik hinzu. Das auffällige Raucharoma wird ergänzt durch Nuancen von Vanille und Holz. Nicht sehr viel, und eine Medaille für Individualität wird dieser Scotch auch nicht gewinnen. Es hinterlässt aber einen angenehmen Eindruck.

Suchst du einen Whisky, der vor allem im Nachgang punktet, dann dürfte der Ardbeg 21 Jahre etwas für dich sein. Hier kommen Sekundäraromen aus der Fermentation und Quartäraromen aus der Holzfasslagerung deutlich durch. 6 Aromen springen dir dabei förmlich ins Gesicht: Hefe, schwelendes Holz, Kohlensäure, Weißwein, Pfirsich und Kräuterlikör. Bedenkt man, dass der Eindruck im Mund kein Premium-Stückchen war, macht der Nachklang nochmal einige Punkte gut.

Fassen wir mal zusammen: Das Bouquet des Ardbeg 21 Jahre besteht zum überwiegenden Teil aus New Make-Aromen. Das Holz liefert schmuckes Beiwerk. Der Eindruck im Mund ist durchschnittlich, wenn nicht sogar etwas darunter. Und der Nachklang? Der trumpft nochmal auf, liefert individuelle Noten. Der Ardbeg 21 Jahre ist in meinen Augen folglich ein Whisky, der spannende Abschnitte parat hält. Die in der Summe einen Preis von 370,- Euro allerdings nicht rechtfertigen.

Ardbeg 21 Jahre - 46 %Vol. - 370 €/0,7l

Ardbeg 21 Jahre - 46 %Vol. - 370 €/0,7l
7.8

Bouquet

8/10

    Geschmack

    7/10

      Mundgefühl

      8/10

        Nachklang

        8/10

          Positiv

          • Markantes Bouquet
          • Individueller Nachklang

          Negativ

          • Im Mund nicht individuell
          • Preis


          Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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          6 Kommentare für Ardbeg 21 Jahre im Test

          1. 1968superingo 15. September 2016 zu 09:04 #

            Da scheint Ardbeg geschmacklich ja wirklich ein Pfund raus zu hauen. Aber welche Brennerei traut sich sonst, bald 400 € für einen 21jährigen Whisky zu verlangen? Und dann noch nicht mal eine Faßstärke, sondern mit bekömmlichen 46%. Das ist einfach nur noch pervers und dekadent.

            • Philip Reim 15. September 2016 zu 14:36 #

              Da gibt es einige, die sich das trauen. Unterm Strich ist es aber nicht die Mehrheit.

          2. Robert Zander 19. September 2016 zu 15:18 #

            Hallo Philip, gibt die Brennerei bekannt wieviele Flaschen abgefüllt wurden?

            • Philip Reim 20. September 2016 zu 11:42 #

              Nein, leider gibt Moet Hennessy bis jetzt keine offizielle Angabe darüber, wie viele Flaschen Ardbeg 21 auf den Markt kommen.

              Gruß Philip

          3. steffen 20. September 2016 zu 11:59 #

            Wie schmeckt den Kohlensäure?

            • Philip Reim 20. September 2016 zu 12:51 #

              Hallo Steffen,

              schmecken tust du dies nicht, wenn dann riechen. Es hat einen ganz eigenen, säuerlichen Geruch. Du erkennst dies, wenn du in eine Brauerei gehst, bei der die Gärung gerade voll im Gange ist.

              Gruß Philip

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