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Havana Club Rum: Unbekannte Details über Geschichte und Abfüllungen

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Wer kennt den Namen Havana Club nicht? Eine Weltmarke, spätestens seit dem Joint Venture mit Pernod Ricard aus dem Jahr 1993 und dem seither andauernden Rechtsstreit mit Bacardi, bekannt. Aber was steckt dahinter und vor allem: Wie begann alles?


Gastbeitrag von Christopher Barfuß, Havana Club-Historiker und -Sammler

Ich hatte so viele Fragen zur Geschichte von Havana Club. So viele ungeklärte Details als ich mich mit den ersten Sammlerstücken meiner neuen Leidenschaft befasste. Havana Club Rumflaschen aus den Zeiten vor und nach der Revolution.

Vor rund 2,5 Jahren fing ich an, mich mit dem Thema Havana Club Rum und der dazugehörigen Geschichte zu befassen. Geprägt durch zwei Urlaube auf Kuba im Jahr 2008 dauerte es nicht lange bis ich automatisch auch auf Havana Club kam.

Das Land Kuba, die Geschichte, die Politik und der Rum in Kombination machte alles noch interessanter. Kurze Zeit später konnte ich erste Kontakte mit gleichgesinnten Havana Club-Sammlern knüpfen. Dadurch erwarb ich einige seltene Exemplare. Anfangs oft ein wenig grün hinter den Ohren wurde auch mal Lehrgeld gezahlt, aber das gehört wohl dazu, wenn man irgendwo “neu” einsteigt.

Als es darum ging die Geschichte zu den einzelnen Flaschen in Erfahrung zu bringen, merkte ich, dass es wenige oder teilweise gar keine Informationen zur Historie der einzelnen Flaschen und der Marke gab.

Neugierig verbrachte ich Stunden im Internet und recherchierte Details und Informationen zu jeder einzelnen meiner erworbenen Flaschen. Am Ende kam immer dasselbe heraus: José Arechabala, Destillerie gegründet 1878, Havana Club seit 1935 und so weiter. Nicht mehr und nicht weniger…

Nach einem Sportunfall im August letzten Jahres befasste ich mich noch intensiver und versuchte Kontakt zu Angehörigen der Gründerfamilie aufzunehmen. Ein erworbenes Buch aus dem Jahr 1953, das zum 75-jährigen Jubiläum der Firma herausgebracht wurde, musste ich mir von Freunden aus Puerto Rico (Ja, die Heimat von Bacardi) ins Englische übersetzen lassen.

Im Anschluss schrieb ich all diese Informationen zu einer schlüssigen und zeitlichen Reihenfolge zusammen.

HAVANA CLUB HING AM TROPF DER SOWJETUNION

Fidel Castro (r.) und Che Guevara (li.) beim Hochseeangeln. Jahr unbekannt.

Fidel Castro (li.) und Che Guevara (r.) beim Hochseeangeln. Jahr unbekannt.

Während meiner Niederschrift wuchs der Respekt und die Verwunderung zur Geschichte ins Unermessliche. Der spätere Gründer, José Arechabala, wanderte 1863 im Alter von 15 Jahren von Spanien nach Kuba aus.

Angekommen, schlug er sich mit Gelegenheitsjobs durch, ehe er 1878 in Cárdenas seine erste Destillerie eröffnete. Auf allen Havana Club Flaschen bezieht sich das Unternehmen noch heute auf dieses Jahr. Was so jedoch nicht ganz richtig ist. Firmengründer Arechabala produzierte zu Lebzeiten nie Rum unter der Marke Havana Club.

Firmengründer Arechabala produzierte zu Lebzeiten nie Rum unter der Marke Havana Club.

Das Familienunternehmen gab sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit gönnerhaft und spendabel. Vor allem regional, was sie letztlich zum Sinnbild einer ganzen Wirtschaftsregion machte.

Aus ihrer ökonomischen Stellung heraus kümmerten sich José und sein Großneffe Josechu, späterer Geschäftsführer, zudem um soziale Belange. Gerade Josechu der junge Präsident der Arechabala S.A. stelle farbige Mitarbeiter auf die gleiche soziale Stufe wie weiße. Für damalige Verhältnisse sehr unüblich.

Ging die Arechabala S.A. erst 1921 aus mehreren lokal zusammengeschlossenen Betrieben hervor, dauerte es gerade mal 2 Jahre, bis das Unternehmen einen weiteren Meilenstein hinlegte.

