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8 Scotch Whisky-Begriffe, die jeder kennen sollte

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Eine der größten Hürden für Whisky-Einsteiger ist das Vokabular. Was ist das da für eine Frucht? Darf ich Kirsche überhaupt sagen, oder passt das gar nicht? Fragen, die am Anfang unlösbar scheinen, Antworten, die aber auch Whisky-Enthusiasten nicht immer parat haben. Aber sollten.


Das Label einer Whisky-Flasche ist toll anzusehen. Hat meist was nostalgisches. So ein Glenfiddich- oder Laphroaig-Label vermittelt mir immer, gleich etwas historisches zu trinken. Zum einen sieht es schick aus, zum anderen helfen uns die dortigen Angaben mehr über den Inhalt zu erfahren.

Reiß es mal ab. Oder weniger dramatisch: Fülle den Whisky ins Glas und stelle die Flasche beiseite. Was bleibt, ist das Destillat. Eine bräunliche Flüssigkeit. Vor dir steht nun ein Whisky, den du…

a) …genießt,
b) …noch abwägen musst,
c) …überhaupt nicht ausstehen kannst.

Da das Bouquet von Whisky nicht offensichtlich ist – wie Apfelsaft, der immer nach Apfel schmeckt – verlassen wir uns auf eine Handvoll Begriffe. Vokabeln, die ausdrücken, was wir riechen, was wir schmecken, was wir fühlen.

Diese Begriffe werden sowohl von durchschnittlichen Whisky-Trinkern als auch Jury-Experten verwendet. Es ist eine Art gemeinsame Sprache, um beim Thema „Whisky“ zu kommunizieren, um zu verstehen, was der Gegenüber sagen möchte.

Egal, ob du in einer Bar sitzt oder an der Händlertheke, die Tatsache, dass du einen tollen Whisky bekommst, hängt von deiner Wortwahl ab.

Diese 7 Begriffe solltest du als Whisky-Trinker daher parat haben:

1. BOUQUET

Bouquet ist das wichtigste Wort, um Spirituosen zu beschreiben. Zum Beispiel Whisky. Denn was uns an diesem so begeistert, sind in erster Linie seine Aromen. Riecht es nach Kaffee, Vanille oder Karamell? Hat es einen Hauch Kirsche, Apfel oder geröstete Banane? All dies sind Aromen, einzelne Aromen.

Packst du nun alle diese Aromen in einen Sack, kannst du darauf „Bouquet“ schreiben. Denn letztlich ist dieses nichts anderes als die Summe aller Aromen in einem Whisky.

Üblicherweise sprechen wir nur im Zusammenhang mit der Nase von „Bouquet“. Aromen treten allerdings bei jedem Verkostungsschritt auf. In der Nase, im Mund, am Gaumen.

2. PHENOLE

Phenole. Das Schlagwort, wenn du von Whiskys einer bestimmten schottischen Region sprechen möchtest: Islay. Torfig, rauchiges Bouquet, das an Lagerfeuer, Teer und Seeluft erinnert.

Für diese Aromen sorgen in erster Linie Moleküle aus der Gruppe der Phenole. Substanzen, die in nennenswerte Menge durch einen Herstellungsschritt in den Whisky gelangen: das Trocknen. Sobald Destillerie oder Mälzerei das Malz trocknet, kann sie in speziellen Öfen, Torfballen hinzugeben.

Dadurch entstehen schwere, dicke Rauchschwaden, die das Getreide umhüllen. Die Phenole, die dabei aufsteigen, bleiben an der Hülle der Gerste hängen und sorgen dadurch für ein rauchiges Bouquet im Whisky.

Damit Phenole in ausreichender Menge haften bleiben, muss das Malz eine gewisse Feuchtigkeit besitzen. 15 bis 30 Prozent sind optimal.

Einige Destillerien geben für einzelne Whiskys die Menge der Phenole an. Diese findest du auf dem Flaschenlabel oder in der Produktbeschreibung mit dem Zusatz „ppm“. Diese Phenole werden in parts per million, kurz ppm, angegeben.

