Edradour Whiskys und wie du sie am besten trinkst » Eye For Spirits

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Edradour Whiskys und wie du sie am besten trinkst

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Viel Whisky produzieren sie nicht. Schaue ich mir die Edradour Distillery an, könnte ich meinen, sie hätten den Whisky-Boom der letzten Jahre verschlafen. Und genau dies ist es, was Fans an ihr so schätzen. Dies und ihre schweren Whisky im alten Stil.


DIE AROMEN VON EDRADOUR

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Möchtest du einen Edradour Whisky nicht trinken, sondern analysieren, möchtest du seine Aromen finden und ihn nicht nur trinken, wird das funktionieren. Viel Zeit brauchst du dafür aber nicht einplanen.

Das sind keine Tropfen, die dich mit auf eine Aromen-Reise nehmen, das ist Whisky, der dich in einen Ledersessel drückt; der dir hilft abzuschalten.

Diesen schweren Körper bei gleichzeitig wenig Aromen erreicht Edradour durch seine Apparatur. Ihre Behälter und Destillieranlagen rührten sie seit dem 19. Jahrhundert kaum an, tauschten kaum etwas aus. Lediglich Verschleißteile wechselten sie. Dies geschah aber so nah wie möglich am Original.

Solltest du einmal die Gelegenheit dazu haben, probiere einen Edradour Rohbrand. Dieser New Make liefert dir Aroma-Richtungen, das heißt, du erkennst Früchte, Getreide und Holzrauch. Du wirst allerdings Probleme haben, eines davon präziser zu beschreiben.

Das Steckenpferd dieses New Makes sind auch nicht seine Aromen oder seine Komplexität. Es ist das Mundgefühl, das er bei dir hinterlässt. Schwer und ölig kriecht bereits der erste Schluck über deine Zunge. Nur hie und da blitzt etwa Honig und Banane auf.

Edradour ist eine der wenigen Brennereien, die jedoch noch einen zweiten New Make im Kernportfolio haben. Eine rauchige Version mit dem Namen Ballechin; Eine, die bereits frisch aus der Brennblase diverse Aromen besitzt: Gerste und Rauch, Johannisbeeren, Leinöl und Honig.

Für die beiden Destillate verwendet die Brennerei 2 verschiedene Malz-Arten, wovon im Ballechin die getorfte landet. Bei den weiteren Herstellungsschritten macht Edradour keine Unterschiede: Offene Maischbottiche, Morton-Kühler, Gärbottiche aus Holz und 2 kleine Brennblasen.

Der Edradour kommt überwiegend in Sherryfässer, der Ballechin […] vor allem in Firstfill-Bourbonfässer.

– Des McCagherty, Distillery Manager Edradour

Tropft nun Edradours Rohbrand aus der Destille, gibt es für ihn 3 Optionen. Er reift in Ex-Sherry-Fässern, Ex-Bourbon oder wartet auf eine unvorstellbar große Zahl an Weinfässern.

Auf ihrer Website listet die Destillerie 30 Single Malt-Varianten auf. Allein 15 dieser Abfüllungen stammen entweder zum Teil oder vollständig aus extravaganten Wein-Fässern. Eine echte Hausnummer, wenn du bedenkst, dass Edradour mit 130.000 Litern Alkohol-Ausstoß pro Jahr zu den kleinsten Scotch-Destillerien zählt. 

Die Speyside-Destillerie Aberlour hat im Vergleich nur 6 verschiedene Abfüllungen. Aber 3,8 Millionen Liter Alkohol pro Jahr.

Edradour mag kleine Portionen.

EDRADOUR WHISKYS VERKOSTEN

  • Glas: Nosing Glas; Stiel-Glas mit bauchigem Unterteil und schmal zulaufender Öffnung.
  • Serviertemperatur: Eine Eigenschaft, die du bei den meisten dieser Whiskys bereits beim ersten Schluck entdeckst, ist ihr öliger Charakter. Auf der anderen Seite wirst du – die exotischen Wein-Varianten einmal ausgenommen – kein auffallend komplexes Bouquet finden. Dies alles sorgt dafür, dass du die Temperatur eines Edradour Whiskys hoch schrauben kannst. 22 bis 23 Grad ist für einen Edradour ein guter Richtwert. Magst du deinen Malt weich aber nicht zu ölig, dann senke die Temperatur. 
  • Im Glas 2 – 3 Minuten atmen lassen: nicht nötig

FOODPAIRING MIT SINGLE MALTS VON EDRADOUR

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Edradour Single Malts sind, egal ob du sie aus dem Kernportfolio oder der Ballechin-Serie ziehst, schwere Whiskys. Dementsprechend kannst du ihnen deftige Speisen an die Seite stellen wie Entenpastete oder auch gebratene Schweinelende.