Nach dem Tod des Gründers im Jahr 1923 formte Josechu die Firma Ende zu einer internationalen Marke. Zur Zeit der amerikanischen Prohibition wuchs die Arechabala S.A. immer weiter an. Der Hafen wurde auf Firmenkosten ausgebaut und alle Mitbewohner der Stadt Cárdenas profitierten vom Aufschwung. War das Unternehmen immerhin der größte Arbeitgeber im Umkreis des heutigen Matanzas.

Als Havana Club seinen ersten Rum in den Handel brachte, war die Archebala S.A. seit Jahren schon dick im Geschäft. Nur eben nicht bei Rum. Hauptsächlich erwirtschaftete sie ihr Geld mit Zucker, Industrieölen, Benzin, Süßigkeiten und auch Rumlikören.

Was viele nicht wissen, ist die Tatsache, dass Havana Club in den 30er, 40er und 50er Jahren nur eine von vielen Rum-Sorten auf Kuba war.

Heutzutage kennt man Cárdenas, weil es in der Region Matanzas liegt, zu der auch Varadero, die berühmte Touristenhochburg gehört. Auf Varadero, wo heute ein Hotel nach dem anderen steht, gab es auch ein großes Familienanwesen, das nach der Revolution irgendwann abgerissen wurde.

Die Revolution war zum Jahreswechsel 1959/60 im vollen Gange und es traf auch die Arechabala S.A.. Während ein Großteil der führenden Personen über die Weihnachtsfeiertage im Ausland weilte, übernahm eine Spezialeinheit der Regierung Kubas die Geschäfte.

Cubaexport wurde gegründet und verwaltete alle Geschäfte des Landes. Was in den Jahren nach der Revolution innerhalb des Unternehmens geschah, ist relativ unbekannt und gibt viel Platz für Spekulationen. Interna gibt es kaum.

Fest steht jedoch, dass das Kerngeschäfte ab Anfang der 60er nur noch im Spirituosenhandel stattfand. Havana Club wurde das neue Flaggschiff der Firma. Um 1966 wurde das heutige Logo entworfen und man trennte sich komplett vom vorherigen. Auch der Familienname wurde als Teil der Firmenbezeichnung gestrichen.

Cárdenas, die Heimatstadt des Havana Club Rum, ist heutzutage nur noch eine unbedeutende Kleinstadt. Der Umzug der Destillerie Mitte der 70er brachte ihr den wirtschaftlichen Niedergang.  Heute sitzen die Destillerien in Santa Cruz del Norte und San José.

Nach den Enteignungen lebten nur noch wenige Angehörige der Gründerfamilie auf Kuba. Die meisten sind über Spanien nach Florida und New York ins Exil ausgewandert. Manch andere sind von ihrem Weihnachtsurlaub 1959 aus dem Ausland erst gar nicht zurückgekehrt.

Bis zu den 1990ern gingen 70 Prozent der Rumexporte in die Staaten der ehemaligen UDSSR.

Bis zu den 1990ern gingen 70 Prozent der Rumexporte in die Staaten der ehemaligen UDSSR. Aufgrund des Embargos der USA dürfen bis heute keine Produkte in die USA verkauft werden. Folglich profitiert Havana Club enorm von der derzeitigen Annäherung beider Staaten und der Liberalisierung der Handelsblockade.

Nach wie vor ist es aber eine große wirtschaftliche Einschränkung, wenn man bedenkt, dass in den USA mehr Rum konsumiert wird, als in allen restlichen Ländern der Welt zusammen.

Als die UDSSR zusammenbrach, ging es mit der kubanischen Wirtschaft rapide bergab, weil die Subventionen aus dem Osten fehlten. Vor allem aber brach dadurch die Anzahl an Abnehmern ab. Exporte stürzten ins Bodenlose.

Da kam die französische Firma Pernod Ricard ins Spiel und man einigte sich auf ein Joint Venture. Von 1993 bis in die 2010er gab es jedes Jahr Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich.

Während dieser Zeit erwarb Bacardi, Havana Clubs größter Konkurrent, die Markenrechte der im Exil lebenden Arechabala Familie. Dadurch war es Bacardi möglich 2016 bereits zum zweiten Mal einen Rum unter der Bezeichnung „Havana Club“ in den US-Handel zu bringen.

Es gibt einen immer noch nicht geklärten Rechtsstreit um die Markenrechte. Die Fronten sind stark verhärtet. Während sich Havana Club Kuba darauf bezieht, dass die Markenrechte der Familie Mitte der 1970er nicht verlängert wurden, bezieht sich Bacardi auf illegale Enteignung und den Erwerb der Rechte Anfang der 90er. Eine schnelle Einigung ist nicht in Sicht.

