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Wie du einen Martini Cocktail am besten zubereitest

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martinicocktail

15 zu 1. Einen Dry Martini im Verhältnis 15 Teile Gin zu 1 Teil Vermouth zu mixen, ist harter Tobak. Ist nicht meine Variante. Überhaupt nicht. Und dennoch gefällt mir dieses Verhältnis, dass ich es immer wieder als Beispiel verwende. Es zeigt, wie vielseitig der Martini Cocktail mit nur 2 bis 3 Zutaten ist.


Einen Martini Cocktail in der Hand zu halten, hat etwas Erhabenes. Es ist ein Drink, der sich elitär anfühlt, den Gast empor hebt.

Es ist aber auch ein Cocktail, der wie kaum ein anderer, hochwertige Zutaten verlangt. Schlechte Qualität der Basis-Spirituose zu kaschieren, ist bei einem 2-Teiler schlicht nicht möglich. Auch wenn du zu Gin und Vermouth noch Bitters hinzugibst: das ist kein Long Island Iced Tea; hier wird jede Zutat auf dem Silbertablett serviert.

Und das ist der Grund, warum ich Martini Cocktails so liebe. Sie bestehen aus 2 Kernzutaten, die separat für den Purgenuss geeignet sind. Im Martini Dry miteinander verbunden, kommen sie aromatisch allerdings erst richtig in Fahrt.

Ähnlich den Sour-Cocktails, kannst du den Martini Cocktail in 3 Komponenten gliedern:

  1. Element: Stark (Gin)
  2. Element: Verstärkter Wein (Vermouth)
  3. Element: Bitters

Wie Sours oder auch Cocktails im Old Fashioned-Stil, Martinis setzen sich aus 3 Ingredienzen zusammen. Ein Unterschied zwischen Martinis und den beiden erstgenannten ist jedoch der Verzicht auf eine Süßungsquelle.

martini

Stattdessen bekommt die Basisspirituose Gin Vermouth und Bitters an die Seite gestellt. Vermouth verleiht ihm Komplexität und Bitters dienen als Brücke zwischen den beiden Zutaten. Unser Glück, dass wir Teil einer Cocktail- und Bar-Renaissance sind, bei der über den Tellerrand geschaut wird. Bei der Martini Cocktails nicht lediglich aus Gin und Vermouth besteht.

Gerade diese intensive Auseinandersetzung mit einem Drink und seinen Zutaten, setzt eines voraus: Du musst genau abmessen, die Ingredienzen bewusst auswählen und wissen, wie diese zusammen passen.

An einem Beispiel kann ich dies deutlicher ausdrücken: Zur Zubereitung eines Martini Cocktails hast du Gin A, Vermouth B und Bitters C. Hier hast du ein Verhältnis gefunden, das harmonisiert, das dir gefällt.

Tauschst du den Vermouth jedoch aus, hast also Gin A, Vermouth X und Bitters C. Wirst du ein neues Verhältnis suchen müssen. Das Aromenprofil des neuen Vermouths macht es notwendig, dass du Gin und Bitters neu bemisst.

Um ein Verständnis für die richtige Balance der 3 Zutaten zu bekommen, hilft dir folgende Übung.

Zu viel Alkohol: Martini Cocktail #1

  • 6 cl Dry Gin
  • 1 cl Vermouth
  • 2 Dashes Orange Bitters

Alle Zutaten auf Eiswürfel im Rührglas verrühren. Anschließend in ein vorgekühltes Martini-Glas abseihen. Mit Olive garnieren.

Keine Verbindung: Martini Cocktail #2

  • 6 cl Dry Gin
  • 2,5 cl Vermouth

Alle Zutaten auf Eiswürfel im Rührglas verrühren. Anschließend in ein vorgekühltes Martini-Glas abseihen.

Gute Balance: Martini Cocktail #3

  • 6 cl Dry Gin
  • 2,5 cl Vermouth
  • 2 Dashes Angostura Bitters

Alle Zutaten auf Eiswürfel im Rührglas verrühren. Anschließend in ein vorgekühltes Martini-Glas abseihen.

Sobald du einmal verstanden hast, wie die einzelnen Zutaten in einem Martini Cocktail miteinander harmonieren, ist es ein Leichtes, Produkte anderer Marken einzubringen. Auch Eigenkreationen, in denen die Zutaten Balance haben, werden dir einfacher fallen.


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Bereite den Martini Cocktail zu, wie du möchtest. Die Geschichte gibt dir Recht.

Martini Cocktail: Fill the glass up with ice; 2 or 3 dashes of gum syrup; 2 or 3 dashes of bitters; 1 dash of curacao or absinthe, 1/2 wine glass of Old Tom Gin, 1/2 wine glass of vermouth; […] put in a cherry oder medium-size olive. […] and squeeze a lemon peel on top.

– Harry Johnson, Bartender’s Manual 1882

Zu deutsch: Martini Cocktail: Fülle das Rührglas mit Eis; 2 oder 3 Spritzer Zuckersirup (Gummi arabicum), 2 oder 3 Spritzer Bitters; 1 Spritzer Curacao oder Absinthe, 6 cl Old Tom Gin; 6 cl Vermouth. […] Kirsche oder mittelgroße Olive dazugeben. […] Zitronenzeste über dem Drink ausdrücken.

martiniverwandte

Über die Entstehung des Martini Cocktails kursieren viele Varianten. Fakt ist allerdings, dass er 1882 erstmals schriftlich erwähnt wurde. Harry Johnson legte in seinem Werk New and Improved Illustrated Bartender’s Manual das erste Zeugnis über die Rezeptur ab. Eine, die mit der heutigen nicht mehr viel gemein hat.

