Warum du die Whiskys von Nikka kennen solltest » Eye For Spirits

Werbung

Warum du die Whiskys von Nikka kennen solltest

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterEmail this to someone

nikka-barrels-jeremie-souteyrat-free-of-rights-until-sept-2019

Nikka ist eine der spannendsten Marken japanischen Whiskys, die ich kenne. Vor allem aber ist es eine, die trotz karger Bestände Europa nach wie vor mit Blends und Single Malts aus Fernost versorgt. Dabei ist Nikka keine Destillerie, es ist eine Melange verschiedener Stile.


Als ich das erste Mal von Nikka hörte, ergänzte dies meinen Wortschatz um eine weitere Destillerie japanischen Whiskys. Nicht mehr und nicht weniger. Wie bei der Konkurrenz war ich der Überzeugung, dass hier Single Malts im schottisch-japanischen Stil hergestellt werden.

Gut…oder auch Blends. Eins von beiden. Wie eben beim Gros der anderen. Ich hatte keine Vorstellung davon, wie falsch ich lag.

Es dauerte ein paar Fachbücher, ein paar Gespräche bis mir der Umfang von Nikka dämmerte. Das Ding ist keine Destillerie, kein Name einer Whisky-Marke. Es ist ein Konglomerat verschiedener Brennereien, dessen Steckenpferd jenes Getreidedestillat ist.

Aber wenn du möchtest, liefern sie dir auch Brandy, Cider, Wein oder Shochu. Alles aus jeweils einer eigenen Destillerie. Sogar Scotch kann Nikka liefern, denn die schottische Malt Distillery Ben Nevis ist Teil des Konzerns.

Während die Obst- und Reisprodukte Nikkas in erster Linie für den asiatischen Markt produziert werden, stellt das Unternehmen uns ihr Portfolio an Whiskys ins Regal. Ein Portfolio von 12 Whiskys.

Gut, das haben auch schon andere Marken geschafft. Viele Scotch-Unternehmen überbieten dies. Mir ist bisher jedoch noch kein Whisky-Unternehmen begegnet, dass in nur 12 Whiskys, eine derartige Bandbreite an Stilen abdeckt.

nikkawhisky

Von Blended Whiskys, über Blended Malts hin zur Taketsuru-Range, bestehend aus Yoichi und Miyagikyo Single Malts. Nikka ist für mich eine Art eierlegende Wollmilchsau. Es kann alles, es macht alles. Aber anders als beim Fastfood-Laden um die Ecke, der Döner, Pizza und Asiatisch anbietet, nichts davon aber schmeckt, arbeitet Nikka auf hohem Niveau.

Wirf zum Beispiel einen Blick auf Nikkas Blended Whisky-Reihe. Vor allem im Scotch-Bereich belächeln wir Blended Whiskys gerne. Sehen in ihnen den günstigen Single Malt-Ableger für den Massenkonsum.

Aus japanischer Sicht haben Blended Whiskys jedoch einen anderen Stellenwert. Der Blick ist weniger arrogant als der unsere. Vor allem aufgrund seines leichteren, grazileren Bouquets. Und Nikka hat diese Sparte perfektioniert. Zumindest sahen dies diverse Jurys in den letzten Jahrzehnten so, als sie Nikkas Blended Whiskys zu den besten der Welt zählten.

Von diesem Portfolio schafft Nikka 5 verschiedene Qualitäten nach Europa:

  • From the barrel
  • Super Nikka Classic
  • Blended
  • Super Nikka Revival
  • 12 Jahre

Neben der Luxus-Variante, dem Nikka 12 Jahre, spielt vor allem die Fassstärke-Qualität, From the barrel, ganz vorne mit. Zumindest in Europa, denn dort ist es der Nikka Whisky schlechthin. Zum einen aufgrund seines Preises, vor allem aber aufgrund seines Erfolgs in der europäischen Bar-Szene.

nikka-from-the-barrel-a

OHNE SCHOTTLAND KEIN NIKKA WHISKY

Stelle dir die weltweite Whisky-Industrie als Familie vor. Dann ist japanischer Whisky ein Kind des Scotchs. Das Wunderkind. Das Kind, bei dem die Eltern schon immer der Meinung waren: „Der wird mal was ganz Besonderes“.

Und letztendlich war es das auch. Nicht nur, weil japanischer Whisky in den vergangenen Jahren den ein oder anderen dubiosen Preis zum „besten Whisky der Welt“ absahnte, sondern weil es ein eigener Stil ist.

