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8 von 10 Whisky-Trinkern machen dieselben Fehler

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Whisky hat eine Fan-Gemeinde ohnegleichen. Auch hier in Deutschland. Von Kiel bis Konstanz wird Scotch in Massen konsumiert, darüber referiert und malträtiert. Ja, auch malträtiert. Denn beim Umgang mit Whisky machen viele folgende 4 Fehler. Meist aus Unwissenheit.


Mein erstes Glas Single Malt war eine Jahrgangsabfüllung der Jura Distillery. 1 bis 2 fingerbreit Whisky in einem Tumbler. Ein Vergehen, für das viele Whisky-Fans gerne die Guillotine auspacken würden. Einen Single Malt aus dem Tumbler? Noch dazu ein Vintage? Geht gar nicht! Zumindest ist dies allgemeiner Konsens, was den Genuss hochwertiger Spirituosen angeht.

Auch wenn dieser Vorschlag häufig derart leidenschaftlich verbreitet wird, dass er eher einer Missionierung als einer Empfehlung gleicht, hat er seine Berechtigung. Ein Tumbler, so gut er auch in der Hand liegen mag, besitzt eine ungünstige Form. Zumindest dann, wenn du das Bouquet eines Whiskys entschlüsseln möchtest. Da bei jenen Gläsern die Öffnung den gleichen Umfang hat wie der Boden, streifen die meisten Aromen deine Nase nicht einmal.

Möchtest du also einen Single Malt und dessen Aromen analysieren, bleibt dir nur der Griff zu einem Nosing-Glas. Stiel, schmale Öffnung.

Das ist eine Tatsache, die die Whisky-Gemeinde verstanden hat. Das Gros der Fehler beginnt allerdings erst im Anschluss.

Das Whisky-Glas wird falsch geschwenkt

Du kennst diese typischen Cognac-Gläser? Diese Behälter mit dickem Bauch und schmalem Stiel? Diese in Form gegossene Figur eines Oliver Hardy? Diese Gläser machen ihren Namen zum Programm: Cognac-Schwenker. Sie liegen gut in der Hand, der Cognac kann seine Kreise ziehen.

Der Vorgang des Schwenkens wird bei diesen Gefäßen folglich als derart wichtig angesehen, dass er gleich im Namen verewigt wurde. Wichtig aus einem Grund: Diese Kreisbewegung versetzt der Spirituose einen Impuls. Mehr und mehr Moleküle treten aus der Flüssigkeit heraus und steigen als unsichtbarer Duft nach oben in Richtung Nase.

Egal welches Glas du nun schwenkst, das Prinzip ist immer dasselbe. Allerdings führen dieses einige Spirituosen-Fans ad absurdum. Gehe auf eine Spirituosenmesse und beobachte die Gäste. Jeder Vierte schwenkt sein Glas mit einer Inbrunst, dass es scheint, als wolle er jedes Duftmolekül mit Gewalt herauszentrifugieren. Unabhängig, ob am Rum-, Cognac- oder Whisky-Stand.

Das Problem, das dabei entsteht: Das gewünschte Mehr an Aromen wird nicht erreicht. Im Gegenteil. Schwenkst du zu intensiv, drückst du gegebenenfalls Luft in die Flüssigkeit, die das Bouquet verändern kann. Zwar nur in sehr geringen Mengen, aber erkennbar.

Möchtest du das Maximum an Aromen im Bouquet, dann mache Folgendes: Halte das Nosing-Glas auf Brusthöhe. Schwenke 1 bis 2 mal aus dem Handgelenk. Nicht aus der Schulter. Du möchtest keinen Propeller starten.

Mache Folgendes: Halte das Nosing-Glas auf Brusthöhe. Schwenke 1 bis 2 mal aus dem Handgelenk.

Anschließend gibst du dem Whisky 2 bis 3 Sekunden Zeit sich zu setzen, sich wieder zu beruhigen. Hältst du dann deine Nase in bzw. über das Glas, wirst du ein kraftvolleres Bouquet erkennen.

Viele Whisky-Trinker öffnen den Mund nicht

Diese Überschrift wählte ich absichtlich plakativ und widersprüchlich. Denn was bleibt dir auch anderes übrig, als früher oder später deine Kiefer auseinander zu reissen, wenn du etwas trinken möchtest. Damit hatte noch nie ein Whisky-Fan Probleme.

Ich stelle allerdings immer wieder fest, dass viele Gäste bei einem Tasting die Bedeutung des Mundes an anderer Stelle unterschätzen. Und zwar beim Riechen.

An dieser Stelle kann man auch niemanden einen Vorwurf machen. Der Mund ist zum Trinken da, die Nase zum Riechen. Viel Erklärung benötigt dies nicht. Ist halt eine Tatsache. Schaust du dir allerdings die Anatomie deines Nase-Mund-Rachenraumes an, wird die Sache etwas komplexer. Zum Vorteil des Whisky-Trinkers.

Deine Nase als auch dein Rachenraum ist durchzogen mit Sinneszellen, die Aromen erkennen. Dies funktioniert allerdings nur dann, wenn die Moleküle, die diese Aromen erzeugen, an jene Zellen andocken. Öffnest du also während des Riechens deinen Mund, zirkuliert die Luft. Dadurch trägt sie in ausreichender Konzentration die Duftmoleküle zu den einzelnen Sinneszellen.

