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Wie du hervorragende Whisky Tasting Notes schreibst

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„Der Whisky schmeckt wie ein Hauch Frühling, der meinen Lippen schmeichelt.“ Solche Aussagen schmeicheln vielleicht dem Ego des Verfassers, sind aber weder ihm noch anderen hilfreich. Ich möchte dir daher zeigen, wie du präzise und professionelle Tasting Notes schreibst.


Tasting Notes sind die nützlichsten Tipps vor dem Kauf einer Flasche Whisky. Sie helfen nicht nur dir, um dich zu erinnern, wie dir dieser oder jener Whisky geschmeckt hat, sondern beeinflussen Kaufentscheidungen. Vorausgesetzt, sie sind gut und präzise geschrieben.

Verkostungsnotizen steuern das Kaufverhalten von Whisky-Konsumenten. Ein Produkt, das reife Kirschen, saftige Pfirsiche und süßes Karamell in der Nase verspricht, wirkt halt einfach einladender als der Standort der Destillerie. Denn Aromen führen zu Assoziationen, der Kunde bekommt positive Gefühle, noch bevor er das Ploppen des Korkens hört.

In den vergangenen 10 Jahren sind Whisky-Destillerien daher dazu übergegangen, ihre offiziellen Verkostungsnotizen auf die Flasche zu drucken. Und auch in Literatur und Internet werden Whisky Tasting Notes gelesen, bevor eine Kaufentscheidung fällt.

Allerdings gibt es nach wie vor keinen Standard, keine Regeln für Verkostungsnotizen. Aus diesem Grund soll dir dieser Artikel helfen, nützliche und exakte Tastings Notes für Whisky zu schreiben.

Bevor du allerdings in aller Eile nach Block und Stift greifst, ist es wichtig, dass du mit den Grundlagen der Whisky-Verkostung vertraut bist. Für gute Tasting Notes ist es wichtig, dass deine Whisky-Kollegen auch alle Nuancen des Destillats kennenlernen.

Für Tipps zur richtigen Whisky-Verkostung haben wir daher einige Artikel für dich veröffentlicht:

WIE DU HERVORRAGENDE WHISKY TASTING NOTES SCHREIBST

WHISKY-AROMEN ERKENNEN UND ZUORDNEN

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Je nach Art kann ein Whisky zwischen 300 und 400 Aromen besitzen. Sie alle lassen sich einzelnen Herstellungsschritten zuordnen und treten mal dominant mal nur in Nuancen auf. All diese Aromen, egal ob direkt auf die 12 oder grazil, lassen sich diesen 4 Kategorien zuordnen:

  • Primäre Aromen: Diese Gruppe an Aromen stammt aus dem Getreide, dem Rohstoff des Whiskys. Bei US-Whiskeys kommen je nach Produkt Rezepturen mit verschiedenen Sorten in Frage. Deren aromatischer Einfluss ist in Folge größer als bei Single Malts.

Scotch Single Malt Brennereien verwenden ausschließlich gemälzte Gerste und konzentrieren sich dabei meist auf Sorten mit möglichst hohem Alkoholausstoß. Diese liefern Aromen, die an Malz oder Getreide erinnern. Wird das Malz zudem getorft, sorgt dies für rauchige, medizinische und salzige Aromen.

  • Sekundäre Aromen: Mit hoher Wahrscheinlichkeit beschreiben deine Tasting Notes mindestens eine Frucht. Falls das so ist, stehen die Chancen gut, dass dieses Aroma ein sekundäres ist; eines, das während der Fermentation entstand.

Während dieses mehrstündigen Vorgangs wandelt die Hefe verschiedene Moleküle in Alkohol als auch Aromastoffe um. Die Gruppe mit dem größten aromatischen Einfluss sind dabei die Fruchtester. Ananas, Himbeeren, Birne, die ganze Palette. Aber auch Hefe-Noten, Aromen von frisch gebackenem Brot oder Yoghurt-Nuancen stammen von hier.

  • Tertiäre Aromen: Metallisch, ölig oder schweflig. 3 möglichen Aromen, die in deinen Tasting Notes auftauchen können. Ist dies der Fall, hast du tertiäre Aromen gefunden. Zwar ensteht ein Großteil dieser Gruppe während der Fermentation, die Destillation hat jedoch entscheidenden Einfluss darauf, wie du sie im Whisky am Ende wahrnimmst. Tertiäre Aromen sind folglich jene, die während der Destillation entstehen.
  • Quartäre Aromen: Verkostest du einen Whisky, wirst du Aromen erkennen, die aus der Fasslagerung stammen. Diese quartären Aromen machen zwischen 60 und 70 Prozent des Aromas eines Whiskys aus. Sie prägen ihn mehr als jeder vorangegangene Schritt.

