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Das Wichtigste über Glenfiddich Whiskys auf einen Blick

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Verächtlich beäugt, in den Himmel gelobt. Gemieden und in Massen konsumiert. Whiskys von Glenfiddich sind in meinen Augen die am meist unterschätzten Single Malts der Scotch-Industrie. Denn jedes ihrer Produkte knallt dir 2 Dinge um die Ohren: Aromen und Authentizität.


DIE AROMEN VON GLENFIDDICH

glenfiddichNach Jahrzehnten der Superlative musste Glenfiddich 2014 den Titel abgeben. Der Slogan „am meist verkaufter Single Malt Scotch Whisky“ ging damals an die Konkurrenz von Glenlivet. Mit gerade einmal 200.000 Flaschen überholte diese unter dem Dachkonzern Pernod Ricard die Jungs und Mädels bei Glenfiddich.

In Anbetracht der Dimension von der ich hier schreibe, ein mickriger Wert. Denn beide Destillerien verkauften 2014 über 12 Millionen Flaschen.

Mir ging es bei der Nachricht über den Führungswechsel aber ähnlich wie vielen Whisky-Fans. „Woah, in was für umtriebigen Whisky-Zeiten wir doch leben. War’s das jetzt für Glenfiddich? Der erste Schritt in einem Strudel nach unten?“ Unsinn! Glenfiddich spielt nach wie vor in der obersten Liga mit. Sowohl was den Absatz in Volumen angeht, als auch in der Qualität.

Whisky zu trinken, muss man lernen. Wie Bier, Wein etc. ist es ein Getränk, das uns aus kulturellen Gründen schmeckt, nicht aber aus biologischen. Als ich vor vielen Jahren diesen Lernprozess durchhatte, kam ein zweiter. In meinen Augen musste Whisky damals schwer sein, musste förmlich aus dem Glas drücken. Whisky mit leichtem Bouquet wie jene von Glenfiddich waren damals für mich nur ein netter Versuch auf dem Weg ein guter Whisky zu werden. Ich lag so falsch.

Whiskys bei denen das Bouquet leicht, die Aromen grazil sind, sind eine Kunst. Vor allem dann, wenn sie es schaffen einen harmonischen und charakteristischen Rohbrand zu erzeugen. Glenfiddich ist dies gelungen.

Deren New Make ist ein leichtes Destillat, das heißt seine Aromen sind keine Draufgänger. Sie drücken nicht aus dem Glas, als wäre es ihnen dort zu eng. Vielmehr schafft die Destillerie eine Melange aus Aromen, die sowohl frisch als auch fruchtig sind. Eine Basis, die nur darauf wartet, mit Düften aus dem Holzfass bereichert zu werden.

Glenfiddich schafft dies durch – sagen wir – Eigenheiten bei der Herstellung. Eigenheiten, die so gar nicht dem Massenprodukt entsprechen, als das es gerne dargestellt wird.

Nimm die Fermentation. Verkürzt eine Destillerie diese, kann schneller mit der Destillation begonnen werden, schneller ins Fass gefüllt werden, schneller Geld gemacht werden. Ein Trend, dem einige Scotch-Unternehmen in den vergangenen 10 Jahren folgten. Manche sogar bis an den Grenzwert von 48 Stunden.

Glenfiddich lässt den Hefen 68 Stunden Zeit ihre Arbeit zu verrichten. Genug Zeit also, um fruchtige Aromen aufzubauen, ungewünschte Noten abzubauen.

Ein weiterer Punkt, der den Brennerei-Charakter des Rohdestillats prägt, ist die Größe der Brennblasen. Sie sind klein. Geradezu mickrig im Vergleich zu manch anderer Scotch-Destillerie. Andere Brennerei, die hier eine ähnliche Schiene fahren wie Glenfiddich – beispielsweise Macallan – haben dies auf einem Grund: Das Destillat soll schwer, soll markant sein.