Probiere beispielsweise folgendes: Serviere einen Ex-Sherry-Edradour mit geräuchertem Schinken, Gruyère-Käse und Ciabatta. Ein sehr einfaches, kurzes Gericht, das aber mit dem schweren, fruchtigen Körper des Whiskys in deinem Mund explodiert.

Hast du hingegen einen Ballechin im Glas, probiere diesen mit Büffelmozzarella und Rindfleisch.

Vorschläge

Gemüse/Käse

Gruyère, Parmigiano, Kohlrabi, Mozzarella, Broccoli

Kräuter/Gewürze

Schwarzer Tee, Walnüsse, dunkle Schokolade

Fleisch/Fisch

Bayonne-Schinken, Ente, Schweinelende, Meeräsche, Seebrasse, Auster

Früchte

Erdbeeren, Rosinen, Apfel, Aprikosen, Feigen

FAKTEN ÜBER EDRADOUR

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  • Besitz

Recherchierst du über die Ursprünge von Edradour, wirst du keine Person finden. Kein Whisky-Brenner, der den Startschuss für diese Destillerie in den südlichen Highlands gab.

Demnach gibt es auch keine Gründergeschichte, die einen Mythos um die Marke aufbaut. Der Beginn der Destillerie war viel banaler. Bauern aus dem Umland bauten die Destillerie 1825 auf, um den eigenen Whisky-Bedarf zu decken.

Allerdings ist die Jahresangabe wage, einen Beleg hierfür gibt es nicht. Erst eine Kooperative sicherte sich die Rechte an der Destillerie und ließ sich dies schriftlich bestätigen. Das war 1837.

In den folgenden Jahren wechselte Edradour mehrmals den Besitzer. So übernahm die Campbell Distillers Ltd. 1982 die Geschäfte der Destillerie. Da es sich bei jenem Unternehmen lediglich um eine Tochterfirma handelte, gehörte Edradour fortan zum französischen Spirituosenkonzern Pernod Ricard.

Dieses Eigentümerverhältnis lief bis 2002. Bis Andrew Symington an die Tür klopfte.

Als Kopf des unabhängigen Whisky-Abfüllers Signatory suchte Symington bereits seit Jahren nach einer eigenen Malt-Destillerie. Der Whisky-Boom der 2000er Jahre nahm Fahrt auf und Symington sah das Risiko als unabhängiger Abfüller: Warum sollten ihm Whisky-Destillerien ihre Fässer verkaufen, wenn sie sie restlos selbst an den Mann bringen können?

Nachdem Versuche scheiterten, Scapa, Glenturret und Ardbeg zu übernehmen, bot ihm schließlich 2002 Pernod Ricard Edradour an. Er willigte ein.

Neben einer stetigen Verfügbarkeit an Fässern für Signatory, schob Symington Edradour auch als Single Malt-Marke an. Als kleine, aber feste Größe der Malt-Szene.

  • Produktion

Seinen Titel als kleinste Whisky-Brennerei Schottlands hat Edradour bereits vor Jahren verloren. Dennoch produzieren sie gerade einmal 130.000 Litern Reinalkohol pro Jahr. Im Vergleich zum Branchenführer Glenlivet mit 10,5 Millionen ein niedlicher Wert.

Diese Aura des Ursprünglichen und Beständigen dankt der Brennerei ein Kreis an Fans. Genug, um eine neue Destillerie auf dem Edradour-Gelände in Angriff zu nehmen. In dieser soll erstmals 2017 Whisky gebrannt werden.


Philip ist Gründer und Autor von EYE FOR SPIRITS – ONLINE MAGAZIN FÜR TRINKGENUSS und Autor des Whisky-Buchs. Folge ihm auf Facebook oder erfahre mehr über ihn und EYE FOR SPIRITS.
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2 Kommentare für Edradour Whiskys und wie du sie am besten trinkst

  1. 1968superingo 6. Dezember 2016 zu 20:41 #

    Ja, tolle Brennerei. Ein Segen, dass Andrew Symington sie übernommen hat. War vermutlich die Rettung. Tolle Whiskys, durchaus auch für Neulinge geeignet. Für die Qualität bin ich gerne bereit, auch mal 5 Euro mehr auf den Tresen zu legen.

    • Philip Reim 8. Dezember 2016 zu 12:05 #

      Ja, die Rettung vielleicht. Vor allem aber war es eine Bereicherung für den Single Malt-Markt.
      Bleibt nur zu hoffen, dass es nur 5 Euro bleiben 🙂

      Gruß Philip

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