Auf deinen Tasting Notes stehen dann Begriffe wie Nelke, Vanille, Eiche, Kokos, Apfel, Lavendel, Rotwein, Sherry, Pfeffer, Rosinen, geröstete Cashew-Kerne und so weiter.

Wenn du im Hinterkopf den Ursprung der einzelnen Aromen hast, hilft dir dies, präzisere Tasting-Notes zu schreiben.

TIPP: Wenn du Aromen aufschreibst, beginne mit dem Offensichtlichsten. Dies hilft dir, bedeutendere Aromen hervorzuheben.

Was du zuerst erwähnst, ist entscheidend. Zum Beispiel: „Apfel und Rauch“ klingt mehr frucht-dominiert als „Rauch und Apfel“.

Hast du also einen rauchigen, torfigen Tropfen der Isle of Islay vor dir, wäre „Rauch und Apfel“ die exaktere Aussage für deine Tasting Notes.

Schreibst du ganze Artikel, wie zum Beispiel jenen, den du gerade liest, verzichte auf Adjektive. Zumindest an Stellen, wo sie nicht nötig sind. Denn meistens führen sie nur zu Redundanz. Das stiehlt deine Zeit und die deiner Leser.

Über deinen Tasting Notes darfst du sie aber gerne ausschütten. Adjektive können hier dominante von filigranen Aromen unterscheiden. Schreibst du beispielsweise „saftiger Apfel“ verursacht das ein anderes Bild im Kopf als „gebackener Apfel“.

Adjektive helfen dir folglich bei Tasting Notes, dich präziser auszudrücken. Ein hilfreiches Werkzeug, um den Nuancen eines Whiskys eine Bühne zu geben.

Und so lange du nicht im Auftrag von Glenfiddich oder Jack Daniel’s offizielle Verkostungsnotizen verfasst, scheue dich nicht davor Unsinniges aufzuschreiben. Erinnert dich das Bouquet dieses Whiskys an verbrannte Gummibärchen, dann tut er dies eben.

WIE DU TANNINE, KOMPLEXITÄT UND KÖRPER BESCHREIBST

Bildquelle: Neil Turner/FlickR

Jeder von uns, hat schon einmal eine Pfirsich gegessen, kennt deren Aromen. Erkennst du diese im Bouquet eines Whiskys, fällt es dir wahrscheinlich leicht diese auch zu benennen. Aber wie sieht es mit Gerbstoffen bzw. Tanninen, mit Komplexität oder dem Körper eines Whiskys aus?

Körper: Wenn du dich auf den Geschmack konzentrierst, dann denkst du an das Gefühl, das der Whisky in deinem Mund verursacht. Der Körper ist häufig der offensichtlichste Eindruck, den du von einem Whisky im Mund erhältst. Daher ist es wichtig, diesen auch zu beschreiben. Es hilft dir und deinen Lesern sich den Tropfen vor ihrem geistigen Auge vorzustellen.

Fühlt sich der Whisky an wie Wasser? Liegt er schwer wie Öl auf deiner Zunge? Wenn du dir nicht sicher bist, wie du es beschreiben sollst, dann achte auf das Gewicht des Whiskys. Hast du das Gefühl er liegt schwer im Mund? Schreib dies auf.

Komplexität: Kennst du die diese Spielplätze in großen Einrichtungshäusern? Diese, in denen du Kinder abgeben kannst, um in Ruhe einzukaufen? Dort läuft meistens eine Rutsche in einen Pool bunter Bälle. Ein gigantischer Haufen. So kannst du dir Komplexität bei Whisky vorstellen.

Wenn du auf diesen Ball-Haufen blickst, siehst du die dominanten Aromen. Jene, die du sofort erkennst. Springst du aber selbst hinein, schaufelst deinen Weg nach unten, wirst du mehr und mehr Aromen entdecken. Vorausgesetzt der Pool enthält viele Bälle; vorausgesetzt dein Whisky ist komplex.

Schreibe in deine Tasting Notes, ob dein Whisky nur ein paar auffällige Aromen besitzt oder ob du endlos nach neuen graben könntest.

