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Warum wir Caipirinhas lieben…und du es auch solltest

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limette

Marilyn Monroe und Mark Twain. 2 Persönlichkeiten, die in einem Punkt einer Caipirinha recht ähnlich sind: Der Großteil der Welt kennt von allen 3 nur deren Künstlernamen, deren Pseudonyme. Und auch sonst ist das Wissen um Caipirinhas eher mau. Wir zeigen dir daher die wichtigsten Fakten, bevor du dein nächstes Glas trinkst.


Warum sollte ich etwas über Caipirinhas lernen?

Kannst du dich erinnern, wann du deine letzte Caipirinha getrunken hast? Nicht? Ich auch nicht. Wir beide bilden da aber eine Ausnahme.

Denn laut einer Statista-Umfrage gehen allein in Deutschland jedes Jahr rund 7,3 Millionen Gläser Caipirinha über den Thresen. Das sind 140.000 Gläser pro Woche. Der Limetten-Drink ist daher einer der Spitzenreiter unter den Cocktails. Jede Dorf-Kneipe bietet ihre Version der Caipirinha an, jeder Bartender hat die Rezeptur im Kopf.

Genau diese Allgegenwärtigkeit, dieser Mangel an Exklusivität ist für einige Barflys und Gastronomen ein rotes Tuch. Eine Caipirinha? Auf keinen Fall! Wir schieben diesen Drink gerne beiseite, vergessen, dass es ihn gibt. Je mehr Cocktails wir trinken, je mehr wir darüber lernen, desto uninteressanter wird die Caipirinha. 

Und verstehen kann ich es. Denn ein Großteil der oben erwähnten 7,3 Millionen Caipirinhas wird als Wirkungstrink zubereitet. Pitú Cachaça, Limette und Zucker rein. Fertig.

Verständnis über die Zutaten und deren Balance ist nicht bekannt. Manchmal sogar unerwünscht. Süß muss er sein, knallen muss er. Diese Unwissenheit fängt häufig schon beim Geschlecht an. Wer weiss schon, dass es „die“ Caipirinha ist, und nicht „der“?

Begegnest du der Zubereitung dieses Drink mit eben jener Ignoranz, dann ist der Drops gelutscht. Das Ding wird nicht mehr genießbar.

Das ist Caipirinha-Alltag.

Es geht aber auch anders. Du kannst aus ihr einen High End-Cocktail kreieren. Du musst lediglich ihre Rezeptur verstehen.


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Was du wissen solltest, bevor du deine nächste Caipirinha zubereitest

Brich einmal die Rezeptur einer Caipirinha auf das Wesentliche herunter. Du bekommst ein Trio aus Spirituose, Zitrusfrucht und Süßungsquelle: Cachaça, Limette, Zucker.

Damit hat eine Caipirinha einen analogen Aufbau wie ein Daiquiri oder eine Margarita. Aus dem Blickwinkel klassischer Cocktail-Kategorien ist es folglich nichts anderes als ein Sour

Behandle eine Caipirinha wie einen Sour

Um einen Sour zu kreieren, der dich und deine Gäste begeistert, solltest du folgendes Zahlenspiel kennen: 2 : 1 : 1. Auf 2 Teile Alkohol kommt jeweils ein Teil Zucker und Zitrussaft. Dies ist die Grundformel, die für alle Cocktails der Sour-Kategorie gilt.

Dieses Zahlenverhältnis liefert allerdings nur einen Richtwert, keine goldene Formel. Je nach Cocktail und dessen Zutaten musst du flexibel sein. 

Nimmst du beispielsweise einen Rum oder Cachaça, der bereits von Haus aus recht süß ist, reduzierst du den Zucker. Sind die Limetten das ein oder andere Mal besonders sauer, erhöhst du den Zuckergehalt.

Bei einer Caipirinha sollte der Zucker nie die Aufgabe haben, Fusel trinkbar zu machen. Du gibst diesen nur aus einem Grund hinzu: Er schafft eine geschmackliche Balance zwischen Alkohol und der Säure der Limetten.

Alles andere wäre wie ein hässliches Geschenk in eine schöne Verpackung zu stecken. Im ersten Moment freust du dich, aber erinnern, wirst du dich daran nicht.

Bei einer Caipirinha sollte der Zucker nie die Aufgabe haben, Fusel trinkbar zu machen.