Eine Tatsache, die die kleinen, gedrungenen Brennblasen bzw. Pot Stills mit sich bringen. Eine Tatsache, die aber überhaupt nicht zum Aromenprofil von Glenfiddich passt. Wieso diese Brennblasen, wenn das Zeug dann doch frisch und fruchtig heraustropft?

Glenfiddich erreicht dies, in dem sie die Destillation früh abbrechen. Hat das Destillat einen hohen Alkoholgehalt, stoppt die Brennerei den Vorgang. Dadurch wird der ölige, „schweflige“ Nachlauf großzügig abgeschnitten.

Das Unternehmen hätte in den vergangenen Jahren die steigende Nachfrage durch einen späteren Schnitt bedienen können. Zumindest in Teilen. Dies hätte aber den Destillerie-Charakter des Whiskys verändert. Stattdessen stockte Glenfiddich die Brennblasen auf. Von ehemals 4 Stills auf 31 heute. 11 Wash Stills, 20 Spirit Stills.

Aus Sicht von Glenfiddichs Master Blender Brian Kinsman hat dies einen entscheidenden Vorteil:

So müssen wir nicht zuerst die Schwefelhürde überwinden, bevor die additive Reifung einsetzt.

Also keine gummi-artigen, verbrannten Gerüche, die das Fass abbauen muss.

Sein Aromenprofil ist es letztlich auch, das den Whisky gerade zu nach dem Fass schreien lässt. Die Fähigkeit Aromen aus dem Fass aufzunehmen, jedes zusätzliche Jahr im Fass zu erkennen, ist bei Glenfiddich bemerkenswert.

GLENFIDDICH WHISKY VERKOSTEN

  • Glas: Nosing Glas; Stiel-Glas mit bauchigem Unterteil und schmal zulaufender Öffnung.
  • Serviertemperatur: ~ 19 – 20 °C; Die Serviertemperatur kann bei Glenfiddich Whiskys mit zunehmenden Alter gesteigert werden. Jedoch sind Glenfiddich Whiskys grundlegend leichte Single Malts. Das heißt, du fährst am besten, wenn du sie zwischen 18 und 20 °C genießt.
  • Im Glas 2 – 3 Minuten atmen lassen: nicht nötig

FOODPAIRING MIT SINGLE MALTS VON GLENFIDDICH

wachtel

Wachtelkeule mit Champignons, Mangold, Speck und Bratapfel

Glenfiddich Whiskys besitzen nach Jahren im Fass eine Vielzahl an Aromen. Dennoch stechen die Aromen des New Make noch nach Jahren im Holz durch. So besitzen jene Single Malts trotz würziger Aromen wie Schokolade, Kaffee oder Vanille ein Potpourri an fruchtigen Noten. Allem voran Apfel, Ananas, Rosinen, Maulbeeren und Pflaumen.

Jene Malts kannst du daher gut mit Speisen kombinieren, die Früchte wie Bratäpfel enthalten. Aber auch weihnachtliche Speisen, bei denen Zimt, Anis und Vanille dominieren, funktionieren hervorragend mit Glenfiddich Whiskys.