VIELE HAVANA CLUB RARITÄTEN GELANGEN NIE IN DEN HANDEL

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Aufgrund dieser durchaus einzigartigen Geschichte haben einige Flaschen von Havana Club Kultstatus bekommen. Hohe Sammlerwerte sind keine Seltenheit.

Gerade Flaschen aus der Zeit vor der Revolution werden mittlerweile zu exorbitanten Preisen gehandelt. Eine nette Rendite, wenn man bedenkt, dass diese damals nicht mehr als umgerechnet 7 bis 8 US-Dollar kosteten.

Havana Club-Flaschen können aber auch aufgrund ihrer geringen Anzahl von Abfüllungen eine hohe Beliebtheit erlangen. Das beste Beispiel hierzu sind der Reserva II Fase V mit 440 Abfüllungen im Jahr 1999 und der Especial Krug mit nur 130 Abfüllungen.

Letzteren gab es zur Einführung der damals neuen Sorte “Especial” im Jahr 2003. Keine einzige Flasche dieser beiden Serien ging in den offiziellen Verkauf.

Der 3 Años ist sicherlich einer der beliebtesten Cocktal-Rums und gehört weltweit zu den meistverkauftesten. Aber gerade in den letzten Jahren stellte man verstärkt die Produktion in den High Class-Bereichen fest.

Der Maximo ist mit rund 1.000 Euro der teuerste. 2015 und 2016 brachte Havana Club mit dem Union und dem Tributo 2 weitere Premiumabfüllungen auf dem Markt. Vom Tributo, so heisst es, gibt es jährlich eine neue Edition mit 1.600 Abfüllungen weltweit. Es ist nur eine Frage der Zeit bis auch zur Rarität wird.

Mit dem Exquisito startete Havana Club in den 90ern einen eher für die Marke untypischen Versuch. Man brachte einen Rum heraus, der aus reinem Zuckerrohrsaft produziert wurde und nicht wie sonst üblich aus Melasse. Ob es nur beim Versuch blieb, weil die Absatzzahlen zu gering waren, ist unbekannt, da diese Abfüllungen nie in den Export gingen.

Eine Flasche, die damals kaum einen Wert hatte, zählt heute zu den beliebtesten Sammlerstücken, weil sie erstens nicht mehr produziert wird und zweitens nur in einer geringen Auflage herauskam.

Geschmacklich soll sich der untypische Rum stark vom herkömmlichen unterscheiden. Getestet habe ich ihn bisher noch nicht. Je größer meine Sammlung wird, desto schwieriger wird es Flaschen zu finden, die man noch nicht besitzt. Mondpreise, die manchmal genannt werden, werden (zumindest von mir) nicht bezahlt. Trotzdem sollten beide Seiten nach einem Geschäft zufrieden sein. Mein Größter Traum wäre eine Flasche aus den 1930er/40ern. Ein Angebot dazu musste ich schweren Herzens ablehnen, weil der genannte Preis utopisch und unrealistisch hoch war.

Im Juni diesen Jahres kontaktierte mich tatsächlich ein Arechabala-Nachkomme und bat mich, eine Arechabala-Flasche für einen Familiengeburtstag zu besorgen. Ich war sehr verwundert, da ich annahm, dass diese Familie bessere Möglichkeiten hätte, eine dieser Flaschen zu besorgen als ich.

Gut, tatsächlich konnte ich nach einigen Mails und Telefonaten helfen. Als der Versand dann pünktlich zum Geburtstag nach Spanien funktionierte, wurde ich mit Dankbarkeit überschüttet. Das tat wirklich gut und gab mir nicht nur die weitere Chance Kontakt zur Gründerfamilie aufzunehmen, sondern bekräftigte meine Motivation mit meiner Sammlung weiterzumachen.

Ob Havana Club Fan, Rum Fan, oder einfach nur geschichtlich interessiert, die Geschichte zur Entstehung der Weltmarke ist für jeden zu empfehlen. Aus aromatischen als auch historischen Gründen.


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2 Kommentare für Havana Club Rum: Unbekannte Details über Geschichte und Abfüllungen

  1. Matthias 11. Oktober 2016 zu 15:24 #

    Nur eine kleine Anmerkung,

    wenn in so einem Artikel über seltene Flaschen geschrieben wird, und der Artikel ja vom Sammler geschrieben wird, der die Flaschen ja wohl hat, oder Bilder davon.

    Wieso dann nicht jeweils ein Bild der Flasche einfügen?
    Würde denn Artikel auf jeden Fall aufwerten

    • Stephan 12. Oktober 2016 zu 07:06 #

      Ja, das ist nicht ganz falsch. Allerdings findest du die Bilder auf der Internetseite auf der die ganze Geschichte abgedruckt ist.

      http://www.hc-rumsammlung.de

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