Der japanische Whisky-Stil basiert unverkennbar auf dem schottischen. Die Parallelen könnten eindeutiger nicht sein. Aber dennoch schaffen es japanische Destillerien ihre eigene Linie zu fahren, einen komplexen Whisky auf grazilen Noten aufzubauen.

Und den Startschuss für diese Entwicklung gab ein Mann: Masataka Taketsuru. 1936 gründete der Japaner die Yoichi-Destillerie, eine der 2 Malt Brennereien Nikkas.

masataka-taketsuru-tasting

Masataka Taketsuru

Wenn ich dies so schreibe, klingt der Werdegang recht simpel. Konzession geholt, Brennblasen angeworfen, ab die Post. Anders als viele Destillerien der Neuzeit, aus welchen Branchen auch immer, sammelte Taketsuru aber im Vorfeld Erfahrung. Nicht erst Kredite und Kapitalgeber, sondern Erfahrung.

1918 entsandt die Firma Settsu-Shuzo in Osaka Taketsuru nach Schottland. An Yoichi oder gar Nikka Whiskys dachte damals noch niemand. Taketsurus Aufgabe bestand darin innerhalb weniger Jahre die Destilliertechnik schottischer Malt Brennereien zu erlernen.

Sein Auftraggeber wollte an vorderster Front mitspielen, wenn sich das japanische Volk peu à peu der westlichen Kultur öffnet. Settsu-Shuzo wollten die ersten sein, die dann mit einer Pulle Scotch aus Japan bereit stehen.

Dummerweise verwarf das Unternehmen den Plan wieder. Taketsuru stand da. Hatte theoretisches Wissen aus der Glasgow University und praktische Erfahrung aus der Hazelburn Distillery, interessiert hat das aber keinen mehr.

Dass der Trend hin zu westlichem Lifestyle aber im Japan des frühen 20. Jahrhunderts mehr und mehr um sich griff, brachte andere Unternehmen auf den Plan. Unternehmen, die Taketsuru die Möglichkeit gaben, sein Know-How über schottischen Whisky in die Tat umzusetzen. Vor Ort.

Der Schuss ging allerdings nach hinten los. Der Whisky zu schwer, der Japaner uninteressiert. Erst als man sich mit Whiskys leichteren Aromas an den Gaumen der Kunden annäherte, wurde japanischer Whisky ein heißes Thema.

Kurz vor Ablauf seines 10 Jahres-Vertrags nutzte Taketsuru die Gunst der Stunde. Seinem Arbeitgeber durfte seine Entscheidung allerdings nicht gefallen haben. Statt einer Vertragsverlängerung zog Taketsuru nach Hokkaido und gründete seine eigene Destillerie: Yoichi, der Grundstein der Nikka Whiskys.

Mit einer Begründung, die wenig Alternativen zuließ: Das Klima jener nordjapanischen Insel kommt laut Taketsuru näher an das schottische ran als irgendwo sonst in Japan. 1936 floss der erste New Make aus den Brennblasen von Yoichi.

map-of-japan

  • Yoichi Destillerie

Das Jahr 1934. In Deutschland regiert seit einem Jahr die NSDAP, in den USA erscheint die Comicserie Flash Gordon und in Japan: da gründet Masataka Taketsuru die Yoichi Distillery.

Damals besaß diese lediglich eine Pot Still. Eine Brennblase, die gleichzeitig als wash und spirit still verwendet wurde. Heutzutage laufen dort 6 Brennblasen. Kohle beheizt.

1984 brachte die Destillerie ihren ersten Single Malt in den Handel. Einen 12-jährigen pünktlich zum ersten inländischen Whisky-Boom Japans. Der Single Malt erschien damals unter dem Namen Hokkaido. Der Name, den die Destillerie bei ihrer Gründung trug.

Obwohl der Destillerie-Charakter von Yoichi torfig und schwer ist, bietet das Unternehmen verschiedenste Destillate an. Man gibt sich hier flexibel. Und so ist die Destillerie darauf ausgelegt zwischen verschiedenen Torf-Stufen, Hefe-Stämmen, Getreide-Rezepturen, Fermentationszeiten, Destillationszeiten und Reifungsarten wechseln zu können. Ein Spielplatz für Whisky-Enthusiasten.

2015 ersetzte Nikka das gesamte Yoichi-Portfolio. Wobei….“ersetzen“ ist hier vielleicht etwas zu großzügig ausgedrückt. Wenn ich stattdessen „schrumpfen“ verwende, passt dies besser. Denn ein No-Age-Statement und 4 Whisky mit Altersangabe machten damals Platz für eine einzelne Qualität. Ein No-Age-Statement, dessen Bouquet ähnlich dem des alten 10-jährigen ist.