Vorschläge

Gemüse/Käse

Spargel, Kürbis, Koriander, Parmigiano, Emmentaler, Champignons, Steinpilze

Kräuter/Gewürze

Schwarzer Tee, Honig, Koriander, dunkle Schokolade, Haselnuss, Walnuss, Vanille

Fleisch

Gegrilltes Rindfleisch, Wachtel, Hühnchen,

Früchte

Maulbeeren, Rosine, Apfel, Birne, Ananas, Banane, Mango, Weintrauben

glenfiddich

FAKTEN ÜBER GLENFIDDICH

  • Produktion: Glenfiddich stellte Superlativen auf, führte einige der heute gängigen Produktionsschritte in die Scotch-Industrie ein. So wagte die Destillerie aus der schottischen Speyside als erste Brennerei den Schritt ins Single Malt-Geschäft. Andere Malt Destillerien zu jener Zeit belieferten ausschließlich das Blended Whisky-Geschäft. Single Malts gab es bei diesen nur im engen Umkreis der Destillerie. Als Glenfiddich 1963 ihren Straight Malt in den Handel brachte, macht sie dies zum Avantgarde-Unternehmen. Und für Jahrzehnte zum größten Single Malt-Produzenten Schottlands. Auch war es Glenfiddich, die den Schritt des Finishings salonfähig machte. Das Nachreifen in exotischen Fass-Typen ist heute Standard in der Whisky-Industrie. Zudem übertrugen sie das spanische Solera-System als erste Brennerei auf einen Whisky im Kernsegment.
  • Besitz: Destillerie und Marke Glenfiddich befinden sich im Besitz des schottischen Unternehmens William Grant & Sons.

Bildquelle: 
– Codorniz local asada en encino, portobel“ (CC BY 2.0) by T.Tseng
– weitere Bilder: Glenfiddich/Campari Deutschland

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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7 Kommentare für Das Wichtigste über Glenfiddich Whiskys auf einen Blick

  1. Peter Bendt 26. September 2016 zu 07:45 #

    …ich kann nur den Hut ziehen vor der inhaltlichen Qualität, die Eye for Spirits inzwischen erreicht hat. Danke für den Artikel, Herr Reim! Ich hoffe, Ihnen halten die Anzeigenkunde noch lange die Stange, dass das Konzept dieser Seite noch viele Jahre vor sich hat.

    • Philip Reim 26. September 2016 zu 10:27 #

      Hallo Herr Bendt,

      vielen Dank für die netten Worte. Das motiviert zum Weitermachen.

      Viele Grüße
      Philip

  2. kallaskander 26. September 2016 zu 09:33 #

    Hi there,

    a propos Glenlivet…. und meistverkaufter malt der Welt und son Zeuch….

    was sagst du dazu?

    http://www.thespiritsbusiness.com/2016/09/nikki-burgess-joins-caskstrength-creative/

    Klingt als sei Nikki Burgess, former global brand director for The Glenlivet and single malts at Chivas Brothers mit der Gesamtsituation nicht zufrieden, oder wieso wechselt sie so kurz, nachdem das Ziel an Glenfiddich vorbei zu ziehen, erreicht ist? Das ist ihre Erfolg.

    Ich sage – auch wg. anderer Geschichten die im web kreisen – es rumort bei den Spirits Giants.

    Greetings
    kallaskander

  3. HaJue 27. September 2016 zu 09:57 #

    Hallo Philip,

    super Artikel, was mich an Glenfiddich so begeistert ist das Preis / Leistungsverhältnis….
    Guter Whisky zum fairen Preis . Ich habe heute den 12 jährigen für 22,99 € im Getränkemarkt gesehen und den 15 jährigen für 37,99 €. Das im Zeitalter von NAS und stetig steigenden Preisen ….

    Grüße

    HaJue

    • Philip Reim 27. September 2016 zu 13:50 #

      Hallo,

      ja, absolut. Da bin ich deiner Meinung. Es gibt von Glenfiddich zwar einige Malts, die mich mehr begeistern als der 12 jährige, aber das PLV ist unschlagbar.

      Gruß Philip

  4. C. Warnke 28. September 2016 zu 08:36 #

    Vielen Dank für diesen Beitrag ! Bin seit Jahren großer Glenfiddich Genießer und Sammler ! Leider war und ist es immer schwer andere Whiskygenießer von der hohen Qualität des Glenfiddich Sortiments zu überzeugen bzw. zu begeistern ! Schön das dieses „alte“ Image langsam abfällt … Habe diesen Beitrag mit Begeisterung gelesen ! Bitte weiter so …

    • Philip Reim 29. September 2016 zu 04:16 #

      Freut mich, wenns gefällt. Wir arbeiten dran. 🙂

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