Tannine: Whisky kann Gerbstoffe bzw. Tannine nur auf einem Weg bekommen: über das Holzfass. Es sind Abbauprodukte des „Holz-Moleküls“ Lignin. Je mehr Gerbstoffe der Whisky enthält, desto staubiger wird dein Mundgefühl. Das Extrem: Du hast das Gefühl, dein Mund zieht sich zusammen, deine Lippen saugt es nach innen. In dieser Deutlichkeit tritt dies meist nur bei Whiskys mit mehr als 20-jähriger Fasslagerung auf.

Hast du dieses Gefühl, dann sollte es in den Tasting Notes nicht fehlen.

MACHE EINEN ABGANG – ABER LANGSAM

Nur weil die Flüssigkeit deinen Mund verlassen hat, heißt dies nicht, das Tasting wäre vorbei. Das was der Whisky nun zurücklässt, ist entscheidend. Häufig kannst du durch dieses Merkmal sagen, ob es ein guter oder sehr guter Tropfen war.

Du wirst einige Sekunden brauchen, um den Abgang (besser: Nachklang) wahrzunehmen. Du erkennst ihn, sobald der Geschmack aus dem Mund verschwunden ist. Um dir die Beschreibung dieses Eindrucks zu erleichtern, kannst du dich aus 4 verschiedenen Typen bedienen. In deinen Tasting Notes sollten sie allerdings nie fehlen.

  • Der weiche Nachklang: Verlässt der Whisky den Gaumen weich, zeigt er kein alkoholisches Brennen, ist dies für viele Whisky-Fans ein Qualitätskriterium. Wow, die Brennerei schafft 46 %Vol. „weich“ zu machen.
  • Der alkoholische Nachklang: Blitzt am Ende etwas alkoholische Schärfe auf, muss dies nicht zwangsläufig negativ sein. Es kann ein Charakteristikum der Brennerei sein. Sie wollten es brachial, etwas, das mit der Faust auf den Tisch schlägt.
  • Der rauchige Nachklang: Verwendet die Destillerie getorftes Malz, erkennst du dies häufig in jeder Verkostungsstufe. Der Begriff „rauchig“ oder „torfig“ wird in deinen Tasting Notes häufiger erscheinen. So auch im Nachklang. Denn häufig ist es das Aroma, das das Licht ausmacht.
  • Der fruchtige Nachklang: Bei einigen Whiskys spielen fruchtigen Aromen im Nachklang eine entscheidende Rolle. Gelegentlich findest du einen, bei dem Pfirsich, Ananas etc. am Ende nochmal deutlich hervorsticht.

DAS WICHTIGSTE: DEINE STIMME

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Du schreibst diese Tasting Notes. Wenn ein Leser dann auch erkennt, dass sie aus deinen Fingern stammen, macht es dies nicht lächerlich, sondern authentisch. Es zeigt eine Möglichkeit, wie dieser oder jener Whisky wahrgenommen werden kann.

Da es sich hier um Sinneseindrücke handelt, ist es durchaus legitim, wenn es gelegentlich kunstvoll klingt. Dennoch: Das oberste Ziel sollte sein, dass die Tasting Notes nützlich sind.

Aus diesem Grund möchte ich dir 2 Beispiele geben. Eines für Verkostungsnotizen, die Unsinn sind, und das andere für eines, das ziemlich nah an „nützlich“ herankommt.

Beispiel #1: Schwachsinn

Der kristalline Dextrose-Zucker wird der Qualität dieses Single Malt Whiskys mehr als gerecht. Mit Aromen von Ananas, Pfirsich-Melba und Kokosblüten tanzt er Hand in Hand auf der Zungenspitze. Eine zarte Meeresbrise umweht meine Nase. Einfach wundervoll. Umrahmt wird dieses Schauspiel von einem Feuerwerk karamellisierter ätherischer Öle. Ich denke oft an diesen Whisky.

Beispiel #2: Nützlich

Getrocknete Rosinen und Pflaumen sind die beiden deutlichsten Aromen. Leder, Vanille und getrocknete Tabakblätter im Hintergrund. Der Brennerei-Charakter, das heißt, Apfel und Hefe sind in Nuancen noch erkennbar. Im Mund legt er sich weich und schwer auf die Zunge. Erinnert an die Konsistenz von Olivenöl. Im Nachklang flammt kurz der Alkohol auf, lässt aber Platz für ein Potpourri an würzigen Aromen wie Anis, Zimt und Nelke.


Bildquelle: 

Titelbild: Ivan Kruk/Fotolia

Maische: Neil Turner/FlickR

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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