Das war Grund Nummer 1. Grund Nummer 2, warum du bei der Degustation von Whisky, Rum, Cognac und Co. leicht deinen Mund geöffnet lassen solltest, liegt im Alkoholgehalt. Whisky hat mindestens 40 %Vol. Das heißt, knapp die Hälfte dieser Flüssigkeit ist Ethanol, Trinkalkohol. Knapp die Hälfte ist ein Nervengift, dass dir die Sinne vernebelt.

Riechst du nun mit geschlossenem Mund, ziehst du den Alkohol durch die Nase in den Rachenraum. Er geht…nirgends hin. Denn durch die einzige Öffnung strömt immer mehr nach innen. Um dem Alkohol einen Ausweg zu bieten, solltest du deinen Mund dezent öffnen. Dadurch kann er wieder entweichen und Platz machen für aromatische Duftstoffe.

Der Whisky wird zu lange gelagert

Es war vor rund 5 Jahren. Es war eine der letzten Flaschen Elijah Craig 18 Jahre. Ich hätte schreien können. Dieser Bourbon haute mich um, bereits beim ersten Schluck. Dieses Erlebnis wollte ich immer und wieder erleben. Gönnte mir also von diesem Whiskey nur kleine Mengen in großen Abständen. Der Elijah Craig bzw. ein Drittel davon verbrachte bei mir also mindestens 2 Jahre im Schrank. Nur ein Drittel Whiskey, der Rest in der Flasche war Luft.

Als ich nach dieser Zeit der Meinung war, es wäre mal wieder Zeit für ein Schlückchen Elijah, erhielt ich stattdessen eine Lektion in Sachen Whiskey-Lagerung. Der Whiskey war ungenießbar geworden. Er war trüb, scharf und vollgepackt mit schrecklichen Aromen.

Dies lag nicht daran, dass der Whiskey als Lebens- bzw. Genussmittel verderben könnte. Die 40 %Vol. Alkohol verhindern jegliche Abbau- und Verwesungsprozesse von Mikroorganismen. Was sie aber nicht verhindern, ist die Reaktion mit dem Sauerstoff aus der Luft.

Besitzt du also einen Tropfen, den du nur in unregelmäßigen Abständen genießt, solltest du auf eines achten: Bloß raus mit der Luft aus der Flasche. Über einen Zeitraum von 6 Monaten bis zu 3 Jahren macht diese den Whisky ungenießbar.

Bloß raus mit der Luft aus der Flasche. Über einen Zeitraum von 6 Monaten bis zu 3 Jahren macht diese den Whisky ungenießbar.

Du hast also entweder die Wahl den Whisky in absehbarer Zeit zu konsumieren oder dir Hilfsmittel zu besorgen. Option 1 fällt bei der Vielzahl an Flaschen, die ich im Regal habe, für mich aus. Seit ich allerdings hochwertigen Destillaten mit einer Unterdruckpumpe die Luft aus der Flasche ziehe, hatte ich mit der Haltbarkeit keine Probleme mehr.

Fassreifung wird überschätzt, Fermentation unterschätzt

Es ist eine der häufigsten Fragen von Whisky-Einsteigern: Woher bekommt Whisky seinen Geschmack und seine Farbe? Die Antwort auf diese Frage lautet dann meistens: vom Holzfass. Hinsichtlich der Farbe ist dies auch korrekt. Ohne Wenn und Aber. In der Whisky-Produktion gibt es keinen anderen Schritt außer der Fassreifung, die das Destillat mit Farbstoffen versorgt. Diese variiert lediglich nach Art der Holzes und dem Inhalt, der zuvor im Fass lagerte.

Blicken wir allerdings auf die Aromen und Geschmacksnuancen eines Whiskys, sieht es anders aus. Da wäre die obige Antwort nur zu 60 bis 70 Prozent korrekt. Denn bevor der Whisky überhaupt einen Blick ins Eichenfass wirft, durchlief er zahlreiche Herstellungsschritte. Alle mit Einfluss auf Bouquet und Geschmack.

Neben der Fassreifung ist dabei die Fermentation bzw. Gärung der zweitwichtigste Abschnitt, wenn es um Aromen im Whisky geht. Durchschnittlich 20 bis 25 Prozent der Duft- und Geschmacksstoffe eines Whiskys werden hier von Hefezellen gebildet. Neben deren eigentlichen Aufgabe: der Alkoholproduktion.

Die Hefen wandeln in dieser Zeit Stoffe um, die ihnen das Gerstenmalz liefert: Zucker, Proteine, Fettsäuren etc. Substanzen, die bei weitem nicht so spannend für unsere Nase sind, wie das was nach rund 54 Stunden aus ihnen gemacht wurde: Aldehyde, Ketone und ganz vorne mit dabei Fruchtester. Ein Großteil der fruchtigen Aromen eines Whiskys, wie Apfel, Birne oder Ananas sind auf diese Moleküle zurückzuführen.


Bildquelle: © polygraphus – Fotolia.de

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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