Wie du den Geschmack einer Caipirinha durch Zucker verändern kannst

Der Klassiker für eine Caipirinha: Brauner Zucker. Dessen Geschmack scheint vielerorts sekundär: Er muss optisch was hermachen und zwischen den Zähnen knirschen. Absolut falsch.

Wenigen ist bewusst, dass sie den Geschmack einer Caipirinha durch den Zucker stark lenken können. Je nach dem welchen sie aus dem Regal nehmen.

Diese 8 stehen dir zur Verfügung:

caipirinha_zucker

  • Rohrzucker: Ursprünglich aus Zuckerrohr hergestellt, stammt er in Europa heute meist aus Zuckerrüben. Neben einer intensiven Süße besitzt er meist keine Aromen.
  • Demerara: Demerara-Zucker ist eine Unterart des Rohrzuckers. Ursprünglich aus der gleichnamigen Kolonie der Niederlande wird er heute hauptsächlich in Mauritius hergestellt. Durch einen Melassgehalt von 2 bis 3 Prozent besitzt er diverse Aromen, beispielsweise Süßholz.
  • Muscovado: Ähnlich wie Demerara-Zucker stammt der Muscovado aus Mauritius. Es ist ein weißer oder brauner, ungereinigter und unraffinierter Rohrzucker mit Aromen von Lakritz und Karamell.
  • Brauner Zucker: Seine Farbe erhält er durch Sirup-Reste, die an den Zuckerkristallen kleben. Dadurch kann er malziger und mehr nach Karamell schmecken.
  • Vollrohrzucker: Dies ist eine reine From des Rohrzuckers, die zu rund 90 Prozent aus Saccharose besteht.
  • Kandis: Entsteht beim langsamen Auskristallisieren einer reinen Zuckerlösung.
  • Palmzucker: Er stammt aus den Blüten der Atta- und Zuckerpalme und ist nicht so süß wie andere Arten.
  • Kokoszucker: Stammt aus dem Blütennektar der Kokospflanze.

Bei einer Caipirinha zwingt dich allerdings niemand den reinen Zucker zu nehmen. Die Alternative sind Sirups aus der eigenen Küche. Aus geschmacklicher Sicht würde ich dir auch dazu raten.

Denn bereitest du eine Caipirinha mit Zucker zu, kann es passieren – selbst wenn du shakst -, dass sich nicht alle Kristalle auflösen. Servierst du den Drink anschließend, besteht die Gefahr, dass sich dessen Geschmack nach einiger Zeit verändert. Vielleicht nicht zum Nachteil, aber eben nicht kontrollierbar

Möchtest du aus einem der oben genannten Zucker, deinen eigenen Sirup herstellen, haben wir eine Anleitung für dich geschrieben: Sirup-Sessions: Was du über Zuckersirup an der Bar wissen solltest

Warum du Limetten nicht gleich nach dem Aufschneiden verarbeiten solltest

Eine Caipirinha bekommt ihren Limettensaft anders als beispielsweise ein Daiquiri. Die Zitrusfrüchte werden hier nicht mit der Presse entsaftet, sondern der Drink bekommt gleich die ganze Frucht.

Portioniert und in kleinen Stücken wandert die Limette in Shaker oder Glas. An dieser Stelle unterläuft vielen Bartendern aber einer der gröbsten Fehler: Sie entfernen nicht den weißen Strunk bzw. Mesokarp oder Albedo.

Dieses Gewebe hat in einem Cocktail nichts verloren, liefert es letztlich nur bittere Aromen.

Für die Zubereitung einer Caipirinha schneidest du daher die beiden Enden ab, halbierst die Frucht  und entfernst anschließend den Strunk. Nun solltest du die beiden Hälften jeweils nochmal halbieren.

Drückst du aus diesen Stückchen mit dem Muddler nun den Saft, erhältst du hiervon zwischen 3 und 4 Zentiliter.

Schneidest du die Limetten in kleine Stücke und verarbeitest sie nicht umgehend, kannst du Folgendes beobachten: Der Saft wird milder und bekömmlicher. Dies liegt daran, dass der Säuregehalt aufgrund von chemischen Reaktionen mit dem Sauerstoff der Luft, abnimmt.

Limettensaft hat sein bekömmlichstes Aroma nach 4 bis 12 Stunden.

Limette

Was ist der beste Cachaça für eine Caipirinha?

Caipirinhas basieren auf Cachaça. Eine Zuckerrohr-Spirituose, die verwandt ist mit Rum. Dennoch kannst du in einer Caipirinha nicht einfach das eine durch das andere austauschen. Denn auch wenn der Rohstoff ähnlich ist, zwischen beiden Destillaten gibt es Unterschiede.

