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Woodford Reserve Kentucky Straight Rye im Test

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Ist Rye noch ein Trend? In meinen Augen nicht. Er ist angekommen. In der Industrie, beim Kunden und in der Gastronomie. Es ist mittlerweile vernünftiger die Marken zu zählen, die keinen Rye Whiskey führen. Geht schneller. Auch Woodford Reserve füllte diese Lücke.


Brown-Forman, Dachkonzern von Woodford Reserve, spielt gerne mit Roggen. Bereits 2011 experimentierten sie mit diversen Abfüllungen. Scheinbar was es zu jener Zeit noch nicht geplant, einen klassischen Straight Rye in den Handel zu bringen. Entspräche zwar dem Zeitgeist, aber ohne Alleinstellungsmerkmal. Stattdessen wollte das Unternehmen so richtig auf die Kacke hauen. Wollte etwas Einzigartiges schaffen. Die Wahl viel auf eine Superlative.

Woodford Reserve brachte 2 analoge Rye-Whiskeys auf den Markt. Zwei 100 % Rye-Whiskeys. Kein anderes Getreide, nur Roggen. Dazu kam eine 3-fach Destillation. Die eine Charge kam in neue, ausgebrannte Eichenfässer, die andere in wiederverwendete.

Warum die beiden Produkte letztlich wieder eingestellt wurden, ist mir nicht bekannt. War es das verhaltene Medienecho? Die schlechten Maische- und Gäreigenschaften von Roggen? Oder die völlig verklumpten Brennblasen, die ein solcher Whiskey mit sich bringt? Ich weiss es nicht.

Fakt ist jedoch, dass unter dem Namen Woodford Reserve Kentucky Straight Rye Whiskey vor einigen Monaten Nachschub kam. In diesem Fall sogar eine dauerhafte Ergänzung des Kernangebots.

Hierfür ging die Destillerie von 100 % Roggen auf 53, ersetzte den Rest mit 14 % Gerste und 33 % Mais. Reifungszeit in neuen, ausgebrannten Fässern: 7 bis 8 Jahre.

DEGUSTATION DES WOODFORD RESERVE KENTUCKY STRAIGHT RYE

Was für ein schwerfälliger Brand. Schwenkst du ihn im Glas ein bis zwei mal, machen die Tropfen an der Glaswand kaum Anstalten zurück zum Boden zu kriechen. Zurück in die bronze-farbene Flüssigkeit.

Der Woodford Reserve Straight Rye geht keine Umwege. Er wirft die das in die Nase, was auf der Flasche steht. Das, was ein Rye Whiskey per definitionem zu bieten hat. Warme, würzige Aromen. Es ist ein Genuss, die einzelnen Gewürze zu zerteilen. Etwas Anis, Vanille, Kardamom, Zimt und getrocknetes Holz. Ebenso wie ein Hauch Petersilie, Dill und Lösungsmittel.

Das ist die eine Aromen-Fraktion. Die, die das Getreide und in Teilen auch die Fässer liefert. Dann fehlt aber noch die andere Abteilung. Jene Aromen, die während der Fermentation und zum Großteil in den Eichenfässern entstehen: die Frucht-Aromen des Woodford Reserve Straight Rye. Kirschen satt, ebenso wie Pflaumen, Weintrauben und vor allem Ananas.

Dieses – in meinen Augen komplexe – Bouquet haut dich besonders dann vom Hocker, wenn du das Nosing-Glas 1 bis 2 cm unter deiner Nase hältst. Diese also nicht tief in die Öffnung schiebst. Dann entweicht der Alkohol und macht Platz für ein Potpourri an Aromen.

Ich habe häufig bei Woodford Reserve Abfüllungen den Eindruck, dass die Komplexität der Aromen im Mund nachlässt. Sie sind dann nicht mehr so vielseitig, nicht mehr so spannend wie noch zuvor in der Nase. Das ist hier nicht der Fall. Das Holz bringt einen trockenen Hintergrund; vor diesem reihen sich Gewürze und Früchte. Nicht so zahlreich wie beim Nosing aber immer noch stattlich. Pflaume, ein Hauch Mango, Apfel und Birne für die Fruchtseite, Karamell, Holz, Enzian für die würzige Fraktion.

Auch wenn das Tasting durchaus Spaß macht, solltest du kein Aromenfeuerwerk wie in der Nase erwarten. Dies liegt zum Teil auch daran, dass der Alkohol im Mund deutlich dominanter auftritt. Er vernebelt zeitweise die Aromen immens.

Ist dieser dann verklungen, bleiben im Hintergrund trockene Aromen zurück. Holz und erdige Noten dominieren. Seine Obstschale tauscht er hier jedoch für einen Topf Gemüse, gedünstetes Gemüse.

Hätte der Woodford Reserve Straight Rye sein Niveau aus der Nase, seinen ersten Eindruck beibehalten, wäre es ein herausragender Whiskey. Leider schwächelt er. Stück für Stück musst du dich von der Komplexität des Bouquets verabschieden. Am Ende angekommen, würde man aber gerne nochmal von vorne beginnen.

Woodford Reserve Straight Rye - 45,2 %Vol. - 49,90 €/0,7 l

Woodford Reserve Straight Rye - 45,2 %Vol. - 49,90 €/0,7 l
7.025

Bouquet

8/10

    Geschmack

    7/10

      Mundgefühl

      6/10

        Nachklang

        7/10

          Positiv

          • Komplexes Bouquet
          • Verspielte Frucht-/Gewürzaromen

          Negativ

          • Alkohol zu dominant
          • Schwach im Mund

          Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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