Cocktail-Historiker bezweifeln jedoch, dass dies die erste Version des Drinks war. Vermutlich entstand er bereits 2 Jahrzehnte zuvor.

Um die Jahrhundertwende schüttelte er schließlich zahlreiche Zutaten von 1882 ab. Übrig blieb ein Abriss, der in den USA der Roaring Twenties seine heute bekannte Form erhielt.

1922 bestand der Martini Cockail lediglich noch aus London Dry Gin und Dry Vermouth. Beide Zutaten standen im Verhältnis von 2:1. Orange Bitters als dritte Zutat galt als optional, ebenso wie die Dekoration. Dem Gast oblag es zwischen einer grünen Olive und Zitronenzeste zu wählen.

Zu jener Zeit verschob sich das Gin-zu-Vermouth-Verhältnis hin zu ersterem. Der Dry Martini entstand. Waren es gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch gleiche Mengen Gin und Vermouth, war das übliche Verhältnis 1930 nur noch 3:1, 1940 dann nur noch 4:1. Selbst bizarre Verhältnisse wie 15:1, wie es Winston Churchill bevorzugte, kamen vor.

Diese Vermouth-Verknappung ging bis zum bloßen Benetzen der Eiswürfel. Der Bartender gab Vermouth auf die Eiswürfel im Rührglas, verrührte diesen einige Mal und verwarf ihn anschließend. Der Martini Cocktail erhielt seinen „Vermouth-Duft“ in dieser Variante folglich nur von den Eiswürfeln.

2 andere Varianten, die sich zu jener Zeit entwickelten, war der Dirty Martini und Perfect Martini:

Dirty Martini: Hier konzentriert sich der Bartender auf den aromatischen Einfluss der Olive. Gin und Vermouth bekommen einen Schuss Oliven-Lake.

Perfect Martini: Bei diesem wird der Vermouth-Anteil zweigeteilt. 1 Teil süßer, 1 Teil trockener Vermouth.

Die richtige Dekoration für einen Martini Cocktail

  • Was du tun kannst: Zitronenzeste oder grüne Olive aus Olivenlake
  • Was du nicht tun solltest: Olive mit Füllung, Olive aus Olivenöl

Die klassische Dekoration eines Martini Cocktails ist eine grüne Olive. Diese solltest du immer aus einer Lake, nie aus Olivenöl entnehmen. Zum einen verändert Olivenöl den Geschmack des Drinks zu sehr, zum anderen sehen die Öl-Schlieren im Cocktail nicht ästhetisch aus.

Welchen Vermouth soll ich für einen Martini Cocktail nehmen?

vermouth

Bevor du eine Flasche Vermouth aus dem Regal nimmst, solltest du dir folgende Frage stellen: Nach welchem Vermouth verlangt die Martini-Rezeptur? Süß? Trocken?

Hast du diese Frage geklärt, kannst du dich auf die Suche der jeweiligen Marken und deren Produkte machen. Wie du Vermouth am besten genießt und worauf du beim Kauf achten solltest, dafür haben wir einen Artikel für dich veröffentlicht: Was ist Vermouth und wie genießt du ihn am besten?

Welcher Gin eignet sich?

In den Anfangsjahren des Martini Cocktails war Old Tom Gin die erste Wahl. Dieser gesüßte Gin wurde in den vergangenen Jahrhunderten allerdings meist dann genommen, wenn minderwertige Qualität des Alkohols kaschiert werden sollte.

Heute findest du diverse Old Toms im Handel, die durchaus lohnenswert und hochwertig sind. Vor allem wenn du einen Martini Cocktail der ganz alten Schule zubereiten möchtest. Probiere einmal Professor Cornelius Ampleforth’s Old Tom Gin.

Sofern deine Martini-Rezeptur allerdings nur „Gin“ verlangt, kannst du von Dry bzw. London Dry ausgehen. Hierfür eignen sich zum Beispiel OMG, Tanqueray oder Cotswolds Dry Gin.

Oder du greifst zu einem New Western Dry. Einem Gin mit dominanten fruchtigen oder würzigen Noten, bei dem der Wacholder die zweite Geige spielt. Das Bouquet dieser Gin-Sorte gibt dir die Möglichkeit mit der Rezeptur eines Martini Cocktails zu spielen, wie es vor einigen Jahren noch nicht möglich war.


Bildquelle: © anastasianio – Fotolia.de

Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.

Ein Kommentar für Wie du einen Martini Cocktail am besten zubereitest

  1. Matthias 24. November 2016 zu 14:58 #

    schöner Artikel,

    Zum Thema Haltbarkeit von Vermouth muss ich auch einfach mal sagen, dass meiner Meinung anch zumindest roter vermouth sehr lange haltbar ist, wenn man in im Kühlschrank lagert und bei Verwendung gleich danach wieder reinstellt

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