Hier ein kurzer Überblick:

  Cachaça Rum
Alkoholgehalt 38 bis 48 %Vol. mindestens 37,5 %Vol.
Fermentationsbeschleuniger Ja Nicht geregelt
Zuckerzusatz Bis zu 30 Gramm pro Liter Nicht geregelt
Rohstoff Zuckerrohrsaft Zuckerrohrsaft und Melasse
Herkunft Brasilien Weltweit

Hierzulande findest du in erster Linie Cachaças aus industrieller Produktion. Sie werden in Säulenbrennblasen aus Stahl destilliert, was zum Teil in einem flacheren, weniger komplexen Destillat resultiert. Darunter findest du durchaus passable Produkte, die Marke Pitú gehört jedoch nicht dazu.

Suchst du hingegen hochwertige Cachaças für deine Caipirinha, achte auf den Zusatz artesanal oder tradicional. Empfehlung: Magnífica Tradicional oder Cachaça Espírito de Minas.

Caipirinha ist Brasiliens National-Cocktail

Ende der 1970er importierte Deutschland nicht nur Limetten aus Brasilien, sondern auch die ersten Flaschen deren Zuckerrohrschnapses. Cachaça hatte hierzulande aber nur auf eine Weise Erfolg: als Zutat für Caipirinhas.

Das aber mit voller Wucht. Dieser Cocktail machte Deutschland zum zweitgrößten Importeur von Cachaça. Nach Paraguay.

Das Ironische: Dieser Drink ist eine deutsche Interpretation eines brasilianischen Klassikers. Die dortige Version basiert auf Eiswürfeln statt Crushed Ice und brasilianischem statt braunem Rohrzucker. Der Name: Batida de Limao.

Batida de Limao ist der ursprüngliche Name der Caipirinha.

Die Rezepte der Caipirinha: deutsch und brasilianisch

  • Caipirinha (Deutschland)

Zutaten:

  • 5 cl Cachaça
  • 1 Limette
  • 2 Barlöffel brauner Rohrzucker
  • Crushed Ice

Zubereitung: 

Schneide zunächst die Enden der Limette ab. Halbiere sie anschließend, schneide den Strunk heraus und halbiere ein weiteres Mal. Limettenstücke und Zucker ins Gästeglas geben und mit dem Muddler zerdrücken. Fülle nun das Glas zu rund einem Drittel mit Crushed Ice. Gebe den Cachaça hinzu, verrühre 3 bis 5 Mal und fülle das Glas mit Crushed Ice auf.

  • Batida de Limao (Brasilien)

Zutaten: 

  • 6 cl Cachaça
  • 1 Limette
  • 3 Barlöffel weißer Rohrzucker
  • Eiswürfel

Zubereitung:

Zucker und Limettenviertel ohne Strunk in den Shaker geben. Muddeln. Spirituose und Eiswürfel hinzu. Circa 15 Mal kräftig schütteln und ohne Abseihen in einen vorgekühlten Tumbler gießen. 

 

Die Zutatenliste einer Caipirinha ist überschaubar. Gerade dies zwingt uns bei der Zubereitung aber dazu, auf Details zu achten. Belohnt wirst du dafür mit einem Cocktail, der besser ist als sein Ruf, besser als sein Name. Du bekommst eine Batida de Limao statt einer Caipirinha, eine Norma Jean Baker statt einer Marilyn Monroe, einen Samuel Langhorne Clemens statt einem Mark Twain.

Mehr Details über andere Cocktails?
Wenn du möchtest, halten wir dich auf dem Laufenden. Was musst du dabei tun? Gar nichts. Nur zurücklehnen und lesen.


Bildquelle:

Limette: © i_arnaudov – Fotolia.de

Caipirinha – © HandmadePictures – Fotolia.de

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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Ein Kommentar für Warum wir Caipirinhas lieben…und du es auch solltest

  1. nick 22. Januar 2017 zu 13:26 #

    Super Artikel, ich habe in meiner Laufbahn schon so viele abwandlungen gesehen und kreiert das wird nie langweilig. Hättest aber noch ergänzen können das selbst die limette durch zitrone oder andere zitrusfrüchte ausgetauscht werden kann. Das es zwei gruppen gibt caipirinhas & caipifrutas und wo die unterschiede liegen.

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