YOICHI // TYPISCHE AROMEN

nikkamiyay

  • Miyagikyo Destillerie

Taketsuru ließ sich für seine zweite Destillerie Zeit. Viel Zeit. Zwischen der Gründung von Yoichi und Miyagikyo lagen am Ende 35 Jahre. Als diese 1969 errichtet wurde, trug sie noch den Namen Sendai. Erst 2001 bekam sie ihren heutigen Namen.

Miyagikyo unterhält 8 Pot Stills, die, anders als bei Yoichi, auf leichten, grazilen Malt Whisky ausgelegt sind. Auf dem Campus der Destillerie laufen zusätzlich 2 Coffey Stills, die das Unternehmen aus Schottland importierte. 2 Brennblasen, die Nikka für ihren Coffey Grain und Coffey Malt-Whisky verwendet.

Wie auch bei Yoichi krempelte Nikka 2015 das gesamte Single Malt Portfolio um. Aufgrund von fehlendem Bestand alter Whiskys verkleinerte das Unternehmen ihr Portfolio auf lediglich eine Qualität: den Miyagikyo NAS.

MIYAGIKYO // TYPISCHE AROMEN

nikkamiyag

NIKKAS AUFTRITT IN DER BARWELT EUROPAS

Dass Nikka Whiskys in der Bar funktionieren, beweist der From the barrel. Eine Qualität, die in Europa deutlich mehr Umsatz macht als in seinem Heimatland. Die Bar ist für diese Marke folglich ein Katalysator mit Potential. Er will bedient werden, er soll bedient werden.

Um also Öl in die lodernde Glut zu gießen, holte sich Nikka und dessen deutscher Importeur BORCO Mario Kappes an Bord. Als Ex-Barchef des Le Lion in Hamburg hat dieser die „Schlüssel“ zu diversen Top-Bars in Deutschland.

Markenbotschafter alleine reichen Nikka jedoch noch nicht. Zumindest nicht auf ihrer Mission ins Rückbüffet deutscher Gastronomiebetriebe. 2010 gründete Nikka daher den Perfect Serve Wettbewerb.

Anders als beim Wettstreit einiger anderer Spirituosen-Unternehmen gilt der Perfect Serve nur für hauptberufliche Bartender. Gefördert werden soll nicht die Show, nicht das Entertainment um einen einzelnen Drink, sondern die Profession.

Bartender aus Österreich und Deutschland können sich hierfür auf der Website von Nikkas Perfect Serve bis zum 16.10.16 anmelden.


 

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Dann erhalte alle zukünftigen Artikel von Eye for Spirits. Kostenfrei. Bequem in dein Postfach.

3 Kommentare für Warum du die Whiskys von Nikka kennen solltest

  1. 1968superingo 4. Oktober 2016 zu 09:19 #

    Nikka produziert(e) ein paar wirklich schöne Whiskys. Besonders die Coffey-Malts finde ich sehr spannend. Die „neuen“ Regeln in Schottlands lassen solche Whiskys dort ja nicht mehr zu (wäre dann ein Grain-Whisky und kein Malt mehr). Leider sind die meisten Abfüllungen von Nikka inzwischen so hochpreisig, dass sich der Durchschnittsverdiener diese nicht mehr leisten kann.

  2. kallaskander 4. Oktober 2016 zu 13:09 #

    Hi there,

    falls dir der mal über den Weg läuft….

    http://www.lochlomondwhiskies.com/whisky/single-grain/

    Das ist ein verbotener Coffey malt aus Schottland.

    Greetings
    kallaskander

  3. Chris Herbst 6. Oktober 2016 zu 12:05 #

    Schön, dass mal jemand mal die die profunde Qualität der Nikka Whisky herausstellt.

    Das Spektrum in Japan ist soger noch größer, es gibt Blends die nur für eine spezielle Region hergestellt werden – z.B. „Date“,“Fukuoka“ und „Hakata“ und in den beiden Maltdestelliren kann man sogr jeweils 3 Key Malts erwerben, die eigentlich nur für die Belenproduktion bestimmt sind und mit etwas Glück auch Single Cask Abfüllungen die sonst nicht auf dem Markt sind.
    In unserer Whiskybar im Sushi + Soul können wir derzeit über 70 verschiedene Nikka Whisky ausschenken.

    Kampai!

Schreibe einen Kommentar