Allerdings gibt die Destillerie stets nur die Phenol-Konzentration an der Gerste an, niemals die, die am Ende in deinem Glas landet. So bleibt allein im Rohbrand, der aus den Brennblasen tropft, nur noch einen Phenol-Gehalt von 30 bis 50 %. Reift der Whisky schließlich noch einige Jahre, werden es noch weniger.

Andere Phenole bzw. Phenol-Derivate können in einem Whisky auch für fruchtige oder blumige Nuancen sorgen. Hörst oder liest du jedoch „Phenole“ im Zusammenhang mit Whisky, bezieht sich dies immer auf ein rauchiges, meist torfiges Bouquet.

Destillerien, bei denen häufig der Begriff „Phenole“ fällt, sind:

Ardbeg, Laphroaig, Lagavulin, Bowmore, Kilchoman, Caol Ila, Bruichladdich

3. TANNINE

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Sagen wir den Begriff „Tannine“, verwenden wir eine Adaption des französischen Begriffs für „Gerbstoffe“. Chemische Verbindungen, die der Whisky nur durch das Holzfass bekommen kann. Kein anderer Herstellungsschritt liefert ihm diese.

Du erkennst Tannine im Whisky an einem staubigen Mundgefühl. Viele Spirituosen-Trinker machen an dieser Stelle den Fehler und verwechseln „staubig“ mit „trocken“. Dies ist allerdings falsch, denn ein Whisky muss nicht trocken sein, um „staubig“ oder „pelzig“ zu sein.

Tannine erzeugen im hinteren Bereich deiner Zunge ein Gefühl, bei dem es den Anschein hat, Mundschleimhaut und Zunge ziehen sich zusammen. In den meisten Fällen ist dies gewollt und durchaus positiv für den Geschmack und das Mundgefühl des Whiskys. Es kann im Übermaß aber zu einem gravierenden Whisky-Fehler führen.

Suchst du nun gezielt nach Whiskys mit hohem Tannin-Gehalt, dann halte dich an bestimmte Fässer. Fässer aus europäischer Eiche wie Quercus petraea und Quercus robur sind rund 10-fach reicher an Tanninen als die Weißeiche-Fässer aus Nordamerika.

4. KÖRPER

Den Körper eines Whiskys unterscheidet man in leicht, medium/mittel und schwer. Der Begriff bezieht sich auf das Gewicht des Whiskys, das du auf deiner Zunge und deinem Gaumen spürst. Dieses ist subjektiv und hat nichts mit dem tatsächlichen Gewicht jenes Schluckes auf einer Waage gemeinsam.

Ob du nun einem Whisky einen leichten oder schweren Körper zuschreibst, hängt von mehreren Faktoren ab. So tendieren wir dazu, Whiskys mit niedrigem Alkoholgehalt (~ 40%Vol.) als medium oder gar schwer zu bezeichnen. Whiskys in diesem Alkoholbereich wirken häufig öliger und geben uns den Eindruck er wäre schwer. Auch Destillate, die wir als süß bezeichnen, wirken auf uns voller und schwerer.

Der Begriff „Körper“ bezieht sich nicht auf Aromen, sondern auf das Mundgefühl. Dieses ist aber essentiell, wenn du herausfinden möchtest, ob dir dieser oder jener Whisky schmeckt. Die 3 Begriffe können dir dabei helfen.

5. FRUCHTIG

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Ich habe es nicht gezählt, würde aber darauf wetten. Früchte werden in Verkostungen am häufigsten genannt. Es gibt kaum Whiskys, bei denen im Bouquet nicht mindestens eine Frucht auftritt.

Dies liegt vor allem daran, dass der Whisky während 2 Herstellungsschritten mit jenen Aromen versorgt wird: der Gärung und der Fassreifung. Egal, ob Fruchtester während der Gärung oder Holz-Extrakte während der Lagerung, Moleküle mit Fruchtaromen hat jeder Whisky zuhauf. Die Frage ist nur, ob du sie erkennst.

Beim Riechen hast du die Möglichkeit die meisten fruchtigen Aromen zu erkennen. Einzelne Noten können dir dabei Rückschlüsse auf die Dauer der Gärung und sogar die Art des Holzfasses geben.

Zudem lassen sich einzelne Whiskys durch ihr fruchtiges Bouquet konkreten Regionen Schottlands zuordnen.

6. KOMPLEXITÄT

Komplexität darfst du nicht mit Mundgefühl verwechseln. Ebenso wenig mit „Körper“. Dies sind 2 Paar Stiefel. Mundgefühl und Körper hat mit Aromen nichts zu tun. Komplexität ist das Gegenteil. Es beschreibt die verschiedenen Schichten an Aromen.

Hat dein Whisky nur ein paar dominante Holz- und Vanille-Noten? Wenn die aus dem Glas sind, folgt dann nur gähnende Leere? Das wäre ein Beispiel für einen Whisky mit geringer Komplexität. Ein Tropfen, bei dem ein paar Aromen hervorstechen, du aber schnell das Gefühl hast, du bist hier fertig.

Bei einem komplexen Whiskys hast du verschiedene Schichten an Aromen: dominante, dezente und grazile Noten.

Stelle es dir so vor:

Whisky mit wenig Komplexität: Du öffnest eine bereits halb offene Tür. Du gehst hindurch.

Whisky mit viel Komplexität: Du gehst ebenfalls durch eine halb offene Tür. Dahinter folgt allerdings gleich eine weitere, die du aufschließen musst. Hinter dieser folgt eine Tür mit Pincode. Du weißt, worauf ich hinaus will?

Komplexe Whiskys zwingen dich, dran zu bleiben, da du ansonsten etwas verpassen könntest.

7. TYPIZITÄT

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Typizität beschreibt, inwieweit ein Whisky so schmeckt, wie wir es von der Region, aus der er stammt, erwarten. Ein Beispiel erklärt dies etwas einfacher: Nimm einen Whisky von Glenrothes, einer Destillerie aus der schottischen Speyside.

Entspricht das, was du schmeckst, dem durchschnittlichen Geschmack der Speyside? Schmeckst du gerade in diesem Moment Aromen, die beim Großteil anderer Speyside Whiskys auch auftreten? Wenn ja, dann hat dieser Glenrothes eine hohe Typizität, wenn nein, dann nicht.

Um dies zu beurteilen, solltest du mehrere Dutzend bis Hunderte Whiskys aus dieser Region probiert haben. Das wäre der Optimalfall. Falls nicht, bediene dich einfach beim Wissen der Experten. Zum Beispiel Verkostungsnotizen, wie jene in Dave Brooms Whisky-Atlas.

Der Weg über die Typizität ist aus meiner Sicht der spannendste Weg, die Whisky-Welt zu erkunden.

Klassische schottische Whisky-Regionen sind:

Speyside, Islay, andere Inseln, Campbeltown, Lowlands, Highlands

8. NACHKLANG

Heruntergeschluckt und weg damit. Sobald die Flüssigkeit verschwunden ist, ist die Verkostung noch nicht beendet. Bei vielen Whiskys geht erst hier richtig die Post ab. Wie ist das Mundgefühl? Brennt er?

Neben den Eigenschaften des Alkohols hinterlässt jeder Whisky einen Eindruck in deinem Mund. Diesen kannst du entweder als süß, trocken, herb, rauchig etc. beschreiben. Sehr häufig hinterlassen Whiskys hier aber auch noch Aromen. Aromen, die du deutlich erkennen kannst und die einen 9er zu einem 10er Whisky machen können.


Bildquelle:
Fass: © UMB-O – Fotolia.de
Blaubeeren: „Blueberries“ (CC BY 2.0) by www.metaphoricalplatypus.com
Landschaft: „Sun setting on the Spey“ (CC BY-ND 2.0) by Nick_Rowland

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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